Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 91! Dr. Lloco s Mlocvenscbrttl. Nr. 48 und ärztlicher Leitung auf gleicher Höhe. Bei einem gelegentlichen Besuche, den ich daselbst machte, traf ich mehrere Pfleglinge, die mir auf die Frage, wie es ihnen gehe, dieselbe Antwort gaben, wie sie Se. Exzellenz der Finanzminister dem Budgetausschusse erteilte: „Es geht uns nicht schlecht." Ein Beweis allseitiger Zufriedenheit Wir besitzen dann ein Blindenlnstitut (Heller), ein Waisenhaus (Hecht), eine Kinderbewahranstalt, Toynbeehalle. Waisenhausverein, Unterstützungsverein für arme Mädchen, die nebst Kleidermachen, Handarbeiten, Näharbeiten auch Unterricht in Buchhaltung und kaufmännischem Rechnen, ähnlich wie in Handelsschulen, genießen, Ferienheim, die größtenteils reichlich subventioniert werden. Nachdem Sie nun gesehen, welche großen Opfer die Gemeinde bringt, um den Armen und Notleidenden ihre Lage zu verbessern, wie alles Trachten im Spital und Siechenhaus darauf gerichtet ist, den Kranken ihre Qualen zu mildern, ihre Schmerzen zu lindern, ihre Wunden zu heilen, ihnen das Leben zu verlängern und zu verschönern, so komute ich zu dem Resume, daß, wenn wir über die Leistungen des Vorstandes und des geehrten Präsidiums nicht gerade in Jubelhymnen ausbrechen wollen, so doch in der Brust eines jeden von uns ein Gefühl der Dankbarkeit sich regen möge für das viele Gute und Nützliche, das diese Männer während ihrer Amtsperiode mit Aufopferung von Zeit, Mühe, Geld und Geduld geleistet haben. Und diesem Gefühl können wir am besten Ausdruck geben, wenn wir denjenigen, die sich neuerdings um ihr Mandat bewerben, unser ganzes Vertrauen wieder schenken. Denn, glauben Sie mir, ein so großartiges Räderwerk in einer so komplizierten Maschine wie unsere Gemeinde in Gleichgewicht und Ordnung zu erhalten, ist keine Kleinigkeit. (Lebhafter Beifall.) Ich bin Mitglied des Ortsschulrates des II. Bezirkes durch nahezu zwei Dezennien. Der Ortsschulrat vermittelt die Differenzen zwischen Schule und Haus. Hiedurch gewann ich einen sehr lehrreichen Einblick in die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern. Oft hörte ich klagen über den Religionsunterricht an Volks- und auch Mittelschulen. Während die eine Partei die hebräische Sprache am liebsten ganz ausmerzey will, verlangt die andere Partei ein tieferes Eindringen in den Geist derselben. Daß man aber mit 2 Religionsstunden in der Woche sein Auskommen nicht finden kann, ist selbstverständlich. Die Kinder müssen eben auch Privatunterricht genießen. Leider find aber viele Eltern gegen das Hebräische sehr aufgebracht und meinen, die Kinder seien zu viel angestrengt. Andere meinen wieder: es ist schon genug, wenn die Kinder bloß hebräisch lesen und manches übersetzen können. Meine Herren, ohne Grammatik geht es hier ebensowenig, wie im Englischen, Franzöfischen rc. Es wird also Sache des Vorstandes sein, genaue Instruktionen an die Herren Professoren und Lehrer hinauszugeben, damit endlich die Rekriminationen aufhören. Von Seite der Mitglieder der Bezirkskommissionen wird auch Klage geführt, daß sie eigentlich nur für die Steuereinschätzung benützt werden, daß jedoch der Vorstand bei Rekursen über den Kopf der Einschätzungskommisfion hinweg die Zensiten einschätzt trotz Recherchen, die mit größter Skruprlhaftigkeit durchgeführt und auf welche sehr viel Zeit und Mühe verwendet worden. Es ist daher erwünscht, die Einflußsphäre dieser Kommission ganz genau zu definieren und zu begrenzen, damit bekannt werde, wo der Anfang und das Ende ihrer Wirksamkeit sei. Ich schließe und erkläre mich nach den vortrefflichen Ausführungen des geehrten Herrn Vorredners und Referenten des Wahlprogrammes mit demselben vollkommen einverstanden und bereit, dasselbe in allen Punkten durchzuführen und mit allen Kräften zu unterstützen. (Lebhafter Beifall.) Kandidat kais. Rat Leopold Langer. Geehrte Herren! Im Hinblicke auf die vorgeschrittene Zeit und die große Anzahl von Rednern, die