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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-30 · 48 (30.11.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Belle 816 Dr. JBlocb s Mocoens^ürm. Nr. 48 gebrauchen, ist von der Tora wegen der ungleichen Kraft der heute als selbstverständliche Rechts- und Sittlichkeitsvorschriften, Zugtiere als Tierquälerei untersagt. Als der Knabe seinen andere Hunderte betreffen den Kultus, den König, den Krieg, Meister von dieser Bespannung benachrichtigte, lächelte dieser Krankheitszustände u. dgl. Man kann nicht oft genug auf dieses und hieß den Knaben mit den Worten, er werde sich wohl Geflunker Hinweisen, das die vorgebliche „Gesetzlichkeit" schützen geirrt haben, nochmals Nachsehen. Dies geschah. Aber auch ein soll. Bleibt also nur der Komplex der auf den Sabbat, die zweites und drittes Mal wurde der Knabe von dem immer Feiertage und die Lebenshaltung bezüglichen Vorschriften, lächelnden Meister auf die Straße geschickt, um sich von der. Diese sollen nun eine „Last" sein, die jedes Gefühl, jeden Auf- Art der Bespannung zu überzeugen, bis dieser endlich dem schwung Niederhalten. Wer hat den christlichen Forschern gesagt, Besitzer des Fuhrwerks sagen ließ, er möge das ungleiche Gedaß die Uebung jener Vorschriften den Pharisäern eine Last spann entfernen und mit einem gleichartigen wiederkehren. Diese war, oder daß sie den frommen Juden eine solche ist? Wären zeitraubenden Veranstaltungen geschahen trotz obschwebender die christlichen Theologen nicht so überaus „gründlich" und nur Gefahr. Als der junge Schüler seinen Meister fragte, warum auf das geschriebene Wort, den überlieferten Buchstaben erpicht, er die Aenderung der Bespannung nicht sofort befohlen habe, so würden sie sich entschließen, einmal einen Blick in die überall antwortete derselbe, er habe noch nie in seinem Leben Gelegenzugängliche Sabbatstube eines armen frommen Juden zu werfen, heit gehabt, dem erwähnten Verbote der Tora sich folgsam zu und sie würden sehen, wie das vom Alltagsdruck beklommene erweisen. Jetzt, da diese Gelegenheit gekommen, habe er seine Herz unter der „Last" der Sabbatvorschriften aufjauchzt und Freude daran gehabt und die Gelegenheit nicht gleich durch den frischen Mut zu neuer Arbeit faßt. sofortigen Befehl der Umspannung fahren gelassen. Wenn man Unter dem Banne des Paulinischen Schlagwortes von der in Schürers „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Gesetzlichkeit des Judentums besitzen die christlichen Gelehrten Jesu Christi" in dem „Das Leben unter dem Gesetz" übernicht das geringste Verständnis für den großartigen schriebenen Kapitel liest, was dort über die Sabbatfeier gesagt Vorzug dieser Religion, der darin besteht, ist, die Zusammenstellung der 39 verbotenen Hauptarbeiten und daß sie das individuelle Verhältnis des anderes sich daran Anschließende, so muß man daraus den Menschen zu Gott nicht systematisiert, sondern Eindruck gewinnen, daß der Sabbat kein Ruhetag, kein Tag der als seine eigen st eHerzensangelegen heit hin- Erholung und der körperlichen wie geistigen Auffrischung und g e st e l l t h a t. Noch ein Wort ist in diesem Zusammenhänge Erneuerung, sondern ein Tag der Pönitenz und des Spießvon dem Glauben zu sagen. Der Apostel Paulus stellt dem rutenlaufens war. Nun aber wird in dem unter den Weis- „Gesetz der Werke" das „Gesetz des Glaubens" entgegen. Dasagungen Jesajas befindlichen Prophetenworte, das den bloß durch ist der Glaube der eigentliche Zentralpunkt des Ehristendurch körperliche Kasteiung und äußerliche Demutskundgebungen, tums geworden, und wie hier der Glaube an Gott vermittelt nicht aber durch eine vollständige Reinigung und Veredlung wird durch den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen der Gesinnung und Handlungsweise begangenen Fasttag mit Christus, so ist er auch von diesem untrennbar. Bereits Moses den schärfsten Worten verdammt — in diesem selben Propheten- Mendelssohn sagt sehr richtig: „Unter allen Vorschriften Worte wird der Sabbat eine „Lust" genannt, wobei aus der und Verordnungen des Mosaischen Gesetzes lautet kein einziges beigefügten kurzen Charakteristik seiner Feier nicht undeutlich Du sollst glauben! oder nicht glauben, sondern alle heißen: Du hervorgeht, daß dieselbe, so wie sie späterhin beobachtet wurde, sollst tun oder nicht tun! Dein Glauben wird nicht befohlen, auch schon dem Propheten als