Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021703--15897-3040688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 780 . Dr. Dlocb s Mlocvens onrr. Nr. 46 ich des weiteren aus, daß die in demselben zu Tage tretenden häßlichen Erscheinungen hauptsächlich in den traurigen wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen der armen jüdischen Bevölkerung in Galizien ihren Grund haben. Ich schloß darum meine Rede mit einem warmen Appell an alle edelgesinnten Glaubensgenossen, alle auf die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der notleidenden Klaffen der galizischen Juden gerichteten Bestrebungen aufs Eifrigste zu fördern. Wie also aus dieser summarischen Inhaltsangabe ersichtlich ist, habe ich in meiner Predigt nicht gegen, sondern f ü r die galizischen Juden gesprochen und beruht darnach die Interpellation Breiter entweder auf einem Mißverständnisse oder auf falscher Information. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. E. David, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde. Kultusvorstand Baurat Marmorek äußerte sich in folgender Zuschrift über die Affäre David und über die vom Kultusvorstand beschloffene Resolution: „Vor allem muß ich konstatieren, daß man mir die Autorschaft dieser Resolution mit Unrecht in die Schuhe schiebt. Sie ist ein Kompromiß aus einer Reihe von Anträgen und Resolutionen, welche Kollege Weil zusammenfaßte und mir, da ich des Stenographierend kundig bin, in die Feder diktierte. Ich glaube, daß der Kultusvorstand einer Ansicht darin ist, daß das Unternehmen Dr. Davids, den Prozeß Schapira auf die Kanzel und gar mit dem Leben und Wesen der galizischen Judenschaft in Zusammenhang zu bringen, denselben aus diesem Milieu heraus erklären zu wollen, ein ungehöriges und ungeschicktes war. Hat man aber die Predigt angehört oder das Manuskript gelesen, so muß man zur Ueberzeugung kommen, daß der Prediger die besten Intentionen dabei verfolgte: Er wollte für den galizischen Hilfsverein Propaganda machen. Herr Rabbiner Dr. David hat leider wieder einmal bewiesen, daß er ein eigenes Talent hat, am umgehörigsten Orte und zur ungehörigsten Zeit das Ungehörigste zu sagen." Man hat ja das Recht, von demjenigen, dem die große Ehre und Würde zuteil geworden ist, von der weithin sichtbaren Stätte der Kanzel seine Ansichten mit dem Applomb seines hehren Amtes ausdrücken zu dürfen, zu verlangen, daß er genau wiffe, was sich schickt und ziemt, denn gerade von dieser Stätte hat jedes Wort erhöhte Bedeutung, und eine Unvorsichtigkeit kann das größte Unheil stiften. Es ist die Erregung und Empörung der galizischen und aller wahrhaft echten nationalen Juden daher begreiflich und berechtigt. Der Präsident der Gemeinde hat über die Predigt in einer so scharfen Weise sein Urteil ausgesprochen, wie es wohl noch nie in unserer alten Gemeinde vorgekommen ist. Was kann der Vorstand mehr tun? Die Klugheit und der Patriotismus muß in diesem Falle alle Empörung übertönen und muß sich sagen: Hat der Prediger schon die Unvorsichtigkeit begangen, solch' eine brennende Lunte förtzuwerfen — wir dürfen dieselbe nicht zu einem Feuer anfachen — nicht um des Doktors David willen, sondern um der Einheit und des Friedens in unserer Gemeinde willen in diesen schweren Zeiten, in denen wir überall von Feinden umgeben sind, die auf jede Kundgebung unserer Schwäche und Spaltung nur lauern. Darum muß man die Agitation auf das rascheste unterdrücken und den Gedanken gar nicht aufkommen laffen, daß irgend etwas anderes als Unvorsichtigkeit solche Gefahr heraufbeschwören konnte. Vermischtes. Wie«. Am 16. d. M. begeht kHerr Michael Neurath. Seniorchef der gleichnamigen'Metall-Engros-Firma, mit seiner Gattin L e o n t i n e, geb. Reiß, im engsten Kreise daS Fest der goldenen Hochzeit. Wie«. Der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor der Chemie an der Universität in Wien Dr. Josef Herzig den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofeffors