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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 875 mSESZL.ZJfÜJO! Nr. 61 Dr. LLocv s Mocbenscbrin. nung, vollständige Beköstigung, Kleidung, körperliche und geistige Ausbildung und Unterweisung in allen häuslichen Arbeiten. Diese Mädchen sollen einem Berufe zugeführt werden und werden zu diesem Zwecke aus Kosten des Vereines in Werkstätten ausgebildet. Ist die Ausbildung erfolgt, so kann das Mädchen gegen Abgabe eines ihrer Entlohnung entsprechenden Betrages im Heim verbleiben. Vorerst mußte sich der Verein damit begnügen, den Mädchenhort in einem Privathause unterzubringen. Der unermüdlichen Tätigkeit der Vorstandsdamen und der Munifizenz edler Wohltäter des Vereines ist es nun gelungen, ein eigenes Haus als Mädchenheim zu errichten. Schmucklos und einfach erhebt sich dieses eigenartige Mädchenpensionat an der Ecke der Leopoldsgasse und Malzgasse in der Leopoldstadt. Dieser Tage wurde nun in solenner Weise diese Mädchenheimstätte eröffnet. Im großen Saale des Hauses versammelten sich viele Hunderte von Festgästen, Herren und Damen, die entweder zu den Bestrebungen des Frauenvereines in Beziehung stehen oder die in offizieller Eigenschaft gekommen waren. Unter den Anwesenden befanden sich: Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feucht w an g, Dr. G r u n w a l d, Abg. Dr. Vogler, Herr David Ritter v. G u t m a n n, Polizeirat K e n d a. der Präsident der israel. Kultusgemeindc Dr. Alfred Stern mit den Mitgliedern des Kultusvvrstandes Dr. Markus Spitzer, Dr. Hermann L ö w y, Kommerzialrat Leopold S i m o n, Adolf S ch r a m e k und S. S t e i n e r, Herr und Frau Dr. F i a l l a, Herr und Frau kaiserl. Rat W. P o l l a k, kaiscrl. Rat Lichte n st a d t, Gemeinderat K l e b i n d e r, Regierungsrat Dr. Julius Schlag, die Bezirksräte N e u st a d t l und Heß, Regierungsrat Eifert, der Direktor des Rainer-Gymnasiums, die Schauspieler Kracher und B r o d a, der Generalsekretär der Baron Hirsch-Stiftung Doktor Asche r, der Direktor der Leopoldstädter Kinderbewahraustalt Dr. A. Fische r, Dr. S am u e l y, Sekretär Dr. Emil Adle r, Frau Herta v. S p r u n g, Frau Oberrabbiner Jda G ü d e m a n u, Frau Hofrat Obermayer, Inspektor Pros. Kanitz, für den Verein „Zuflucht" Frau Goldschmied, für den Verein „Fraurnhort" Frau K o p p st e i n, Frau G r ü n w a l d, Präsidentin des Frauenvereines in Floridsdorf, Frau Dr. F r i s ch a u e r für den Franz Josehp-Kinderhvrt, Frau Amalie Beck für den Frauenverein Josefstadt, Frau Dr. I. K o h n für den Frauenverein im XX. Bezirk, Frau N e u m a n n - Dr. Herzl für „Providentia" und viele andere. Die Präsidentin des Leopoldstädter Frauenwohltätigkeitsvereines Frau kaiserl. Rat Krüger begrüßte die Festgäste und skizzierte in knappen Umrissen die Tätigkeit des Vereines sowie die Bestrebungen zur Gründung des Lehrmädchenheims. Frau Krüger erläuterte den Zweck des Heims und gab ein Bild der inneren Organisation desselben. Die Rednerin, die in beredter Weife das humane Ziel, das durch die Gründung des Mädchenheims angestrebt werde, darzulegen wußte, fand lebhafte Zustimmung. Sie hob hervor, daß die moderne Armenpflege ihr Hauptgewicht auf prophylaktische Hilfe lege — „Schutz und Erziehung der Jugend den Kindern der Armen, Gelegenheit zur Arbeit und anständigem Erwerbe". In Bezug auf die in den letzten Jahren so zahlreich geschaffenen Einrichtungen zur Förderung der Jugendfürsorge betonte sie die außerordentliche Fürsorge seitens privater und öffentlicher Wohltätigkeit, welcher sich speziell der männliche Lehrling erfreue — während in dieser Hinsicht die Fürsorge für den weiblichen Lehrling in unverzeihlichem Rückstände geblieben. Nach Anführung mehrerer sowohl in Oesterreich als im Auslande bestehenden Musteranstalten für Lehrlinge und alleinstehende Arbeiter, unter anderem des in großem Stile im vorigen Jahre errichteten Männerheims, welches dem alleinstehenden Arbeiter billige Unterkunft und Gelegenheit zu körperlicher und geistiger Pflege bietet und hauptsächlich gegen das verderblicheSchlafgängerwesen gerichtet ist — sagte sie — „Woimmer e s sich um derartige Fürsorge