Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Llocv s Mocdenscvnn. Sette 799 Ein sehr erheblicher Teil des letztgenannten Betrages kam in Berlin und in anderen deutschen Städten zur Verteilung. Die Beiträge, die aus den Mitteln und durch die Vermittlung der Alliance Jsraelite Universelle für das russische Hilfsmerk zur Verwenduug kamen, haben sich demnach in dem Jahre Oktober 1905/06 ans 1,478.000 Francs belaufen. Leopold städter Bethausverein „Montefiore" in Wien. In der am 1. d. M. stattgehabten Vorstandssitznng wurde Se. Ehcwürden Herr Jakob H o f f m a nn einstimmig zum Pereinsrabbiner gewählt. Mit der Wahl dieses noch ganz jungen Rabbiners hat der Verein einen Mann von festem, ausgeprägtem Charakter, von bedeutender Gelehrsamkeit und hoher, rednerischer Begabung gewonnen. Wien. Donnerstag den 8. November wurde unter überaus zahlreicher Beteiligung seitens der Familienangehörigen und Freunde der Seniorchef der Firma Samuel L. Bing u. Komp., H--rr Samuel Bing, im Alter von 69 Jahren zu Grabe getragen. Er war durch seine ausgezeichneten Charaktereigenschaften weit bekannt und sehr beliebt. Nach ergreifender Rezitation des Hazzur durch Oberkantor Singer hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem allzu früh Verblichenen einen seine vielen Verdienste und Vorzüge würdigenden Nachruf. Namens des Vereines zur Unterstützung kranker, dem Handelsstande angehöriger Israeliten sprach Herr Jcsef Jel lin ek und für den Verein „Bne Berith" Herr Professor Pol lak. So icheiden nach und nach die Männer der alten Garde des Wiener konservativen Judentums und der Nachwuchs der neuen Generation kann nur, im Sinne und Geiste des edlen Verklärten fortwirkend, seinen Namen und den des Judentums zur Ehre bringen und dann bewährt sich das Andenken des Gerechten für die Nachkommen zum Segen. Wien. Montag den 12. Noveniber 1906 fand im Volksgarten- Etablissement der vom Frauen-Wohltätigkeilsvereine im VIII. Bezirke der Stadt Wien veranstaltete Teeabend statt. Der durchwegs gelungene Abend stand unter dem Protelkorate Ihrer Exzellenz der Gräfin Anastasia Kielmansegg-Lebedoff. Unter den Anwesenden sah man den chinesischen Gesandten Lord Li Ching Mai, Frau Polizeipräsidentin H a b r d a, Polizeirat Dr. F r e u n d u. m. A. Eingeleitet wurde der Abend durch einen von Herrn Dr. Wiener verfaßten und von Fräulein Mella Schwarz gesprochenen Prolog, der mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde. Es folgten Gesangsvorträge der Damen Bertram, Frau Professor Marcel Klein uud des Herrn Dr. Hans Klepetar. Der Vortrag des Herrn Alfred W e i d h o l z und des Ehepaares Longo bildeten den Schluß der schönen Veranstaltung, deren zufriedenstellendes Reinerträgnis der Bekleidung armer Schulkinder aller Bezirke Wiens dient. Zu dem Gelingen des Abends hat die Präsidentin des Vereines Frau Amalie Beck in gewohnter Tatkraft beigetragen, ebenso der ganze Vorstand, bestehend ans den Damen Josefine Adler. Johanna Beck, Bertha R o s e n b a u m, Emma D r a b, Hedwig Bauer, Eugenie Bauer, , Henriette Bjehavi, Litzi Freiberger, Rosa H e i l p e r n, Nina Nobel, Hermine Schiffm a n n, Fanny Reicht, Bertha Storch, Stephanie Schlesinger, Jenny Weiß, Henriette Weil und Frau Berlha Makler. Auch das Jungdamenkomitee entwickelte bei dem Abende eine dankenswerte Tätigkeit. Bekleidnngsfeft des „Vereines für Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer