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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-23 · 47 (23.11.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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VN. 47 Dr. Llocv's Mocvenscvrm. Seite 795 Einige Minuten später wird der Vortragsabend durch Baurat Stiaßny eröffnet. Er heißt alle ohne Unterschied der Partei in wohlgesetzter Rede willkommen und erteilt dem Gaste, der schon längere Zeit im Saale weilt und Gegenstand herzlicher persönlicher Begrüßung ist, das Wort. Sein Vortrag zeigte den Verfasser als einen glänzenden Gelehrten, war voll von ausgezeichneten Daten und fand mit seiner Wärme und seiner brillanten Sprache bald den intimen Rapport mit dem zahlreichen Publikum. Redner betont die Schwierigkeit, die Maffenauswanderung der Juden aus Rußland richtig zu leiten für den sehr wahrscheinlichen Fall, daß auch Amerika, in welchem l1/* Millionen Juden leben, davon 300.000 in New-Iork allein, so wie England durch eine Alienbill die Einwanderung mehr oder minder erschwert. Eine Zerstreuung in die dann noch offen stehenden Länder ist ein geringwertiges Palliativmittel und das Ziel, welches sich die von Zangwill begründete Territorial-Organisation gesetzt hat, ein Territorium für eine jüdische autonome Besiedelung zu erlangen, ist wenig aussichtsreich. Verzichtet man auf Autonomie, so lassen sich die jüdischen ländlichen Kolonien in Argentinien günstig weiter entwickeln, aus wichtigen Gründen sei jedoch Palästina weit vorzuziehen. Palästina ist sehr gut für Kolonisation geeignet. Statt seiner 600.000 Einwohner könnte es wie das gleich große Sizilien 3'/z Millionen Menschen fassen. Es ist ein vorzügliches Land für Fruchtbäume, wie Oliven, Mandeln, Orangen, Wein, im Jordantal bei Bewässerung für Baumwolle und Zuckerrohr, in Transjordanien für Getreide (Weizen und Gerste) und Viehzucht geeignet. Auch industriell bietet es gute Aussichten, vor allem durch die Bodenschätze; als Kraftquelle steht das 764 Meter betragende Jordangefälle zur Verfügung. Die Verkehrsverhältniffe bessern sich, die Malaria hindert wenig und ist zu beseitigen. Die Juden fühlen sich in Palästina wohl, gedeihen gut und wandern in großen Mengen ein. so daß jetzt schon mehr Juden dort angesiedelt sind, als nach der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten. 80.000 Juden leben in Palästina, darunter 7000 in den jüdischen, sich stetig und gut entwickelnden Dörfern, 45.000 Juden bilden zwei Drittel der Bevölkerung Jerusalems. Für den Verein empfiehlt es sich nicht, neue Kolonien zu gründen, wohl aber alle auf Selbsthilfe gerichteten Bestrebungen zu unterstützen. Vor allem sei es Pflicht der wohlhabenden Stammesgenossen, diese für die Zukunft des jüdischen Volkes so wichtigen Aufgaben mehr als bisher zu unterstützen. Die Versammlung wird nach stürmischen Beifallskundgebungen für den Vortragenden mit Dankesworten des Baurates Stiaßny geschlossen. Nach Schluß des Abends fand bei T o n e l l o ein solennes Bankett statt, über dessen Verlauf wir noch berichten werden. Wahlbesprechung der Kultnsgemeindewähler in den Bezirken XII — XV Am 11. November fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Turnergasse 22 eine Wahlbesprechung der Kultusgemeindemitglieder in den Bezirken XI l—XV statt. Der Obmann des vorbereitenden Wahlkomitees, Herr Samuel Mohr, eröffnete die Sitzung, dankte für das zahlreiche Erscheinen und ersuchte, aus der Versammlung einen Vorsitzenden und Schriftführer zu wählen. Auf allseitigen, einstimmigen Wunsch wurde Herr Salomon Beer als Vorsitzender, Herr Anton Pick als Schriftführer gewählt. Der Herr Vorsitzende eröffnete die Sitzung, begrüßte Herrn Kultusvorstand kaiserlichen Rat Wilhelm P o lla k, sowie Herrn Samuel Steiner als Obmann des hiesigen Bethausvorstandes und widmete Worte des Gedenkens dem leider zu früh verstorbenen Kultusvorstande Kommerzialrat Herrn Gottlieb T a u s s i g. Zum Zeichen der Trauer erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Als erster erhielt Herr Heinrich N e u f e l d das Wort, der in