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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-23 · 47 (23.11.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 794 Dr Liocv's Mocvenscdrm. Nr. 47 Däs Syndikat wird sich seine Auslagen und Spesen unter Aufschlag eines entsprechenden Gewinnes teils in bar, teils in Anteilen der neuen Unternehmungen zurückerstatten lassen. Eine weitere finanzielle Unterstützung der neugegründeten Unternehmungen soll nur ausnahmsweise und dann nur gegen genügende Sicherheiten gewährt werden. Projekte. Das Syndikat wird zunächst nur solche Projekte bearbeiten, deren schnelle Verwirklichung wahrscheinlich ist. Es liegen uns schon Angebote verschiedener Fachleute vor, die in den betreffenden Unternehmungen Mitarbeiten und sich an ihnen auch mit eigenem Kapital beteiligen wollen. Kapital. Das Grundkapital des Syndikats ist vorläufig auf Mk. 100.000 (Hunderttausend) in Stammanteilen von mindestens Mk. 1000 (Tausend) festgesetzt. Zirka Fünfzigtausend Mark sind bisher schon gezeichnet*), auch hat die Anglo Palestine Co. durch ihre Filialen in Palästina und Syrien uns ihre bereitwillige Unterstützung zugesagt. Der Sitz der Gesellschaft wird in Berlin sein; als ehrenamtliche Geschäftsführer sind zwei erfahrene Kaufleute in angesehener sozialer Stellung in Aussicht genommen, während als Vertreter des Syndikats in Palästina ein mit langjähriger kaufmännischer Praxis ausgerüsteter- Nationalökonom, der gleichzeitig Jurist ist, ausersehen ist. Als Bankstellen notieren wir die Jüdische Kolonialbank, London, sowie die Bankfirma A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59. Beitritts-Anmeldungen wolle man an den Endesunterzeichneten senden. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, das Reüssieren derartiger Syndikate in überseeischen Ländern zu verfolgen. Im Orient haben besonders belgische und französische Syndikate sehr bedeutende Unternehmungen (Hafenbauten, Eisenbahnen, Versorgung von Städten mit Licht und Wasser, Fabriken rc.) auf diese Weise in die Wege geleitet. Wir sind überzeugt, daß ähnliche Bestrebungen in unserer Jntereffensphäre Palästina bei vorsichtiger Geschäftsführung gleichfalls Erfolg haben werden. . * Wir hoffen, daß auch Euer Hochwohlgeboren die Gelegenheit nicht versäumen werden, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das geeignet erscheint, jüdische Interessen in Palästina aufs wesentlichste zu fördern und daneben nicht unerhebliche geschäftliche Chancen bietet. Zu weiteren Auskünften, sowie zur Uebersendung der Programme des Syndikats ist die Kommission zur Erforschung Palästinas, Berlin W. 15, Uhlandstraße 175, gerne bereit. Mit ausgezeichneter Hochachtung Im Aufträge des vorbereitenden Komitees des Palästina- Jndustrie-Syndikats G. m. b. H. gez. Prof. Dr. O. Warburg Vorsitzender der Palästina-Kommission, Berlin W. 15, Uhlandstraße 175. Jüdischer Kolouisationsverein in Wien. Anschließend an seine ordentliche, öffentliche Generalversammlung veranstaltete der Verein einen glänzenden Abend, der durch einen Vortrag des als Gelehrten wie als Redner und Politiker gleichberühmten o. ö. Professors der Berliner Universität Dr. Otto Marburg. Mitglied des engeren zionistischen Aktionskomitees, ausgefüllt war. Die glänzende, wissenschaftliche Vorlesung, die den Titel führte: „Die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst", wurde wiederholt von Beifall unterbrochen und unter stürmischem Applaus geschloffen. Wir werden die Ausführungen des Redners in extenso veröffentlichen und deuten im Untenstehenden nur die Linien an, in welchen sich der Vortrag bewegte. Zu demselben waren außer dem Gesamtvorstande und vielen Damen und Herren der Gesellschaft, bürgerlichen und akademischen Kreisen *) In der Stadt Irkutsk in Sibirien sind zirka 10 Anteile gezeichnet worden hervorragende jüdische Sommitäten erschienen, unter denen wir