isr. Konfession". Im Rahmen einer großzügigen Feier, unter Entfaltung eines künstlerischen Programmes und in Anwesenheit eines überaus zahlreichen Publikums vollzog der „Verein zur Bekleidung armer alter Männer" am 15. November d. I. in den weiten Räumen der Börse für landwirtschaftliche Produkte den feierlichen Akt der Bekleidung von 75 hilfsbedürftigen Greisen. Immer größer wird der Kreis derjenigen, die dieser eminent Humanitären Institution ihre volle Teilnahme zuwenden, und Jahr um Jahr erweitert sich die Art und das Ausmaß der Unterstützungen, welche sich nicht bloß auf die volle Bekleidung der armen Alten beschränken, sondern sich auch auf alle Gebiete erstrecken, wie Apotheke, Ausgestaltung der Häuslichkeit und die quälende Sorge der Mietentrichtung. Darum erweist sich die alljährliche Bekleidungsfeier als ein „Triumph des Herzens" der Vereinsleitnng, sowohl wie der Mitglieder. Der Verein hatte vornehme Persönlichkeiten bei sich zu Gaste, darunter die Bezirksräte Brüll, Neustadtl, Heß, Pöchhacker, Armenrat Otto, die Vertreter der isr. Kultusgemeinde kais. Rat Jonas Weil, Vizepräsident der Börse für landwirtschaftliche. Produkte, Vorstand E l t b o g e n, Börsenrat B r e i t n e r, Ten.pelvorstände Schrame k, Wasservogel, Vorsteher der Chewra-Kadischa I. Kann und S. Simon, ferner den Präsidenten der Isr. Allianz, David Ritter von Gutmann, den Regierungsrat Dr. Schlag, den I. Sekretär kais. Rat Theodor Lieben, die? Herren Rabbiner Dr. S ch m i e d l, Dr. I. M. B a ch, Dr. F e u ch t w a n g, die Oberkantoren Bauer und G u t t m a n n, Kantor L ö w i t, die Obmänner humanitärer Vereine Rosenblatt (Nächstenliebe), Feldbauer (Selbsthilfe), Vorstandstellvertreter des Montefiore-Vereines Weinwurm, die Schriftsteller Markus und ein auserlesenes Tamenpublikum. Nach dem Präludium des Herrn Willy L ö w i t am Harmonium dirigierte Kantor Isidor L ö w i t den von ihm komponierten überaus stimmungsvollen Festchor, dessen Solo Oberkantor G u t t m a u n an der Spitze der Sänger des Synagogenverbandes mil tiefer Wirkung vortrug, und fanden Komposition und Vortrag rauschenden Beifall. Unter lautloser Spannung des Auditoriums sprach Herr Felix Basch vom Bnrgtheater die Dichtung Dr. Sch mied l's, „Edle Freuden" in einer dem herrlichen Gedichte des greisen Autors ganz und voll entsprechenden Weise mit inniger Empfindung, und fanden Künstler und Dichter gleich stürmische Beifallsknndgebunaen. In kurzer sinniger Rede feierte Rabbiner Dr. Schmied! die Bestrebungen des Vereines, dessen verdienter und hingebungsvoller Präsident Isidor Schwarz in seiner meisterhaften ^estrede der Heimgegangenen Getreuen gedachte und einen Appell an die Erschienenen richtete zum vollen Anschluß an das unvergleichliche humanitäre Heilswerk, das der Verein sich zur Aufgabe gestellt. Nicht endenwollender Applaus folgte seinen Ausführungen, denen Reden vom kais. Rat Weil und Bezirksrat N e n st a d t l folgten. In der kurzen, ebenso launigen, wie jüdisch empfundenen Ansprache des Herrn David Ritter v. G u t m a n n. dankte dieser dem Zufall, welcher ihn zu diesem Feste führte und den er durch Teilnahme für den Verein besiegeln wolle. Der Redner wurde stürmisch akklamiert. In herrlicher Weise schlossen die gesanglichen Darbietungen der Oberkantoren Guttmann und Bauer das in allen Teilen wunderbare Programm, nachdem noch Regierungsrat Dr. Schlag in zündendem