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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-07 · 49 (7.12.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 836 Dr. Bloch"s Wochen schrifk. Nr. 49 Vom Jahrmarkt des Lebens. lieber eine „interessante Judenstelle der mittelenglischen Literatur" schreibt Herr Gymnasiallehrer Professor I. Trenkner in Otterndyrf den „Mitteilungen des Vereines rur Abwehr des Antisemitismus" : „In welchem Grade die englische Geistlichkeit des Jahres 1303 und ihr Anhang in dem Juden lediglich das Bekehrungsobjekt erblickten, geht aus einer Stelle des nach Handschriften oes Britischen Museums im Jahre 1901 von Frederick Furnival neu herausgegebenen Handlyng Synne (Sündentraktat) von Robert of Brunne klar hervor. Dieser Schriftsteller lebte nicht als ordinierter Geistlicher, sondern als Laienbrüder, bezw. Kanonikus im Kloster Bourne bei Lincoln in der Grafschaft Lincolnshire und hatte vor der damaligen Geistlichkeit und deren Anschauungen den tiefsten Respett. Nachdem Robert auf S. 181 der Handlyng Synne ausgeführt, daß Wucherer und Geldleiher so gottlos wie Saracenen und keine Christen sind, heißt es auf S. 2ia desselben Werkes in sinngemäßer Uebersetzung folgendermaßen: „Du sollst um keinen Preis Mit einem Juden essen oder trinken, Es sei denn, daß er das Christentum annehmen will, So sollst Du seine Gesellschaft verlassen. Und das hat einen wichtigen Grund, Denn der Jude ist Jesu Feind! Der Jude liebt keineswegs Jesum, noch seine teuere Mutter. Deshalb, wenn anders Du ihn wirklich liebst, Verlaß den Juden mit aller Deiner Kraft! Es sei denn. Du hofftest, daß er Seinen Glaubm aufgeben und das Christentum annehmen will." Die dieser Stelle zu Grunde liegende, rechts daneben auf derselben Seite abgedruckte anglonormannische Stelle aus William of Waddington's Manuel des Pechiez lautet in sinngemäßer Uebersetzung folgendermaßen: „Nicht darf Gesellschaft pflegen mit einem Juden Wer den König Jesu liebt, Weder im. Trinken noch im Essen, Wenn er nicht Christ werden will; Denn natürlich ist gut die Anfreundung, Um die Seele des Juden zu retten: Wenn er das nicht will, taugt nichts Der Umgang des Juden mit den Christen, Sondern eS ist Sünde, wisset es, eine sehr große. Dem Feinde Gottes schön zu tun; Es ist kein Zeichen, daß gerettet wird, Wer sich mit dem Juden zu sehr eingelassen hat. - Ueberdies wer Gelder zu vergeben hat, Kann genug andere Gesellschaft haben." Die mittelalterlich angehauchten Herrschaften halten eben den V.rkehr der Christen mit den Juden zu anderen als zu Bekehrungszwecken für eine Todsünde. Ueberaus charakteristisch sind auch die beiden letzten Zeilen der anglonormannischen Stelle, nach welcher besagte Herrschaften dem Verkehr der Christen mtt Juden ein Hintertürchen öffnen, wenn Geldnot dies dringend erheischt. Im Uebrigen ist jeder Kommentar zu den beiden für oder vielmehr gegen sich selbst sprechenden Stellen überflüssig." Körperhabitus der Jude«. In einer sehr interessanten und fleißigen Arbeit über den Körperhabitus der jüdischen Immigranten in New-Aork (Materialsfortixe Physical AnthTopologyofthe Eastern European Jews, Annals N.-Y. Acad. Soc., Vol. XVI) kommt Maurice Fishberg zu dem beachtenswerten Resultate, daß die Eingewanderten im allgemeinen höher find als die in der Heimat Zurückgebliebenen, wie aus folgender Zusammenstelluna klar zu ersehen ist; wahrend die mittlere Körperhöhe bei den Juden in Europa zwischen 161 und 16b schwankt, zeigen die in Amerika geborenen eine Höhe von 167*9. Außerdem wird diese Beobachtung auch bei der Verteilung der Gemessenen nach ihrem Geburtslanoe bestätigt, indem die Auswanderer immer größer sind als die Zurückgebliebenen. Es kann hier nicht von einer zufälligen Erscheinung die Rede sein, sondern eS scheint sich um eine feststehende Tatsache zu handeln, da die Zahl der Gemessenen verhältnismäßig groß ist. Fsshberg sucht diese Erscheinung dadurch zu erklären, daß nur die wirklich gesunden und kräftigen Elemente es wagen, ein neues, glücklicheres Arbeitsfeld zu suchen. Es findet also schon bei der Emigration eine gew'sse Auslese statt, die, mit