Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 46 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 782 Dr. Vlach's DochrnschriN. Nr. 46 schöpfungen bildete die Talmud-Tora. Sein jüdisches Herz war voll Liebe und Güte, mitleidsvoll mit Arinen und Notleidenden, Die Beerdigung fand Freitag den 9. November, 2 Uhr nachmittags, unter ungemein zahlreicher Beteiligung aller Kreise des Bezirkes statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor Rosenmann widmete dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Der Präses der Gemeinde, Herr Dr. I. K ö n i g, sprach zum Schluffe an der Bahre im Namen des Kuliusvorstandes dem Heimgegangenen innige Worte des Dankes für sein segensreiches Wirken aus. Wien. (Jubiläum.) Am 16. d. M. begeht Herr- Rudolf Schiller, Disponent der Firma Mechanische Weberei von Goldschmidt u. Ko., 9. Bezirk, Wasagaffe Nr. 6, sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Israelitische Knltusgemeinde St. Pölten. St. Pölten, am II. November 1806. Löbl. Redaktion der Oesterr. Wochensckirift, Wien. Sehr geehrter Herr Redakteur! Der Gefertigte bittet mit Bezug auf Ihren dieswöchentlichen Bericht über die stati gefundenen Kultuswahlen um Aufnahme folgender Richtigstellung. Die Wahlen der Mitglieder in die Kultusvertretung gingen, wie Zhr Bericht unrichtig mitteilt, nicht in aufregender Weise vor sich, weil die Mitglieder mit der Leitung der Kultnsgemeinde unzufrieden waren, sondern weil sich einige Mitglieder darüber aufregten, daß selbe bis jetzt im Kultusausschuß waren und nicht mehr kandidiert wurden, und die Schuld, daß dies nicht geschah, dem Vorstande zuschrieben. Selbe wendeten ihre ganze Kraft an, um eine Partei gegen den Vorstand zu bilden und dadurch wieder in den Ausschuß zu gelangen. Wie ihn n dies gelang und welcher Beliebbeit sich diese erfreuen, beweist, daß einer dieser Herren, Herr I. K., es auf II Stimmen, der zweite Herr, M. M, auf 5 von 65 abgegebenen Stimmen brachte. Eiu P-otest wurde von einem dieser beiden Kandidaten überreicht, jedoch enthielt er soviele Unrichtigkeiten, daß der Ueberreicher des Protestes selbst auf einen Erfolg desselben nicht hofft. Indem ich Ihnen im Vorhinein für die Aufnahme dieser Zeilen danke, zeichne hochachtcnd Karl Frank. Saaz. (Eine hochherzige Widmung.) Der langjährige Diener und Kustos der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, E. Rößler, welcher nach mehr als 40jähriger treuer Dienstleistung gestorben ist, hat sein gesamtes, nach Bezahlung einiger Legate erübrigendes Vermögen im Betrage von 6000 Kronen der hiesigen Kultusgemeinde für den Pensionsfond hinlerloffen. Zu dem Leichenbegängnisse des treuen Dieners hatten sich fast sämtliche Mitglieder der Kultusgemeinde mit dem Gesamtvorstande eingefunden. Rabbiner Dr. Stern widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Das Gabel sche System in Prag. Auf Einladung Sr. Exzellenz des Herrn Korpskommaudanten und kommandierenden Generals FZM. Hubert R. von Czibulka hielt der Budapester Kommunallchrer Herr Julius Gabel am 23. v. M. im militärwissenschaftlichen und Kasino- Verein in Prag einen Vortrag über sein System des Lese- und Schreibunterrichts für Analphabeten, das durch drei Ministerien für die gemeinsame Armee angeordnet wurde. Es waren erschienen: Korpskommandant FZM. R. v. Czibulka, FML. Radanovicz, GM. Ljubieie. GM. Pfeiffer, GM. Wick, Landwehrbrigadier Oberst Addobbati, Oberst Hospodar, viele andere Stabs-, Ober- und Subalternoffiziere, dann Vertreter der Schulbehörden, Mitglieder des Lehrervercins rc. Die praktische Demonstration währte etwa eine Viertelstunde. Die Analphabeten erlernten sechs Buchstaben, schrieben sie ganz korrekt und faßten sie zu Silben zusammen; sie hatten fich die Technik des Lesens vollkommen angeeignet. Marienbad. (Kaiserlicher Dank) Mit Erlaß der hohen k. k. Statthalterei in Böhmen wurde Sr. Ehrwürdcn Herrn Rabbiner Dr. Goldberger in Marienbad für die anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes zum Ausdr ck aebrachtcn Glückwünsche der Allerhöchste Dank ausgesprochen und im Wege der k. k Bezirkshauptmannschaft Marienbad dekanntgegcben. Tacha« (Todesfall.) Dienstag den 7. d M. verschied hier im 81. Lebensjahre der Privatier Herr Wolf Neubauer. Ein Mann, von welchem man im wahren Sinne des Wortes sagen kann, daß mit ihm ein Stück der alten Kehilla abgestorben ist. Mit e'nem großen profanen und religiösen Wffsen v rbaud er eine tiefe Frömmigkeit und fand nur in Ausübung