Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 800 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 47 eigentlichen Jubeltage der Kultusvorstand und nachdem Herr Kantor und Religionslehrer Adolf Kohn in einer herzlichen Ansprache das humanitäre Wirken beider hervorhob, wurde ihnen eine künstlerische Adresse überreicht. Eine Deputation des israelitischen Frauenhilfsvercines ehrte dessen verdienstvolle Kassierin Frau Josefine Fried durch eine prachtvolle Blumenspende. Tief gerührt ob der besonderen Auszeichnungen dankten die Jubilare für die ihnen zuteil gewordenen Ehrungen. Auch der Stadtarmen ohne Unterschied der Konfession gedachten die Jubilierenden hochbeizig. Bodenbach. Herr Otto Schlaf, Bankbeamter in Bodenbach, gebürtig zu Battelau, hat sich konfessionslos erklärt. Sisfek. Der Posten eines Rabbiners in unserer Gemeinde ist seit den hohen Feiertagen durch Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. H e i s z besetzt. Da die hohe Regierung die 30tägige Frist vorüberziehen ließ, ohne gegen die Wahl Einspruch zu erheben, so gilt die Bestellung des neuen Rabbiners als gesetzlich bestätigt. Herr Dr. Heisz hat sich in der kurzen Zeit seines hiesigen Amtierend viele Sympathien zu erwerben gewußt. — Unser Kultusvorsteher Herr Stadtphysikus Dr. Fürst feiert in diesem Monate sein 40jähriges Doktorjubiläum und seine zahlreichen Freunde planen aus diesem Anlasse, ihm ein Zeichen ihrer Sympathie darzubringen. — Einer unserer geachtetsten Gemeindegenossen Herr Dr. med. Keßler ist zum Stabsarzt ernannt worden. Herr Doktor Keßler ist ein Neffe des Herrn Dr. Jacques König, Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien - Floridsdorf. Lemberg. In den Räumen der Kanzlei des israel. Kultusvorstandes vollzog sich am Freitag den 16. d. M. eine seltene Feier. Es waren fünfzig Jahre verflossen, seitdem der Kassier der Gemeinde Herr Moritz Weiß als solcher installiert wurde, nachdem er schon 10 Jahre früher in den Dienst der Gemeinde getreten war. In Gegenwart aller Beamten gratulierte der Präsident Herr Dr. Schaff seirens des Vorstandes in einer warm empfundenen Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars um die finanzielle Entwicklung und dessen warmes Interesse für alle Gemeindeinstitutionen hervorhob. Zugleich überreichte er dem treuen Diener und weisen Ratgeber ein Ehrengeschenk. Der Gefeierte, der noch in voller Frische des Geistes und des Körpers sein Amt versieht, dankte in gerührten Worten. Am anderen Tage statteten noch viele andere Körperschaften dem Jubilar ihre Glückwünsche ab. B. Drohobyez. Hier starb im 88. Lebensjahre der Literat und Bibliograph S. H. L a u t e r b a ch, einer der wenigen noch lebenden Vertreter der Haskalah-Literaiur. Er hat eine Anzahl hebräischer Werke versaßt: Minchas Cauhen, Minchas Erew, Mincho Chadoschoh, Minchas Askoroh und Mincho Beluloh. deren Ertrag er wohltätigen Zwecken widmete. Auch ließ er auf feine Kosten ein großes Beth-Hamidrasch bauen und überwies demselben einen großen Teil seiner wertvollen Bibliothek. Brünn. Am 26. d. M. feiert der hier wohnhafte Oberlehrer i. P. Jakob Kahn mit seiner Gattin Netti, geb. Freiwillig, das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar war durch 40 Jahre als Lehrer an der ehemaligen Hauptschule und späteren deutschen Volksschule in Boskowitz tätig und wurde 1890 in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Während seiner Dienstreit wurden ihm von den zeitlichen und weltlichen Schulbehörden viele belobende Anerkennungen zuteil. In Würdigung seiner Verdienste als Lehrer und langjähriges Mitglied der Gemeindevertretung verlieh ihm seine Vaterstadt Boskowitz das Ehrenbürgerrecht. Seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen wird es gewiß Freude bereiten, zir hören, daß sich ihr ehemaliger Lehrer noch immer körperlicher und geistiger Frische erfreut. Bielitz. Wie im Vorjahre, veranstaltet der Bielitzer israelitische Kultnsvorstand auch in diesem Jahre einen Zyklus von Vorträgen, welcher mit einer Besprechung des Themas „lieber die geistigen Strömungen im Judentum zur Zeit der Entstehung des Christentums" durch Herrn Rabbiner Doktor Dienemann aus Ratibor eingeleitet wurde. Dieser Vortrag fand Sonntag den 11. November, abends 8 Uhr, im Festsaale des israelitischen Gemeindehauses statt. Budapest. (Die älteste Frau Ungarns g est o r b e n.) Frau Rosa Oser, geborne A l b a ch a r y, ist in Budapest im Alter von 109 Jahren gestorben. Sie erblickte in einem mazedonischen