den besseren sozialen Verhältnissen in Amerika verbunden, dazu führt, daß die eingeborenen amerikanischen Juden viel höher sind als die europäischen. Körperhöhe der jüdischen Immigranten in Rew-Uork im Vergleich mit derjenigen der europäischen Juden. Männer Frauen New-Dork Europa) New-Iork Europa') ^ahl d. Körper- Körper- Zahl d. Körper- .Ktzrperiemess. höhe höhe «emefs. höhe. höhe Geburtsland Galizien .... Russisch-Polen. . Litauen .... Kleinrußland . . Rumänien . . . Ungarn .... Vereinigte Staaten 30b 162 2 1623 316 163*4 161*0 275 164*2 162*0 219 166*7 164*0 150 166*0 163*3 140 163*7 -=. j24 167*9 — 122 162*4 — 56 162*4 160*4 100 1637 160*7 74 164*6 151*5 44 154*5 — 39 164*4 — Globus. Korrespondenzen. Wahlen in den Borstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Sonntag den 2. Dezember fanden die diesjährigen Neu- und Ergänzungswahlen für den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde statt. Abgegeben wurden 4416 giltige Stimmen. Gewählt wurden mit einer Majorität von 2414 bis 2228 die Kandidaten des Zentral-Wahlkomitees, und zwar mit sechsjähriger Funktionsdauer, die Herren: Dr. Alfred Berger, Emanuel H o f m a n n, Dr. Gustav K o h n, Professor Dr. Josef P o l l a k. Dr. Maximilian Steiner, Dr. Alfred Stern. In eine Stichwahl gelangen ferner die beiden Kandidaten des Zentral-Wahlkomitees Adolf Schramek (2208 Stimmen) und Kommerzialrat Leopold Simon (1959 Stimmen) mit den Kandidaten der Opposition, den Herren: Dr. Isidor Schalit (1887 Stimmen) und Kaufmann Adolf Brecher (1808 Stimmen). Mit vierjähriger Funktionsdauer wurde gewählt: Herr kaiserlicher Rat Leopold Langer. Mit zweijähriger Funktionsdauer die Herren: Max Frank, Dr. Hermann L ö w i, Samuel Steiner. Die engere Wahl findet Sonntag den 9. Dezember von 9 bis 2 Uhr in denselben Wahlorten und Sektionen wie bei der Hauptwahl statt. Statistik der Bibliothek der israelitischen Krrltrisgemeinde. Die Bibliothek wurde in einem Zeiträume von fünf Monaten, und zwar vom Jänner bis 15. April, November bis Dezember von etwa 1800 Personen besucht, an die zirka 2800 Bände, exklusive Zeitschriften ausgefolgt wurden. Die Zahl der entlehnten Bücher beträgt für diesen Zeitraum (teilweise auch für die Zeit, wo die Bibliothek für den öffentlichen Verkehr geschlossen war) zirka 1900 Bände. Nack» Berufen verteilen sich die Benützer der Bibliothek; Professoren, Rabbinen, Advokaten, Aerzte 300; Kaufleute 100; Schriftsteller und Journalisten, Beamte 100; Künstler (Maler, Musiker, Schauspieler, Kunsttechniker) 25; Lehrer 80; Kantoren 30; Privatbeamte und Handelsangestellte 200; Theologen und Hörer der Philosophie 600; Juristen 60; Mediziner 23; Techniker, Agronomen, Exportakademiker 30; Handelsakademiker unh-Handelsschüler 20: Gewerbetreibende (Friseure, Kalligraphen und Lithographen) 11; ohne Beruf zirka 80. Außerhalb Wiens wurde die Bibliothek von sechs Gemeinden in Mähren, 2 in Niederösterreich, 3 in Deutschland in Anspruch genommen. Der Besuch der Bibliothek ist in diesem Jahre um die Hälfte gegen das vorige Jahr, gegen das Jahr 1895 (laut Bericht der IV. Sektion 1896) um das Vierfache gestiegen. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien. II., Taborstraße 59. Die Generalversammlung des Vereines fand am 26. November im Sitzungssaale der Kultusgemeinde statt. Der Vorsitzende Herr Dr. Alois Klemperer eröffnet um 7 Uhr die Sitzung, konstatiert die ordnungsmäßige Einberufung der Generalversammlung (§ 2 der Statuten) und die Beschlußfähigkeit derselben und begrüßt sodann die erschienenen Mitglieder und Gäste, namentlich Herrn kaiserl. Rat Jonas Weil als Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde; die Vertreter folgender Vereinigungen: „Frauenhort", Verein zur Unter« stützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender; „Verein zur Hebung der Gewerbe"; Herrn Emil Horner als Vertreter des Bankhauses S. M. von Rothschild; Herrn L. N e u st a d t als Vertreter des Bankhauses Max Springer; Herrn Regierungsrat Michael Kulka, k. k. Gewerbe-Oberinspektor; die Herren Rabbiner Dr. D. Feucht-

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