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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-30 · 48 (30.11.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 J8)i. Llocd's MocbenscvrM. Sette 813 Kandidat Adolf Schramek. Sehr geehrte Versammlung! Ein Spruch lautet: „Rede wenig und halte viel." Auch hier, meine Herren, werde ich sehr wenig sprechen, jedoch das vorgelegte Programm vollständig halten und womöglich durchführen. Ich bin seit 20 Jahren Obmann eines Tempelvereines, habe mir bei dem« selben viele Erfahrungen erworben und gesehen, daß diese Tempelvereine eigentlich die Agenden der Kultusgemeinde ausführen. Ich bin nicht nur für den Bau eines größeren Tempels in der Inneren Stadt, sondern auch für den Bau anderer Tempel, wo dieselben ebenso notwendig sind, damit einmal die Schmach der Minjamin in sanitätswidrigen Lokalen und das Minjamgewerbe aushört, ich bin auch stets bereit, die Tempelvereine in dieser Richtung, sowie in all ihren Wünschen nach Kräften zu unterstützen. Seit acht Jahren bin ich auch Obmann der Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk und habe unter anderen Agenden auch die Kultusbesteuerung dieser Bezirke vorgenommen. Ich habe jedem einzelnen der Kommissionsmitglieder nahegelegt, daß selbe bei Einschätzung einer anderen Person stets daran denken, daß sie sich selbst einschätzen, indem ihnen das Geld des Nächsten ebenso lieb sein soll, wie das eigene. Auch bei der Besteuerung der Personaleinkommensteuer, wobei ich fungiere, habe ich stets obigen Grundsatz vor Augen gehabt. Wenn Sie mit dieser meiner Handlungsweise zufrieden sind, bitte ich um Ihr Vertrauen. (Lebhafter Beifall.) Kandidat Sam. Steiner. Als letzter Kandidat spricht Herr Sam. Steiner. Er stellt sich als ein Mann vor, der durch viele Jahre in der Chewra-Kaoischa gewirkt hat und im Bezirke Fünfhaus seit 15 Jahren Beihausvorstand ist Er hatte reichlich Gelegenheit, die Bedürfnisse der Bevölkerung kennen zu lernen, soweit sie den Kultus und das Armenwesen betnffen, und will sich mit vollster Hingebung der Mitarbeit in diesen Sektionen widmen. Seine Wirksamkeit hat ihn mit vielen hervorragenden Männern der Wiener jüdischen Kultusgemeinde bekannt gemacht und befreundet und er will einen regen Verkehr mit ihnen unterhalten, um feine Entschlüsse nicht am grünen Tisch zu fassen, sondern im öffentlichen Leben heranreifen zu lassen. Es sei nicht seine Sache, große politische Rkden zu halten — als allgemeines Programm akzeptiere er das des Zentral-Watilkvmitees — und er müsse es den vielen Kennern seiner Lebensführung und Tätigkeit überlassen, zu bestätigen, ob er das Vertrauen verdiene, um das er jetzt die Wählerschaft ersuche. (Lebhafter Beifall.) Sodann folgen Anträge und Interpellationen. Als erster interpelliert Herr Dr. Zipfer in der Affaire Taussig. Er rekapituliert die Geschichte der russischen Pogrome und des Milliardenanlehens, das teilweise zur Bewaffnung der „Schwarzen Hundertschaften" verwendet wurde und woran sich jüdische Finanzmänner beteiligten. Dagegen müsse man Protest erheben und auch dagegen Einspruch erheben, daß auf Seite 3 des Rechenschaftsberichtes dem Kultusvorstand Ritter von Taussig Dank und Anerkennung ausgesprochen werde, der sich doch dem Zarismus gefällig erwiesen habe. Redner bittet, die Versammlung möge aussprechen, das dieser Passus nicht zur Kenntnis genommen werde. (Lebhafter Beifall.) Im Namen rines Teiles der Orthodoxen spricht nun Herr K o m e t. Er wünscht, daß ans den schönen Programmen und Worten gute Taten würden. Aber er erinnere sich der Geschichte von dem Bauer, der in eine Stadt gekommen sei, als gerade die Feuerglocke schlug. „Warum läutet die Glocke?" fragte er einen Passanten. „Wenn ein Feuer ausbricht", lautete die Antwort, „so läutet die Glocke und das Feuer wird gelöscht." Das gefiel dem Bauer und als er nachhause kam, sagte er, er wisse nun ein sehr gutes Mittel gegen das Feuer. Das sei so eine Glocke, wie sie die Städter haben. Die läutet man, wenn ein Brand auebncht und das Feuer wird gelöscht. Also