Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 46 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 776 Dr. Llocb's MocbenscvrtN. Nr. 46 erhebend wirkt der Eifer, mit dem die Damen am Werke sind, wenn es gilt, Hunderte und aberhunderte von Unterstützungsgesuchen zu erledigen, die alljährlich, düstere Not schildernd, beim Vereine einlaufen. Gasse aus, Straße ab, die Stockwerke auf und nieder kann man die Damen des Komitees auf ihren Recherchewegen verfolgen, wie da die Würdigkeit eines jeden Einzelnen geprüft und dafür gesorgt wird, daß schnelle Hilfe dort kommt, wo sie dringend nötig, verschämte Armut ausgesucht und der unverschämte Bettel — wer im Dienste der Charitas siebt, wird auch die Auswüchse kennen — bekämpft wird. Wahrlich, den Frauen Dr. Grunwald, Steffi Strach, Dr. Schick, S. Duschinski, Pick, Dr. Natzler, Dr. Pollak, Stern, Fritzi Hirsch, Kirschmann, Oberkantor Jurberger, Grabkowicz und Schnabel wird die Arbeit nicht leicht gemacht; das Vereinspräsidium mit den Herren S. Mohr,Herm. Weinberger, Ob.-Rev. Strach, Jsid. Gehlbart, I. Duschinski, Sam. Steiner, Börserat Beer und Em. Schnabel haben im Damenkomitee treffliche Helferinnen gefunden. Jeder, der „Uaskll el dol“ und sein Wirken näher kennt, weiß, daß jede Spende dort die richtige Verwertung findet und jedes Opfer, dem Vereine gebracht, den wahrhaft Armen und Dürftigen zugute kommt. War doch dieser Verein, dank des Fleißes seines Säckelwartes Herrn D u s ch i n s k i, als erster in der Lage, einen auf Grund gewissenhafter Recherchen angelegten Armenkataster zu schaffen, der allen Vereinen zur Einsicht zur Verfügung steht. Es ist begreiflich, daß trotz der treuen Anhängerschaft seiner Mitglieder, trotz der Tatkraft der Vereinsleitung, trotz der Schaffensfreudigkeit des Damenkomitees „Maskil el dol“ nicht alle Tränen trocknen kann, die Schmerz und Elend über gramgefurchte Wangen leiten. Von Jahr zu Jahr zeitigt die unglückselige Sozialpolitik gewiffer Machthaber neues Elend im Judentum und von Jahr zu Jahr muß auch „M a s ki1 el dol“ daran denken, neue Mittel zu finden, den arg in Mitleidenschaft genommenen Vereinssäckel für die Bedürfnisse der Armen zu füllen. Und so kam es, daß heuer die Anregung, die Bühne dem Vereine dienstbar zu machen, auf fruchtbaren Boden fiel. Voranzeige. Schon jetzt wird bekanntgegeben, daß der „Israel itische Unter st ützungsverein für die w e stlichen Bezirke (Äa8kil el dol)" Sonntag den 25. d., um 3 Uhr nachmittags eine Matinee zu wohltätigem Zweck veranstaltet, die ein künstlerisches und gesellschaftliches Ereignis werden dürfte. Auf der Bühne des Bürgertheaters wird zugunsten der Vereinszwecke das vieraktige Lustspiel „Lene" von I. Zangwill in deutscher Uebersetzung aufgeführt. Der Name Zangwill, des jüdischen Politikers und großen englischen Dichters, der in seinem „König der Schnorrer" ein Monument königlichen Humors schuf und durch seine „Kinder des Ghetto" sich Weltberühmtheit erwarb, ist die Gewähr für auserlesenen Kunstgenuß, den auch alle Kenner des Werkes eifrig versprechen. Der Vorstand des Vereines, das Damenkomitee voran, ist bemüht, hervorragende jüdische Persönlichkeiten Wiens und die besten Kreise für die Veranstaltung zu interessieren und Hut bereits Zusagen erhalten, die das schönste Gelingen verbürgen. Der Verein verdient es auch, tatkräftig unterstützt zu werden, denn von allen Korporationen dieser Art ist keine moderner eingerichtet. Alle Einnahmen werden mit Vermeidung aller Regiespesen direkt und diskret zur Verteilung gebracht, auf Ansammlung eines Vermögens wird keinerlei Gewicht gelegt. Dagegen sind die Vorstandsmitglieder unermüdlich iu Recherchen, die nach einem eigenen Kataster systematisch gepflogen werden und in allen Fällen ist es wahre Armut, der gründlich und rasch geholfen wird. Namentlich die Tätigkeit der Damen ist glänzend. Für die obenerwähnte Veranstaltung ist die Kartenausgabe bei Herren S. Goldberger, XIII., Auhofstraße 12, und I. Duschinsky, XIV., Herklrtzgasse 33, sowie bei allen Mitgliedern des Vorstandes. Die Preise sind dieselben wie im Theater. Überzahlungen zugunsten des Vereines werden dankend quittiert. - Karten können nur mehr in beschränkter Anzahl ausgegeben werden und es ist ratsam, im Interesse günstiger Plätze umgehend zu bestellen.. