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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-09 · 45 (9.11.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 L>r. BlocDö “CdocDenscbnü- Sette 761 troffen sind, von wo die Reise direkt nach Alexandria fortgesetzt wird. Der Empfang der Reisegesellschaft seitens der rumänischen zionistischen Federation war über alle Maßen herzlich; von der Grenze an wurde die Gesellschaft von rumänischen Gesinnungsgenossen begleitet, fast auf allen Stationen wurde sie von zionistischen Deputationen begrüßt; besonders schön war der Empfang in Pitesci und Bukarest, woselbst auch eine herzliche Begrüßungsdepesche der rumänischen Mitglieder des Aktionskomitees Rosenbaum und Dr. Moskowitz aus Braila eintraf. Erhebend gestaltete sich der Abschied unserer rumänischen Gesinnungsgenossen in Konstanza; beinahe der ganze Verein Konstanza, einschließlich der Damen, hatte sich unter Führung des Obmannes M. Bujes und des Rabbiners eingefunden, um der Gesellschaft in wahrhaft rührender Weise ihre Abschiedsgrüße und Wünsche mit auf den Weg zu geben. Die Liebenswürdigkeit unserer rumänischen Gesinnungsgenossen wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Es sei ihnen auch an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen. Nach diesem schönen Eindruck gleich zu Beginn der Reise wurde die Stimmung der Palästinafahrer immer begeisterter. Die Fahrt durch das Schwarze Meer geschah bei günstigem Wetter, die Einfahrt in den Bosporus bei herrlichem Sonnenschein. Hoffen wir, daß sich der weitere Verlauf der Reise ebenso erhebend gestaltet. Aus Alexandria wird vom 5. Oktober telegraphiert, daß die Reisegesellschaft glücklich eingetroffen ist; an Bord alles wohl. Bon der christlich-germanischen Edelrasse. Wie die Kurien die bürgerlichen Parteien korrumpieren, das zeigt sich wieder bei den mährischen Landtagswahlen. Während die Bürgerlichen die Männer, die sie in den privilegierten Kurien aufstellen, doch einigermaßen zumindest auf ihre persönliche Integrität prüfen, ist ihnen für die allgemeine Kurie jeder recht, der schreien kann, und je skrupellöser, je verkommener einer ist, umsomehr Chancen schreiben sie ihm im Wahlkampf zu. Da kandidieren die Brünner Liberalen in der allgemeinen Wählerklaffe des Brünner Wahlkreises einen gewissen Alois Baeran, der sich ehedem als deutschnationaler Antisemit aufspielte, aber nun, da ihm ein Mandat winkt, seine frühere Gesinnung abschwört. Doch nicht genug daran. Da konnten sich die Liberalen immerhin darauf ausreden, daß sie nach der früheren Gesinnung des Kandidaten nicht - forschten, sondern sich damit gegnügen, daß er jetzt zu ihrer Fahne hält. Aber der Mann, den zu wählen man den Brünnern Wählern zumutet, ist nicht nur eine politische Wetterfahne, er ist auch persönlich ein ganz verkommenes Subjekt. Man höre, was ihm der Brünner „Volksfreund" auf Grund von Gerichtsakten nachweist: Alois Baeran war im Jahre 1897 Mitglied der deutschnationalen Studentenverbindung „Arminia". Er hatte damals einen Zusammenstoß mit zwei jüdischen Hochschülern, dessen Folge war, daß er von diesen beiden zum Duell gefordert wurde. Baeran lehnte die Forderung mit der Begründung ab, daß er Juden prinzipiell keine Satisfaktion gebe. Erwähnt sei hier bloß, daß einer der beiden Hochschüler Reserveoffizier war. Damit schien die Sache erledigt. Aber Baeran sann auf Rache und einige Jahre später fand sich die Gelegenheit hiezu. Im Jahre 1902 war der andere der beiden Juden Reserveoffizier geworden und Baeran tat so, als ob er ihm nun — nach fünf Jahren — Satisfaktion geben wolle. Er tat das. indem er am 29. Dezember 1902 an das Regimentskommando eine Eingabe richtete, worin er sich bereit erklärte, dem Reserveleutnant O. T. Satisfaktion zu gewähren, „ohne Rücksichtnahme darauf, daß O. T. aus der Burschenschaft .Franko-Moravia' wegen unordentlicher Gebahrung als Säckel- und Schriftwart dimittiert wurde". Zu derselben Zeit vernaderte er noch einen anderen Reserveleutnant, den Fabrikanten P. S., in einer Eingabe bei der Militärbehörde, in der er behauptete, daß dieser sein Ehrenwort gebrochen, daß er grundlos die Genugtuung verweigert und daß er Baeran fälschlich der Mitarbeiterschaft am „Volksfreund" verdächtigt habe. Beide Rerserveosfiziere brachten nun infolge Auftrages der Militärbehörde gegen Baeran die Ehrenbeleidigungsklage ein. