Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 51 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 876 2)1. Dlocb's Mloevenscvrm. sr*. 6i dessen segensreiche Schöpfung der Menschenliebe und Menschen-M geleiten, welches ihnen eine Welt voll Licht, Ordnung und rettung mit unserem wohlverdienten Danke zu weihen und mitM Sicherheit erschließt, in welchem liebevolle Pflege und Unterunserer gerechten Bewunderung zu feiern wir an dieser StätteH Weisung ihnen den Glauben an die Menschheit einpflanzt, Beversammelt sind. lehrung und Anleitung in Fächern des Erwerbes ihr Selbst- Zahlreich und mannigfaltig sind seit jeher die verschieden-lt/gefühl und das Bewußtsein ihrer Nützlichkeit und Schaffensartigsten Gestaltungen der der Nächstenliebe und dem Mitgefühle s entstammenden, durch korporative Vereinigung geübten Wohl-7' tätigkeitz die schon dem Ungeborenen zuteil wird durch Unter-" stützung der Mutter, die ihn unter ihrem Herzen trägt, die des Säuglings gedenkt, um ihn vor Hunger und Frost zu bewahren, die dem Armen Hilfe, dem Kranken Trost und Pflege, dem Siechen und Greise Zuflucht gewährt, von der W i e g e bis zur Urne so viele H i l f sals L e i d e n s stationen! (Bewegung.) Wer könnte es ermessen, wie viele Tränen getrocknet, wie viele Seufzer unterdrückt, wie viele Elende emporgehoben, wie viel Gebeugte aufgerichtet werden durch diese Ströme von Gold und Liebe, welche in die schier uferlosen Gebiete menschlichen Jammers und erschütternder Verzweiflung geleitet werden! Gewiß, ein rührendes Bild humanen Strebens und Empfindens, eine sich stets tausendfältig erneuernde Kundgebung des guten Herzens und der offenen Hand. Gewährt aber diese — übrigens auch bei der höchsten Ausbildung sozialer Wohlfahrtseinrichtungen leider unentbehrliche — Art und Form herzenswarmer Betätigung in der ungeheueren Mehrzahl der Fälle auch wirklich Hilfe und Rettung? Oder lindern Almosen nicht vielmehr die Not des Beschenkten nur für einen kurzen Augenblick? Und wie selten vermag Geldhilfe allein das Lebenswrack des Gestrandeten wieder flott und fahrbar zu machen, wie nur zu häufig sind die zeit ihres Lebens arm Gewesenen und arm Gebliebenen ihrer Menschenwürde ebenso verlustig geworden, wie ihrer Erwerbsfähigkeit! Darum ist in unserer Zeit des lebhaft geweckten sozialen Pflichtbewußtseins das wahrhafte, Heil und Segen schaffende und verbreitende System der Nächstenfürsorge und Wohltätigkeit jenes,'welches mit dem guten Herzen den sinnenden Verstand, mit der offenen Hand den praktischen Sinn vereinigt, welches nicht bloß schenken, sondern noch mehr wirken will, welches den endlosen Waldbrand menschlicher Not und Verelendung nicht mit unzulänglichen Mitteln zu löschen fich anschickt, sondern nach äußerster Kraft und Tunlichkeit dem Ausbruche dieses Brandes vorzubeugen und die Bedrohten mit jenen Schutzwällen und Abwehrmitteln zu sichern und zu umgeben strebt, als welche sich Pflichtgefühl, Arbeit und Selbstachtung im Leben jedes Einzelnen bewähren. (Stürmischer Beifall.) Und, meine verehrten Damen und Herren, in diesem Sinne wirkt und schafft unser Verein, in diesem Geiste und Zwecke hat er die Ruhmestat seines Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheims vollbracht, in dessen bescheidener Halle wir uns ehrfürchtig vor dem Antlitze jener erhabenen Kaiserfrau neigen, die, selbst eine Leidende, stets der Hort der Unglücklichen und Schwachen gewesen ist. (Bewegung.) In diesem Sinne war und ist es der wirkungsvolle Leitgedanke unserer tatkräftigen Präsidentin, welche als Gründerin und Führerin ihres vielseitigen Amtes waltet, ihre Schützlinge den Tiefen des Elends zu entreißen, sie vor den traurigen Gefahren der Armut und Verlassenheit zu schützen, bevor es zu spät ist, infolange fie noch die Reinheit ihrer Seele und ihres Gemütes bewahrt, insolange Bettel und Almosen ihre natürlichen guten Eigenschaften und Anlagen noch nicht erstickt und ertötet haben, insolange es noch möglich ist, ihre menschliche Natur vor Allem menschlich zu bewahren und zu