Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 792 Dr. Lloco s Mlocvens orm. ^irr. 47 Hände Liichteusteins gelaugt jetztt die Präsideutenglocke ftc o zum Zügeuglöckcheu jeder freiheitlichen Regung im Landtage geworden rst. Das ist die Stellung unserer Regierung gegenüber der reakliouärstcn Partei, so handelt das Bürgerministerium, von dem mau geglaubt hat, es bestehe aus Feinden der Schleppträger der Adeligen und Klerikalen. Das beweist, wie man Rücksicht nimmt auf die christlich-soziale Partei, welche nicht nur jetzt stark und kräftig ist, sondern eine Vermehrung ihrer inneren und äußeren Kraft von der Wahlreform zu erwarten hat. Das wenigstens scheint die Regierung auzunehmen, während sich die Juden rpümistisch sagen: „Warten wir!", trotzdem jetzt das ganze ländliche Proletariat zur Urne schreitet und wir in Mähren eindringlich genug gewarnt worden siud. Und niemand sage, das sei eine Politik von - der Perspektive des Stefausturmes. Die Christlich-Sozialen selbst siud schon weit ins Land vorgedrungen, und was sie stehen lassen werden, werden anders gefärbte Antisemiten fressen. Wie sich jetzt zeigt, nähern sich diese Elemente schon sehr stark der Regierung; man wird kaum fehlgeheu, wenn man sie in absehbarer Zeit im Ministerium erwartet. Noch gibt es für die Juden zu kämpfen und zu retten für die Zeit, wo der nationale Friede den schärfsten Antisemitismus entfesseln wird. Wenigstens für diejenigen, welche sich selbst mehr vertrauen als den Wundern des Schicksals. Und diese sind gebeten, einem jüdi'chen Zusammenbruch vorzubeu^en, so lange es noch Zeit ist. Vor allem dahin zu streben, was die Voraussetzung aller gedeihlichen Arknit ist, nackr dem Frieden tu den Gemeinden Mag j.der Zwist jetzt aufgeschvbeu werden, bis andere Zeiten kommen. Und jeder, der Einfluß hat und auf dessen Wort man hiuhört, mag vor dem Sprechen bedenken, wo er in weiterer Ferne hiuzielt. Ein krasser Antisemit ist Laudmarschall geworden. Das ist ein vielsagendes Zeicheu unserer Zeit und ähnliche Zeichen sind zu fürchten. Wir glauben, es sind dringend Konferenzen einzuberufen und zu beraten, nicht über jüdische Fragen, sondern über die schwere drohende autisemiti'che Gefahr I U p k i m n y. Vom Zubrmarkt des Lebens. Aus den B. B. Logen in Deutschland. Die Frage, ob es zulässig sei, daß ein Mitglied einer Freimaurerloge auch Mitglied des Unabhängigen Ordens Bnei-Berith sein darf, ist jetzt, nachdem sie so lange als der U. O. B. B. in Deutschland eingeführt worden, also zwei Jahrzehnte hindurch, ventiliert, endlich entschieden worden. Bisher haben die Freimaurerlogen den U. O. B. B. nur als eine geheime Verbindung angesehen und erklärten, „kein Mitglied der verbündeten Logen dürfe dem Orden U. O. B. B. zugehören". Von jüdischer Seite sowohl als auch von freisinniger christlicher Seite ist daraus gedrungen worden, die B. B.-Logen als gleichberechtigten Faktor in der Freimaurerei anzu-rkenneu. Dagegen wehrten sich die Logen, welche auf dem sogenannten „christlichen Prinzip" basieren, im Gegensatz zü denen, die das „Humanitätsprinzip" auf ihre Fahne geschrieben haben. Der U. B. B. galt ersteren nur als „geheime Gesellschaft", die Geheimbündelei treibe und sich die Formen der Freimaurerei angeeignet habe. Diesem Standpunkte wurde entgegengetreten durch den Beweis, daß jede Vereinigung — wenigstens im Deutschen Reich — über Zweck und Ziel den staatlichen Behörden Aufschluß geben, ja sogar Mitgliederlisten einreichen und die Leiter der Vereins gung bekannt geben muß; es sei daher von einer „geheimen Gesellschaft" nicht zu reden, um so weniger, als Mitglieder von Rang und Stand, deren Namen einen guten Klang haben, über die Tätigkeit des Ordens B. B. vielfach öffentlich Aufschluß geben. Was der Orden B. B. geheim hatte, sei nicht mehr als das, was auch die Freimaurerei als ihr Geheimnis bewahre, nämlich Gebräuche, Zeremonien, Zeichen usw. Bruderliebe und Hebung der Wohltätigkeit sind auch die Prinzipien dieses Ordens, und auch die Aufgabe dieses Bundes besteht hauptsächlich in der Förderung der höchsten