Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 47 Vr. Bloch's Wochenschrifk. ®iXt* 793 beck, der, um seinem Sohne in dessen bedrängter Lage zu helfen, seinen Kommentar „Krethi und Plethi" zum Codex „Jore Deah“ in aller Eile veröffentlichte. Nachdem seine Lage sich gebessert hatte, begab sich Wolf wieder nach Wien, wo er durch seine schöne Gestalt, seine Manieren und Klugheit und durch Kenntnis der französischen Sprache in adeligen Kreisen vielfach Eingang fand. Viele vornehme Gutsbesitzer übertrugen Wolf die Verwaltung ihrer Güter, deren Einkünfte von Jahr zu Jahr wuchsen und auch Wolfs materielle Lage zu einer glänzenden gestalteten. Von einem dieser Adeligen, der nach Dresden als Gesandter ging, eingeladen, kam Wolf nach der sächsischen Hauptstadt, wo er auch bei der Regierung bald eine persona grata wurde und derselben Vorschläge erstatten durfte, den Handel im Lande zu heben. Das Glück verließ auch hier Wolf nicht, und was er vorschlug, gelang. Er erbaute sich ein schönes Palais in Dresden, dem ein herrlicher Park sich anschloß, dazu erwarb er ein Landgut in der Nähe der Hauptstadt mit herrlicher Sommer-Villa. Durch zahlreiche Wiener Freunde erlangte er den Titel eines „Baron von Adlersthal", doch als Gegner gegen diese Baronisierung später in Wien auftraten, schrieb er sich „Wolf Jonathan Eibeschitz, genannt Adlersthal". Vom Volke, das ihn durch seine Wohltätigkeit lieb gewonnen, wurde er nach wie vor „Baron Eibenschütz" genannt. Die sächsischen Minister schätzten ihn alle hoch, luden ihn zu allen offiziellen Festlichkeiten ein, waren aber auch bei den vielen prunkvollen Festen, die der jüdische Baron in seinem Palais gab, regelmäßig seine Gäste. Als Jude blieb Eibenschütz dem religiösen Zeremoniell ganz ferne, doch übte er reichlich Wohltaten an seinen Glaubensgenossen und legte zu wiederholten Malen ein gutes Wort für sie bei der Regierung ein. Ein kleines Beispiel. An Sabbaten und jüdischen Festtagen dursten die Dresdener Juden das Ghetto nicht verlassen, um im öffentlichen Stadtpack frische Luft zu schöpfen. Ein Parkwächter griff einmal an einem Sabbat sogar zum Stock, um so den Eintritt in den öffentlichen Garten den Juden, die alle Festgewänder trugen, zu verwehren. In diesem Augenblicke kommt Baron Eibenschütz in Begleitung des General von Benkendvrf, des Chefs der reitenden Leibgarde. Ad ocnlos demonstrierte der Baron aufs tiefste erbittert und empört seinem hohen Begleiter die Unmenschlichkeit dieser Verordnung, legte ein gutes Wort ein. für feine Glaubensbrüder und — der Eintritt in den Park war von diesen! Tage an für die Juden frei. Seinen Verwandten blieb Wolf in seiner hohen Stellung immer zugetan und empfing sie stets aufs liebevollste. Mittlerweile begann der Krieg zwischen Frankreich und Oesterreich, viele von Wolfs hohen Freunden nahmen an demselben teil, auch für Baron Eibenschütz kam eine trübere Zeit durch größere materielle Verluste, die die Kriegswirren mit sich brachten. Da erschien ihm, wie Baron Eibenschütz später selber erzählte, sein — im Jahre 1764 — verstorbener großer Vater im Traume und machte ihm wegen seines irreligiösen Lebenswandels ernste Vorwürfe. Am darauffolgenden Morgen ließ der Baron sich vom jüdischen Gemeindediener David Trit ch „Tallis und Tefillin" bringen, ließ sich neue Gewänder — die nicht „Schatnes“ (Wolle mit Leinen) sein durften, anfertigen, die alten Gefäße in der Küche wurden mit neuen vertauscht und das neuangeworbene jüdische Köchenpersonale durfte nur streng rituell bereitete Speisen ihm vorsetzen. Die beiden frommen Gelehrten der Dresdener jüdischen Gemeinde Rabbi Uri und R. Feisch Libochowitz rieten ihm, dem 60 Jahre alten Junggesellen, sich eine fromme, würdige Lebensgefährtin zu wählen. Am 33. Omer-Tag 5560 — am 13. Mai 1800 — wurde die Jungfrau A m a l i a Bloch aus Breslau Wolfs Gattin. An jedem