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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-09 · 45 (9.11.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 764 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 45 Jüdische Kinderhorte. Donnerstag den 1. d. M. wurden nunmehr vom „Vereine zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien" ein Knaben- und ein Mädchenhort für je 50 Schützlinge der Bezirke XII bis X V feierlich eröffnet. In den Horträumen, welche im Hause des Ausspeisungsvereines für die genannten Bezirke, XIV., Herklotzgasse 21, gemietet wurden, hatten sich nebst den Schützlingen und der Vereinsleitung als Ehrengäste eingefunden: Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald, der Obmann der Bezirkskommission der israelitischen Kultusgemeinde Herr I. Mohr mit mehreren Mitgliedern dieser Körperschaft, die Präsidentin des Ausspeisevereines Frau Landeis, das Schutzdamenkomitee der Horte mit der Präsidentin Frau Fini Schnabl an der Spitze, Herr Schulinspektor Professor Kanitz, die Direktoren Max Fischer und Alexander Hecht u. v. a. — Nach Begrüßung der Festgäste durch den Vereins- Präsidenten Herrn Dr. I. Samuely würdigte Herr Rabbiner Dr. Grunwald in schwungvoller Rede den Wert dieser Institution. — Herr Obmann Mohr versprach namens der Kultusgemeinde und der Bezirkskommission dem Institut alle Förderung. — Lebhaften Beifall fanden die Ausführungen des Herrn Inspektors Professors Kanitz, der im Hinblicke auf die fortschreitende Verrohung der Schuljugend die Institution als dringende Notwendigkeit bezeichnete und mit dem Wunsche schloß, daß der Allmächtige, der höchste Hort, diesen Horten seinen Schutz angedeihen lassen möge. Nach Ansprachen des Hortleiters Herrn Huschak und der Hortleiterin Fräulein Schreiber fand die Feier mit der Besichtigung der Ausspeisungsräumlichkeiten ihren Abschluß. Konzert Don Fuchs. Don Fuchs wird in seinem Konzerte, welches Sonntag den 9. Dezember im „Saal Ehrbar" stattfindet, Arien und Lieder von Giordano, Halevy, Kienzl, Meyerbeer, Verdi, Wagner, Ponchielly, Grünseld, Rubinstein, Sucher und Schubert zum Vortrag bringen. Karten im Zentralkartenbureau: Kehlendorfer, I., Krugerstraße 3. Allgem. Kranken- und Unterstützungs-Verein „Montefiore". Der Vorstand dieses Vereines hat den einhelligen Beschluß gefaßt, das dem Vereine seit 20 Jahren angehörende Vorstandsmitglied Herrn Elias Weiß, mit Rücksicht auf dessen um den Verein erworbenen Verdienste und seine Betätigung auf humanitärem Gebiete, zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Eine Abordnung des Vorstandes, bestehend aus dem Obmanne Herrn Josef P o l l a k, dem Obmann-Stellvertreter Herrn Leopold Weinwurm und dem Schriftführer Herrn Edmund Haupt, begab sich zu dem Ehrenmitgliede Herrn Elias W e i ß, um ihm den Beschluß des Vorstandes mitzuteilen, wobei der Obmann Herr Josef P o l l a k das Ehrenmitglieds-Diplom überreichte und in seiner Ansprache das uneigennützige Wirken des auf diese Weise Ausgezeichneten hervor hob. Herr Elias Weiß dankte für diese Ehrung und betonte, daß er diese wohl zu schätzen und würdigen wisse. Mädchen- und Frauenverein Krankenbesuch (Bikur Chauliw). Dieser Verein begeht nun das 4. Jahr seiner stillen Arbeit. Ganz leise und ruhig gehen unsere Spitalsbesucher von Krankenzimmer zu Krankenzimmer, um Schwester und Bruder aufzusuchen. Sie wandeln von Bett zu Bett und schrecken nicht vor dem elendesten Bilde zurück; liebevoll neigen sie sich zu dem Kranken, erfreuen ihn mit kleinen Gaben, die die ärztliche Pflege gestattet und dann lauschen sie ihrer traurigen Geschichte, Wohl die traurigste von allen „Armut und Krankheit". Da rst es eben Sache unserer tätigen Mitglieder, etwas Licht in die dunkle Lage der Aermsten zu bringen. Eine kurze Ueberlegung, ein fteundliches hoffnungsvolles Wort läßt oft die sorgenvollsten Gesichter aufhellen; sie wissen, sie sind nicht mehr verlassen, sie haben Helfer in ihrer Not, eine führende Hand, die die eben das Spital verlaffende Schwäche stützt. Allgemeine Zustimmung gab sich bald nach Entstehen des Vereines kund und verhältnismäßig rasch entwickelte sich derselbe. So wie das Wachsen des Vereines, erhöhen sich auch die Anforderungen an ihm. Unser kleines, tapferes Regiment ron Spitalsbesuchern ist nicht mehr im Stande, alles zu leisten. Wir bttten daher edelgesinnte Menschenfreunde, deren Beschäftigung es gestattet, als helfende und tätige Mitglieder unserem Kreise beizutreten. Wir wenden uns besonders an alleinstehende oder kinderlose Frauen und junge Mädchen, die ja so gerne ihre freie Zeit guten Dingen widmen; wie wunderschön wird sich das angeborene Talent zur Güte und Wohltat entfalten, wenn sich ein weites Feld eröffnet für zielbewußte Tätigkeit. Aber auch Herren und Damen, deren Zeit vom Berufe in Anspruch genommen ist, haben sich unserer kleinen Gesellschaft angeschlossen; sie