beredten, sehr gut gewählten Worten die Notwendigkeit der heutigen Versammlung im Interesse unseres Bezirkes bespricht und der Versammlung empfiehlt, nur für einen solchen Kandidaten zu stimmen, der sich verpflichtet, stets das Jnteresie der Bezirke voll und ganz zu vertreten, insbesondere in der Kantorensrage und in Angelegenheiten des Armenwesens die Wünsche des Bezirkes im Kultusvorstande zur Geltung zu bringen. Hierauf ergreift Herr Siegfried Stein das Wort, bespricht in überzeugenden Worten das Verhältnis der Kultusgemeinde zu den Bethausvorständen und zur Bezirkskommisfion, bedauert, daß von Seite des Kultusvorstandes alle ihre Wünsche unberücksichtigt bleiben, daß alle Funktionäre, vom Leichendiener aufwärts, in den Vororten stiefmütterlich behandelt werden, und fordert Herrn Samuel Steiner als Kandidaten auf, mit Manneswort zu erklären, ob er von nun an mit Energie und Mut die Interessen dieser Bezirke vertreten will. Nur dann werde er die Stimmen der Wähler erhalten. Hierauf meldet sich der Kandidat Samuel Steiner zum Worte, der über die Zustände in der Kultusgemeinde und das Kurienwesen spricht, die Erklärung abgibt, daß er im Falle einer auf ihn entfallenden Wahl sich für die Beibehaltung der Kurie des Höchstbesteuerten, sowie für die Einführung einer Zehnkronen- Steuer einsetzen wird; weiters erklärte er im Sinne des Herrn Stein, mit aller Energie, jedoch im gütlichen Wege die Interessen des Bezirkes bis an sein Lebensende vertreten zu wollen. Herr S. Bernhard teilt mit, daß von Seite des vorbereitenden Wahlkomitees Herr Samuel Mohr als Kandidat aufgestellt wurde und empfiehlt denselben mit Rücksicht auf seine bisherige Tätigkeit in sehr warmen Worten der Versammlung ebenfalls als Kandidaten. Nun meldet sich Herr Anton Stern zum Worte, kritisierte die Gemeindeverhältniffe, erklärt, daß Herr Samuel Steiner bisher nach seiner Ansicht die Interessen des Bezirkes in seiner Eigenschaft als Obmann des Tempelvorstandes nicht genügend vertreten hat, obwohl er oft hiezu genug Gelegenheit gehabt hätte. Er meldete sich als selbständiger Kandidat und verspricht, daß er sich bemühen werde, seine Pflichten nach Kräften zu erfüllen. Herr Samuel Steiner antwortet, daß er als Obmann des Bethausvorstandes bei den Berhältniffen, die in der Kultusgemeinde herrschen, nicht mehr leisten konnte, und auch Kultusvorstände nicht mehr für die Bezirke erzielen konnten, verspricht jedoch, wenn er nur Sitz und Stimme im Vorstand haben wird, mit allem Nachdruck für die Interessen des Bezirkes einzutreten. Freundlich begrüßt, ergreift Herr kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k das Wort, bespricht im Allgemeinen die Verhältniffe in der Kultusgemeinde, die Schwierigkeit eines Vertreters, die allgemeinen Wünsche zur Geltung zu bringen, findet den Tadel ganz gerechtfertigt, beweist aber, daß er unzählige Male verschiedene Wünsche mit Energie vorgebracht hat und diese einer Beratung bis heute nicht einmal zugeführt wurden, er ist aus diesem Grunde aus den meisten Sektionen ausgetreten. Er beantwortete alle anderen Fragen mit gewohnter Sachkenntnis und empfiehlt, nachdem er im Bezirke selbst nicht mehr wohnt, daher der Vertreter des Bezirkes nicht mehr sein kann, den Anspruch auf zwei Kandidaten zu stellen, nachdem der Bezirk stets durch zwei Vorstände, die im Bezirke domizilieren, vertreten war. Es ergreift Herr Samuel Mohr das Wort, der die Tätigkeit des Herrn Samuel Steiner bespricht und dessen Kandidatur aufs Wärmste empfiehlt. Es sprechen noch die Herren Philipp K o h n, Adolf Fürst, sowie Anton Pick, welche verschiedene Wünsche im Kultuswesen Vorbringen. Herr Anton P i ck tritt warm für die bezirksweise Wahl und Vertretung ein und beantragt Schluß der Debatte, welcher auch angenommen wurde. Der Vorsitzende, Herr Salomon Beer, läßt über die offiziellen Kandidaten Herrn Samuel Steiner und Herrn Samuel Mohr abstimmen, welche einstimmig als Kandidaten nominiert wurden, ebenso wurde die selbständige Kandidatur des Herrn Anton Stern zur Kenntnis genommen.

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