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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-07 · 49 (7.12.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 835 Nr. 4t Dr. JSlocb’5 MiocbenscbrLN. Vereine einstimmig und am selben Tage ihre Wünsche unterbreiteten, so würde diese Einmütigkeit solcher Massen bewährt loyaler Staatsbürger denn doch vielleicht den Einfluß brechen, den die christlich-sozialen und verschwägerten Gesinnungslumpen in dieser Sache nehmen. Außer diesem politischen Mittel gibt es noch eine Reihe materieller Maßnahmen. Die Heller und Pfennige, die zur Erledigung der Hilsneraffäre bisher eingelaufen sind, bedeuten eine Lächerlichkeit. Wenn zwanzig englische Detektives in Polna arbeiten würden, so wäre Hilsner vielleicht schon draußen. Vergessen wir nicht an das Wort Philipps von Mazedonien, der so richtig sagte, daß ein mit Gold beladener Esel die höchsten Mauern übersteigt. So manche Türe, so mancher Mund werden geöffnet werden, wenn Mittel da sind. Nur keine Bedenken für den Fall, daß der Kampf für ein Ideal mit Geld geführt werden muß. Das ist nur das richtige Gegenmittel für die Mittel der Christlich-Sozialen, denen die Klosterkassen offen gestanden sind. Ganz gewiß werden noch andere und bessere Pläne auftauchen, wenn Wille und Energie vorhanden find. Es geht jedoch nicht weiter an, daß so langsam gearbeitet wird wie bisher. Einige Männer von Geist und Herz, die bedacht sind auf die Ehre des Judentums, müßten die Hilsner- Assäre zu ihrer eigenen Sache und ausschließlichen politischen Aufgabe machen, der sie mit dem größten Eifer obliegen. Wir denken da an einen st ä n d i g e u Arbeitsausschuß, in welchem Pläne und Absichten erwogen und ausgeführt werden. Uns scheint die Oesterreichisch-Jsraelitische Union, die schon dankenswerte, große Arbeiten geleistet hat, dazu berufen, den Grundstock dieses Ausschusses zu bilden und anerkannt tüchtige Köpfe aus allen großen. jüdischen Organisationen heranzuziehen. Man darf der fisten Ueberzeugnug sein, daß es diesen Männern bei gutem Willen schon möglich sein wird, der Themis gründlich abzugemöhneu, daß sie unter der Binde nach den Christlich-Sozialen schielt, u.'d wir fordern jetzr schon alle Juden auf, den Anfflrderungen und Anordnungen des Arbeitsausschusses pünktlich und rasch zu entsprechen. Natürlich wäre es wünschenswert, die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Hilsner durchzusetzen. Aber auch mit einer Begnadigung wäre schon viel erreicht, weil man so einen Kronzeugen gegen die Anklage einvernehmen könnte, der in Kutlenberg und Pisek zu arg verwirrt war, um vernünftig sein zu können Der Arbeitsausschuß wird auch ganz gewiß vor dem Hindernis nicht scheitern, daß nur neue und schwerwiegende Tatsachen die Aufnahme des Verfahrens ermöglichen. Ist es nicht eine neue und schwerwiegende Tatsache, daß der damalige Justizminister Ruber dem Vorwurf Ernst Schneiders nicht widerspricht, daß er bestochen worden sei, und dem Verdacht eines ungesetzlichen Eingriffes vollen Raum gibt? Das können Deputationen des Arbeitsausschusses dem Justizminister Klein wohl zum Bewußtsein bringen, und sie werden sicher bei einem Manne Gehör finden, der den Erlaß redigierte, wonach Richter das Gesetz nach freier, persönlicher Ansicht auslegen sollten. Ein so modern denkender und von wahrem Sinne des Gesetzes erfüllter Feind des Formelkrams ist Herr Dr. Klein. Er steht und muß auf unserer Seite stehen. Seine Maßnahmen werden st ts von seinem Gefühl abhängen, ob er die Alleinherrschaft in seinem Amte besitzt oder ob die Schwers und Schneiders zu einem Ueberfall auf der Hintertreppe eindriugen können. Hoffentlich genügt die organisierte Macht der gerechten, jüdischen Sache, um die Nebenherrschaft im Justizministerium auszurotten. Den Versuch ist es wohl wert. Denn es gilt ein Menschenleben und die Ehre eines Volkes. I. U p r i m n y. Hilferufe an die Oeffeutlichkeit. In Folgendem geben wir zwei Briefe Hilsners und seiner Mutter wieder, die wohl geeignet find, Jedermann innerlich zu rühren. Der unschuldig Büßende, deffen Tränen von keiner Hoffnung gestillt werden, wird von seinen