Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 806 Nr. 48 Dr. JBlocb’s Kaudidaten-Lifte: Mit sechsjähriger Funktionsdauer (weißer Stimmzettel): Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichtsadvokat, L, Judenplatz 8. Cmaunel Hoffman», Brauhauskassier, XIII., Karl Ludwigstraße 27. Dr. Gustav Kohu, Hofhund Gerichtsadvokat, IX., Hahngafse 25. Dr. Josef Pollak, Universitätsprofessor, I., Annagasse 1. Adolf Schrame?, Kaufmann, II., Novaragasse 21. Kommerzialrat Leopold Simon, Kaufmann, 1., Freisingergasse 1. Dr. Maximilian Steiner, Generalrepräsentant, L, Graben 16. Dr. Alfred Stern, Hof- und Gerichtsadvokat, 11., Untere Donaustraße 27. Mit vierjähriger Funktionsdauer (grüner Stimmzettel): kais. Rat Leopold Langer, Bankier, I., Kärntnerring Mit zweijähriger Funktionsdauer (blauer Stimmzettel): Max Frank, Handelsgesellschafter, IX., Berggasse 19. Dr. Hermann Löwi, prakt. Arzt, II.. Novaragasse 20. Samuel Steiner, Bauunternehmer, VII., Burggasse 72. Wähler und Glaubensgenossen! Ihr werdet sonach dringend gebeten, bei der Wahl zuverlässig zu erscheinen, die drei Stimmzettel in Gemäßheit der voranstehenden Liste auszufüll-n und am Wahltage, Sonntag den 2. Dezember 1906 zwischen 9 und 2 Uhr in dem auf der Legitimationskarte bezeichneten Orte Euer Wahlrecht auszuüben. Wien, 24. November 1906. - Mit glaubensbrüderlichem Gruße: Das Zeutral-Wahlkomitee: Dr. Leopold K o h n, Präsident. Dr. Herrmann F i a l l a, Vizepräsident. Siegfried Fleischer, Schriftführer. Herrmann Beck, Gottlieb Bettelheim, Dr. I. S. Bloch, S. Brod, Kommerzialrat Eduard Doctor, Dr. Leo Ehrenteil, Julius Granichstädten, Direktor Alexander Hecht, S. Heit, Adolf Hofmann, Jakob Jaiteles, Osias Juer, Jakob Kann, Ignaz Klein, Anton Koretz, kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, Jakob März, Dr. Alexander Mintz, Samuel Mohr, Heinrich Neuseld, Dr. Jakob Ornstein, Wilhelm Pappenheim, Moritz Pick, Jakob Ripper, Dr. Ernst Rosenthal, Regierungsrat Dr. Julius Schlag, Karl Seligmann, Salomon Simon, Samuel Steiner (Thonwarenfabrikant, Bellariastraße), kaiserlicher Rat Ignaz Wilhelm, Albert Winterberg, Dr. Josef Winternitz,- Julius Wolf, Donat Zifferer. Uersammlung der Mahler für die südische Kultusgemeinde. Anläßlich der bevorstehenden Wählen für die Wiener jüdische Kultusgemeinde fand Montag den 26. d. M. eine Wählerversammlung der israelitischen Kultusgemeinde im großen Saale des „Hotel Post" am'. Fleischmarkt statt, die von einigen hundert Wählern aus allen Bezirken besucht war. 'Die Versammlung, welche von 6 Uhr abends ab vier Stunden währte, verlies oft sehr bewegt, stellenweise sogar stürmisch. Doch ist es nur mit Freuden zu begrüßen, wenn'die Meinungen scharf aufeinander geraten und Wünsche und Forderungen sich laut zu Worte melden. Das gibt Zeugnis vom gährenden Leben und Interesse für jüdische Fragen und ist viel besser^ als wenn ein stummer Anhang die Rolle eines geduldigen Publikums spielt. Die Aufregung wurde durch-folgender Momente in: die Versammlung: getragen: Es gab persönliche Auseinandersetzungen zwischen orthodoxen Parteien verschiedener Richtungen. Dann kam es MocdenscdrtN. zu hitzigen Debatten über den Umstand, daß das'Zentral- Wahlkomitee die Kandidaturen der ausscheidenden Kultusvorstände kaiserl. Rat Wilhelm Pollak und E l t b o g e n nicht wieder ausgestellt hatte. Wie kaiserl. Rat Wilhelm Pollak selber ausführte, lag seinerseits