Schlußworte des Kaisers gedachte, worauf die Akkorde der Volkshymne durch den Raum brausten und die schöne Feier ihren Abschluß fand. * q- * Wohltätigkeits-Vorstellung. Zu Gunsten dieses Vereines findet am 9. Dezember 1906 im Deutschen Volkstheater. mit Tyrolt als Gast, „Großstadtluft" als Nachmittagsvorstellung statt. Den Prolog schrieb uud widmete dem Verein Prof. Ed. Nascher. Wien. (M a r t i n i g ä n s e f ü r d e n K a i s e r.) Einer althergebrachten Sitte entsprechend wurden auch Heuer von der Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde in Preßburg Martinigänse für den Hof in Wien abgeliefert. Am Martinitage fuhr eine Deputation bei der Hofburg vor nnd begab sich unter Führung eines Hausosfiziers in die kaiserliche „Kammer". Die vier Gänse, welche die Deputation brachte, waren in feine weiße Linnen gehüllt und mit Bändern und Wappen in den österreichischen und ungarischen Farben geschmückt. Die Herren der Deputation wurden vom Kaiser in Audienz empfangen. St. Pölten. (Jüdischer Literaturverein). Am Sonntag den 18. November, abends, fand im dichtgefüllten Saale des Hotels „Zum goldenen Ochsen" der Eröffnungsabend dieser Saison statt. Es sprach unter großem Beifalle der Herr Vereinspräsident, Rabbiner Dr. Schächter, über: Heinrich Heines Stellung zum Judentum in seinem „Rabbi von Bacharach". Vorher referierte das allbeliebte Frl. Vally Reiß über den Inhalt jenes Romanfragments. Die Wahl in die Kultusgemeinde St. Pölten. Löbliche Redaktion! Ich erlaube mir die hösiiche Bitte, meiner Erwiderung gegen die Zuschrift des Herrn Karl Frank vom 11. d. M. in Ihrem weilverbreiteten Blatte gefälligst Raum geben zu wollen. Es bildeten sich zwei Parteien infolge der administrativen Leitung und der sonderbaren Zustände in der Koscher-Fleischbank; die Aufregung ist durchaus nicht dem Umstande zuzuschreiben, daß einige Mitglieder nicht von der Vorsteherpartei kandidiert wurden; diese Kandidaten hätten eine Kandidatur von dieser Seite, als Wirtschaftspartei, entschieden zurückgewiesen. Und wenn Herr Frank daraus den Schluß zieht, daß diese Kandidaten, weil sie in der Minorität blieben, sich keiner Beliebtheit erfreuen, so hat er nur das Urteil gegen sich selbst gesprochen, zumal er als Vorsteher von 65 abgegebenen Stimmen nur 31 Stimmen auf sich vereinigte und mit 30 Stimmen überhaupt nicht mehr in Betracht gekommen wäre. Ehrenvoll wäre es gewesen, wenn Herr Frank, da er durch diese Abstimmnng doch die Majorität der Gemeinde nicht mehr besitzt, sein Mandat in die Hände seiner 31 Wähler, die sich aus Verwandten und Geschäftsfreunden rekrutiertei», dankend zurückgelegt hätte. Das tut Herr Frank nicht. Ich aber sehe meinen Ehrgeiz darin, daß ich ein treuer, gewiffenbafter Mitarbeiter bei den Aufgaben der Kultusgemeinde bin. Mit vorzüglicher Hochachtung Julius K o h n. M.-Budwrtz. Sonntag den 18. November l. I feierte unser langjähriger Tempelvorsteher, der in weitesten Kreisen renommierte Hotelier Herr Jakob Fried mit seiner biederen Gattin die Silberhochzeit. Sabbat zuvor wurden der Jubilar und dessen Verwandten zur Thora gerufen, wobei alle hiesigen Wohltätigkeitsvereine in munifizenter Weise bedacht wurden. Herr Kantor Adolf Kohn rezitierte für das Jubelpaar einen der Feier entsprechenden Mischeberach und verrichtete ein erhebendes Gebet für dieselben. Zur offiziellen Gratulation cvniy.cit in ihrer Wohnung am darauffolgenden