noch nach mir zu Gehör kommen wollen, halte ich es nicht für meine Aufgabe, ein langes Programm zu entwickeln. Ich glaube einem großen Teile von Ihnen, außer meiner sonstigen Tätigkeit, auch als Mitglied des Tempelvorstandes bekannt zu sein und kandidiere auf Grund der vom Wahlkomitee aufgestellten Grundsätze. Gewohnt, allerorts meine Verpflichtung zu erfüllen, werde ich, wenn Sie mich mit Ihrem Vertrauen beehren, bestrebt sein, mich im Kultusvorstande nach Kräften zu betätigen. (Lebhafter Beifall.) Kandidat Prof. Dr. Josef Pollak. So sehr ich auch die hohe Ehre zu schätzen weiß, Mitglied des Vorstandes der ersten und größten Judengemeinde Oesterreichs zu sein, muß ich mir doch sagen, daß mein Ehrgeiz als Mann der VMenschaft auf einer anderen Seite liegt. Wenn ich mich dock entschlossen habe, zu kandidieren, so geschah es aus dem Grunde, weil eine Vereinigung von Männern, die sich die hohe Aufgabe gestellt haben, das geistige und ethische Niveau der Juden zu heben, mir nahegelegt hat, aus meiner bisherigen Reserve herauszutreten und meine Kraft in ihrem Sinne in den Dienst der Gemeinde zu stellen. So peinlich es mir auch ist, mich mit meiner Persönlichkeit zu beschäftigen, und wiewohl ich durch meine Berufstätigkeit genügend bekannt zu sein glaube, muß ich doch einiges notwendigerweise Vorbringen. Ich betone vor allem, daß ich nicht nur stets als guter Jude gefühlt habe, sondern auch stets mein Judentum bekenne. Dies war in anderen Zeitläuften wohl selbstverständlich, heutzutage gehört aber, gerade in meinem Stande, ein gewisser Mut dazu. Ich will aber auch im Vorstande die Ansicht vertreten, daß derselbe in allen das Judentum betreffenden Fragen energisch Stellung nehme. Mein bisheriges Wirken in der jüdischen Toynbeehalle und im galizischen Hilfsverein, welches nicht ohne Erfolg war, dürfte Vielen von Ihnen bekannt sein. Was meine eventuelle zukünftige Tätigkeit im Vorstande anbelangt, so ist es naturgemäß, daß ich mich als Arzt und Lehrer insbesondere mit den Spitalsangelegenheiten und mit dem Religionsunterrichte beschäftigen will. Namentlich die Regelung des Religionsunterrichtes in den Mittelschulen bedarf dringendst einer Remedur, die zu schaffen ich mich redlich bemühen werde. Indem ich es für überflüssig halte, ein detailliertes Programm zu entwickeln, gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich, wenn mir die Erkenntnis kommen sollte, daß meine Kräfte nicht der gestellten Aufgabe entsprechen, freiwillig mein Mandat zugunsten eines Besseren in Ihre Hände zurücklegen will. (Lebhafter Beifall.) Kandidat Kommerzialrat Leop Simon. Geehrte Herren! Einer mich ehrenden Anregung Folge leistend, habe ich es für eine Pflicht der Pietät gehalten, im Sinne der Traditionen, in welchen ich ausgewachsen bin, Ihnen meine bescheidenen Dienste zur Verfügung zu . stellen. Ich hatte bisher selten Gelegenheit, in jüdischen Vereinen und Versammlungen mit den geehrten Wählern in Berührung zu kommen; jedoch sind mir die Einrichtungen und Institutionen der Gemeinde, in der ich mein ganzes Leben zugebracht, nicht fremd. Falls mir die Ehre zuteil wird, in den Vorstand der Kultusgemeinde entsendet zu werden, würde ich in erster Reihe den gottesdienstlichen Angelegenheiten, sowie den Humanitätsanstalten der Gemeinde mein Interesse zuwenden und mich bemühen, in der Ausgestaltung derselben nach Kräften mich zu betätigen. Sie werden mir die Erstattung eines umfassenden Programmes schon aus dem Grunde erlassen, weil meine Kandidatur ja auf dem Programme fußt, welches das geehrte Wahlkomitee heute zu Ihrer Kenntnis gebracht hat und welches Ihre Zustimmung erhalten hat. Gestatten Sie mir nur noch, der Versicherung Ausdruck zu geben, daß, falls Sie mir das Vertrauen einer Wahl in den Vorstand schenken, ich bestrebt sein werde, das Mandat in jenem Geiste auszuüben, von dem mein sel. Vater erfüllt war, welcher Jahrzehnte seines Lebens dem Wohle dieser Gemeinde und seiner Mitglieder gewidmet hat. (Lebhafter Beifall.)