ein Verzicht vor und er beleuchtete die Ursachen in witzig pointierter Rede. Für Herrn Eltbogen traten einige Prigittenauer Wähler, an ihrer Spitze die Herren Josef K o h n und Kaiser, sehr temperamentvoll ein. Ihnen gegenüber entwickelte der Vizepräsident des Zentral-Wablkomitees, Herr Dr. Herrmann F i a l l a Standpunkt und Programm des Komitees in inhaltsreichen, formvollendeten Ausführungen. Alle Aufregung löste sich schließlich in Wohlgefallen auf. Das war ein Verdienst des Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, welcher ausgezeichnet präsidierte unter dem Grundsatz, daß man sich der Leidenschaft am besten durch die Leidenschaftslosigkeit erwehre, ohne jedoch die Energie zu verlieren. Auf der Präsidentenestrade waren gegen zwanzig Mitglieder des Kultusvorstandes anwesend. Die Versammlung nahm folgenden Verlauf: Der Präsident Herr Dr. Alfred Stern eröffnet die Versammlung, begrüßt in warmen Worten die erschienenen Gemeindemitglieder und verliest nachstehende Briefe: Wien, 26. November 1906. Geehrter Herr Präsident! Infolge meines leidenden Zustandes bin ich zu meinem lebhaften Bedauern außer Stande, .in der Wählerversammlung zu erscheinen. Wenn man 10 Jahre lang sich in den Dienst der Gemeinde gestellt hat, darf man wohl annehmen, der geehrten Wählerschaft nicht unbekannt zu sein. Während der ganzen Zeit meiner Tätigkeit habe ich an den Arbeiten der Fachkommissionen für Kultus und Unterricht teilgenommen, in den letzten zwei Jahren auch an den alle Gemeindeagenden umfassenden Arbeiten des Vertreterkollegiums. Im Falle meiner Wiederwahl beabsichtige ich, mich auch fernerhin den Arbeiten der Kommissionen für Kultus und Unterricht zu widmen, da ich deren Aufgaben für die allerwichtigsten halte. Die Kommission für Kultus und rituelle Angelegenheiten wird den religiösen Bedürfnissen der Bezirke erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen haben, um die vom Gesetze verlangte Berücksichtigung aller Gemeindeteile praktisch durchzuführen. Die Unterrichts-Kommission muß die Verbesserung des Religionsunterrichtes unausgesetzt anstreben; eine Revision des Lehrplanes für Mittelschulen steht bevor, wobei unter Aufrechthaltung unserer heiligen Sprache, als integrierenden Teiles des Religionsunterrichtes, dem Wunsche nach Erleichterungen tunlich Rechnung getragen werden kann. . An diesen wichtigen Arbeiten teilzunehmen, wird mir zur besonderen Ehre und inneren Befriedigung gereichen. Indem ich Sie, hochgeehrter Herr Präsident, ersuche, dies den geehrten Wählern in geeigneter Weise zur Kenntnis zu bringen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Alfred Berger. Der Vorsitzende bemerkt, daß auch Herr Em. H o f fm a n n durch Unwohlsein verhindert ist, in der Versammlung zu erscheinen. Der Präsident ermangelt nicht, die Wiederwahl des Herrn Dr. Alfred B e r g e r als einen der „Besten" (Bei- - fall), sowie des Herrn Emanuel H o f f m a n n, der nicht minder mit Ernst und Eifer seine Pflicht getan, in den wärmsten und eindringlichsten Worten zu empfehlen. Der Präsident gibt bekannt, haß er zunächst den aus- - tretenden, resp. zur Wiederwahl gelangenden Vorstandsmitgliedern das. Wort zu erteilen beabsichtigt, worauf der Referent :des Wahlkomitees, . Herr - Dr/. H. F s a IX a, seinen Bericht zu / erstatten haben wird, sowie die neu angemeldeten Kandidaten den Wählern sich vorstellen werden. Nach Erledigung dieses