Städtchen im Jahre 1798 das Licht der Welt und heiratete im Alter von 17 Jahren den Wiener Bankier Jakob Oser. Sie war dreißig Jahre in Wien ansässig und übersiedelte von dort nach Turn-Szeverin. Vor zwanzig Jahren kam sie nach Budapest, wo sie nun hochbetagt gestorben ist. Ihr Gatte starb 1860. Sie erfreute sich bis an ihr Lebensende voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit und war nie im Leben krank. Ihr Ableben wird von einer Tochter, zahlreichen Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln betrauert. Szempez. (Verlobung.) Fräulein Therese Popper, Tochter des Herrn Max Popper in Szempcz, verlobte sich mit Herrn David I e l l i n e k, Mitchef der Spiritus-Raffinerie- Firma „Jellinek, Stern & Pollak" in M a l a c z k a. Gin zweiter jüdischer Literatnrverein in Kroatien. In Virovitica (Slavonien) hat , sich ein jüdisch - nationalet Literaturverein unter dem Namen „Ääovgko narocino lilsrnrnv dtustvo“ gebildet, dessen Gründung einen glänzenden Verlauf genommen hat. Auf Initiative unseres Rabbiners, Herrn Dr. Kaufmann, versammelte sich am 12 d. M., um 8 Uhr abends, die ganze jüdische Gemeinde, Damen und Herren, in den Lokalitäten des Hoteliers Herrn Nechnitzer behufs Gründung des Vereines. Die i'raelitische Kultusgemeinde in Slatina ließ sich durch ihren Rabbiner, Se. Ehrivürden Herrn Hinko Griinwald, vertreten. Nachdem der Altersprä'es Herr Leopold Herrnheiser die Versannnlung begrüßte, wurden auf seinen Antrag der Vorsteher der jüdischen Knltusgemeinde 4» V rovitica, Herr Julius Reich, zum Vorsitzenden der Versammlung, Herr Moritz Feldmann königlicher Steuerkontrollor, zum Schriftführer einstimmig gewählt. Nachdem der Vorsitzende nochmals die Versammlung begrüßt und ihr in eindringlichen, zu Herzen gehenden Worten dargelegt hatte, wie notwendig es sei, in den kroatischen Provinzgemeinden jüdischnationale L'teraturvereine zu gründen, da hierdurch das jüdische Bewußtsein gestärkt würde, bat er den Rabbiner Dr. Kaufmann, seine angekündigten Vorträge über das Thema: „Gibt es eine jüdischkroatische Literatur?" und „Bilder und Sitten aus dem jüdischen Volksleben im Hadrianischen Zeitalter" zu halten. Dr. Kaufmann warf zuerst einen Ueberbtick auf die Entstehung und Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Kroatien und Slavonien, berührte Dalmatien, in welchem zur römischen Zeit (Jllyrien) große jüdische Gemeinden nicht nur existierten, sondern auch literarisch sich betätigten. Er wies auf Ragusa und Spalato hin, ging dann zu den Schöpfungen des Begrüders d r kroatischen Literatur Marko Maruliö über und entrollte ein Bild desjenigen Teiles der kroatischen Literatur, in welchem entweder jüdische Stoffe poetisch bearbeite! worden sind oder jüdische Personen als Helden in den betreffenden Keistesprodukten figurieren. In seinem zweiten Vortrage wies Dr. Kaufmann nach, daß sehr viele kirchliche Gebräuche der griechisch-orientalischen Kirche den alten jüdischen Volkssitten entnommen sind. Er überging dann auf Rußland, erläuterte seine orthodox-kirchlichen Gebräuche und wies nach, daß sie fast durchwegs den Stempel altjüdischer Vo'kssitten tragen. Es meldete sich dann Frau Jakob Kraus zu Worte. Im Namen der Frauen dankte sie dem Rabbiner Dr. Kaufmann, daß er trotz der vielen Widerwärtigkeiten den Kampf, einem neuen Geist in der jüdischen Gemeinde Virovitica die Wege zu ebnen, nichts aufaegeben, sondern solange unentwegt geführt hat, bis er die jüdische Gemeinde auf das heutige Niveau brachte. Nachdem auch noch der Vorsitzende der Versannnlung, Gemeindepräses Herr Julius Reich, dem Redner im Namen der Versammlung für den genußreichen Abend dankte, schritt man zur Wahl des Vereinsvorstandes. Gewählt wurden: Rabbiner Dr. H E. Kaufmann als Vereinspräses, Kultusvorsteher Herr Julius Retch als Vizepräses, kgl. Steuerkontrollor Moritz Feldmann als Schriftführer, Max Pfeiffer als Kassier; die Herren Jakob Kraus, Louis Reich, Max Schwarz, Wilhelm Weiß, David Wollner, Wilhelm König und Alfred Rotter als Vorstandsmitglieder. Eine ziemliche Anzahl ausgezeichneter jüdischer Schriftsteller und ''belehrter ist für Abhaltung von Vorträgen im „Kerubabel" bereits vorgemerkt. Es darf aber an dieser Stelle nicht vergessen werden, daß wir diesen erfreulichen Fortschritt im jüdischen Leben in der kroatischslavonischen Provinz der studierenden jüdischen Jugend Kroatiens, vornehmlich ihrem ausgezeichneten akademischen Vereine „Lar Oiors." in Wien zum großen Teile zu verdanken haben. J. Sch.