verliehen. Hofrat Ritter v. Frydmann gestorben. Dienstag früh ist nach langem schweren Leiden der Chefredakteur des „Fremdenblatt", Dr. Marcell Ritter v. Frydmann, noch nicht 60 Jahre alt, gestorben. Einer der vornehmsten, kenntnisreichsten Publizisten, der seinem Berufe eine ideale Höhe und eine wissenschaftliche Tiefe gab, ist mit ihm aus dem Leben geschieden. Dr. v. Frydmann war am 24. Mai 1847 zu Jaslo in Galizien geboren, absolvierte die juridische Fakultät in Wien und wendete sich zunächst der juristischen Laufbahn zu. Er brachte es als Verteidiger zu großem Rufe und schrieb das berühmt gewordene „Handbuch der Verteidigung", das als eines der vorzüglichsten Werke der österreichischen Kriminalistik gilt. In seiner Praxis als Verteidiger zeichnete er sich durch gründliches Wiffen und glänzende rhetorische Talente aus, sowie durch die vornehme Sachlichkeit seiner Plaidoyers. Seine Spezialität war die Erörterung von Rechtsfragen vor dem Obersten Gerichts- und Kassationshof, und vor diesem Forum, bei welchem er sich eines ganz besonderen Ansehens und . persönlicher Beliebtheit erfreute, hat er die größten advokatorischen Erfolge errungen. Eine Zeitlang strebte er der wissenschaftlichen Karriere zu, aber der frühzeitige Uebergang zur Publizistik zog ihn von wissenschaftlicher Betätigung ab, die das Ideal seines Lebens blieb. Schon in jungen Jahren begann er seine journalistische Tätigkeit bei der „Debatte" und setzte sie bei der „Tagespresse" fort. Als Korrespondent des letzteren Blattes ging er im Kriegsjahr 1870 bis 1871 nach Paris und zur Nationalversammlung nach Bordeaux, am 15. Jänner 1878 trat er als politischer Leitartikler zum „Fremdenblatt" ein, dessen Chefredaktion er nach dem Tode Heines im November 1886 übernahm. Wie in seiner advokatorischen Tätigkeit bewährte er auch als Publizist die vornehme Sachlichkeit und wissenschaftliche Gründlichkeit, und jeder seiner Artikel zeichnete sich durch logisch klare und lichtvolle Diktion aus. Er konnte als Politiker den Juristen nicht verleugnen, aber er hatte auch den Blick für das Große wie für das Kleinmenschliche im politischen Leben und traf mit wunderbarer Schärfe und Sicherheit den rechten Ton für die vielfältigen Ereignisse und Erscheinungen des Tages. So wurde Frydmann einer der besten und glänzendsten Publizisten, dessen Name und Schaffen weit über die Grenzen dieser Stadt hinausdrang. Wie er seine Vorliebe zur Wissenschaft bis ans Ende seines Wirkens festhielt, beweisen die erst vor wenigen Jahren erschienene Abhandlung über die Reform des Preßrechtes, sowie seine von staatspolitischem Wissen erfüllten Artikel über die Wahlreform. Der Verstorbene wirkte viele Jahre hindurch im Kuratorium der Baron Hirsch'schen Schulstiftung in Galizien. Als Mensch war Frydmann von außerordentlich liebenswürdiger und wohlwollender Art, ein Mann von lauterstem Charakter, und nicht bloß wegen seines hervorragenden Namens als Journalist und Advokat, auch wegen dieser seiner persönlichen Eigenschaften genoß er in weitesten Kreisen größte Wertschätzung und Beliebtheit. Sein SohwRichard ist Dr. jur. und derzeit Finanzkonzeptspraktikant bei der niederösterreichischen Finanz-Landesdirektion. Jüdischer Kolonisationsvereiu. An den Präsidenten des „Jüdischen Kolonisationsvereines", Herrn k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny, ist nachstehendes Schreiben gelangt: Odessa, den 15./28. Oktober 1906. An das Zentralkomitee des „Jüdischen Kolonisationsvereines". Wien, II/3, Gredlerstraße 9. Sehr geehrte Herren! „Die Welt", Nr. 41, brachte uns Ihren Aufruf zur Gründung Ihres Palästina-Kolonisationsvereines. Als Komitee einer der ersten Palästina-Kolonisations- Gesellschaften, gegründet vom unvergeßlichen Autor der „Autoemanzipation" Dr. Pinsker, beehren wir uns, Sie zu begrüßen und Ihnen erfolgreiches Wirken zu wünschen. Unserer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.