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht wurde festgestellt, daß die Verdächtigungen vollständig aus der Lust gegriffen seien und daß auch die Verantwortung Baeran s, er habe im guten Glauben seine Beschuldigungen vorgebracht und im übr'gen nur in Aufregung gehandelt, unwahr sei. Der von ihm versuchte Wahrheitsbeweis mißlang vollständig. Die Zeugen, auf die er sich berief, erklärten, daß er wider besseres Wissen gehandelt hatte. Der Prozeß endete damit, daß Baeran zu 100 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde, wobei der Richter ausdrücklich aussprach, daß die von Baeran gegen die beiden Kläger erhobenen Anwürfe sich „in ihrer Gänze als erdichtet oder zumindest arg entstellt darstellen und daß sämtliche Beschuldigungen fälschlich waren". Als erschwerend wurde die Gröblichkeit und die Schwere der gegen zwei verschiedene Personen gemachten Beschuldigungen angenommen. Diesen Mann wollten die Brünner Liberalen den Wählern als Abgeordneten aufschwätzen. Den Liberalen, der Juden keine Satisfaktion gibt, den deutschen Mann, der sich rächt, indem er seinen Gegner verleumdet und denunziert. Traurig, aber wahr. Straßnitz. Sehr geehrter Herr Doktor! Mit Bezug auf Ihre Erklärung in Angelegenheit der Kandidatur des Herrn Professor I. Redlich in den zumeist aus Judengemeinden kreierten Wahlbezirken diene Ihnen, daß viele Israeliten wenn gerade nicht alle durch Wahl zur Funktion er- und gewählten Vorstände Ihre Anschauungen vollauf billigen. Speziell hierorts hielt der Herr Kandidat seine Antrittsrede unter ungünstigen Auspizien, da er sich unbedachterweise das deutsche Kasinolokal wählte; doch zählt dieses deutsche Kasino, welches von einem Juden (Auspitz) ins Leben gerufen wurde, bloß5(sage fünf) arische deutsche Stimmen; alle anderen — eine stattliche Anzahl von Damen, mehrere sogar bekleiden Funktionen — figurieren im tschechischen Wahlkataster. Die Juden. 50 an der Zahl, die dem Vereine als Mitglieder angehören, versehen dortselbst nur Handlangerdienste und trachten in Gemeinschaft mit den Mitgliedern anderer Konfession, daß ja nur nicht durch weitere Aufnahme von Juden der Verein majorisiert werde. Statt zur Tora aufgerufen zu werden, steuerte vor einigen Tagen die Firma Redlich und Berger in Göding zur hiesigen Tempelrenovierung ihr Schärflein bei, damit soll wahrscheinlich Ihrem Anregen Genüge geleistet worden sein. Doch all dies kann und soll einen charakter- oder überzeugungsvollen Juden nicht bestimmen, einen Abtrünnigen zu wählen, der als erste Tat die Tendenzen des hiesigen deutschen Kasinos gutheißt und dortselbst seinen Einzug hält, der noch niedriger gehängt zu werden verdient, als sein Auszug aus dem Judentum. Brünn. (Kais. Rat David Mandl.) Am 30. Oktober morgens schloß ein Mann die müden Augen zum ewigen Schlafe, von dem man in Wahrheit sagen kann: Sein ganzes Wesen war mit der Entwicklung der hiesigen jüdischen Ku?tusgemeinde enge verwachsen. Es ist keine Uebertreibung, wenn man von ihm behauptet, er sei durch viele Jahre, seit dem Jahre 1861 bis auf die jüngste Vergangenheit, die Seele in dem Körper der Kultusgemeinde gewesen. Wahrhaft unermüdlich war er bestrebt, die Einrichtungen unseres Kultus, Gottesdienst und Wohltätigkeitseinrichtungen, zur Blüte zu bringen. In dem kleinen, unscheinbaren Körper lebte in der Tat ein heller, ein feuriger Geist. Aber in ihm schlug auch ein t r e u e s H e r z für die Größe und die Heiligung des Judentums. Was er für den Gottesdienst, für die armen Waisen und dürftigen Kranken, was er aber auch für die würdige Bestattung der Toten getan, nur der kann es beurteilen, der ihn bei der Arbeit aussuchte. Das war noch ein Jude von echtem Schrot und Korn, ein Mann, der das Judentum kannte und wußte, was - es benötige. Er war äußeren Ehrenbezeugungen nicht abhold, aber doch behielt er stets die große Sache des Judentums im Auge, unbeirrt durch Zurücksetzungen, denen ja jeder im öffentlichen Leben Wirkende preisgegeben ist. Man wird sich David Mandls in der hiesigen Gemeinde stets er-

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