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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-30 · 48 (30.11.1906) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 48 ■ Bloch’s Iahrga»g XX111 Zentraloroan für die gesamten Interessen des Judentums. Wim, 30. November 1S06. 17: Lrscbelnt jeden Lreitag. Brief-Adreffe: Mten. IX/I, Lerggasse 39. Telegramm-Adresie: Llocb's Mlo<Lenscbrlkt. Mlien. Inhalt: Leitartikel: Zentral-Wahlkomitee für die israelitischen Kultusgemeinden in Wien 1906. — Versammlung der Wähler für die jüdische Kultusgemeinde. — Jüdische Apologetik. — Ueber die Zukunft Palästinas. — Korrespondenzen: Eröffnungsfeier der Wiener Israelitischen Religionslehrer-Bildungsanstalt. Die christlichen Bediensteten der Wiener General-Omnibus-Kompagnie. Ein antisemitischer Zuchthauskcmdidat. Budapest. Berlin. Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem. Ein Beitrag zur russischen Judenfrage. Die Keheimgeschichte der russischen Pogroms. Washington. — Vermischtes: Bethausspenden. Verein „Jehuda Halevy". Wien. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Dr. Wilhelm Zucker. Dürrmaul bei Manenbad. Preßburg. Budapest. Freiwaldau. Prag. Jiöin. — Feuilleton: Die Schreckensherrschaft. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. D---« Vrprg«pr»ia für Vestrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nusland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Penrzetle 24 Heller, ft-* 4--:-« N. ft. Postsxarftapen-Amr Lleartng-verkebr Nr. 810.976. Sedalllion und Administration: Wien IX/1, Verggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. n-:-» Zentral-Wahlkomitee für die israelitischen Knltusgemeindemahlen in Wien 1906. Wähler, Glaubensgenossen! Mit dem diesmaligen Wahlgange schließt ein volles Dezennium ab, innerhalb dessen das gefertigte Wahlkomitee, wohl dem Wechsel einzelner Personen unterworfen, doch immer einmütig in dem Bestreben, dem Wohle unserer großen ehrwürdigen Gemeinde zu dienen, deren Schicksale und Entwicklung sorgfältig beobachtet und bei den jeweiligen Wahlen ihres Vorstandes der Wählerschaft seine Anschauungen, Wünsche, Forderungen und Vorschläge unterbreitet hat. Wahlprogramm und Kandidatenliste find stets die sichtbaren Formen und Kundgebungen, in denen die Ergebnisse unserer sachlichen und persönlichen Prüsung zum Ausdrucke gelangen, — und auch diesmal bieten wir Euch diese beiderlei Ergebnisse unserer Tätigkeit zu Euerer sorgsamen Prüfung und Genehmigung. Mittelst unseres beiliegenden Programmes haben wir uns bemübt, der getreue Dolmetsch jenes überwiegend großen Teiles der Wählerschaft zu sein, dem die friedliche, aber gleichwohl stetige und die höchsten Ziele anstrebende Ausgestaltung unseres jüdischen Gemeinwesens am Herzen liegt, der die Wege des Fortschrittes und die Mittel seiner gesunden Entwicklung einsichtsvoll erforscht und auswählt, der gewagte Experimente ablehnt und insbesondere auch die verlockende Nachahmung und Uebertragung politischer Formen und Errungenschaften, welche auf staatlichem Gebiete alle Berechtigung und Bedeutung besitzen mögen, mit dem Wesen und den Lebensbedingungen des so ganz anders gearteten Organismus der Kultusgemeinde jedoch unvereinbar erscheinen. Wir ignorieren und verkennen keineswegs die Strömungen und Bestrebungen, welche auf nationalem und politischem Gebiete große und ansehnliche Teile der Judenheit durchdringen; wir wenden allen Erscheinungen und Bewegungen die lebhaftesten Sympathien zu, welche das Schicksal und die Zukunft unseres Volksstammes günstig zu beeinflussen und segensvoll zu gestalten vermöchten, — doch Kultuswahlen und Kultusstube find unseres Erachtens sreizuhalten von nationalen und politischen Kämpfen, deren Interessen und Ziele so wesentlich andere find, als die Aufgaben und die Mission der einzelnen Gemeinde. Mag unser Programm, welches sich an unsere, damals von allen Seiten beifälligst begrüßte und durch die Wahlen sanktionierte Kundgebung vom Jahre 1904 anschließt, auch nicht Alles enthalten, was auf den verschiedenen Gebieten des Gemeindelebens wünschens- und erstrebenswert erscheint, so geben wir Euch zu bedenken einerseits, daß vieles bereits Gesagte, insoweit es nicht schon Erfüllung gefunden, auftecht erhallen wird, und andererseits, daß nur in einem stufenweise geläuterten Fortschritt wahrhafte Befferungen und erhebliche Aenderungen erreichbar erscheinen und das reell Erfüllbare nicht durch gleichzeitige Ueberschwänglichkeiten entwertet, ja selbst vereüelt werden soll. Den Prüfstein der Richtigkeit dieser unserer Methode erblicken wir nicht ohne Befriedigung in den Errungenschaften des abgelaufenen Dezenniums, welches viele unserer Postulate erfüllt, das Jntereffe für unsere Gemeinde verbreitert und vertieft, das Niveau der Verwaltung ersichtlich gehoben und deren Sinn und Eifer für die idealen Aufgaben ihrer Stellung mächtig geweckt hat. So dürfen wir denn auch diesmal erwarten, mll diesem unserem Programme Euerem Denken und Empfinden, geehrte Wähler und Glaubensgenoffen, zutreffenden Ausdruck gegeben und Euch dadurch zur lebhaften, ausnahmslosen Beteiligung an den am 2. Dezember d. I. ftattfindenden Wahlakte angeregt zu haben. Die Kandidatenliste bezeichnet Euch die vom Komitee nach gewiffenhafter Prüfung und in seiner nach jeder Richtung hin vollsten Unabhängigkeit zur Wahl empfohlenen Männer, welche berufen sein sollen, teils in Fortsetzung ihrer bisherigen, verdienstlichen Tätigkeit, teils durch neue Betätigung ihrer Kräfte und Anlagen der Verwirklichung unseres WahlprogrammeS und den Intentionen ihrer Wählerschaft zu dienen und das ehrenvolle Mandat unter der unantastbaren Devise zu erfüllen: DaS Wohl der Gemeinde sei das oberste Gesetz!

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