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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch’s Jahrgang XX1I1 ♦ Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 28. Dezember 1906. — Lrs<L eint jeden ZfreLtag. u Brief-Adresse: Mien. IX/1, Kerggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocd's Mocdenscbritt. Wlien. s-& K. ft. Pofisparftsssen-Amt Gleartng-lDerftebr INr. 810.976. Ardaktion und Administration: Wir» IX/1, Verggasse Mr. 39. Nr. 14.847 ©-* »----* Verugsprris für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelezemptare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. *-* Inhalt: Leitartikel: Vormarsch der Lüge unter dem Schutze der Immunität. — Rumänische Justiz. — Ein Kämpfer für Recht und die Klopffechter. — Ein stilles Millennium. — Zur Frage des Armenwesens. — Das Schriftwort in der rabbinischen Literatur. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes. Wien. Frauensektion des Israelitischen Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke Wiens. Liebenfeier der österreichischen Chemiker. Das Sabbath-Problem in Oesterreich-Ungarn. Brody, Budweis. Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem. Ein jüdischer Künstler in Schweden. Ein jüdischer Militärgottesdienst in London. Der neue Arzt des Sultans. Eine neue jüdische Kolonie in den Vereinigten Staaten. — Vermischtes: Vortrags-Zyklus aus " jüdischer Geschichte. Wien. Konzert. Wien. Hebräischer Klub. Wien. Lemberg. Chanukafeier im Märchen-Erziehungsinstitute der L. D. Königsberg'schen Stiftung. Jüdische Toynbee-Halle. Wien. Chanukafeier des Vereines „Jehuda Halevy", Wien. Deutsch-Kreuz. Nikolsburg, Nachod. Drohobycz, Neustadtl, Freiwaldau. Prag, Stanislau. Makkabaerfeier in Essegg. Fiume, Smolensk. — Feuilleton: „Der Ruach." — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Uormarfch der Lüge «ater dem Schuhe der Immunität. Nach dem Fraß, glauben die Juden, liegt die christlichsoziale Giftschlange träge da. Sie hat den Bauch voll Geld und Pfründen, sogar die kurulischen Stühle des Bürgermeisters und des Landmarschalls hat sie geschluckt, sie hat beim Fang ihre Kraft verbraucht und ihr Gift verspritzt, nun will sie verdauen und Ruhe haben. Die Ereignisse vernichten diesen Glauben. Die christlichsoziale Bestie ist durch den Fraß nicht fett geworden, sondern groß und stark, neues Wachstum hat ihr neuen Hunger gebracht und sie züngelt mit gespaltener Zunge, lauert mit tätlichen Fangzähnen, zischt aus hungrigem Rachen über das Land, in welchem ihre gesuchten Opfer alle Ursache haben, sich aus einen schweren und gefährlichen Kampf vorzubereiten. In der kurzen Zeit ihrer Trägheit ist sie der Gefahr entgangen und jetzt erhebt sich ihre Kraft mit drohender Wut. Während im Vordergrund das Herrenhaus die von uns prophezeite Komödie des Nachgebens produzierte, konnten die Christlich-Sozialen vollkommen ungestört im Hintergrund die Kulissen zu einem ernsten Drama stellen. Und sie mißbrauchen die Parlamentstribüne, um ihre Lügen und ihr Gift ungehindert durch das ganze Reich zu verbreiten. Der Schatten des Mittelalters aber wächst und wächst und er wird vielleicht bald die Fenster der jüdischen Salons verdunkeln, wie er die Scheiben der jüdischen Stube verdüstert. Das soll an dieser Stelle, wo man immer nur dem jüdischen Interesse dient und immer dagegen kämpfen wird, daß jüdisches Unglück zu einer Gewohnheit werde, denjenigen