aller religiöser Pflichten eine Befriedigung, zumal er bei seiner Gelehrsamkeit die Ursachen und Wirkungen der religiösen Gebote genau kannte. Er war langjähriger Vorsteher der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und seine Tätigkeit als Kultusvorsteher ist mit ehernem Griffel in der Geschichte der Dachauer Kultusgemeinde eingezelchuet, Zeugnis abg'bend von seiner uneigennützigen, rastlosen Hingabe für die Interessen - der Kultnsqemeiiide. Zifolge seiner Rechtschaffenheit, seines biederen, aufrichtigen Charakters war er bei Jung und Alt beliebt, sein Wissen und durchdringender Verstand, der ihn bis zur letzten Stunde nicht verließ, vnschaffle ihm ein großes Ansehen bei allen Schichten der Bevölkerung, welches sich bei seinem am 9. d. M. stattgefuuvenen Leichenbegängnisse dokumentierte. E ne förmliche Völkerwanderung war es, die diesem seltenen und von allem verehrten Manne zur letzten Ruhestätte das Geleite gab Friede seiner Asche! Budapest. (Leichenbegängnis des Universitätsprofessors Dr. Ladislaus Fayer.) Unter außerordentlicher Teilnahme der Juristenwelt, der zahlreichen Bekannten. Freunde und Schüler fand in Budapest das Leichenbegängnis des Universitätsprofeffors Dr. Ladislaus Fayer statt. Im Trauerhause war der Universitätssenat unter Führung des Rektor Magnificus Dr. Alexander A j t h a y erschienen. Ferner waren anwesend: die Geheimräte Julius W l a s s i c s, Ludwig Lang, Alexander P l o ß, Sektionsrat i. P. Baron Ludwig D o c z y, seitens des Justizministeriums Staatssekretär I m l i n g, Ministerialrat Dr. R i ck l, Sektionsrat Reiner, der Vizepräsident des Staatsrechnungshofes Geheimrat Darda y, Emanuel K o n y i, zahlreiche Universitätsprofesioren, die Kurialrichter Desider Markus und Gerhard T o t h, die Abgeordneten Bcla B a r a b a s und Desider N a g y, Kronanwalt-Substitut Dr. B a u m g a r t e n, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Dr. Philipp Weinmann, Hofrat Armin Reumann, die Vorsteher Ludwig Adler und Doktor Grauer, der Präsident der Chewra-Kadischa Jakob B os ch an, Deputationen der Advokatenkammer unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Brüll, die vornehmsten Vertreter des hauptstädtischen Barreaus und Richterstandes und zahlreiche Notabilitäten des gesellschaftlichen und kommerziellen Lebens. Nach dem vom Oberkantor Professor Adolf Lazarus exekutierten Trauergesange trat Rabbiner Dr. Simon H e v e s i an die Bahre und hielt eine tiefsinnige ergreifende Trauerrede, in welcher er die Lebensbestrebungen des dahingeschiedcnen Gelehrten mit den Worten der Bibel charakterisierte: Das Recht kehre zur Billigkeit zurück. In ihm lebte die Idee, daß der Mansch sich im Dienste der Menschheit vervollkommnen müsse. Demzufolge gehört der Verblichene nicht nur seiner Familie, sondern auch dem ungarischen Vaterlande, der ganzen Menschheit an. Universitätsprofeffor Dr. Eugen B a l o g h nahm im Namen der Akademie und der Universität Abschied von dem Toten. Sodann hielt im Namen des ungarischen Juristenvereines, dessen Vizepräsident Dr. Fayer war, Dr. Geza Kenedi eine Trauerrede. Wir waren stolz auf Dich — sagte er —, so lange wir mit Dir vereint für das Edle, Gute, für das Heil des Vaterlandes kämpfen konnten; und jetzt, wo Du ruhen gegangen bist, stehen wir gebrochen um Deine Bahre. Durch das edle Prisma Deiner Seele drang jener Lichtstrahl zu uns, welchen der humane Güst Beccarias' bis zu unserer Zeit überliefert hat. Du warst weise und beschenktest Deine Nation mit vielem Nützlichen. Dich preisend, nehmen wir Abschied von Dir. Die Liebe wird Dein Andenken in uns bewahren. Ladislaus Fayer, Gott mit Dir! Im Namen der Universitätsjugend hielten die Juristen T. E r d ö d y und Weiler Abschiedsreden. Györ (Raab). Ein herzerhebendes Beispiel des konfessionellen Friedens, welches zugleich als Kiddusch - Haschem gelten kann, verdient es, in diesen geschätzten Blättern fixiert zu werden. In unserer mächtig emporblühenden, ein Handelsemporium bildenden Stadt, der Hauptstadt Transdanubiens, wurde am 4. d. M. die neuerbaute Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde durch den Bischof Gabriel Antal eingeweiht. Zum Einwcihungsfeste wurde selbstverständlich auch unser Oberrabbiner, wie auch der Gemeindevorstand geladen. — Bei dem nach der schönen Feier gleichfalls von der reformierten Gemeinde veranstalteten Bankette, an welchem die Spitzen der hiesigen Gesellschaft, die Vertreter der Komitatswie der städtischen Magi-