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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 866 Dr. Wiocv s EscvenscdrM. Nr. 50 Als das Mussafgebet bei Reb Jekew vorüber war, sammelten sich die Schüler in dessen Wohnzimmer und riefen ihm „Gut Schabbos" zu. „Gut Schabbos, gut Jahr," antwortete er. Er griff nach der Schnapsflasche, füllte ein Gläschen und verrichtete das Kidduschgebet, dann wusch er die Hände, schnitt eines der zwei Weißbrode ans aß einen Bissen davon und griff in den mit Topfendalkerln gefüllten Teller. Topfendalkerln waren seine Lieblingsspeise und er biß gierig hinein. Er hatte kaum den ersten Bissen zerkaut, schon spie er ihn der Alten ins Gesicht. „Pitz keporech^') sollst Du wern. es:') Misse Meschunoh ö3) sollst Du einnehmen, Du Chasir Ö4), was für Fressen ist das?" Eine Ueblichkcit droht ihn zu übermannen und er griff nach dem Schnapsglase, um den Brechreiz, den die Topfendalkerl erregten, zu verscheuchen. Die Alte fuhr entsetzt in die Höhe. „Was sen dos for e Lad" öä) schrie sie, bist Du meschugge, 6G) metoref,ö7) alles was gut und teuer ist, hob ich herein gethon öö) und er speibt89) sie aus. Sie entnahm dem Teller ein Topfendalkerl und verkostete es, doch es war wirklich ungenießbar. „Dos 9") haben aber Deine Mamserim gemacht." Reb Jekew leitete eine Untersuchung ein, allein der Täter war nicht zu eruieren und die Schandtat blieb für Reb Jekew und seine Gattin unaufgeklärt. Den Mitschülern offenbarte Mendel Rotz wohl das Geheimnis, doch es fand sich kein Verräter, der es enthüllte. Reb Jekew hatte den Schabboschanukah verstört. Auch die gute Laune der Babe war geschwunden und wäre nicht Schabboschanuka gewesen, sie hätte ihren Fuß nicht vor die Türe gesetzt: doch wenn zwei Sforim 91) ausgehoben werden, nicht in Schul zu gehen, das konnte sie doch nicht übers Herz bringen und sie begann für den Synagogenbesuch Toilette zu machen. Die Chauukastimmung der Bachurim war aber die rostgste, wozu der wohlgclungene Streich Mendels nicht wenig beitrug. Während die Babe intime Toilette machte, mußten die Chederjünglinge das Wohnzimmer verlassen und hatten Zeit genug, einen neuen Streich zu inszenieren. Chajim hatte ein großes Ankündigungsplakat einer Menagerie mitgebracht, das sollte Mendel der Babe mit Stecknadeln am Umhängtuche anheften. Die Bäbe hatte bereits die wattierte, schwarze Seidenhaube aufgesetzt, als sie in die Küche rief : „Kumts 92) herein." Sic nahm das große Umhängtuch um die Schultern, wobei ihr zwei Schüler behilflich waren. Born wurde das Tuch mit einer großen Vorstecknadel zugenestelt, dazu ward Chajim ausersehen. Dazu aber mußte sich die Babe auf einen Stuhl setzen, weil Chajim klein war und nicht bis zum Halse der Babe hinanreichte. Chajim brauchte mehr Zeit als gewöhnlich zu diesem Dienste, worüber die Babe ungehalten war, allein er entschuldigte seine Ungeschicklichkeit, indem er sagte: „Ich weiß nicht, warum mir heute so kalt in den Händen ist, sie sind mir ganz steif." Mendel hatte inzwischen reichlich Zeit, das Plakat zu befestigen. Die Babe steckte die Hände in den großen Muff und machte sich auf den Weg zur Schul, begleitet von einem Teile der Chederknaben. Die Babe durchschritt den langen Hof, die Chederjünglinge hinter ihr her, denen sich auch die zahlreichen Kinder der im Hause wohnenden Familien anschlossen. In der Judengasse empfing sie der johlende Chorus wilder Gassenbuben, die vor Lachen heulten. Die Babe blickte um sich, die alte Frau, die ohnehinnicht mehr gut hörte, hatte zudem noch die Ohren mit der wattierten Haube bedeckt und wußte 8') Fluch. 