Zellengenoffen auch noch mißhandelt. Sonst Pflegt den Sträflingen eine gewiffe Kameradschaft ihr Los zu erleichtern. Es ist weiter kein Wunder, daß Antisemiten in den Strafanstalten zuhause find und ihre Rohheit sich dort austobt. Aber das Los des unschuldigen Hilsner wird dadurch noch furchtbar erschwert. Trotz allen Nachrichten fitzt er noch immer in Stein, wo das Klima seiner Gesundheit schwer zusetzt. Hoffentlich wird er von allen Uebeln noch befreit, ehe eine Krankheit ihm die Erlösung wertlos macht. Mit seinem Jammer vereinigen fich die Bitten seiner Mutter, die zu ihrem Unglück noch endloses Elend ertragen muß. Man sollte denn doch bedenken, daß fie durch ihr Judentum ihr bischen Existenz verloren hat und keine Beschäftigung findet. Vielleicht findet fich ein jüdischer Philanthrop, der ihr Beschäftigung bietet, oder ein Versorgungshaus, das fie ausnimmt. Zeit wär's. Stein an der Donau 18. November 1906. bei Krems. Liebe thenere Mutter! Ich grisse, dich vielmals uni kanst dier gar nicht vorstellen, was ich leiden, und Kummer davon habe, das ich muss Unschuldig, bereits 8. Jahren, meine junge Jahren in schwern Kerker verbringen Ich vielen mich sehr Unglücklich, Ich bin in grosse Verzweiflung, ich habe hier in, Stein keine, Buhe, die Sträflinge schlagen mich, und thun mich qälln, ich kann, in dieser Strafanstalt, absolut nicht bleiben Liebe, theuere Mutter sei so gut, und schreibe gleich an, Hern Dr. Bloch, nach, Wien er soll rasch, die, Sache ins Angriff nehmen, ein Mittl machen, eine, Wiederaufnahme, des Verfahres zu erwirken, oder eine Begnadigung, die falsche Zeugen, haben mich Unglücklich, gemacht die Antisemiten, haben mich, Unschuldig verurtheilt. so muss ich Unschuldig! leiden, für andere Mörder, Liebe theuere Mutter schreibe an, Hern Dr. Blocü er soll lassen, schreiben, ein Gnadengesuch, an, seiner Kaiser Majestet, er ist Ler Vatter von ganz, Oesterreich soll auch mein, Vatter vorstellen, und mich, nicht Unschuldig, schmachten lassen, Ich bin ein, Unglücklicher, Mensch, Der Herr Dr. Bloch soll mich nicht verlassen, Liebe, theuere Mutter, wann du grosse Noth, hast, so Bitte, den Hern Dr. Bloch er soll für Dich eine Unterstützung erwirken in Aufruf, lassen drucken, damit du eine Unterstützung, bekamst, und schreibe auch, er möge mein, Brief in der Wochenschrieft geben, da jeder weiss, von meine Elende, traurige Lage, Ich kränke mich viel darüber, das wier so Unglücklich geworden sind, das grosse, Schicksall hatt uns leider betroffen, Die Trenen, fliessen, mir von die t ugen, für heute, schliesse ich mein, schreiben und verbleibe dein, treuer, Unglücklicher, Sohn, Leopold Hilsner K. u. k. Strafanstalt Stein. Liebe theuere Mutter der Herr Dr. Bloch soll sich, Erbarmen, über mich. Gross-Meseritsch, 27. November, 1906. Mähren Euer Hochwolgeboren! Ich bin gezwungen wieder mich an Ihren Wohlgeboren mich zu wenden, da es mir sehr schlecht geht, und habe jetzt gar keine Hilfe, mehr früher hat man doch an mir gedenkt, da ich nichts nnternehmen kann, übeihaupt bin ich sehr leident, worden seit was mein Sohn in Unglück gekommen ich liege mir mehr was ich gehe die meine Gemeinde kann mich nicht aushalten, da Sie sehr belästigt werden von dortige arme Leute, da sehr viele dort sind, thuen Sie alles mögliche, was zu thun ist, und die Sache so fort zu seine Majiestet der Kaiser einschreiten. ich mus wegen diese, Sache in Noth leben, und er mus, Unschuldig schmachen bitte die Sache rasch ins angrief nehmen. ein Mittel da zu machen sei es zu wlederaufname des Verfarens zu erwirken oder eine Begnadigung und für mich auch eine Unterstützung zu erwürken ich habe kein Holz zu brennen, und kein Stückei Brot zu essen; und bitte mich gleich in aufruf geben das ich eine Unterstützung bekommen ich befinde mich gerade jetzt in ein bittere Noth, und bitte mein Engel und Better vorstellen; sich unser, Erbarmen, und Bücksicht nehmen. Notb, und Elend, kehrten bei mir ein. Somit zeichnet sich in Untertehnigkeit Ihre ergebenste Dinerin Achtungsvoll Maria Himmelreich vormals Hilsner Gross-Meseritsch Mähren Judengasse 7. Nro. . . .

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