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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 Dr. JBlocb s Mocbenscbrin. So ausgerüstet, wollte er ein Seminar aufsuchen, um sich zum Rabbiner heranzubilden. Von diesem Vorhaben wußte ihn jedoch sein ältester Bruder Herr Ignaz Weber, derzeit Direktor der städtischen Mädchenschule in der Novaragasse, abzulenken. Tatsächlich begab sich der junge Gelehrte nach Wien und absolvierte hier die juridischen Studien. Nachdem er promoviert wurde, ging er in seine Heimat und wurde hier bald besoldeter Auskultant in Olmütz und Hohenstadt. Von hier kam er als Gerichtsadjunkt nach Könitz bei Proßnitz, wo er schon 1889 Leiter des dortigen Bezirksgerichtes wurde. Während der zu dieser Zeit stattgefundenen Manöver in der Umgebung von Wessely, denen auch der Kaiser und Erzherzog Albrecht beiwohnten, wurde Dr. Weber zweimal der Hoftafel zugezogen und wiederholt vom Kaiser angesprochen, der sich über die Verhältnisse des Gerichtsbezirkes eingehend informieren ließ und Doktor Weber seine vollste Zufriedenheit ausdrückte. Bald darauf wurde Dr. Weber zum Gerichtshöfe nach Ungarisch-Hradisch versetzt und zum Gerichtssekretär ernannt. Im Jahre 1897 wurde er infolge seiner hervorragenden Leistungen und Verdienste zum Landesgerichtsrate und kurz vor seinem Tode zum Präsidenten eines Senats-Landesgerichtsrates ernannt. Das vielseitige, profunde Wissen und die ungewöhnliche Bildung des Verblichenen, sein edles, wahrhaft jüdisches Herz und konziliantes Wesen, vornehmlich aber seine unentwegte Gerechtigkeitsliebe fanden bei allen, die den seltenen Beamten kannten, Bewunderung und Anerkennung. Dr. Weber blieb, was noch besonders hervorgehoben zu werden verdient, zu aller Zeit ein strenggläubiger Jude, er lebte streng rituell und hing mit jeder Faser seines Herzens an seiner Religion, an seiner angestammten Nation. Als der Zionismus sich der Geister bemächtigte, schloß er sich dieser Bewegung mit Feuereifer an, förderte und unterstützte sie mit all seinen materiellen und geistigen Kräften. Und als gar Jung-Juda die große Idee in sich aufnahm, da ries er frohlockend aus: „Nun ist mir um die Zukunft dieser größten jüdischen Schöpfung nicht bange!" So ist denn dem Judentume wiederum einer seiner Besten durch unerforschliche Fügung der Vorsehung entrissen. Möge die fühlbare Lücke bald wieder durch einen ebenso Würdigen ersetzt werden. Im Sinne des Verblichenen gestaltete sich das Leichenbegängnis ebenso einfach und würdig, wie sein ganzes tatenreiches Gelehrten- und Richterleben. Deputationen aus Brünn, Ungarisch-Hradisch und anderen Orten Mährens eilten aus der Ferne nach Wien, um dem geliebten Freunde, dem verehrten Chef die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre sprachen Herr Jg. Gewitsch aus Brünn, Herr Stationschef Rößler aus Proßnitz und Herr Direktor Ignaz Weber. Kein Auge blieb tränenleer. An der Bahre trauern eine unglückliche junge Gattin, der der unerbittliche Tod das ganze große Glück ihres Lebens vernichtete, und zwei Waisen im zartesten Kindesalter. Den so schwer vom Schicksale getroffenen Leidtragenden möge es, wenn auch nur zum schwachen Tröste gereichen, daß der edle Verblichene ein Kidusch Haschern für das Judentum, eine Zierde des Richterstandes und ein edler Mensch in vollstem Sinn des Wortes war und in den Herzen aller, die das Glück hatten, ihm nahe zu stehen, unvergeßlich bleiben wird. Möge ihm die Erde leicht werden! Ehre seinem Angedenken! Leopold Schulhof. Preßburg. (WahldesOberrabbinersAkiba Schreiber.) Getreu der althergebrachten Tradition, das verwaiste Oberrabbinat unverzüglich zu besetzen, fand am 16 d. M. nach Ablauf der Trauerwoche um den verewigten Oberrabbiner Bernhard S ch r e i b e r, die Wahl des Nachfolgers im Oberrabbinate statt. Im großen, hellerleuchteten Tempel der hiesigen orthodoxen Gemeinde hatten sich Vorstehung, Repräsentanz. Schulkommiffion, das Rabbinat, sämmtliche Vereine, die Lehrkräfte sämmtlicher Unterrichtsanstalten dieser Gemeinde, wie eine den Tempel in allen seinen Räumen füllende Anzahl von Wählern, resp. Gemeindemitglicdern