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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 874 Dr JSlocb’s Mocbenscbrttr. Nr. 51 sein Theater benamste!"*) Thököly, selbst erst im 13. Lebensjahre stehend, samt der ganzen Familie der großen Familiengüter beraubt, verfolgt, rettete sein Leben wie ein gejagtes Wild durch die Flucht nach Siebenbürgen, dieses „Pathmos, wo Gottes Bibelwort frischend frei träufelte". Können wir uns wundern, wenn nach so traurigen Erfahrungen in seiner frommen Jünglingsseele die Flamme der Begeisterung ausloderte, der Begeisterung für die verlorene nationale Freiheit und für die bis aufs Blut verfolgte Religionsfreiheit der Protestanten?! Schon mußten drei Schwestern Thökölys, Katharina, Maria und Eva, dem sanften Zwange erliegend," ihren evangelischen Glauben aufgeben, und sein Onkel Sigismund rettete seinen Kopf nur durch den Uebertrttt zum römischen Katholizismus. Was Wunder, daß in dem begeisterten protestantischen Jüngling der männliche Mut und Trotz sich aufbäumten und zu dem Vorsatze aufstachelten, „der Welt zu zeigen, daß Gott noch immer zur Rettung seiner Kirche aus großen Gefahren und Bedrängnissen göttliche Mosese erweckt!" Sein Ideal war der Schwedenkönig Gustav Adolf. Seine Lieblingslektüre: „Die Geschichte der Befreiung der Niederlande", die in einzelnen Phasen so viel Aehnlichkeit hatte mit den Zuständen und Ereignissen in Ungarn. Dort Egmonts und Horns, hier Nadasdys, Zrinyis und Frangepans Hinrichtung; dort das Wort „Alkabala", hier das unsinnige Wort „Accise"; dort Alba, hier Kolb, dort und hier ein Kampf auf Tod und Leben fürs Vaterland und Geistesfreiheit! Wenn dort die Freihett zu retten war, warum nicht auch hier? So dachte der junge Thököly, so die Mitflüchtlinge. Dürfen wir uns wundern, wenn er zum Schutze des Erbes, der blutigen Kämpfe Bocskays und Bethlens, dort Hilfe und Bundesgenoffenschaft suchte, wo sie allein zu finden war — bei dem Türken?! Mit Recht sagt einer unserer besten Historiker: „Wenn es im 30jährigen Kriege und in den langen, trüben Folgezeiten der damaligen Wiener Reattion nicht gelungen ist, die kostbarsten Kleinodien der Menschheit, die bürgerliche und religiöse Freiheit völlig zu vernichten, so ist das jenem Bündnis zu verdanken, welches Bocskay, Bsthlen, Thököly und Rakoczy mit der Türkei schloffen, und zwar unter dem Protektorate und durch Vermittlung der damaligen Kulturvölker: England, Holland. Deutschland und dem katholischen Frankreich." Es würde mich zu weit führen, auch nur im Fluge zu gedenken der wechselvollen Ereignisse dieses Freiheitskrieges Thökölys, seiner Siege und Niederlagen! Szatmär, Onod, Tokay, Kaschau, Leutschau, Kösmark, ja ganz Oberungarn stand unter seinen Fahnen. Ihm gegenüber Leopolds Bundesgenoffen, Sobiesky und die mit teilweise päpstlichen Geldmitteln erhaltenen polnischen und kaiserlichen Truppen. Nun ein Kaleidoskopbild von Ereignissen weltgeschichtlicher Bedeutung: der siegreiche Vormarsch der Türken vor die Tore Wiens; ihre Niederlage bei Gran; die Erstürmung Ofens nach I46jährigem Besitze in türkischen Händen; Apaffys, des siebenbürgischen Fürsten Einschüchterung und Behandlung des Landes als „eroberte Provinz"; die Schrecknisse der Schlacht von Zenta; der Friede von Karlowitz; der allmähliche Untergang des Glückssterns Thökölys; Thököly, Untertan des Sultans, als Verbannter, der stille Bewohner von Jzmid; alles dies zieht an unserem Seelenauge vorbei- Wortbruch gepaart mit Gewalttätigkeit konnte des Helden Arme lähmen, aber die Kriegsfahne der Befreiung fiel aus seinen müden Händen nicht in den Staub, sondern in die noch kräftigeren Hände des jungen Helden Fran; Rakoczy II.! Sein Schlachtruf: „Ueeruässouut vu'usra inclydae geutis Hungarae!“— „Die Wunden der edlen ungarischen Nation brechen von neuem auf", wirkte wahre Wunder, an die heute noch nach fast 2 0 Jahren in jeder Baueruhütte unseres Volkes mit einer Begeisterung gedacht wird, von der man außen kaum eine Ahnung hat"- Das Ritualmordmärchen im Konversationslexikon. Aus Leserkreisen wird die Redaktion der „N. Fr. Presse" auf Folgendes aufmerksam gemacht: In Meyers „Kleinem Konversationslexikon", 7. Auflage, 1. Band, Seite 280, findet sich unter dem Schlagworte „Antisemiten" am angeführten Orte folgende merkwürdige Bemerkung: „. . . . zugleich wuchs in Ungarn die Bewegung infolge jüdischer Ritualmorde. . . ." Es läge wohl im öffentlichen Interesse, der Verbreitung solcher antisemitischer Unwahrheiten durch sogenannte „populäre" Werke entgegenzutreten. „Parech". Wien. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie einem sachverständigen, einfachen Med.