gesagt sein, deren vereinte Kraft und Mittel helfen könnten, im Anfang und im Lauf der traurigen Dinge Widerstand zu leisten, damit ihre Wurzeln nicht bis in die Hölle wachsen. Denn die bisherige Sammeltätigkeit der Christlich- Sozialen ist nur das schwache Vorspiel zu einer in absehbarer Zeit losbrechenden Agitation, welche fast alle Provinzen und Städte erfassen und an beispielloser Volksverhetzung, Roheit und Niedertracht nichts, zu wünschen übrig lassen wird. Den Anfang dazu bildet eine parlamentarische Aktion, von welcher man durch die antisemitische Presse erfährt, bilden eingebrachte Interpellationen, in welchen ein geradezu wahnwitziger Ton angeschlagen und die fürchterlichste Lüge rücksichtslos benützt wird. In Folgendem geben wir eine Probe dieser beispiellosen Frechheit: Die Abgeordneten Sturm und Genossen stellen an den Herrn Justizminister nachstehende Anfrage: Die Zeitschrift „Linzer Post" hat in ihrer Ausgabe Nr. 32 vom 2. d. M. nachstehende Notiz gebracht: „Unerhörte jüdische Frechheit." Im „Kasseler S o n n t a g 8 b o t e n", XV. Jahrgang, Nc. 18, schreibt ein Rabbiner: „Es ist ein Glück, daß der Gekreuzigte in die Welt gekommen ist . . . Denn die Inden verdanken die größten Gewinne des ganzen Jahres dem Sohne der Maria. Manches schöne Mädchen wird glücklich gemacht durch orientalische Schmucksachen, wenn der Geburtstag des „Sanftmütigen, Demütigen", der unter Eseln und dergleichen geboren wurde, anbricht. Es ist übrigens weit besser, den Ehristtag zu haben als die Pocken, und wenn sich die Jungfrau nur dazu verstanden hätte, uns noch einen Buben im Sommer zu bescheren, so daß wir zwei Christtage hätten, so hätte ich ihr gerne unsere Chinesen überlassen." Solche Frechheit kann nur eine Antwort finden, und die lautet: , Christen! Kauft nur bei Christen!" Wegen dieser Notiz wurde das Blatt von der k. k. Staatsanwaltschaft Linz beschlagnahmt und die Beschlagnahme mit Erkenntnis des k. k. Landesgerichtes Linz als Preßgericht, Abteilung VIII vom 3. Dezember 1906 bestätigt. Nachdem die beanständete Notiz in einer Ruhr von Zeitschriften, so im „Der Arbeiter" (Graz), „Landbote" (Warnsdorf). „Tiroler Post" (Innsbruck), „Wiener Volkspost", „Mährischer Volksbote" (Brünn), „Grenzpost" (Zwittau) und anderen anstandslos erschienen war, bevor die „Linzer Post" dieselbe abdruckte, und es der christlichen Presse doch nicht verwehrt werden kann, dem Volke zu zeigen, wie weit die Frechheit des Judentums in einem christlichen Staate gediehen ist, so richten die Gefertigten an Se. Exzellenz den Herrn Justizminister folgende Anfrage: Gedenkt derselbe dafür Sorge zu tragen, daß die christliche Preffe nicht daran gehindert wird, jene Elemente an den Pranger zu stellen, die das religiöse Gefühl der katholischen Bevölkerung in der unglaublichsten Weise verletzen? Dr. A. Geßmann, Steiner, Oberndorfer, Josef Sturm. Man merkt, in wie vielen Blättern diese giftige Lüge enthalten war, bis sich endlich ein Staatsanwalt fand, welcher diesem plumpen Schwindel eine Grenze zog. Eine plumpe, niederträchtige Erfindung ist das Ganze, wie jeder aus den ersten Blick bemerkt. Welcher Rabbiner hätte es gewagt, die christliche Religion öffentlich anzugreifen und hätte über das Weihnachtsgeschäft eine so trottelhafte Notiz geschrieben, als wäre sie vom „Deutschen Volksblatt" eigens so bei ihm bestellt?

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