geistigen Güter der Menschheit. Ein weiterer Grund, der zur Abweisung der Forderung hcrbeigezogen wurde, war: „Niemand kann zweeen Herren dienen." Dieser Grund konnte nicht als stichhältig angesehen werden, da es oft im Leben vorkommt, daß man, ohne gegen den einen Herrn sich zu vergehen, auch einem zweiten Treue halten und beiden in Liebe zugetan sein kann. Schließlich wurde als ein sehr triftiger Grund angeführt: Der 11. O. B. B. sei eine streng konfessionelle Verbindung, die nur Juden und keinen Andersgläubigen als seine Mitglieder aufnehme. Die Freimaurerei, so wurde gesagt, will die g anze Menschheit zu einem Bruderbünde vereinen; alles, was Menschenantlitz trägt, erscheint wert, der großen Kette, die die ganze Welt umschließt, anzugehören, daher sei die Bestimmung des U. O. B. B., nur Juden könnten ihm zugehören, nicht vereinbar mit den Grundsätzen der werktätigen Maurcrei. Hierbei wurde übersehen, daß die „christlichen Logen", besonders die „preußischen Logen", ja auch keine Juden, die doch auch „Menschenautlitz" tragen, eusnehmen und diele Tatsache hauptsächlich zur Begründung von B. B.-Logen geführt hat. Der Einwurf, es ständen jetzt ja alle Humanitätslogen den Juden offen, ist nicht stichhältig. Abgesehen davon, daß erst seit wenigen Jahren in Berlin und einigen anderen großen Städten den Juden Gelegenheit gegeben ist, sich dort in „humanitären" Logen aufnehmen zu lassen, nicht etwa in der Loge seines Wohnortes, den diese ist meist eine „christliche", ist es nicht jedermanns Sache, sich in den „anderen" Logen nur „geduldet" zu wissen; es handelt sich um das Prinzip: „alles, was Menschenantlitz trägt, durch was für Benennungen und Glaubensmeinungen sie sich sonst auch unterscheiden," kann Mitglied einer jeden Loge, d. h. kann Freimaurer werden, sofern er nach Lebensführung, Bildung und Stellung sich hierfür eignet. Die Verletzung dieses Prinzips hat die Juden veranlaßt, sich in diesem konfessionellen Orden zufammenzufchließen und sind dadurch der Freimaurerei viele intelligente Kräfte jüdischen Glaubens entzogen worden. Auf dem letzten Großlogentage wurden sich die Vertreter der in Deutschland zusammengeschlossenen Logen dahin schlüssig, daß jeder Großloge das Recht zugestanden wird, sich in dem Punkte der Anerkennung des U. O. B. B. nach eigenem Ermessen zu verhalten. Die Großloge zu Frankfurt a. M., der 21 Logen zugehören, hat nun, entsprechend diesem Beschlüsse des Großlogentages, genehmigt, daß „Mitglieder des 11. O. B. B., ohne aus dieser austreten zu müssen, auch Mitglieder aller unter ihr arbeitenden Logen werden können". Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, daß auch die übrigen Logen, die im „Großlogenbund" vereinigt sind, „endlich" diese Bestimmung sich zu eigen machen und somit einen veralteten Zopf der Freimaurerei abschneiden werden. Zum hundertsten Todestage des Barons Eibenschütz Der verewigte, hochgelehrte Oberrabbiner Josef W e i s s e s. A., (gestorben 8. Kislew 5658—1897 zu Waag-Neustadtl in Ungarn), veröffentlichte im Jahre 1857 in E. Bondi's Hebräischer Chrestomathie einen hebräischen, sehr interessanten Brief des bekannten Dr. Bernhard Beer, Vorstehers der Dresdener jüdischen Gemeinde, über die Nachkommen des Geistesheroen Rabbi Jonathan E i b e n s ch ü tz. *) Baron Eibenschütz, der jüngste von dessen vier Söhnen, mit Namen Wolf, wurde im Jahre 1740 in Prag geboren, verfaßte in seinen jungen Jahren eine Schrift unter dem Titel ,.Gr’wul Binjamin“, die jedoch nicht gedruckt wurde, und kam gleich darauf nach Wien, wo er mit hoch hinausgehenden Plänen sich befaßte, sich, türkisch gekleidet, als Messias ausgab und nach Ungarn ging. Er wußte sich hier einen Anhang zu verschaffen, geriet jedoch in Schulden und floh zu seinem Vater, dem damaligen Oberrabbiner von y.-is Altona, Hamburg und Wands- *) Nachfolgende Zellen der in klassisch-hebräischem Stil geschriebenen biographischen Skizze des unvergeßlichen Dr. Beer dürften anläßlich des 100. Todestages des jüngsten Sohnes des großen R. Jonathan unseren Lesern nicht unwillkommen sein.