-Dr. einige Bemerkungen zu Ihrem Artikel „Parech" „ein sachverständiges Gutachten" : Es ist richtig, daß „Parech von ms blühen, keimen, wachsen stammt. Das weiß jeder A-B-C-Schütze und dazu braucht er, meiner Meinung nach, gar nicht so vieler Beispiele aus dem Pentateuch. Ebenso richtig ist es, daß im *) Die Kirchengeschichte nannte dieses Caraffaische Theater „Eaniena Eperisiensis“, d. h. „Die Eperieser Fleischbank", als die allerfurchtbarste Episode ihrer Geschichte! Volksmunde „Parech" einen Ausschlag am Kopfe bedeutet. Falsch ist aber, daß die verächtliche Bezeichnung des Wortes „Parech" mit dem Ausschlage in Zusammenhang gebracht wird. Nicht nur falsch, sondern auch unsinnig, denn eine Krankheit ist ja, wie Heine vom Judentume sagte, keine Schande, sondern ein Unglück. In diesem Sinne gebraucht, wären ja die gebräuchlichen Ausdrücke: „Wie kommt denn der „Parech" dazu?" oder: „Mit so einem „Parech" werde ich noch fertig werden!" ganz unverständlich. Leicht verständlich sind aber alle diese Sätze nach meiner Auffassung des Wortes „Parech". Wir verstehen unter dem Worte „Parech" einen jungen Menschen, den der erste Flaum zu wachsen beginnt, in beleidigender Anwendung einen „grünen Jungen", und so gebraucht, ist es auch wirklich eine Beleidigung, viele jüngst im deutschen Reichstage „der grüne Assessor". Als Beleg nur eine Stelle aus dem Talmud, die von den Obliegenheiten der Kohaniin hnidelt. Da heißt es „D’jna und handelt von den Obliegenheiten der jungen Priester, denen erst der Flaum zu wachsen beginnt, die erst eingeführt werden in den Dienst. Mit vorzüglicher Hochachtung: Dr. Moriz S i e b e n s ch e i n. Nachschrift. Auch Herr Religionslehrer Sam. Eigner in Groß-Enzersdorf verweist in einer Zuschrift an die Redaktion auf die gleiche Stelle in der Mischna Joma, die oben zitiert worden und auf die Erklärung des Bartenuroh: vna pp nnab aapr bvinöw amra „Jünglinge, bereit Barthaar erst hervorzusprießen beginnt, werden Tna (Einzahl: „Paroch") genannt." Diese Priestcrjünglinge wurden noch nicht zum heiligen Dienste zugelassen, sondern mußten vorläufig bis zu ihrer Reife dem fungierenden Priester unwesentliche Handlangerdienste leisten, um sich in der Ausübung desselben zu bilden. Wir erhalten ferner folgende, Zuschrift: In Nr. 50 Ihrer geschätzten „Wochenschrift", Seite 853—4, brachten Sie zur Kenntnis eines größeren Leserkreises das von Dr. Moritz Kan'tz abgegebene Gutachten über die Bedeutung des Wortes „Parech", welche Bedeutung ans dem hebräischen „Parach" nach Ansicht des Dr. Leo Ehrentheil geradezu glänzend nachzuweisen ist. Die Etymologie des Wortes „Parech" ist jedoch meiner Ansicht nach nicht der Wahrheit entsprechend. Im Hebräischen bedeutet das Verbum Parach 1. sprossen, blühen; 2. Ausbrechen von Geschwüren. Das Nomen Perach bedeutet: was hervorsproßt, Blüte, Blumenverzierung. Weder Verbum noch Nomen kommen in der Bibel oder sonst in der späteren jüdischen Literatur in dem Sinne von einer Hautkrankheit vor. Wie können also die Juden eine Hautkrankheit mit Parech. einem Worte, das in dieser Bedeutung nirgends existiert, benennen? Das Wort Parch (als Adj. parszyry) ist echtes polnisches Sprachgut und kommt iu fast allen slavischen Sprachen vor (siehe Lindes Etymologie, Wörterbuch der polnischen Sprache, Band IV, Seite 635). Man gebraucht dieses Wort in jenen Sprachen von der rauhen Haut der Frösche, Fische, von räudigen Schafen und Hunden, sowie von der Hautkrankheit, die besonders unter dem Kopfhaar vorkommt. Auch als Schimpfwort wird cs in den slavischen Sprachen benützt, besonders gebrauchten es die leibeigenen polnischen Bauern auf ihre Herren. Natürlich haben es die Juden (und nur in den slavischenLändern) von ihren Nachbarn sich angeeignet. Allein, wie die polnischen Herren einstens, müssen leider die Juden bis auf den heutigen Tag von den Slaven dies Schimpfwort über sich ergehen lassen. Es in fast sprichwörtlich geworden „zyd parch“ der Jude, ein Parch. Dies letzte Beispiel sollte zur genüge beweisen, daß Parech kein hebräisches Wort ist. Daß demnach „Parech" eine Ehrenbeleidigung bedeutet, braucht somit nicht erst bewiesen zn werden. Dr. David Künstlinger. Korrespondenzen. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchennnd Arbeiterinnenheim. Eine Fürsorgestätte von hohem Werte für die ohne Unterstützung Heranwachsenden Mädchen wurde dieser Tage in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben. Geleitet von dem Gedanken, daß alleinstehende Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren großen Gefahren ausgesetzt sind, wenn sie nicht unter Schutz und Aufsicht genommen werden, hat im Jahre 1898 der Leopoldstädter Frauenwohltätigkeitsverein auf Initiative der Vereinspräsidentin Frau kaiserl. Rat Berta Krüger einen „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort" als Kaiser-Jubiläumsstiftung gegründet. In diesem Hort erhalten arme, verwaiste Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren unentgeltlich Woh-

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