bemerkten: Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, die Kultusvorstände Dr. Berger, Hofrat S. T a u s s i g, die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees Dr. Schallt, Ing. Kremenetzky und Dr S ch n i r e r, Vorstand der Tonynbeehalle Dr. Samuely, Oberstabsarzt Dr. Byk, Dr: Nathan Birnbaum, Ortsschulrat S. Heit, Bethausvorsteher W i n t e r b e r g, die Rabbiner Dr. Rosenmann, Dr. Feucht w an g, Bauer und Kramer, Präsident des Arbeitsnachweises Dr. Klemperer, Vertreter der Presse und viele Andere. Sämtliche Anwesende folgten dem Vortrage mit höchstem Interesse, von dem man wohl sagen kann, daß er die Ziele des Vereines mächtig gefördert hat, dem wir einen schönen, jüdischen Abend verdanken. Leider kam es bei der Begrüßung zu einem fast unbemerkten, doch genug peinlichen Zwischenfall, da sich ein Anwesender bei dieser Gelegenheit so weit vergaß, bei der Namensnennung eines ausgezeichneten und hervorragenden Ehrengastes Pfui zu rufen. Diese Kleinigkeit verschwand aber vollständig vor dem glänzenden Erfolge, den der Kolonisationsverein bei seinem ersten öffentlichen Auftreten hatte. Die Generalversammlung und der Vortrag fanden im überfüllten Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, i., Eschenbachgasse 11. statt. Die Generalversammlung, welche Baurat Stiaßny ausgezeichnet leitete, war der internen Organisation des Vereines gewidmet. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden brachte Schriftführer Dr. E. F. Weisl, der bekannte Sachverständige für Kolonisation, den Bericht des Zentralkomitees zur Verlesung, dem wir folgende kurze Daten entnehmen: Der Verein ist unter dem Drucke entstanden, den die russische Judennot auf das ganze jüdische Volk ausübt. Er will nicht für Wohltätigkeit, sondern für Selbsthilfe arbeiten und den gequälten, russischen Brüdern nicht eine Zuflucht auf Kündigung, sondern eine dauernde Heimat schaffen. Diese Grundidee hat natürlich vielen Beifall gefunden, wiewohl die Korporation tatsächlich erst feit drei Monaten und im Anfang ihrer Propaganda steht, für die sich in Zukunft maßgebende jüdische Faktoren bemühen wollen. Außer diesen sehr guten Anfängen hat man schon 13 immerwährende und 469 ordentliche Mitglieder gewonnen, wobei zu bemerken ist, daß Galizien noch nicht in den Kreis der Agitation einbezogen wurde. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der ausgezeichnete Beginn eine glänzende Fortsetzung finden wird.. (Beifall.) Den Kaffabericht erstattet der Sekretär Direktor Rudolf Hartmann. In der Zeit Juli—November liefen an Mitglieder-Beiträgen, Spenden nnd Zinsen 9594 Kronen ein, denen Propagandaspesen von zirka 1500 Kronen gegenüberstehen. (Beifall.) Der Präsident bringt eine Mitgliedertabelle, nach Ländern geordnet, zur Verlesung und bittet, dem besonders rührigen Sekretariat den Dank des Vorstandes und der Generalversammlung auszudrücken. (Geschieht per Akklamation.) Herr S. B u ch w a l d erhält auf seine Interpellation von Herrn Baurat Stiaßny die Versicherung, daß in eventuellen Kolonien des Vereines jüdisches Recht und Gesetz bindend sein werde. Nun erfolgen die Wahlen in den Vereinsvorstand per acclamationem. Der bisherige Vorstand von 16 Mitgliedern wird wiedergewählt, da aber ein Stand von 21 Vorstandsmitgliedern erreicht werden soll, so werden die Herren Ernst Simon und Dr. Moriz Schnabl dazugewählt, für die restlichen Stellen wird dem Vorstande das Kooptationsrecht überlassen. Per acclamationeni wird auch der Vorschlag des Präsidenten angenommen, die Herren Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Oberrabbiner Dr. Güdemann für ihre besonderen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. (Beifall.) Nach Antrag einer Statutenänderung durch Dr. E. F. Weiß schließt der Vorsitzende die Generalversammlung mit Worten des Dankes für die Erschienenen.

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