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hatte in seiner letzten Sitzung Mitte September die Errichtung eines zweiten Kindergartens in Jaffa beschlossen, da der Kindergarten, den er bereits dort unterhält, nicht mehr den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung genügt, die sich durch den Zustrom russischer Flüchtlinge im Laufe weniger Monate außerordentlich vermehrt hat. Das Schul- und Kindergartenkomitee des Hilfsvereines in Jaffa teilt nunmehr unter dem 2. November mit, daß alle nötigen Vorrichtungen zur Errichtung des zweiten Kindergartens bereits getroffen sind. Ein Lokal ist in der jüdischen Vorstadt Newe Zedek gemietet, das nötige Mobilar angeschafft und eine Lehrerin engagiert worden. Die Eröffnung erfolgt jetzt. Die Aufnahme der bedürftigen russischen Kinder — die meist armen Familien angehören — erfolgt unentgeltlich. Der Zudrang russischer Kinder zu der Knabenschule in Jaffa, die der Hilfsverein im Mai dieses Jahres begründet hat, ist gleichfalls außerordentlich stark. Zwei Drittel der fünfzig Schüler, die die Anstalt besuchen, sind russische Emigrantenkinder. Auch die Aufnahme dieser Kinder erfolgt teils unentgeltlich, teils unter Bedingungen, die den pekuniären Verhältnissen der Eltern im weitesten Maße Rechnung tragen. Preisausschreibung. Aus Anlaß des fünsundzwanzigjährigen Bestehens des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an der Universität Berlin setzt der Verband alter Herren dieses Vereins einen Preis von 600 Mark aus für die beste Bearbeitung des Themas: Die Ehtik der Propheten. 1. Es sollen die ethischen Anschauungen der Propheten auf Grund historischkritischer Forschungen in ihrer Entwicklung ermittelt und systematisch dargestellt werden. 2. Dem Verfasser bleibt es Vorbehalten, alle Propheten oder nur einzelne in den Kreis seiner Untersuchungen zu ziehen. Es muß aber bei einer Detailbehandlung stets die historische Entwicklung berücksichtigt werden 3. Philologische Detailuntersuchungen liegen außerhalb des Untersuchungsgebietes. Die Arbeit soll den Umfang von sechs Druckbogen tunlichst nicht übersteigen. Zur Bewerbung um den Preis ist jeder zugelassen. Die Bewerbungen sind bis zum 1. November 1907 zu richten an den Vorsitzenden Herrn Zahnarzt Lipschitz, Berlin, Mohrenstraße 26. Das Manuskript ist mit einem Kennwort zu versehen. Dasselbe Kennwort muß ein verschlossenes Kuvert tragen, das den Namen des Verfassers enthält. Der „Verband alter Herren" des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur erwirbt mit der Zuerteilung des Preises das Recht der Veröffentlichung der Arbeit. Das Preisrichteramt haben übernommen die Herren Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Cohen-Marburg, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Freudental-Breslau und Professor Dr. Goldziher-Budapest. Die Zuerteilung des Preises erfolgt im Februar 1908. Das religiöse Leben bei Ariern und Semiten. Friedrich Otto Hertz sagt in einem Artikel unter obigem Titel in der „Politisch-anthropologischen Revue" (Thüringische Verlagsanstalt,- Eisenach) gegen die willkürlichen Konstruktionen H. St. Chamberlains unter anderem folgendes: „Der Vergleich des historischen und räumlichen Spielraums der indischen und jüdischen Entwicklung gibt uns schon eine wichtige Lehre. Das heutige englische Vorderindien ist 121mal größer als das kleine Ländchen Palästina, die Fläche verhält sich also wie ganz Deutschland zu Sachsen-Weimar und Schwarzbnrg-Rudolstadt zusammengenommen, die Geschichte der Juden als Volk umfaßt etwa ein Jahrtausend, die Indiens mindestens 3000 Jahre. — Die Jndoarier standen bei ihrer Einwanderung schon auf einer höheren Stufe primitiver Kultur, die gebirgige Natur des nördlichen Indiens und der Kampf