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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mi. 46 Dr. Llocv's MlocvenscvrM. Leite 775 Brunner Brüll-Feier. Mit rühmenswertem Verständnisse sür die Bedeutung Ignaz Brülls und für die Pflichten engerer Landsmannschaft feiert das Brünner Stadttheater — unter der überaus rührigen Leitung des Direktors v. Maixdorff — den 60. Geburtstag des leider gerade in Oesterreich und insbesondere in Wien sehr mit Unrecht nicht genug gewürdigten Komponisten durch eine Neuaufflihrung der reizenden Spieloper „Das goldene Kreuz", und zwar infolge verschiedener Hindernisse erst am 16. d. M. Der Komponist und dessen Tochter werden der Vorstellung beiwohnen. Sonntag den 11. d. M. veranstaltete die jüdische Lesehalle in Brünn („Toynbeehalle") eine ungemein besuchte und sehr gelungene Brüll-Feier, um welche sich nachstehende Mitwirkende sehr verdient machten: Herr Theatersekretär B o n d i, Herr Opernsänger A s ch n e r, Herr Stadtrat F e l d m a n n (Violine), Herr St ran sky jau. (Claviersolo) und Lehrer Langkammer (Klavier-Begleitung). Ohne Zweifel wird auch die Theaterfeier sehr gut verlausen. L. 8. Aus der Leopoldstädter Bezirksvertretnng. In der am 25. Oktober abgehaltenen ersten Sitzung der Bezirksvertretung hielt Bezirksrat Ernst Neustadtl gleich nach ^Eröffnung derselben folgende Ansprache: „Gestatten Sie mir, an die Ansprache des Vorstehers einige Worte zu knüpfen und meiner Anschauung insoferne Ausdruck zu geben, ob wir auf Ihre Loyalität und die unbesiegbare Macht des Rechtes bauen. Die Erfordernisse in unserem Bezirke werden, so will ich hoffen, ein einträchtiges Zusammenwirken und nicht einen aufreibenden Kampf, nicht die Erweckung der Leidenschaften und des Argwohnes im Gefolge haben. Nicht das Kräfteverhältnis einer politischen Partei, sondern die Grundlage der Gerechtigkeit muß maßgebend sein, um Reibungen zu verhindern. Wir, die wir auch der früheren Bezirksvertretung angehört haben, haben durch sechs Jahre das größte Opfer gebracht, uns selbstlos ffl den Dienst, der Gemeinde gestellt, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, so daß uns eine moralische und rechtliche Anerkennung zukäme. Statt dessen hat man, im Gegensätze zu der dokumentarischen Anerkennung seitens des Bürgermeisters, unsere Tätigkeit eine verlotterte Wirtschaft genannt, gegen welchen Vorwurf ich, wohl in diesem kleinen Kreise, aber doch in der Repräsentanz der Leopoldstädter Wählerschaft, Einsprache erhebe. Mag der Kampf der Parteien noch so sehr toben, die Kritik über das Walten einer Körperschaft muß denn doch auf Wahrheit und Offenheit beruhen. Tr"tz dieses Angriffes werden wir mit verstärkter Kraft, Hand in Hand mit der rechtlichen Erfüllung unserer Pflichten, dem Interesse unseres Bezirkes dienen, in der vollsten Erwartung, daß hier nur jene Prinzipien Geltung erhalten, welche die schönste Blüte der Kultur und des Rechtsbewußtseins bilden, die Prinzipien, gegen jedermann gerecht, objektiv und ohne Parteiunterschied vorzugehen, und daß nur jene Tendenzen vorwalten werden, welche fich in den Rahmen unseres Wirkungskreises einfügen. Wohl spiegelt sich in der Zusammensetzung der Bezirksvertretung das Bild der politischen Verhältnisse in einem Bezirke wieder, aber trotzdem sind wir, abseits vom politischen Gewoge, doch nur eine administrative Körperschaft, die fich, nicht getragen vom Parteigeiste, nur auf dem Boden der Gerechtigkeit und der Objektivität bewegen soll und muß. Daß wir so gehandelt, mag ihnen den eklatantesten Beweis geben ein Artikel eines zionistischen Blattes, den das „Deutsche Bolksblatt" im Auszuge gebracht hatte, in welchem die Majorität der früheren Bezirksvertretung angegriffen wurde, weil sie angeblich keine jüdischen Interessen vertreten hatte. Wir kannten und kennen keine spezifisch jüdischen Interessen, wie Sie auch hoffentlich keine einseitigen christlichen Interessen kennen werden, sondern wir vertreten das Interesse der Allgemeinheit, das Interesse des Bezirkes, das Interesse der Bürgerschaft ohne Unterschied der Nationalität und der Konfession. Ich will hoffen, daß Sie einhellig meinen Ausführungen beistinlmcn und fich in diesem Sinne betätigen werden. Der Verein „Israelitische Kinderbewahranstalt", II. Schlffamtsgasse 15, versendet soeben seinen diesjährigen Bericht, welcher gleichzeitig der 63. ist seiner im Jahre l843 gegründeten Kinderbewahranstalt, der 2. seiner Filiale im XX. Bezirke, Klosterneuburgerstraße 14, und der 38. seiner mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, die mit einem Bildungskurse für Kinderpflegerinuen verbunden ist. Wir entnehmen diesen Berichten nachstehende Mitteilungen. Zum erstenmal seit den 63 Jahren seines