Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 856 Dr. Blocb’s Mocbenscbrm. Sh 50 Palästina dem Judentume einen Morgen vorbereiten. Sein führender Stern freilich hieß jüdischer Sozialismus. In der Gegenwart war sein Judentum — Geschichtskultus. Wie ihn die Z-ouisteu überhaupt und die Poale- Ziou besonders als Progoiieu feiern müssen, so war er auch in Bezug aus die jüdische Religionsanffassung durch seine Vertiefung der Missionsidee und Entwicklung des Gedankens vom Geschichtskultusein Bahnbrecherder Freikouservativen. Die aufgeklärten Freunde der Chassidim, deren Zahl jetzt im Wachsen begriffen ist, können sich aus seiner Würdigung der Chassidim Mut holen; die praktischen Palästinenser dürfen ihn als Beispiel anführeu und die Anhänger der Alliance israelite universelle können ihn mit Stolz zu den ihren rechnen, da er für dcu Alliancegedaukeu Propaganda machte. Fürwahr, unser Moses Heß gehört zu den herrlichen Mosesgestalten, die das neunzehnte Jahrhundert hervorgebracht: Montefiore ein religiös-nationaler. Baron Hirsch ein philanthropischer, Lazarus ein philosophischer und Heß ein nationalsozialer Moses. In diesen Männern leuchteten einzelne Funken der Feuerseele des Meisters aller Meister: Mosche Rabenu. Jassy. Dr. I. Niemirower. Korrespondenzen. Wahle» in de» Wiener israelitischen Kulinsvor5tand. Bei den am 9. d. M. stattgehabten engeren Wahlen wurden 368 t Stimmen abgegeben. Davon erhielten: Adolf Schramek 2210, Kommerzialrat Leopold Simon 2113, Dr. Isidor Schalit 1491, Adolf Brecher 1475. Die beiden Ersten erscheinen somit gewählt. Bei den am 11. d. M. durch die höher besteuerten Gemeindcmitglieder vorgenommenen Wahlen in den Kultusvorstand wurden für eine sechsjährige Mandatsdauer die Herren: Moritz B. Eißler, Holzhändler und Dr. Arthur K u r a n d a, Hofu. Gerichtsadvokat, wieder- und die Herren Dr. Leopold K o h n, Hof- und Gerichtsadvokat, und Bernhard P o l l a ck, kaiserlicher Rat, Privatier, neugewählt. Die Neuwahlen haben eine Anzahl Männer von Intelligenz, Erfahrung und Tatkraft dem Vorstand zugesührt, neue Männer, auf deren Wirken die besten Hoffnungen zu setzen sind. Das ist unleugbar der große Erfolg des von den Herren Dr. Leopold K o h n und Dr. Herrmann F i a l l a geführten Zentral-Wahlkoinitecs, welches von zwölf aufgestellten Kandidaten zehn sofort im ersten Wahlgang, zwei bei der engeren Wahl znm Siege geführt hat. Andererseits kann und darf nicht geleugnet werden, daß auch die Opposition mit der von ihr aufgebrachten Stimmenzahl eine Respekt gebietenve Stellung errungen hat. Innerhalb des Zentral-Wahlkomitees war man sich über Bedeutung und Gewicht der Opposition, spestell bei dem diesjährigen Wahlkampf, gerade wegen mancherlei unangenehmer, unmittelbar der Wahl vorangegangener Ereignisse nicht im Unklaren, und man hat an die zionistische Parteileitung die Einladung ergehen lassen, durch, eigene Delegierte an der Bildung des Z-ntral.-Wohlkomitees sich zu beteiligen. Die Tendenz war vorwaltcnd, durch ein Kompromiß ein einverfiändlichrs Vorgehen zu erzi.leu. Die Einladung wurde zion'.stischerseits abgelehnt, man wollte die Kräfte messen und über das numerische Gewicht des Anhanges in der Bevölkerung durch den Wahlkampf ein klares Bild gewinnen. Nach dem Ausgange der Hauptwahl hat cs innerhalb des Zentral-Wahlkomitees an einer Anregung nicht gefehlt, der oppositionellen Minorität freiwillig in irgend einer Weise cntgegenzukommen, entsprechend der ansehnlichen Zahl - der durch sie repräsentierten Wählerstimmen. Jndeffen wurde von allen Seiten an die Tatsache erinnert, daß man ja gerne bereit war, mit der Opposition ein friedliches Uebereinkommen zu treffen, um eine gemeinsame Kandidatenliste zustande zu bringen. Nur von der anderen Seite wurde der Krieg gewünscht, und deswegen schon ginge es nicht an, vor der vollständigen Beendigung den Kriegsschauplatz gu räumen; es