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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 778 Dr. Llocv's Macoenscvrtrr. Nr. 46 Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom LI. November unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alsred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Vor Eingang in die Tagesordnung gibt der Präsident in warmen Worten dem Mitgefühle des Kultusvorstandes anläßlich des schmerzlichen Trauerfalles Ausdruck, den das Allerhöchste Kaiserhaus durch das Hinscheiden Sr. kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Otto erlitten hat. Der Präsident hat bei der am 2. November, dem Tage nach dem Hinscheiden des Erzherzogs, stattgefundenen Audienz bei Sr. Erzellenz dem Herrn Ministerpräsidenten an diesen die Bitte gerichtet, den Ausdruck des tiefften Beileids der Wiener Kultusgemeinde entgegennehmen und zur Allerhöchsten Kenntnis bringen zu wollen, was auch der Ministerpräsident zugesagt habe. Die Versammlung, welche sich von den Sitzen erhoben hat, verfügt die Einverleibung dieser Trauerkundgebung in das Protokoll der heutigen Sitzung. Der Präsident erklärt auf die in der vorangegangenen Plenarsitzung vom 1. d. M. behandelte Angelegenheit, betreffend die von dem Rabbiner Dr. David am 26. Oktober d. I. im Leopoldstädter Tempel gehaltene Predigt nochmals zurückkommen zu müffen. Er habe in dieser Sitzung über eine von den Herren Salo Landau und Baurat Marmorek gestellte Interpellation eine erschöpfende, seinen Standpunkt unzweideutig zum Ausdruck bringende Antwort erteilt und sei der wohlbegründeten Meinung gewesen, daß mit dieser Interpellations- Beantwortung und mit der Veröffentlichung derselben die Angelegenheit vollkommen erledigt sei. Seither sei bekanntlich eine Interpellation im Abgeordnetenhause eingebracht worden, in welcher dem Herrn Rabbiner Dr. David Ausführungen in den Mund gelegt worden seien, die er tatsächlich nicht gebraucht hatte. Herr Dr. David habe in den Zeitungen eine diesbezügliche Erklärung veröffentlicht, deren Inhalt auch von dem Präsidenten bestätigt worden ist. Trotz der ersterwähnten Interpellations-Beantwortung in der Sitzung des Kultusvorstandes vom 1. November und der Veröffentlichung derselben und trotz der letzterwähnten veröffentlichten Erklärung des Rabbiners Dr. David haben die Angriffe gegen diesen nicht aufgehört, es hat vielmehr eine sehr bedauerliche, allem Anscheine nach planmäßig organisierte Agitation platzgegriffen und werden Herrn Dr. David Ansichten und Absichten insinuiert, die ihm offenbar ganz ferne liegen. Nach dieser Richtung nun gebühre dem Herrn Dr. David eine Satisfaktion seitens des Kultusvorstandes, welcher hierüber sein Bedauern aussprechen möge. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Rappaport, Baurat Stiaßny, Dr. Steiner, Dr. Berger, Hermann Eltbogen, kaiserlicher Rat Weil, Salo Landau, Baurat Marmorek, Dr. Spitzer, Baurat v. Goldschmidt, Dr. Katzau und Vizepräsident Dr. Gustav Kohn beteiligen, wird allseitig die folgende Resolution vereinbart, welche dem Rabbiner Dr. David zur Kenntnis zu bringen der Präsident ersucht wird: „In Angelegenheit der gegen den Gemeinderabbiner Dr. David in den letzten Tagen eingeleiteten Bewegung sieht sich der Kultusvorstand veranlaßt, sein Bedauern über dieselbe auszusprechen, weil er nach Kenntnisnahme des Wortlautes der Predigt die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Intentionen des Predigers unzweifelhaft die besten und edelsten waren, wenn auch — wie schon der Präsident in der vorigen Sitzung enunziert hat — einzelne Redewendungen bedauerlicher Weise zu Mißverständnissen Anlaß geben konnten." Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben des Komponisten Prof. Ignaz Brüll für die ihm anläßlich feines 60. Geburtstages ausgesprochenen Glückwünsche des Kultusvorstandes. Weiters ein Bericht über die Tätigkeit des chemischmikroskopischen Laboratoriums des Spitales der Kultusgemeinde im Jahre 1905. An Spenden: Von Herrn Dr. Alphons Thorsch für die Talmud-Thoraschule des Beth-Hamidrasch (Lektor Friedmann) K 200.— „ „ L. B. Breßlau für die Briaittenauer Schulküche.„ 160.— „ „Anonymus" für Arme auf Holz und Kohle.„ 10 — „ „ Josef Wondrak für arme russische Juden „ 6.— Dem Tempelvereine in Döbling wird behufs Errichtung eines ständigen Bethauses im XIX. Bezirke ein einmaliger Beitrag von X 40.000.— bewilligt, wogegen der Verein die Realität XIX., Dollingergasse 3, erworben hat und sich weiters verpflichtet, dieselbe als Bethaus vollständig einzurichten und mit dem täglichen Gottesdienst ehemöglichst zu beginnen. Ueber seinerzeitige Anregung des Herrn Vorstehers Dr. Markus Spitzer wird beschlossen, sämtliche Vorstandsmitglieder zur Beratung des Budgets im Vertreterkollegium einzuladen. Ueber Anregung des Herrn Dr. Maximilian Steiner wird die Errichtung eines Ambulatoriums für Augenkranke im Spitale der Kultusgemeinde unter Leitung des Herrn Prof. Dr. S. Klein mit je einstündiger Ordination an drei Tagen der Woche genehmigt. Nach Erledigung diverser Stiftungs-Angelegenheiten und Subventionsgesuche wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschloffen. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat an den Komponisten Herrn Ignaz Brüll anläßlich seines 60. Geburtstages folgendes Gratulationsschreiben gerichtet: „Es ist ein aufrichtiges und herzliches Bedürfnis, das den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien und das in seiner Mitte wirkende Kuratorium der Freiherrlich Rothschild'schen Künstlerstiftung veranlaßt, Euer Hochwohlgeboren zum 60. Geburtstage zu beglückwünschen. Seit vielen Jahren bietet sich dem Vorstände und dem Kuratorium Gelegenheit, die ungewöhnliche, selbstlose Hingebung zu beobachten, mit der Euer Hochwohlgeboren trotz der hohen Inanspruchnahme, deren Ihr unvergängliches Schaffen bedarf, die künstlerischen Bestrebungen des Judentums auf dem Gebiete der Musik fördern, mit welchem Eifer Sie, hochgeehrter Meister, sich unter anderem auch mit der mühevollen Prüfung der Leistungen jener jungen Künstler befassen, die sich um unsere Musikerstiftungen bewerben. Wenn wir in Dankbarkeit dieser, unserer gesamten Glaubensgenoffenschaft zu Ehr und Nutzen dienenden Tätigkeit gedenken, uns in Erinnerung bringen, mit welch' gewinnender liebenswürdiger Weife Euer Hochwohlgeboren Ihres Amtes walten, dann drängt sich uns der innige Wunsch auf, den wir Ihnen heute zurufen: Möge der Allmächtige Sie bis zur äußersten Grenze menschlichen Lebens in Zufriedenheit und Vollkraft erhalten zum Stolze Ihrer Angehörigen und Freunde, zum Nutzen und zur Ehre Ihrer Glaubensgenossen." Spende«: Von Herrn Moriz Eisler: für die israel. Armen-Anstalt.K 400.— für das Tempelpersonale.. 200.— für den Frauen-Wohltätigkeitsverein . . . „ 200.— für das Siechenhaus.„ 200 — K 1000.— Von Herrn Ernst Hirsch für die russischen Juden . „ 500.— Von Herrn Max Ritter von Gutmann: für die Schüler des Bethamidrasch-Vereines . ... „ 400.— Von Frau Philippine Neumann Edle von Heilwart: für Arme.„ 300.— Von Frau Hermine Fleisch mann für Arme.„ 300.— Vom Nachlaß Anna Wottitz für das Altersversorgungs¬ und Siechenhaus.. 900.— Von Herrn Heinrich Mayer für Hilfsbedürftige (Ungarische Kronenrente).„ 200.— Von Herrn Emanuel Podiebrad für Arme.. 100.— Von Herrn Hermann Eltbogen für die russischen Juden . „ 50.- Von Herrn Dr. Ludwig Gelber: für den Jüdischen Kolonisationsverein . . . K 30.— für den Talmnd-Thoraverein... ... . „ 20.— „ 50.—

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