kaufte man eine Glocke und als es brannte, läutete man damit aus Leibeskräften, bis das ganze Dorf eingeäschert war. So habe man oft und viel von Einigkeit und Liebe in der Gemeinde läuten hören, käme es aber zu Taten, so sei die Bereitwilligkeit zu Ende Darüber hätten sich die Orthodoxen zu beklagen, auf die man durchaus zu wenig Rücksicht nehme. Ihre kultuellen Einrichtungen haben darunter sehr zu leiden. Redner wendet sich nun gegen den Rabbiner M a y e r s o h n, die Versammlung protestiert jedoch s» energisch, daß Herr Komet auf das Wort verzichten muß. Die Forderungen der Orthodoxen bringt nun Herr Wolf Pappenheim zur Sprache, nicht ohne Widerspruch zu wecken. Er beklagt sich über ungünstige Behandlung orthodoxer Bethausvereine und daß man für vie 36 Bethäuser der Orthodoxen zu wenig Subventionen im Verhältnis zu den Reformierten gebe. Man solle nicht einseitig sein und jeden nach seiner Fatzou selig werden lassen. Es seien nun einmal 30 Perzent der Gemeindemitglieder nicht gesonnen, ihren Gottesdienst bei Weibersaug und Orgelklang zu feiern. Man lege den Orthodoxen allerlei Schwierigkeiten in den Weg. Auch drohe die Angelegenheit der Mikwah langsam zu einem Skandal herauszuwachsen. Man solle es sich überlegen, die Orthodoxie unterdrücken zu wollen, denn man könne später vielleicht einmal sehen, daß man damit das Judentum unterdlü^t habe. (Beifall.) Herr P l a s ch k e s interpelliert den Präsidenten, ob es wahr sei, daß er in einer Sache, von der die Existenz einer Familie abhänge, allzu streng vorgegangen fei und sogar die Vermittlung der Schulbehörde zurückgewiesen habe. Präsident Dr. S t e r n gibt darauf sofort erschöpfende Auskunft. Präs. Dr. Alfred Stern über die Affaire Fink. Ueber die an mich gerichtete Interpellation des Herrn Plaschkes habe ich folgendes zu bemerken: Vor zwei Jahren bei einer Wähl'erversammlung ist dieser Gegenstand zur Sprache gekommen. Ich sagte damals, daß ich über persönliche Dinge hier keine Auskunft geben wolle, weil eine Versammlung nicht der Ort sei. persönliche Verhältniffe zur Sprache zu bringen. Ich erklärte damals weiters, daß wir im Vorstande geradeso wie in jeder anderen Körperschaft öffentliche und vertrauliche Sitzungen haben und daß persönliche, namentlich aber Disziplinarangelegenheiten niemals in öffentlicher Sitzung behandelt werden, nicht bei der Kultusgemeinde und auch in sonst irgend einer anderen Körperschaft. Der Grund hiefür liege auf der Hand. Wenn jemand diszipliniert wird, so soll man ihn ja nicht für alle Zeiten unmöglich machen, nicht schädigen in seinem Berufe, den er ja weiter verfolgen kann. Ich sagte ferner, die Versammlung möge aus ihrer Mitte einige Herren, sechs, zehn oder zwölf wählen, die sich zu mir ins Präfidialbureau bemühen mögen, woselbst ich ihnen den Akt, der sich auf diese Angelegenheit bezieht, vorlegen werde. Ich glaube, meine Herren, anständiger, loyaler kann man in solcher Sache nicht sprechen und wegen dieser Angelegenheit, auf Grund dieser Aeußerungen wurde ich beim Bezirksgerichte wegen Ehrenbeleidigung geklagt; nicht allein ich, sondern auch Herr Dr. Berger, ein wirklich ausgezeichneter, ruhiger Mann, der sich nur, um Weiterungen zu verhüten, mit der Sache befaßt hatte. Es hat dieser Ehrenbeleidigungsprozeß ein volles Jahr gedauert, er wurde durch zwei Instanzen geführt, und ich muß gestehen, daß es hier in Wien noch nicht vorgekommen ist, daß ein ehemaliger Rabbiner oder Religionslehrer den Präsidenten der Gemeinde wegen einer in Ausübung seines Amtes pflichtgemäß mit aller Vorsicht und Schonung getanenen Aeußerung wegen Ehrenbeleidigung vor Gericht zitiert hätte. Es ist bei der Abweisung der Klage in erster Instanz nicht geblieben. Es wurde an das Landesgericht appelliert und es ist auch von diesem anerkannt worden, daß ich mich genau in den Grenzen jener Abwehr gehalten habe, die mir als Präsident obliegt, daß ich nur pflichtgemäß gehandelt habe oder» wie die juristische Ausdruckswcise lautet, in Wahrung berechtigter

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