stellen ihre freien Samstage oder Sonntagnachmittage in den Dienst unserer Bestrebungen; herzlich sind uns auch diese willkommen. Wieviel kann durch das Anfraffen des Einzelnen geholfen werden. Wem aber diese kurze Zeit mangelt, der gedenke im gemütlich durchwärmten Heim der Leidenden, die nach überstandener Krankheit die Kälte doppelt empfinden. Alte oder abgelegte Kleider bitte unserer Materialverwalterin Rosa Schw a rz, Wien, II., Schiffsamtsgasse 10, zukommen zu lassen. Anmeldungen für Spitalsbesuch an die Vereinsleitung des Mädchen- und Frauenvereines Krankenbesuch, I., Seitenstettengasse 2. Wien. Sonntag den 4. November trug man Friedrich Freund zu Grabe. Es gibt kaum einen Glaubensgenoffen der bemittelten Kreise, welcher den Verstorbenen nicht gekannt hätte. Freund aber hat gewiß Jeden dieser Bemittelten in Wien gekannt und für seine Studenten in Kontribution gesetzt. Seine Studenten waren die mittellosen jüdischen Hochschüler Prags. Der Unterstützmigsverein der mittellosen Hochschüler Prags war eine Gründung seines iw Jahre 1879 verstorbenen Sohnes Dr. August Freund, deren Förderung Friedrich Frennd's Lebensaufgabe bildete, nachdem er sich von seiner langjährigen geschäftlichen Tätigkeit zurückgezogen hatte. Mit welcher Beharrlichkeit er sich dieser humanitären Aufgabe unterzog, geht aus den Ziffern der Jahresberichte dieses Vereines hervor. 63.000 Kronen hat er im Zeitraum von zirka 10 Jahren gesammelt, und zwar zumeist in Beträgen von 2 bis 4 Kronen; so hat er im Jahre 1901 mehr als 1800 Parteien persönlich aüfgesucht und trotz seines Alters, er starb im 78. Lebensjahre, scheute er das schlechteste Wetter, die höchsten Stockwerke nicht, um das edle Werk zu fördern und das Stammkapital immer mehr zu vergrößern, von dessen Zinsen eine große Anzahl Prager Hochschüler während der Studienzeit unterstützt, die Rigorosentaxen erlegt und die Etablierung der jungen Doktoren bestritten wurde. Auf dem Wege zu seinen Spendern, in Ausübung seines Samariterwerkes stürzte er vor 14 Tagen bewußtlos auf der Straße zusammen und hauchte am 2. November in den Armen seiner Tochter seine edle Seele aus. Friedrich Freund war ein hochgebildeter, stets freiheitlich und fortschrittlich gesinnter, überzeugungstreuer Jude, der in modernen Wissenschaften (er beherrschte 8 Sprachen) ebenso bewandert war wie im talmudischen Wissen. An seiner Bahre trauerten die Witwe, mit welcher er in, 56jähriger glücklicher Ehe verbunden war, 7 Söhne, 18 Enkel und 8 Urenkel. Das Andenken an sein Wirken wird in dem von ihm gesammelten Stiftungsfonde fortleben für alle Zeiten. St. Pölten. Die Wahlen der Mitglieder in die Kultusvertretung gingen diesmal in aufregender Weise vor sich. Infolge der Unzufriedenheit der Mitglieder mit der bisherigen Leitung standen sich zwei Parteien gegenüber. Bemerkenswert ist, daß Vorsteher Karl Frank mit nur einer Stimme Majorität gewählt wurde. Uebrigens ist wegen verschiedener Vorkommnisse bei der Wahl der Protest gegen die Giltigkeit erhoben worden. I. K. Brünn. (Fünfzigjähriges Doktorjubiläum.) Die philosophische Fakultät der Leipziger Universität hat dem mährischen Landesrabbiner Herrn Dr. B. P l a c z e k zum fünfzigjährigen Doktorjubiläum das Jubeldiplom übersendet, bei welchem Anlasse der Dekan Herr geheimer Hofrat Professor Dr. E. Beckmann den Glückwünschen der Fakultät ehrenvollen Ausdruck gab. Brünn. (U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n für mittellose jüdische Techniker in.Brünn.) Die Mittwoch den 24. Oktober stattgehabte Neuwahl der Ausschußmitglieder lieferte folgendes Ergebnis: «and. ing. Richard Berger, Präses; eauck. Ing. Hugo Eisler, Vizepräses; stuck, iug. Karl Rüben, Schriftführer; stuck, lug. Louis Schuster, Kassier; Dr. Siegmund Wolf Sou., Alois Brecher, eauck. iug. Leo Fall, eauck. Ing. Hermann Zeisel, eauck. iug. Siegmund Weinberger, Beisitzer; eauck. iug. Ignaz Winkelsberg, stuck, iug. Siegfried Klein, stuck, iug. Ernst Frischer, Revisoren. Budapest. Herr Lazar Eppinger, einer der treuesten Söhne des Judentums, gelobte vor 8 Jahren, als er den 40. Gedenktag seiner Ehe beging, ein Trauungsparoches, auf dem die rituelle Trauung symbolisch dargestellt wäre, dem hiesigen Stadttempel zu spenden, wenn .ihn und seine Frau durch Gunst des Himmels der Tag der goldenen Hochzeit geschenkt würde. Das Schicksal hatte es anders beschlossen, da Herrn Eppinger die treue und gute Lebensgefährtin vor kurzer Zeit genommen wurde. Nun hat Herr Eppinger beschlossen, das Paroches zum Andenken an die treue Gattin zu widmen, und hat Auftrag zur Anfertigung gegeben, die nach den Zeichnungen der Firma Jos. Schlesinger in Wien ausgeführt wurde. Das Paroches, ein wahres Prachtstück der Kunststickerei, wird nun zu Trauungen verwendet und gereicht unserem Tempel zur Zierde. Die bestbekannte Firma Jos. Schlesinger hat mit

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