entwickeln. So, kraft dieser gesunden prophylaktischen Lebensanschauung entstand die Fürsorge für die Lehrmädchen dieses Hauses, denen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, in dem Zeitpunkte, in welchem sie des Schutzes am dringendsten bedürftig und zugleich würdig sind, die rettende Hand edler, zielbewußter Frauen dargeboten wird, um sie in ein Heim zu fähigkeit weckt, die sorgfältigste Hygiene und gute Nahrung ihre! Gesundheit und Widerstandskraft befestigt und die alsbaldige ' Erlangung eigenen Erwerbes sie zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft ausbildet. (Lebhafter Beifall.) Doch auch dann noch bleibt ihnen der Schutz und Segen dieses traulichen Hortes gewahrt, der ihnen die meist mangelnde Familie ersetzt, dem sie in Dankbarkeit anhängen und auch als Arbeiterinnen, dann allerdings gegen geringe Beitragsleistung aus ihrem Erwerbe für die Verpflegung, angehören, insolange jugendliches Alter und der Mangel selbständiger Stellung, zugleich aber auch tadellose Haltung, sie noch dieser Mithilfe bedürftig und würdig erscheinen lassen. Liegt nicht, meine verehrten Damen und Herren, schon in dieser knappen Darlegung der Grundsätze und Aufgaben, welche diese schmucklose, aber — wie Sie sich selbst überzeugen werden — durchaus fach- und zweckgemäße Stätte selbstloser, altruistischer Tätigkeit beherrschen, eine ganze Offenbarung des Guten, Edlen, Schönen und Nützlichen? Mit gesteigerter Dankbarkeit und Freude wollen wir darum jener gedenken, diealsVorstands - und Schutzd am e n des Vereines nur durch rastloses, mehrjähriges Bemühen und hingebungsvolle, tägliche Arbeit den inhaltsvollen Gedanken in gedeihliche Wirklichkeit umzusetzen, aus kleinen Anfängen zu den heutigen, bedeutsamen Ergebnissen zu gelangen wußten und es durch Bienenfleiß und die schönste Propaganda der Tat zu bewirken vermochten, daß ihnen von zahlreichen, gleichgesinnten Freunden, Gönnern und Förderern die reichlichen, wenn auch noch keineswegs zureichenden Mittel zur Schaffung dieses Tempels des Gemeinsinnes und der Hilfsbereitschaftdargeboten wurden. (LebhafterBeifall.) Sowie dieser Erfolg die Arbeitsfreudigkeit und Schaffenslust der verdienstvollen Vorstandsdamen nur zu beflügeln vermag, welche es schmerzlich empfinden, in diese Räume nur sechzig Schützlinge aufnehmen zu-können, während noch viele, viele Einlaß heischen und verdienen, so mögen die segensreichen Wirkungen dieser Schöpfung all jene, die sich der Pflichten des Besitzes bewußt sind, aneifern, zu deren stetiger Erweiterung und Ausgestaltung beizutragen, und sie mit dem Bewußtsein erfüllen, daß sie jeden Schützling, der mit gesichertem Erwerbe und in .froher Zuversicht aus diesem Heim in den Lebenskampf hinaustritt, aus ursprünglicher Armut in Reichtum erhoben haben, — in Reichtum deßhalb, weil das Heim ihn glücklich gemacht hat — und die Glücklichen — sie sind reich! (Stürmischer Beifall.) Namens der Vereinsmitglieder beglückwünsche ich die verehrte Frau Präsidentin und den hochverdienten Gesamtvorstand. (Allseitige Bewegung und sich erneuernder Beifall. Der Redner wird lebhaft beglückwünscht.) Landesgerichtsrat Dr. Emanuel LLeber. Wiederum haben wir die traurige Aufgabe, das Hinscheiden eines unserer wackersten, edelsten Glaubensbrüder zu registrieren. Am 12. d. verschied hier Herr Landesgerichtsrat Dr. Emanuel Weber im 53. Lebensjahre. Eine tückische Krankheit, die ihn zwei Tage vor seinem Hinscheiden befiel, veranlaßte ihn, in einem Wiener Sanatorium Heilung zu suchen. Bevor jedoch der unvermeidliche operative Eingriff vorgenommen werden konnte, machte der unerbittliche Tod dem Leben des seltenen,-hoffnungsreichen Mannes ein jähes Ende. Dr. Emanuel Weber war im Jahre 1853 zu Kremsier in Mähren geboren, woselbst er das Gymnasium absolvierte. Schon in frühester Jugend zeigte er außergewöhnliche Liebe für jüdische Studien und als er seine Matura abgelegt hatte, verfügte er über ein großes talmudisches Wissen und hatte sich schon eine profunde Kenntnis der hebräischen Literatur angeeignet.