eingefunden, um die Wahl des Oberrabbiners der hiesigen orthodoxen Jsraeliten-Gemeinde vorzunehmen. Wir müffen bemerken, daß dieser Wahl im Lande, wie auch außerhalb deffen Grenzen großes, nachhaltiges Interesse entgegengebracht wurde, zumal der jeweilige Oberrabbiner von Preßburg als Oberhaupt und Führer des gesammten orthodoxen Judentums allüberall betrachtet wird. Nachdem Vorstcnds-Präies Lazar Gestettner bedauerlicher Weise durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, begrüßte Präses-Stellvertreter Vorstandsmitglied Ignatz H e r z f e l d die Anwesenden, erörterte in längerer Rede den feierlichen Anlaß der Versammlung und enunzierte den Beschluß des Kandidaturs-Ausschusses. als alleinigen Kandidaten für den verwaisten Sitz des Oberrabbinates den Sohn des so tief betrauerten bisherigen Oberrabbiners Bernhard Schreiber, Akiba Schreiber, zu nominieren. Nachdem ein Gegenkandidat von keiner Seite in Vorschlag gebracht worden war, ersuchte der Redner, den nominirten Kandidaten mittelst Akklamation zu wählen. Unter stürmischer Zustimmung wurde diese einstimmige Wahl vollzogen und eine Deputation, bestehend aus den Vorstands-Mitgliedern Samuel L öw i n so hn, David Naß, Friedrich Duschinsky, Dr. Moriz Leitersdorf, H. F. Bettelheim, Alex. Gestettner, David Kraus, Fuchs (Szered), Max A b e l e s, Bernhard Schlesinger, Leop. R u b i n st e i n, Ernst Josef Keltman, begab sich in die Wohnung des Neugewählten, um ihn in den Tempel zu geleiten. Unter nicht endenwollenden Begrüßungszurufen erschien der neugewählte Oberrabbiner Akiba Schreiber im Tempel, wo Vorsteher Herzfeld ihn warm begrüßte, ihn von der auf ihn gefallenen Wahl offiziell verständigte und ihn bat, diese Wahl — der allseitigen Liebe und Verehrung entsprungen — auch anzunehmen. Ties gerührt dankte nun Oberrabbiner Akiba Schreiber für die ihm widerfahrene Auszeichnung und Ehrenbezeugung. Er wisse wohl, daß diese Wahl zum Oberrabbiner einer im ganzen Lande, ja bei dem gesamten gesetzestreuen Judentum hochangesehenen, tonangebenden Gemeinde weder seiner Person, seinen Fähigkeiten, seinen bescheidenen Kenntnissen, noch seinen bisherigen geringfügigen Verdiensten gilt, sondern daß diese einmütige Wahl vielmehr ein Ausfluß der L ebe und treuen Anhänglichkeit sei, welche diese hochangesehene Gemeinde seinem verewigten Vater, seinen berühmten Ahnen und Vorgängern entgegengebracht, und indem er diese ihn ungemein und über Verdienst auszeichnende Ehre annehme, gelobe er feierlich, nach bestem Können und Wissen dieses hohe Amt zu bekleiden, ein Freund und treuer Berater aller seiner Schutzbefohlenen sein und den Traditionen seiner großen Vorgänger gemäß handeln zu wollen. Indem er sich noch die Unterstützung der gesamten Gemeinde erbat, erflehte er den Segen Gottes auf diese Gemeinde und schloß seine mit großer Wärme gehaltene, von tosendem Beifall öfters unterbrochene ausgezeichnete Rede. — Der neugewählte Oberrabbiner Akiba Schreiber steht im Alter von 29 Jahren. Er ist eine männlichschöne Erscheinung, sein feingeschnittenes Gesicht umrahmt ein tiefschwarzer Vollbart, während sein klares, durchdringendes Auge Geist und Klugheit verrät. Er besitzt gründliches talmudisches Wissen, tiefe Gelehrsamkeit, eine schöne, ansprechende Vortragsweise und leitete seit Jahren die hiesige Rabbinatsschule, deren Direktor er bisher war. Er ist der würdige Sohn seines berühmten Vaters und wird sein verantwortungsreiches, großes Amt zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinde leiten. Bis spät am Abend sprachen bei dem neugewählten Oberrabbiner Deputationen des Vorstandes, sowie sämmtlicher israelitischer Vereine behufs Beglückwünschung vor; ebenso trafen aus Nah und Fern zahlreiche Gratulations-Depeichen an den Oberrabbiner, wie an den Gemeindevorstand ein. Lemberg. Der soeben ausgegebene vierte Jahresbericht des von der Kultusgemeinde erhaltenen, vom Staate und dem Lande subventionierten Religionslehrer-Seminars konstatiert die günstige Entwicklung dieser Anstalt. Alle mit dem Reifezeugniffe

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