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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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N,-. 50 äette 857 Dr. Dlocb's Mocbenscdnrr. Adolf Schrame k, S. A. Wasservogel, Leopold Winter, Dr. Josef W i n t e r n i tz, Josef Wünsch. III. Landstraß'e und Simmering: Dr. Leo Ehrenthal, Ofias I u e r, Max Markus, Samuel Metzger, Dr. Jacob O r n st e i n, Siegfried O r n st e i n, Adolf Tausky, Adolf Ungar. IV. Wieden, Margareten und Favoriten: Moriz F a l t i t s ch e k, Franz Frankl, Adolf H o f m a n n, Emanuel S ch i d r o w i tz, Adolf Lichtblau, Karl Seligm a n n, Jacob S. Straßberg. V. Mariahilf und Neubau: Heinrich B ä k, Josef B a r k a n, Moriz F e l s e n b u r g, Hermann König, Moriz Heller, Max Knöpfelmache r. Hermann Liebermann und S. E. M i ch e l st ä d t e r. VI. Josef st adt und Alsergrund: Adolf Beck, Hermann Beck, Gott lieb B e t t e l h e i m, Salomon B r o d, Dr. Alfred G l o g a u, Alexander S. Landau, Edmund Melcher, Jacob Modern, Wilhelm Pappenheim. Josef Q u i t t n e r. VII. Meidling, Hietzing. Rudolfsheim, F ü n f h a u s : Jakob D u s ch i n s k y, Alexander Hecht, Leopold L a n d e i s, Samuel Mohr, Heinrich N e u f e l d, Anton P i ck, Siegfried Stern. VIII. Ottakring und Hernals: Isidor B e rkowi tz, Alexander G o l d b l a t t, Adolf K o h n, Eduard P o l l i tz e r, Leopold T r e b i t s ch, Siegmund Weiler Salomon W a i z m a n n. IX. Währing, Döbling: Anton K o r e tz, Heinrich Lederer, Moriz.M ül l e r, Josef N o s s i g, Jakob Renner, Dr. Ignaz Winter. Leichenbegängnis des verewigten Preßburger Oberrabbiners Schreiber f. A An der Beerdigungsfeierlichkeit des verewigten Preßburger Oberrabbiners beteiligten sich nahezu sämtliche orthodoxen Gemeinden und Rabbinen des Königreiches Ungarn. Anwesend wareil über 100 Rabbiner, ferner aus Wien Herr Dr. Markus Spitzer für die Kultusgemeinde; der Gesamtvorstand der Schiffschule mit Herrn Rabbiner Fürst und Baumgarten, 200 Schifffchulbefucher, Vorstand der VI—XV Bezirkssynagogen. Herr Rabbiner Kramer jun. und noch zahlreiche Verehrer und Schüler des Verewigten. Die Stadt Preßburg war durch ihre höchsten Dignitäre vertreten, ebenso die Kongreßgemeinde. Die städtische Landeskanzlei entsandte ihren Präses Herrn Ad. Frankl mit den Kanzleibeamten. Als der Eisenbahnzug mit dem Waggon aus Frankfurt, der den Sarg enthielt, um '/a2 Uhr morgens auf der Preßburger Hauptstation eintraf, wurde er von einer Trauerversammlung von fünf- bis sechshundert Personen erwartet. Um 10 Uhr vormittags begann der Leichenzug von der Rabbinerwohnung aus. Gegen 5000 Personen folgten dem Sarge, hinter welchem unmittelbar 32 Talmudschüler einherschritten, welche von dem Verewigten verfaßte Werke in der Hand hielten. Dann folgten die Familienmitglieder, die Rabbinen und die Gemeindedeputationen, welche nacheinander an dem Tragen des Sarges sich beteiligten. Auf dem Friedhof widmete zunächst ein Vertreter der Chewra-Kadischa dem Verewigten einen Nachruf. Dann hielt der einzige Sohn des Verstorbenen, Rabbi Akiba Schreiber, seinem ' Vater einen „Hefped". Er gelobte dem Beispiele feines Vaters zu folgen und die nunmehr 100jährige Tradition seiner Ahnen weiter zu Pflegen. In herzlichen Worten pries er die Treue und Liebe der Gemeinde, die sie dem Verblichenen im Leben und im Tode bewiesen. Nach ihm sprach Rabbinatsassessor L. Friedmann namens der Gemeinde und sagte, daß Rabbi Akiba zum Nachfolger des seligen Oberrabbiners erkoren sei. Sodann trat an den Sarg heran der Oberrabbiner der Pester orthodoxen Gemeinde, Rabbi Koppel Reich, um der Trauer der ungarischen Judenheit ob des erlittenen Verlustes Ausdruck zu geben. Ferner sprachen die Rabbinen von Beregszüsz, Tokaj, Szerdahely, sowie der Rabbiner Fürst der Schissschulgemeinde in Wien. Erst bei Abenddämmerung wurde der Sarg in die kühle Gruft gesenkt, und zwar an der Seite des berühmten Vaters des Toten. * * * Die Hörer der Rabbinenfchule, sowie zahlreiche Verehrer des Verblichenen haben an den Vorstand eine Petition mit mehreren hundert Unterschriften überreicht um die sofortige Proklamierung des Rabbi Akiba Schreiber zum Nachfolger im Preßburger Oberrabbinate. Der Vorstand gab eine dilatorische Antwort und verschob die Erledigung bis nach der vorgeschriebenen Trauerzeit. In den Intentionen des Vorstandes ist es nämlich gelegen, neben dem Oberrabbiner auch einen populären, der Gemeinde genehmen „Darschan" (Prediger) wirken zu sehen und wünscht vor der Wahl des Oberrabbiners hierüber bestimmte, bindende Zusagen zu erlangen. Preßbnrg Aus Anlaß des Ablebens des Oberrabbiners S ch r e i b e r hat der Archivar der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Lazarus S ch ö n f e l d, der „Preßburger Zeitung" folgende interessante Todesanzeige aus dem Jahre 1839 über das Ableben eines Vorfahren des nun Verstorbenen, des Oberrabbiners Moses Schreiber, übermittelt, die er als seltenes Stück erst kürzlich im Archiv entdeckt hat. T o d e s - A n z e i g e. Mit innig schmerzlichem Gefühle teilet die Preßburger Jsraeliten-Gemeinde allen ihren Glaubensgenossen das betrübendste Ereignis mit. daß ihr ehrwürdigster Herr Ober-Rabbiner Moses Schreiber am (25. Tisri) 3. Oktober 1839 um 7'/, Uhr Morgens, in feinem 78. ruhmvoll vollendeten Lebensjahre durch einen sanften Tod ans ihrem Kreise, dem derselbe länger als 34 Jahre, bis in die letzte Stunde seines Lebens, mit Segen als Erzieher und Lehrer wirkend, der teilnehmendste, bewährteste Freund gewesen war, von Gott abbernfen wurde. Die hiesige und alle Gemeinden von nah und fern, die sein mitleidvolles Herz ohne Unterschied der Religion kannten, die von seinen ruhmvollen für das Reich Gottes so tatenvollen Leben überzeugt waren, erlitten durch seinen Hintritt den herbsten Verlust. Er hat sich in den Herzen aller unserer Einwohner, sowre in denen seiner tausend Zöglinge und Schüler das unvergeßlichste Denkmal der Dankbarkeit erworben, so daß gegenwärtige Anzeige von seinem Hintritte auch in den entferntesten Ländern und Kreisen unendlich viele, ihm dankbar verbundene Herzen zur tiefsten Rührung der Wehmut stimmen wird. Gleich bei Erkrankung dieses gottgefälligen Mannes überreichte ihm der hiesige Gemeinde-Vorstand ein schriftliches Bittgesuch um die gütige Einwilligung, daß dessen ausgezeichnet tugendhafter Sohn, Herr Samuel Wolf Schreiber, der, von Gott mit Sanftmut und Liebe gekrönt, schon seit mehreren Jahren durch außerordentlichen Fleiß mit den ansehnlichsten Rabbinern in theologischer Korrespondenz steht und seine Kenntnisse so bereicherte, daß er auf eine hohe Stufe des Ansehens erhoben ist, als Assistent im rabbinischen Wirkungskreise beistehen dürfe, wofür ihm die Gemeinde nach Ableben seines würdigen Vaters die hiesige Rabbinatsstelle, die er zu bekleiden würdig ist, zusicherte. Nachdem der verewigte, unvergeßlich tugendhafte Mann mit klarem Verstände und nach reiflicher Ueberlegung diese Bitte zum Wohle und nach Wunsch der Gemeinde genau prüfte und ihr dann erst willfahrte, wiederholte er seinem ihm vorgestellten Sohne, nach der ihm eigentümlichen göttlichen Weise, alle die Pflichten, die ein Rabbiner, als treuer Vater, als gottgefälliger, tugendhafter Lehrer und als anteilnebmender Mensch zu beobachten und genau zu erfüllen habe Hierauf erteilte er ihm seinen heiligen Segen und weihte ihn vor Gott und der Welt in sein Amt ein; er flehte znm'Allerhöchsten mit emporgehobenen Händen und in der Glorie seiner Verklärung, daß der Schöpfer seinevl Sohne in allen tugendhaften Unternehmungen den väterlichen Rat und Beistand verleihen wolle, damit die für das Reich Gottes ausgestreuten Saaten nie aufhören mögen, gute Früchte zu tragen. Er segnete auch die ganze Gemeinde mit gerührtem Herzen für all' die Wohltaten, für all' die Liebe und Anhänglichkeit, die sie ihm von Anbeginn bis in die letzte Stunde seines Scheidens erwiesen haben. Heil ihm, dem Unvergeßlichen! Lob und Preis aber dem Herrn aller Herren, der ihm zuni Segen für so Viele mit langem Leben gesättigt, und der ihn endlich mit Ehren genommen hat. Allen von hier näher oder weiter entfernt lebenden Schülern und Freunden des Verewigten widmet die Preßburger Jsraeliten-Gemeinde die vorstehende Todesanzeige und die Bekanntmachung. daß dessen Sohn, Herr Samuel Wolf Schreiber, als Ober-Rabbiner in der hiesigen Gemeinde bereits fungiert, statt besonderer Meldung aus ihrem aufs schmerzlichste bewegten, zugleich aber trosterfüllten Herzen. Preßburg. den 8. Oktober 1839." Dr. Josef Freiherr von Seiller. Am 3. Dezember a. c. schloß der langjährige Präsident, frühere Vizepräsident des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Wien", Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef Baron Seiller für immer seine Augen. Mit ihm schwindet wieder einer aus jener alten Garde, die, josephinischen

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