Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 837 Dr. Llocv s Mocvenscvruu w a n 9, Dr. M. Grunwald, Dr. L. Mandl und Herrn Professor Dr. Heinrich P o l l a k; die Vertreter der Presse sowie Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner. Herr Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, Herr Rabbiner Dr. David und Herr Ernst Simon haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Der^ Vorstand des Vereines besteht aus den Herren: Dr. Alois Klemperer, Hof- und Gerichtsadvokat, Vorsitzender; Albert Winterberg, Sigmund Popper, Vorsitzender-Stellvertreter; Siegfried Engl; Max Fleischner; Carl Hirsch, kaiserl Rat, Kassier; Emil Horner; Gottlieb Kantor, k. k. Kommerzialrat; Mvriz K o r i t s ch o ne r, Direktor: Dr. Gustav Langstein, Schriftführer; Johann L i ch t e n st a d t, kaiserl. Rat; Philipp L ö w y; Edmund Melcher; Sigmund Piesen; Leo Schloß; Eduard E. Schwarz; Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurat; Dr. Bela T a u s s i g; Sigmund Taussig, k. k. Hofrat; Eduard Wiener, k. k. Kommerzialrat; Emanuel Winkler; Julius Wolf. Das Exekutivkomitee des Vereines besteht aus den Herren: Dr. Bela T a u s s i g, Obmann; Julius Wolf, Obmann-Stellvertreter; Siegfried Engl; Carl Hirsch, kais. Rat; Dr. Alois Klemperer, Hof- und Gerichtsadvokat; Moriz Koritschoner. Direktor; Dr. Gustav L a n g st e i n; Eduard Wiener, k. k. Kommerzialrat; Alb. Winterberg. Auf das Resultat des VII. Betriebsjahres (16. November 1905 bis 15. November 1906) haben zwei wirtschaftliche Momente in hervorragender Weise eingewirkt. Erstens die Aussperrung der Bauarbeiter und die damit in Zusammenhang stehende Arbeitslosigkeit der Bauhandwerke, zweitens die allgemeine Besserung der wirtschaftlichen Lage. In den vorangehenden Jahren war es während er Bausaison möglich, jene nicht qualifizierten Stellensuchenden, die sonst in keiner Weise zu plazieren waren, als Handlanger bei den Neubauten, wie auch bei Adaptierungen unterzubringen. Im abgelaufenen Berichtsjahre ist dem Amt diese Arbeitsgelegenheit fast zwei Monate lang entgangen, was natürlich einen Ausfall in der Vermittlungsziffer während der Monate Mai und Juni verursachte. Für Anstreicher, Spengler rc. fehlten in dieser Vermittlungsperiode die Stellenanbote gänzlich. Die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse brachte es mit sich, daß viele Arbeitsuchende ohne Inanspruchnahme einer Vermittlungsstelle auf kommerziellem und gewerblichem Gebiete durch direkte Offerte Unterkunft fanden. Die Vermittlungen ergaben im abgelaufenen Geschäftsjahre die Zahl von 3304 gegen 3013 im Vorjahre, zeigen daher eine neuerliche Zunahme, wodurch die Gesamtziffer der im Amte bisher erzielten Vermittlungen die ansehnliche Höhe von 16.548 erreicht. Man war bemüht, auch auswärtige Industrielle für die Institution zu interessieren und waren die diesfälligen Bemühungen mehrfach von Erfolg begleitet. Jetzt schon sind ganze Kategorien von Arbeitgebern ständige Kundschaft. Der Rechenschaftsbericht schließt mit 30. Juni, als dem Ende des Geschäftsjahres, und weist einen Barbestand von K 16.247 62 aus. (Bureaukosten zirka 26.500 K.) Ueber Einladung der um die Wohlfahrtspflege in Oesterreich sehr verdienten Herren Profeffor Mischler in Graz und Dr. v. Führer in Troppau hat sich das Amt an der Gründung eines Reichsverbandes der Arbeitsvermittlungsanstalten beteiligt. Von der Ausgestaltung dieser Institution erwartet man nach den Erfahrungen, welche in Deutschland, in - der Schweiz und anderwärts gemocht wurden, und nach den bereits in Angriff genommenen Maßnahmen wegen Erwirkung von Fahrpreisermäßigungen für Arbeitsuchende, Portobegünstigungen für die Anstalten u. dgl. m. nur Ersprießliches für die Vereinigung, andererseits auch aus den zur Diskussion gestellten Fragen, wie z. B. Arbeitslosenfürsorge und ähnliches, womit sich der nächste Arbeitsvermittlungstag beschäftigen wird, fruchtbare Anregungen für weitere Tätigkeit.. Der Parteienverkehr der Arbeitnehmer weist