Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 45 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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. - .-.-Lj.: » Nr. 45 der Lieferung dieses Paroches ihre Leistungsfähigkeit wieder aufs Neue bewiesen. Meran. Der Jahresbericht des Asyls für jüdische Kranke in Meran über die Saison 1905 bis 1906 konstatiert eine Steigerung der an dasselbe gestellten Ansprüche. Sämtliche Plätze waren während des letzten Jahres besetzt, und eine große Zahl würdiger Gesnchsteller mußte abgewiesen werden, weil die Räume und die Mittel der Anstalt eine Ausdehnung der Hilfstätigkeit nicht gestatten. Die Aussübrung des längst gebotenen und geplanten Erweiterungsbaues bezeichnet der Bericht daher als eine unaufschiebbare Notwendigkeit. Der Bauplatz ist bereits erworben und die Baupläne liegen fertig vor. Auch ein neuer israelitischer Friedhof muß, den Stiftungszwecken gemäß, errichtet werden, wozu ein Kostenaufwand von mindestens 30.000 bis 40.000 Kronen erforderlich ist. Die Heilerfolge waren befriedigend. Die religiösen Institutionen des Asyls erfuhren im letzten Jahre eine wesentliche Ausgestaltung. In einem zweckmäßig eingerichteten Raum des Tempelgebändes wird der Religionsunterricht für die jüdischen Schüler aller Volks- und Mittelschulklassen des Meraner Kurbezirkes durch Herrn Bezirksrab iner Dr. Tänzer erteilt. Ferner findet allwöchentlich ein Jugendgottesdienst mit Predigt statt. Der Etat schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 70.000 Kronen ab, von denen nur 3140 Kronen auf Jahresbeiträge entfallen. Das Vermögen der Stiftung, die unter anderem auch arme israelitische Kurgäste mit kräftiger Mittagskost versieht und ihnen Baruntelstützungen gewährt, beträgt 136.748 Kronen, wovon ungefähr ein Drittel aus das Asylgrundstück entfällt. Prag (Jüdische a k a d. - t e ch n. Verbindung „Barissia".) Wahlen: cand. ing. Oskar Steiner *, F.W., stud. phil. Moritz Fischel **, F* tech. Wilhelm Landmann ***. Diese Verbindung veranstaltete am 31. Oktober eine Trauerfeier für ihren verstorbenen a. B. ing. caud. Arnold Herzog (N. F. Sammlung zu dessen Eintragung). Mäh -Budwitz. Am l. November I. I. beging Herr Kantor und Religionslehrer Adolf Kahn mit seiner wackeren Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlässe liefen zahlreiche Gratulationen und Ehrengeschenke ein und erschienen in der Wohnung des Jubelpaares Abordnungen der Kultusgemeinde und des israelitischen Frauenhilfsvereines. Die herzlichen Ansprachen seitens der Borstandsdame Frau Freund und des Kultusausschußmitgliedes Herrn Fischel zeugten von der großen Beliebtheit, deren sich die Gefeierten hier erfreuen. Namens der Familie sprach der älteste Sohn Herr Hermann K o h n, Kantor und Religionslehrer in Klobouk, in gefühlvollen Worten, die auf alle Anwesenden rührenden Eindruck machten. Es wurde hierauf auf das Wohl des Jubelpaares toastiert und tiefbewegt dankte Herr. Adolf Koh l für die aufrichtigen Ehrenbezeugungen. Im Laufe des Tages kam auch der Jamnitzer Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Doktor Marmor st ein, um seine Freunde persönlich zu beglückwünschen. Feuilleton. Die Wiederkehr. Eine chassidische Legend e.*) Am Jahrestage des Todes des heiligen Ropczycer Rabbi hatten sich alle Zaddikim**) in Ropczyce versammelt. Dort saßen sie in einem Saal und harrten in Wehmut und Schweigen, ob die Seele des Verstorbenen die Schatten feines erhabenen Wesens über ihre in Trauer verdunkelten Herzen ausgießen würde, als die Tür aufflog und ein grelläugiges Weib hereinstürzte, das stöhnend aus unbeschwichtigten Schmerzen sich auf die Erde warf *) TW chassidischen Legenden erzählen das Leben des Israel Baalschem, des „Meisters des wundersamen Gottesnamens", des Begründers des Chassidismus, der die letzte und höchste Phase jüdischer Mystik ist, und das Leben seiner Schüler und Schülersschüler. Sie haben sich in der zweiten Hälfte des achtzehnten und der ersten des neunzehnten Jahrhunderts im Gange der Geschlechter gebildet als die jüngsten Legenden der Weltliteratur. Hier ist eine von ihnen, aus dem hebräischen Original nacherzählt. **) Zaddik, „Gerechter, Heiliger", Name der chassidischen Rabbis. Sie werden