8S) eine 83) böses Ende. 84) Schwein. 8r’) Was sind das für Leiden. 8G) Verrückt. s7) verwirrt. Sd) getan. 89) speit. <JU) Das. 91) Torarollen. 9*) kommet. nicht, was das Lachen und Heulen der vielen Gassenjungen, die hinter ihr herliefen, bedeuten sollte. Die alte Frau mit dem großen Plakate sah wirklich aus, als wollte sie für die Abendvorstellung der Menagerie Reklame machen. Sie merkte aber nichts und betrat mit dem auf dem Tuche angeheftcten Plakate die Weiberschul und erregte bei.ihrem Erscheinen ein großes Gelächter; dort erst fand sich eine mitleidige Jrauenseele, die sie von der Menagerieankündigung befreite und sie darüber ansklärte, was bei ihrem Erscheinen die Lachmuskeln gereizt. Nun verstand sie erst, warum sie diesmal in Begleitung so vieler Kinder den Weg zum Gottcshause zurücklegen mußte. Als die Babe nachhause kam, erzählte sie ihrem Gatten das Vorgefallene, zeigt ihm auch das eorpus delicti, der sonst so gallsüchtige Alte schüttelte sich aber darüber vor Lachen, wohl weniger über den Witz seiner Schüler, sondern vielmehr aus Rache wegen der verdorbenen Topfendalkerl. Die Babe schimpfte auch am andern Tage die Bochurim weidlich aus, doch Reb Jekew ging darüber stillschweigend zur Tagesordnung über. (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. F r a n k e l, fortgesetzt von Professor Dr. H. G r a e tz und Dr. P. F. Frankl, neue Folge, im Verein mit Professor Dr. David Kaufmann ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. Braun. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Fünfzigster Jahrgang. Juli-August 1906. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch u. Riesenfeld.) Inhalt von Heft 9—10: Sigmund I a m p e l: Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. (Fortsetzung.) A. Büchler: Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit. Felix Gold mann: Der Oelbau in Palästina in der tannaitischen Zeit. S. Horovitz: Der Likro sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen. (Fortsetzung.) A. Marmorstein: Beiträge zur Geschichte und Literatur der gaonäischen Periode. Leopold L ö w e n st e i n: Sterbetage. Moritz Steinschneider: Mathematik bei den Juden (1551—1840). (Fortsetzung.) Notizen von M. Freudenthal, S. Poznanski und W. Bacher. Besprechungen: Gottlieb B o n d y, Zur Geschichte der Juden in Böhmen. Von Salomon Hugo Lieben. S. Poznanski: Arab. Kommentar zum Buche der Richter von Abu Zakarja Jachja (R. Jehuda) Jbn Bal'am. Von S. Eppenstein. Bibliographische Uebersicht über die im Jahre 1905 erschienenen Bücher und Schriften. Von M. Brann. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin, II. Jahrgang. Heft 12. Dezember 1906. Inhalt: Abhandlungen. 1. Dr. Arthur R u p p i n, Berlin: Juden und Armenier. 2. W. Smelianski, Jaffa: Die jüdische Bevölkerung in Jaffa. 3. Dr.' Jakob Thon, Berlin: Die Juden in den preußischen Städten. II. Statist! sches Archiv. Selbstmorde in Preußen im Jahre 1904. Mischehen in Amsterdam. Die Juden auf den ungarischen Hochschulen. Opfer der Pogrome in Rußland. Auswanderung von Juden aus Bulgarien. Die abessynischen Juden. III. Literatur. Dr. Hugo H o p p e: Alkohol und Kriminalität. Dr. Rudolf Wassermann: Berus, Konfession und Verbrechen. Konsnalreden und Predigten von Dr. Heinrich Berger, Rabbiner der Synagogengemeinde zu Krotoschin. Selbstverlag des Verfassers. Krot.oschin 1906. Leopold Kompert, sämtliche Werke, 10 Bde. in 5 Lnbd. Mk. 12.—. Max Hesses Verlag, Leipzig, Eilenburgerstraße Nr. 4—6.

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