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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 864 Nr. 50 Dr JSiocb 0 Mlocvenscvrln. Vorsitzende begrüßt hierauf die Erschienenen, besonders Herrn Oberrabbiner Steiner, Kultusvorstand Pollak, und gedenkt dann in warmen Worten der im Laufe des vergangenen Vereinsjahres verstorbenen Mitglieder, der Herren Baurat Korn, Dr. Reich, Kraus, Guttmann, Löwy, Brandstetter und der Frau Dub, deren Andenken von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen geehrt wird. Aus dem hierauf von Herrn Kestel zum Vortroge gebrachten Rechenschaftsberichte ist folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Mitglieder beträgt 155, von denen 30 auf Biala entfallen. Zwanzig den verschiedensten Gewerben angrhörige Lehrlinge genießen die Fürsorge des Vereines. Die Einnahmen betrugen i-69 K 95 h, die Ausgaben 903 K 45 h, so daß das Gebahrungsjahr mit einem Saldovortrag von k6 X 50 h abschließt. Die Bekleidung und Beschuhung der Lehrlinge erforderte einen Betrag von 450 K 85 b. Im Anschlüsse an den beifällig aufgenommeneu Jahresbericht ergreift Herr Kultusvorstand Pollak das Wort« Er verweist darauf, daß die große Zahl der Erschienenen das Interesse dartue, welches man allenthalben dem Handwerkervereine entgegenbringe. Er würdigt das stille, anspruchslose Wirken sowie die segensreiche Tätigkeit des Vereines, der mit d,m heurigen Jahre auf einen 25jährigen, nur dem Wähle und der Fürsorge für die armen Lehrlinge gewidmeten Bestand.zurückblicken könne. Wenn der Verein mit den chm zu Gebote stehenden, verhältnismäßig geringen Mitteln seine Aufgabe in so glänzender Weise lösen könne, so sei dies wohl in erster Linie der ruhigen ziclbewußten Arbeit des Vorstandes besonders aber des Herrn Kestel zu danken. Er dankt diesem namens der ganzen Kultusgcmeinde für seine Tätigkeit und wünscht, daß dieser dem Vereine noch viele Jahre erhalten bleibe. Der starke Beifall, der diesen Worten folgte, bewies, daß Herr Pollak nur den Gedanken aller Anwesenden treffend Ausdruck verliehen habe. Da sich niemand mehr zum Worte meldete, nahm Herr Rosenbaum die Verteilung der Geschenke vor. Uebertritt. JUDr: Alfred Groß, geboren am 27. Dezember 1881 in Theusing bei Karlsbad, wohnhaft in /Jzfob, ist vom Judentume zum katholischen Glauben übergetreten. Trebitsch. Am 7. d. M. wurde hier Herr S. S. S u b a k unter allgemeiner Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Der Dahingeschicdene, 80 Jahre alt, genoß in der ganzen Umgebung den Ruf eines frommen, ehrlichen und außergewöhnlich wohltätigen Mannes. Rach den vom Oberkautor Moritz Fuchs samt Chor exekutierten Trauergesängen würdigte in tiefergreifenden Worten Sr. Ehrwürd n Herr Dr. A. Marmorstein, Rabbiner in Jamnitz die Verdienste des Verblichenen um die Gemeinde in Trebitsch und Mährisch- Budwitz, woseldst-der Heimgegangene ein Gotteshaus gründete, und die Tugenden des Verblichenen als Vater, Mensch und Jude. Mit dem Heimgegangenen ist einer der Letzten dahingeschieden, deren Wiege noch im alten Trebttsch stand, die noch zu Füßen der Großem in Israel ,,R. Chaiw Deutschmann und R. Chaim Josef Pollak" gesessen. — Se. Ehrwürden Herr Dr. Marmor stein hielt auf Einladung des löblichen Vorstandes am Freitagabend eine Probcpredigt. Innsbruck. Am 30. v. M. fand die feierliche Installation des neuen Rabbiners Josef S a g h e r im Rahmen einer würdigen und erhebend n Feierlichkeit statt, wo die schwungvolle Antrittsrede unseres Rabbiners auf alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck ausübte, uud hoffen wir, daß die aufblühende und aufstrebende Kultusgenossenschaft Innsbruck unter der Leitung dieses vielversprechenden Rabbiners sein vorgestecktes und allgemein erwünschtes Ziel der Umwandlung in eine Hauptgemeinde baldigst wird erreichen können Baron Edmond Rotschild. Aus Paris wird uns gemeldet: Nach acht Mahlgängen wurde Baron Edmond Rothschild, der als Kunstkenner geschätzt ist, mit 25 Stimmen zum Mitglied der Akademie der schönen Künste gewählt. Die meistnächsten Stimmen, nämlich 16, erlangte Schauspieler Mounet-Sully. Berlin. Von einem Berliner Bureau wird in russischen und polnischen Blättern die falsche Nachricht verbreitet, daß die preußische Regierung für russische Auswanderer den Bade- und Jnfektionszwang an der Grenze aufgehoben habe. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist nur nach den telegraphischen Mitteilungen der Schiffahrtsgesellschaften, daß die Schiffahrtsgesellschaften mcucrdings wieder, wie schon häufig vorher, um Aufhebung des Bade- und Desinfektionszwanges bei der Regierung eingekommen sind. Eine Entscheidung steht noch aus. Wir bitten, dieses mitzuteilen, da sich sonst große Weitläufigkeiten an der Grenze ergeben könnten. Skulpturen-Ausstellnng von Alfred Nossig. In der neuen Berliner Ausstellungshalle am Zoologischen Garten wurde am 5. Dezember eine Kollektivausstellung der plastischen Werke von Alfted Noffig eröffnet, der in diesem Jahre auch in der Großen Berliner Kunstausstellung und im Krakauer Kunstsalon mit mehreren Skulpturen vertreten war. Die Ausstellung umfaßt neben dem „Ewigen Juden", „König Salomo", „Juda, der Makkabäer" die neue biblische Figur „Marianne", ferner eine Reihe von Bronze- und Silber-Porträtmedaillons, Büsten und Masken, insgesamt 30 Werke. Sie bleibt bis znm 24. Dezember geöffnet. Eintritt 50 Pf., Mittwoch 1 Mark. „Danksagung und Bitte". Der gefertigte Vorstand beehrt sich, der löblichen Israelitischen Kultusgemeinde Wien, sowie den anderen edlen Spendern den tiefgefühlten Dank auszusprechen für die gütige Unterstützung unseres Spitales Das hochlöbliche kais. kön. Konsulat sowie viele hervorragende Glaubensgenossen, die unser Spital besichtigten, haben sich über dessen vorzügliche Einrichtung und bedeutende Leistungen anerkennend ausgesprochen und bitten wir unsere wohltätigen Glaubensgenossen dringend, unserem Werke als Förderer beizutreten. Hochachtungsvoll Bikur Chaulim-Hospital, Jerusalem. Wir erlauben uns einige wohltätige Spender beizufügen: Jsr. Kultusgemeinde Wien K 300.—, Jsr. Humanitäts-Verein „B'nai Brith" 100.—, Gebrüder.,Guttmann 60.—, Kais. Rat Leopold Sachs '-0.-, Dr. Alfred Berger 20.—, Jsak u. Jakob Kuffner 20.—, Philipp Gumperz 20.—, Gebr. S. n. M. Reitzes 20.—, Auspitz 20.-, Lieben u Komp. 20.—, Heinrich Klinger 20.—, M. u. I. Mandl 20.—, David Fauter n Komp. 20.—, I. Mautner u. Söhne 20.—, Eduard Doctor 20.—, Löwy 20.—, Professor S. Ehrmann 10. -, Jacob Morberger 10.—, Ludwig Brettauer 10.—, A. S. u. S. 20.— M. G. 20.—, E. 20.—, Oskar Marmorek 10.—, Bernh. Pollak 10.—, Baumgarten 10.—, F. Landau 10.—, Traub ii Strauß 10.—, Friedrich Pollak 10.-, S. Eisenberger 10.—, Bettelheim 11—, Grün 10.—, Alois Lemberger 10.—, Herm Pollak 10. , Sigm. Blau 10.-, Ries u. Grundmann 10.—, A. R. 10.—, Professor Oser 10.-, ProfessorPollitzer 10.—, SaloLandau 10.—, Brüder Böhm 10.—, Markus Bondy 10.—, A. R. u. S- 10.—, Moritz Felsenburg 10.—, Adolf u. B. Hofbauer 10.-, D. u. D. 10.-, B. W. 10—, Adolf Schräme! 10.—, H. u. S. 10.— . Dr. Adolf Stein 10.—., Doktor Alexander Müntz 20.—, Kaiser!. Rat Vogel 20.—, Ankerbrot-Fabrik Mendel 20.—, Kais. Rat Siegmund Kauders 20.—, Robert Kern Gustav u. Wilhelm Heller 10.-, Brüder Schwadron 10.—, Moritz Pinkas 10 —, Edmund Hoffmann 10. , Dr/Gustav Kohn 10.—, Prof. Dr. Adolf Schwarz 10.—, Edmund Kohn 10.—, Dr. Leopold Kohn 10— Karl Langsam 10.-, Pollack R. v. Rudin 10.-, Max Bellack 10.—, Sigm. Oppenheim 10.—, I. Schaalmann 10.—, Dr. Arnold Hildesheimer 25 —, Dr. Arnold Rapoport Edler v. Porada 20.—, Dr. James Klang 10.—, Emil Lederer 10.—, Oswald Weiß 10.—, Jsr. Kultusgemeinde Baden bei Wien 30.- , Brüder Nausnitz Baden bei Wien 20.— . Spenden sind an Herrn Rabbiner I. Lerner, Wien, II.. Kleine Schiffgasse 18, zu richten. Feuilleton. Chajirrrl btim Melamed. Bon Dr. F. Rich. Heinschcl. (Fortsetzung) Gegen halb 11 Uhr zündete Reb Jekew die Pfeife an, das war das Zeichen für den Beginn des Lehrvortrages. Als Einleitung wurde Pentateuch mit Raschi^") vorgctragen. Einer der jüngsten übersetzte einen Vers, ein älterer trug den Raschi vor; der Melamed gab die Erläuterung dazu. War das Stückchen Raschi grammatikalischen Inhaltes, so wurde es wcggelassen; „das gehört für die Apikorsiin"/') meinte Reb Jekew. Auch an Ehaim kam die Reihe des Uebersetzens, doch die hochdeutsche Mendelssohn'sche Uebersetzung, die Chajim in Neuburg gelernt, war dem Melamed ein Dorn im Auge, und als er das Wort „Naar" mit Bursche übersetzte, begann Reb Jekew: „Purschen, Purschen, „Naar" is e Jüng,^)", dabei wurde er fuchswild und schlug das Buch zu. Die Uebersetzungsweise des Melamed war überhaupt eigentümlich, mehr Uebertragung in den Jargon, als Ueber- ") Bibelkomirieutar. -") Epikuräer. ") Junge.

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