handle, hat auch das arme Lehrmädel, die allein stehendejugendliche Arbeiterin vollen Anspruch auf den Schutz ihrer Lebensinteressen." — Bei der Erläuterung der inneren Einrichtung betonte die Präsidentin das nicht zu unterschätzende Moment sozialen und ökonomischen Fortschrittes, indem die Mädchen außer ihrer gewerblichen Ausbildung in allem Häusl ichen und fürs praktifcheLebenNotwendigen unterrichtet werden, um bei Erreichung ihrer Selbständigkeit oder Verheiratung die Pflichten der erwerbenden mit den Pflichten der hausverwaltenden Frau zu verbinden. Nach einem wannen Appell an alle jene, welche den hohen Wert der Vereinstätigkeit auf dem Gebiete dieser eigenartigen Jugendfürsorge zu würdigen wissen und einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser schloß die Präsidentin unter lebhaftem Beifall. Herr Stadtbaumeister S ch w a d r o n, der bei dem Bau als technischer Beirat fungierte, gab ein Situationsbild der Anlage des Hauses und der inneren Einrichtungen desselben. In schwungvollen Worten, die lebhaft akklamiert wurden, rühmte nun Dr. Herrmann F i a l l a das edle, menschenfreundliche Werk, das mit der Errichtung des Mädchenheims geschaffen worden ist. Mit dem guten Herzen fei hier der praktisch denkende Sinn verbunden gewesen und habe sich zu humanster Tätigkeit vereinigt. Er dankte zum Schluffe jenen Damen des Vorstandes, die sich um das Werk besondere Verdienste erworben haben. Gemeinderat K l eb i n d e r begrüßt die Gründung des Heims als Mitglied des Gemeinderates und als Vorstand der Lokalschulbehörde. Er hob hervor, daß dieses Institut einzig in seiner Art ist und sowohl dem Verein als der Stadt Wien zur Zierde gereicht. Die Präsidentin Frau Krüger dankt den Vorrednern und schließt mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern bringt den Dank der Kultusgemeinde für die Schaffung des Mädchenheims zum Ausdruck. Frau Antonia Graf dankt im Na.nen aller Frauen für die an den Mädchen dadurch geübte Wohltat, daß ihnen ein derartiges Heim auf der gefährlichsten Lebensstuse zugänglich gemacht sei. Mit einem Rundgang durch die Räume des Hauses schloß die Feier. Mit der Präsidentin Frau Berta Krüger an der Spitze machten die Vizepräsidentin Frau Berta Käs, die Vorstandsdamen Frau Cäeilie Frankl, Frau Helene Stein, Frau Lina Weiß, Frau Regine M a y, Frau Luise Bien e nst o ck, Frau Rosa B r e d i, Frau A ranka B o s ch a n, Frau Alice Bruckner, Frau Emma F r a n k l, Frau Helene Kanitz, Frau Marie L ö w y, Frau Katharina Ripp e r, Frau Berta S ch ö n b r u n n, Frau Erna S ch w a d r o n, Frau Sidonie W i l h e i m, Frau Elise S internitz und die Beiräte den Festgästen die Honneurs. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt und Glückwünsche schriftlich und telegraphisch gesandt: Se. Exzellenz Ministerpräsident Dr. Beck, Se. Exzellenz Minister des Innern v. Bien e r t h, Se. Exzellenz Statthalter Gras E. v. K i e l m a n s e g g, Herr Bürgermeister Dr. K. Lueger, Herr Magistratsdirektor Dr. R. W e i ß k i r ch n e r, Frau Baronin Charlotte v. König s- Wärter, Herr und Frau Hosrat M i g e r k a, Direktor Heller vom Blinden-Jnstitut, Direktor des!. Wiener Lehrlingsheims, Präsident des „Humanitas" Dr. S ch ö n w a l d, kais. Rat Dr. Th. Lieben, Ottilie B o n d y, Ehrwürden Rabbiner Dr. S ch m i e d l, Betty F r ä n k e l, Herr Oberfinanzrat, B e r st l, Rabbiner Dr. R o s e n m a n n und Frau aus Floridsdorf. Frau Rosa Z i s s e r e r Präsidentin des Frauenhort. Dr. Fr. M i n k u s, Direktor des k. k. Zentralspitzenkurses re. rc Endlich kam zur Verlesung ein Schreiben der vielverdienten ersten Vizepräsidentin Frau Regina Mayer, welche wegen Erkrankung verhindert war, bei der Eröffnung anwesend zu sein. Nachstehend folgt der Wortlaut der von der Versammlung mit anhaltendem Beifall aufgenommenen Ansprache des Herrn Dr. Herrmann Fiaüa. Hochgeehrte Versammlung! Die geistige Schöpferin und der technische Meister eines Werkes haben gesprochen, dem dankende Anerkennung auch aus dem Kreise jener dargebracht werden mag, welche der Befriedigung teilhaftig sind, Mitglieder dieses Vereines zu sein,

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