Montag und Donnerstag, an Sabbaten und Festtagen erschien Baron Eibenschütz in der Synagoge, deren Vorbeter und Bedienstete er aus Eigenem honorierte. An einem Sabbat 'rrpira ließ er sich absichtlich zur nrrain aufrufen, um sich die in der Tora für Nichtbefylgung der göttlichen Gebote angedrohten „Flüche" vorlesen zu lassen. Schon wollte der Gemeindediener auf Verlangen der Anwesenden statt des Barons diese. Stelle sich vorlesen lassen, als Baron Eibenschütz laut rief: „Nicht doch, liebe Brüder, laffet mich bei der Tora diese Flüche anhören, und wenn fie an mir sich erfüllen, so möge dies eine Sühne für meine Sünden sein!" — Seine Gattin beschenkte ihn mit drei Töchtern, die er fromm erzogen wissen wollte. Am 8. Kislew 5567 (19. November 1806) starb Baron Eibenfchütz in Dresden und wurde noch an demselben Tage am „Guten Ort" daselbst unter großen Ehren bestattet. Eine ansehnliche Stiftung ließ er zu feinem Angedenken zurück. Seine Gattin Amalia übersiedelte später nach Breslau, wo fie die Frau des Hofagenten Simon Kremser wurde. Sie hatte hier noch Söhne und Töchter und starb, 73 Jahre alt, am 3. Juli 1853 in Breslau. Moritz Antscherl. Korrespondenzen. Publikation des Industrie-Syndikats fiir Palästina. Man geht soeben mit der Ausficht auf einen glänzenden Erfolg daran, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden und den Gedanken in Tat umzusetzen, der auf der Brüffeler Konferenz zur Regelung der jüdischen Auswanderung Gestalt gewann: nämlich den Orient als Arbeitsmarkt für die überall ungern geduldeten jüdischen Emigrantenmassen zu gewinnen. Das soll nicht etwa auf dem Weg langsamer und ärmlicher Wohltätigkeit geschehen, sondern es soll eine Erschließung Kleinasiens durch Kaufleute und Landwirte so erfolgen, wie etwa England Kanada kolonisiert und die teilnehmenden industrieellen Kreise sollen einen ganz regulären Gewinn dafür davon tragen, daß sie den vielen Einwandernden Arbeitsgelegenheit schaffen. Die Gelegenheit ist derzeit sehr günstig. Der Orient erwacht aus seinem tausendjährigen wirtschaftlichen Schlaf und unzählige lohnende Gelegenheiten stehen dem Klugen offen. In den letz en vier Jahren hat Beirut seinen Export verdoppelt! (924.600 Pfund Sterling.) Ueberaü werden Verkehrsmittel gebaut. In der ganzen Türkei können Juden jedes Landes ungestört leben und arbeiten. Man sieht die Parallele zwischen der Möglichkeit großer lohnender Unternehmungen und der Möglichkeit einer Hilfe für hunderttauseude Brüder. Mit diesem Hinweis übergeben wir die Publikation des Palästina- Industrie-Syndikats der Aufmerksamkeit aller jüdischen Kapitalisten, welche gute Geschäfte machen wollen, und hoffen, daß das Syndikat denselben Erfolg haben werde wie eine Anleihe russischer Hooligans. Veitritts Einladung. Berlin im November 1906, W. In, Uhlandstraße 175. Ew. Wohlgeboren erlauben wir uns hierdurch die Mitteilung zu machen, daß das Unterzeichnete Komitee die Gründung eines Industrie-Syndikats für Palästina und die Nachbarländer vorbereitet unter der Firma: Palästina-Jndustrie-SyndikatG. m. b. H. Zweck. Das Syndikat bezweckt die Vorbereitung, Einführung und Finanzierung von industriellen und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina und den Nachbarländern. Arbeitsplan: Es wird sowohl aus eigener Initiative versuchen, jüdische Kapitalisten zu chuncenreich erscheinenden Unternehmungen heranzuziehen, als auch im Aufträge und für Rechnung Dritter die nötigen Vorarbeiten zur Gründung von Unternehmungen leisten. Seine Tätigkeit wird demnach bestehen in: 1. Feststellung der wirtschaftlichen Verhältniffe und geschäftlichen Chancen durch Einholung von fachmännischen Gutachten. 2. Erwerbung von Konzessionen und Terrains, sowie Abschluß von Optionsverträgen. 3. Ausarbeitung von Projekten, Kosten- und Rentabilitätsanschlägen. 4. Finanzierung der zu gründenden Unternehmungen.