Bestandes trat der Verein auf Grund der im Vorjahre geänderten Statuten vor die Oeffentlichkeit und erstattete seinen Mitgliedern einen umfaffenden Tätigkeitsbericht in der am 1l. März abgehaltenen Hauptversammlung, welcher als Vertreter der Kultnsgemeinde Herr Adolf Schrämet, als Vertreter des Ortsschulrates Herr Josef Fuchs, Rabbiner Dr. David. Inspektor Professor Kanitz u. v. a. beiwohnten. Die Hauptsorge des Vereines im abgelanfeuen Jahre galt der Durchführung der Einverleibung der Brigittenauer Anstalt und deren Ausgestaltung nach dem Muster seiner Hauptanstalt. Die vermehrten Ausgaben, welche diese Erweiterung der Vereinstätigkeit zur Folge hatten, erfo.derten auch eine umfassende Agitation zur Hereinbringung der nötigen Mittel und die finanziellen Berichte zeigen, daß auch für dieses Jahr das Auslangen gefunden werden konnte, dank der Opferwilligkeit der Glaubensgenossen und dank erheblicher Subventionen, deren Gewährung gleichzeitig eine Anerkennung des wohltätigen Wirkens des Vereines in fich schloß. Wlr erwähnen hier die Subventionen der Israelitischen Kultusgemeinde, der Ersten österr. Sparkassa, des Bezaksrates Leopoldstadt, des Brigittenauer Franen-WohltätigkeitsvercineS und endlich die Subvention des Wiener Gemeinderates. Beförderer Dank wird von Seite des Vorstandes allen Faktoren gezollt, welche die Tätigkeit des Vereines und das erziehlich-humanitäre Wirken seiner Anstalten unterstützten, den Mitgliedern und Spendern, dem Bethausvorstande der Kmderbewahranstalt unter Führung der Herren S. Brod und Dr. A. Steiner, dem Prediger im Bethause der Kinderbewahranstalt Herrn Wilhelm Breuer, dem Mädcheu-llnterstützunqsvereine für die Zuweisung von Schülerinnen, der Baron Hirsch-Stiftung für die Gewährung von Stipendien an arme Schülerinnen, den Jnspektionsärzten Dr. Zappert und Dr. Redlich, endlich den Leitern und Lehrkräften der Anstalt. Am 7. Dezember 1905 fand in der Hauptanstalt, am 12. d. M. in der Filiale eine würdige Chanukafeier statt. Die Bitdungskurse erzielten bei der unter Vorsitz des Herrn k. k. Landesschulinspekiors Dr. Rieger am 28. Juni 1906 abgehaltenen Befähigungsvrüfung außerordentlich günstige Resultate und zum Schluß wird die Tatsache erwähnt, daß im abgelaufenen Jahre wiederum zwei Schwestern des Klosters vom Orden des heiligen Franz v. Assisi an der Hauptanstalt hospitierten. In der Hauptanstalt waren 320, in der Filiale 135 Kinder eingeschrieben. Kastrationen wurden insgesamt 36.670 verabfolgt. Tie Retloausgabe l beliefen sich auf die ansehnliche Summe von X 33.328 —. An den Bildungskursen wurden 22 Schülerinnen ausgebildet und 74 Erzieherinnenposten an arme Mädchen vermittelt. Die Vereinsleitung besteht aus zehn Damen und zwei Herren unter der Führung der rührigen und umsichtigen Präsidentin Frau Sara v. Stern, der Frau Hofrat Elise Gomperz als Vizepräsidentin zur Seite steht. Die Kassaverwaltung besorgt wie seit Jahren in der aufopferndsten Weise Frau Praline Kamler. Die Leitung der Hauptanstalt rubt seit nn» zehn I ihren in den Händen des Direktors Max Fischer und seiner Gattin, die Leitung der Brigittenauer Filiale ist der früheren Inhaberin Frau Julie Max anvertraut. An der Hauptanstalt wirken vier Kindergärtnerinnen und eine Wärterin, an der Filiale eine Kindergärtnerin und eine Wärterin. Der Lehrkörper der Bildungskurse besteht aus nenn Lehrkräften unter der Leitung des Direktors Fischer. Der Bericht schließt mit dem Danke an alle jene, welche den Verein in seiner Tätigkeit unterstützten, aber auch mit der innigen Bitte an alle, die an dem Wohle der Kinder und an der Heranbildung des weiblichen Geschlechtes für den Erziehungsberuf Anteil nehmen, in den Kreis feiner Gönner einzutreten. _ Maskil el dol und I. Zangwill. Unverdrossen rührig entfaltet im Westen der Metropole ein jüdischer Verein seit 32 Jahren seine Tätigkeit im Dienste wahrer Menschenliebe. Dort wo Not und Elend ihr dauernd Heim finden, wo die Armut nur Notasyle hat und sogar die Schreckbilder jüdischer Obdachloser auftauchen, da gibt es emsige Arbeit und die jüdischen Frauen und Männer, die sich die Aufgabe gestellt, hier helfend und rettend einzugreifen, dürfen kein Verzagen kennen. Gutes Herz und edle Tatkraft müssen redlich mithelfen, bittere Not zu bekämpfen, die gerade in diesen Bezirken so tiefe Wuseln faßt. Und so bietet der Israelitische Hilfsverein „Maskil el dol“ der westlichen Bezirke ein erhebendes Beispiel edelsten jüdischen Wirkens. Vornehme Frauen, an der Spitze Präsidentin Frau Rabbiner Dr. G r u n w a l d, haben in der Erkenntnis ihrer Menschenpflichten fich in d.n Dienst der Barmherzigkeit gestellt und erfteuliche Erfolge gezei igt. Herz-

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