im Berichtsjahre die Besuchsziffer von 40.379 auf. Groß ist die Zahl derer, die im Kampfe um die Existenz an den Schaltern des Amtes erscheinen. Sie suchen da Erwerb für sich, für ihre Familien — oft auch bloß nur das tägliche Brot. Der Verein leistet sein Bestes, um ihnen dasjenige zu verschaffen, was sie anstreben — Arbeit. Durch ihr Erscheinen an den Schaltern, dadurch, daß sie Arbeit und nichts als Arbeit suchen, erbringen sie den Beweis ihrer Würdigkeit sür die Bemühungen um sie. An Jedermann, der die Tätigkeit des Arbeitsnachweis- Bureaus mit Sympathie begleitet, liegt es, dem Amt durch eifrige Propagierung feiner Tendenzen hilfreich zur Seite zu stehen. Er eifere die Freunde und Bekannten immer wieder an, bei Bedarf von Arbeitern und Hilfskräften sich an das Amt zu wenden und helfe, den Kreis* der Auftraggeber zu erweitern. Das Amt wird es an Bemühungen in seiner schönen Aufgabe nicht fehlen lassen. Oberrabbiner Schreiber gestorben. Preßburg. 3. Dez. Die gesetzestreue Judenheit Ungarns hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod des berühmten Preßburger Oberrabbiners Schreiber, der in einem Sanatorium zu Frankfurt a. M. in ein besseres Jenseits abbeiusen wurde. Er zählte zu den bedeutendsten Celebritäten der ungarischen Orthodoxie, er wandelte in den Fußtopsen seiner Ahnen, welche eben so sehr durch ihre hohe Gelehrsamkeit, wie durch ihre unerschütterliche und unbeugsame Frömmigkeit den ersten Rang unter den Rabbinen Ungarns eingenommen haben. Der Verblichene hat das 63. Lebensjahr erreicht. Schon mit 20 Jahren pflegte er seinen berühmten Vater bei den Vorträgen in der Rabbinerschule zu vertreten. Einige Jahre hindurch war er in Wien Kaufmann. Nach dem Tode seines Vaters wurde er als dessen Nachfolger zum Oberrabbiner von Preßburg gewählt. Seine Rabbinerschule zählte drei bis vierhundert Jünger. Die Mehrzahl der gegenwärtigen orthodoxen Rabbinen Ungarns verehren in dem Heimgegangenen ihren Lehrer und Meister. Er hinterläßt eine große Anzahl Manuskripte, welche für die talmudische Wissenschaft nicht unwichtig find. Der Großvater des Verstorbenen, Rabbi Moses Schreiber, kam vor mehr denn hundert Jahren von Frankfurt a. M. als Rabbiner nach Preßburg, nun ist der Enkelsohn dieses berühmten Mannes, ein Preßburger Rabbiner nach Frankfurt a. M. gekommen, um dort sein segensreiches Leben zu beschließen. Die Leiche wurde nach Preßburg überführt. Während des Leichenbegängniffes werden die Geschäfte in der Schloßgrundgaffe und Kapuzinerstraße geschloffen bleiben. Die Herren Ignaz H e r z f e l d. David Kann und Samuel Löwen fohn fuhren noch Nachts nach Frankfurt, um als Vertreter der Gemeinde die Leiche zu übernehmen. Auch die Rabbinatsschüler werden der Leiche entgegenfahren, indem 200 Talmudisten mittelst Separatzug nach Wien fahren, um die Leiche zu erwarten. Zum Leichenbegängnis kommen aus ganz Ungarn Delegierte und Rabbiner, auch Oesterreich und Deutschland wird vertreten sein. Im Namen der orthodoxen Landeskanzlei wird Präses Adolf Frankel die Trauerrede halten. Oderbcrg (Besuch des Landespräsidenten.) Donnerstag den 29. November 1906 beherbergte der Bahnhof Oderberg hohe Gäste. Der Herr Landespräfident Dr. Karl Hajnold v. Udinski kam in Begleitung des Herrn Bezirkshauprmannes Jaffa v. Bobowski. Die hohen Herren hielten sich vormittags in Oderberg-Stadt und nachmittags in Oderberg- Bahnhof auf,' wo sie alle öffentlichen Anstalten, Schulen und Fabriken besuchten. Nachdem der Herr Landespräfident um halb 2 Uhr N' chmittags im Gemeindehause durch Herrn Bürgermeister Viktor Lustig begrüßt worden war, empfing er die katholische nnd evangelische Geistlichkeit und in Vertretung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Jakob Spira Herrn Religionslehrer und Oberkantor Jonas Goldmann. In leutseligster Weise erkundigte sich der Herr Landespräfident über die Seelenzahl und die Verhältnisse des israelitischen Bethausvereines. Hierauf besichtigte der hohe Herr nebst den katholischen und cvan-