geboten erschien. Wer gibt nun denn der nimmt keine anderen Befehle an, als die den Weg einen richtigen Begriff von der Sabbatfeier, Schürer, nach der Ueberzeugung zu ihm kommen. Alle Befehle des göttlichen dem sie eine Qual, oder jener Prophet, für den sie eine Lust Gesetzes sind an den Willen, an die Tatkraft des Menschen ist? Dieser prophetische Ausdruck lebt aber heute noch im Jüdengerichtet. . . . Nirgends wird gesagt: Glaube Israel, so wirst tum, und ein seinen Bekennern geläufiges Sprichwort weiß ein du gesegnet sein, zweifle nicht Israel! oder diese und jene Strafe reines und hohes Vergnügen nicht besser zu bezeichnen, als wird dich verfolgen. . . . Daher hat auch das alte Judentum indem es von ihm sagt: ..Es ist ein wahrer „Oneg Schabbos", keine symbolischen Bücher, keine Glaubensartikel. Niemand durfte „eine wahre Sabbatlust", „ängstliche Sorge um die Be- Symbole beschwören, niemand ward auf Glaubensartikel beeidigt." folgung der 613 Gebote" bleibt immer das Um und Auf Daß dennoch von einigen jüdischen Religionsphilosophen mehr der christlichen Auffassung des Judentums. Machen wir oder weniger Glaubensartikel aufgestellt wurden, ändert an dieser uns diese „Sorge" einmal klar! Es ist die „Sorge", nicht Sachlage nichts. Sie haben nie kanonische Geltung erlangt, falsch zu schwören, nicht zu morden, zu ehebrechen, noch M e nd e ls s o h n sagt von ihnen: „Zu Glaubensfesseln sind sie, zu stehlen, nicht falsches Zeugnis abzulegen, nicht zu Gottlob, noch nicht geschmiedet worden." Selbst der orthodoxeste betrügen, noch zu übervorteilen, keine falschen Gewichte zu Jude darf dem Christen das Wort Kants entgegenhalten: gebrauchen, nicht zu lügen, keinen zu kränken, noch zu belei- „Die unbedingte Nötigung, etwas zu glauben, was nicht für digen, dem Tauben nicht zu fluchen, dem Blinden keinen Anstoß jedermann überzeugend sein kann, ist ein für gewissenhafte vorzulegen, dem Ochsen beim Dreschen nicht das Maul zu ver- Menschen weit schwereres Joch, als der ganze Kram frommer binden, keine Götzen anzubeten, keine Unzucht zu treiben usw. auferlegter Observanzen nur immer sein kann." Wie sehr die Wir fragen, können diese Verbote, die mit ihren Spezialisierungen jüdische Religion sich gegen das „Gesetz des Glaubens" sträubt, schon einen großen Teil der 613 Gebote ausmachen, einem und ein um so größeres Gewicht auf die Erkenntnis und die auch nur halbwegs ordentlichen Menschen Sorge bereiten? Und Tat legt, ersieht man aus der Hagada, die Gott das Wort in wenn ja, lastet diese Sorge nicht auf der Brust jedes Menschen, den Mund legt: „Mögen sie immerhin mich verlassen, wenn sie auch wenn er kein Pharisäer ist? Andererseits sind in jener sich nur mit meiner Tora beschäftigen, das darin enthaltene Anzahl von Vorschriften diejenigen inbegriffen, die dazu auf- Licht wird sie schon zu mir zurückführen." Damit soll selbstfordern, Gott zu lieben und zu ehrfürchten, in seinen Wegen verständlich nicht gesagt sein, daß der Glaube nicht den Mittelzu wandeln, seine Eigenschaften zum Muster zu nehmen, ferner Punkt des Judentums bilde. Aber er ist Sache der Gesinnung, diejenigen, die gebieten, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, Hier, an dem Knotenpunkte, wo schließlich alle religiösen sowie die auf die' gute Behandlung der Fremden bezüglichen, Empfindungen sich vereinigen, rechtfertigt sich sofort die oben welche letzteren Vorschriften allein auf 36, nach anderen auf 5'von uns aufgestellte Behauptung, das Judentum sei recht eigent- 46 sich belaufen. Diese und ähnliche Vorschriften wird wohl sich Gesinnungsreligion, und da will man ihm die Gesinnung keiner gern vermissen. Weiter faßt jene Anzahl die Bestimmungen ^abstreiten! Die Stellung des Glaubens im Judentum ist wiederum in sich, die sich auf das Opferwesen, die Priester, und auf ge-Min dessen Zusammenhang mit der Familie begründet. So wenig wisse Zustände beziehen, wie auf den Aussatz an Häusern, Ge-Mwie ein Vater von seinem Sohne verlangt, daß er an ihn raten und Menschen u. dergl. Diese dürften allein an die 200^ staube, da dies aus dem gegenseitigen Verhältnis als etwas betragen! Was soll also das Gerede von der „ängstlichen Sorge» Selbstverständliches sich ergibt, ebensowenig stellt Gott diese um die Befolgung der 613 Gebote?" Hunderte davon erscheinenWForderung an Israel. Der Glaube ist in ihm kein Auftrag,

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