als Mittler zwischen dem Menschen und Gott angesehen, durch die das Gebet emporgetragen und der Segen herabgebracht wird. Sette 765 und schrie: „Seid mir gnädig, ihr heiligen Meister, und höret, was für ein grausames Unglück über mich dahergesahren ist! Da habe ich vorige Woche einem Juden achthundert Silbergulden eingehändigt, damit er auf die Dörfer fahre, Flachs einzuhandeln. Und den Gewinn, der uns ganz sicher war, darein wollten wir uns teilen, in halb und halb. Vergehen mir da etliche Tage, ich höre nichts von ihm, und mir wird ganz gequält und unruhig um das Herz. Just heute am frühen Morgen kommt mir einer ins Haus, der hier in der Gegend heimifch ist, und ich hör von ihm, der Jud ist gestorben eines jähen Todes und hat man nicht Geld noch Kaufbriefe bei ihm gefunden. Nun frag ich und heisch ich, wo ist mein Geld geblieben? Rabbonim, schaffet mir einen rechten Rat! Ihr fitzet hier beisammen, wie die Eezengel des Herrn im Licht, über eueren Häuptern steht der Himmel als eine offene Pforte, euerem Wollen ist die Macht dort einzudringen, was Zaddikim verhängen, macht der Herr zu Geschehen!" Da griff der Jammer des Weibes etlichen der Zaddikim an die Seele, so daß fie sprachen: „Werde still, Weib, wir wollen dazu tun, daß dein Geld gefunden werde!" Jetzt aber ist der Zaddik Rabbi Schalom von Kaminka ausgestanden und hat gerufen: „Hört ihr alle, und auch du, Weib! Hier kann kein Versprechen bestehen und Frucht tragen. Das Geld bleibt verloren für alle Zeit. Wer es suchen wollte, müßte in die Kette des Geschehens greifen, die über das Rad aller Zeiten läuft. Vermagst du mir zu sagen, Weib, in welchem Körper deine Seele gehaust und was sie in ihm gewirkt hat. ehe fie auf dem Wege der Wanderung in diesen kam? Es wird sich begeben haben, daß du in einem verblichenen Leben eine unerfüllte Schuld mit von hinnen genommen hast, und dieser Jude wurde nur geboren, um deine Schuld zu erfüllen, und da er es getan hat, war sein Tun in diesem Leibe vollbracht und er ist hingegangen. „Du aber sei froh und danke, daß der Mangel deiner Seele hinweggetilgt ist!" Und als er dies gesagt hatte, wandte Rabbi Schalom sich zu den Zaddikim und redete: „Meine Lehrer und Meister, so es euch gefällt, höret auf mich, ich will euch eine Geschichte sagen vom heiligen Baalschem, dessen unendliches Verdienst uns stärke. „In Rischa hat in den Tagen des großen Heiligen ein vornehmer Jude gelebt, ein reicher Mann, gelehrt und wohlbewandert in den Schriften. Ob er gleich den Chassidim*) nicht zugezählt werden durfte, achtete er doch den Baalschem als einen Wunderbaren und Begnadeten, vernahm mit Begierde die Reden, die umgingen über die erstaunlichen Zeichen, die der große Meister gewirkt habe, und gewann so endlich das größte Verlangen, ihn von Gestalt, Angesicht und unmittelbarer Rede kennen zu lernen. Da ließ er eines Tages feinen Reifewagen rüsten, hieß den Kutscher und den Diener aufsitzen und fuhr stattlich und prächtig angetan wie ein Adliger hin nach Miedzyborz, dem Wohnorte des Baalschem. „Dort betrat er dessen Haus und war recht bedacht, den Heiligen feine Gelehrsamkeit spüren zu lassen, denn so hoffte er es zu erlangen, daß der Meister ihn wert erachte, mit ihm über die Auslegung der Schrift oder über die Geheimnisse der Kabbala zu reden. Dergleichen aber ließ der Baalschem gar füglich abseits liegen und sprach einfach und beschaulich von allerlei Weltdingen, wobei dem reichen Juden dünkte, daß der Zaddik ihm durch das Gespräch keine gewaltige Ehre erwiese. Dennoch wollte er ansehnlich und würdig seinen Urlaub nehmen, und so legte er, bevor er feinen Abschied bot, ein Päckchen Rubel still vor sich auf den Tisch. Der Baalschem sah es, und für einen Augenblick kam ein feines, strahlendes Lächeln in feine Augen, und es war, als ob er über die Stube und den Gast, ja über alles Land weit hinaus auf ein fernes Geschehnis schaue „Wie es nun der Brauch ist bei den Juden, daß fie den Zaddik heimsuchen und von ihm heischen, daß er mit der Ge- *) Chassidim, „Fromme", die dem Baalschem und seinen Nachfolgern anhängende Sekte, deren Grundlehren das Leben Gottes in allen Dingen und die Vergöttlichung der Seele durch alle Handlungen sind. Dr. Llocv s MLoebenscvrM.