wäre das eine moralische Niederlage und unverantwortlich gegenüber der übernommenen Aufgabe. Es kommt dazu, daß man in Kreisen des Zentral-Wahlkomitees für den Bestand der religiösen Institutionen der Gemeinde ernste Befürchtungen hegt, für den Fall der Auslieferung der Gemeindeverwaltung an die proletarischen und sozialdemokratischen Massen bei eventueller Einführung des zum Programm proklamierten allgemeinen Wahlrechtes. Man hält ein solches Experiment dermaßen als verderblich, daß man auch die Umgestaltung der fakultativen Zehn Kronensteuer in eine obligatorische nicht mehr gutzuheißen in der Lage ist. Patriotische Männer mit unleugbar politisch demokratischer Gesinnung erklärten, wenn sie auch bei der parlamentarischen Vertretung im Staate, für dessen Erhaltung jedes Individuum Gut und Blut opfert, im Sinne der Gerechtigkeit für das allgemeine Wahlrecht kämpfen, in der gleichen Maßregel für die Verwaltung der Kultusgemeinde unabsehbare Konsequenzen und die schwersten Gefahren zu erblicken. Und es ist ohne Präzedenz auf dem ganzen Kontinent. Aus diesem Grunde hat das Zentral-Wahlkomitee zwei populäre Mitglieder des Kultusvorstandes, die Herren Hermann E l t b o g e n und kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k, weil sie bedenkliche Neigung sür eine Umgestaltung des Wahlrechtes im Sinne der Opposition zeigten und das vom Wahlkomitee einstimmig g.'nehmigte P.ogramm nur mit wichtigen Einschränkungen zu akzeptieren erklärten, zur neuerlichen Wahl nicht wieder empfohlen. Wenn trotzdem die beiden genannten H rren auf sich zirka 800 Stimmen vereinigt haben, so ist das gewiß ein ehrendes Zeugnis für ihre Popularität und eine Anerkennung ihres bisherigen öffentlich.'» Wirkens. Das Zentral-Wahlkomitee war einig in der Meinung, daß die Agitation sür das all-, gemeine Stimmrecht ein Feuerbrand ist, leicht zu entzünden und schwer zu löschen. Hier heiße es: prineipiis obsta. Jndeß wird es gut sein, für die nächste Zeit daran zu denken, bei den Wahlen füt die Kultusgemeinde die einzelnen Bezirke der Peripherie mehr zu berücksichtigen. Hernals und Ottakring, Mariahilf oder Brigittenau können für die Dauer unmöglich ohne Vertretung im Kultusvorstande bleiben. Bei der nächsten Kultuswahl wird das Zentral-Wahlkomitee darangehen müssen, hier Remedur zu schaffen. Als Vertrauensmänner (Mitglieder der Bezirkskommiffionen) aus der Kurie der Höchstbesteuerten wurden für eine zweijährige Mandatsdauer gewählt: Kaiserlicher Rat Bernhard Bücher, Julius B e l l a k, Adolf E h r e n f e l d, Eduard Doctor, Alexander Engel de I a n o s i, Philipp Fleischt, Julius Granichstädten, Josef H e r r m a n n, Ludwig Herschmann, Paul Hirsch, Ernst K l i n g e r, Philipp K o h n, Rudolf K o h n, Karl Kraus, Wilhelm Kux, Gottlieb Lederer, kais. Rat Alois Lemberger, kais. Rat Paul Lemberger, Richard Lieben, Julius M a uck h n e r, Siegmund Mendel, Gustav P e r g e r, kais. Rat Friedrich P o l l a k,' Wolf Pollaczek, Siegmund R i e c z, Karl Schütz, Ignaz S e l i n k o, Dr. Josef Stern, Dr. Alfons T h o r s ch, kais. Rat Josef T o f f l e r, kaiserlicher Rat Friedrich Vogl, Alois W e ish ut, Eduard Wien er, Ernst Wolf, Julius Wolf, Donat Zifferer. Die bezirksweise vorgenommencn Wahlen der Vertrauensmänner für eine 2 jährige Mandatsdauer ergaben, folgendes Resultat: I. Innere Stadt: Dr. Julius B e r m a n n, Hermann Elias, Adolf F l e i s ch m a n n, Samuel G o l d m a n n, Max Heim, Bernhard Hofbauer, Dr. Moriz H o r o v i tz, Josef Jelinek, Dr. Edmund K o h n, Julius K o p st e i n, Dr. Jakob L ö w i n g e r, Adolf N ußbaum, Eduard Schwarz, Adalbert W i n t e r b e r g, Dr. Albert Wagner. II. Leopold st adt und Brigittenau: Moriz B a k, Markus B o n d y, Jacob K o h n, Ignaz L ö w y, Julius P o l l a k, Adolf Pollitzer, Moriz August R a u b i t s ch e k, Jacob R i p p e r, Dr. Ernst 9tosental, Benno R o t h z i e g e l,