Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 45 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 762 Dr. Lloco s Mocoenscbrtrr. Nr. 45 innern, wenn man das Gotteshaus betritt, wenn man der verlassenen Kinder und Kranken gedenkt, wenn die Kuratoren'des Mafsefonds zusammentretcn werden, um ihre Beratungen ybzuhalten. Ein mächtiger Geist wob in dem unscheinbaren Manne sagten wir, aber was ist dieser gegen das edle Herz, das es verstand, das Verdienst zu würdigen und jeden auf den richtigen Platz zu letzen. Ihm war nichts so zuwider, wie Ungerechtigkeit. Wer etwas in der Gemeinde leistete, sollte dafür auch die gebührende Würdigung empfangen, das war sein Leitstern, der ihm voranleuchtete, bis sich das Dunkel schwerer Krankheit über ihn ausbreitete. Wenn wir sehen, wie die Männer, die in Wahrheit die Begründer und Erhalter unserer Kultusgemeinde waren, immer mehr aussterben, dann denken wir unwillkürlich an das Dichterwort: „Fallen seh' ich Zweig' auf Zweig". Es mag sein, daß mancher Lichtstrahl auch uns jetzt noch leuchtet, aber ihm fehlt die Wärme; Das Gemüt, das Herz, das ist's, was uns abhanden kommt. Dafür aber war uns David Mandl ein glänzendes Vorbild. Nicht Kleinlichkeiten beherrschten ihn, Geringfügigkeiten, die uns ein mitleidiges Lächeln abringen und die. niemals „das Wesen des Judentums" bilden sollen. Sein Blick war stets ,:uf das Ganze gerichtet, ihm war es wirklich um das Sein des Judentums zu tun. „Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem", und diesen Worten müssen wir leider mit einer kleinen Aenderung der dichterischen Rede hinzusügen: Wir werden wohl wenige seinesgleichen sehen. Nicht nach den Worten, sondern nach den Taten beurteilt den Mann. Dies gilt für das Wirken des Dahingeschiedenen. Ein Stück unseres Kultuslebens stirbt mit ihm dahin, wehmütig gestehen wir dies, möge er dem hiesigen Judentume das zurücklassen, was das kostbarste an ihm war, das Herz und die Tat. Jehudi. Brody Am 21 Oktober feierten wir das 40jäbrige Amtsjubiläum des Direktors der hicrorligcn israelitischen Knaben- und Mädchenschule, Gymnasialprofessors i. P. Dr. Leopold Herzel. Die Feier, vom Lehrkörper im Vereine mit der Schnlinspektion veranstaltet, gestaltete sich zu einer großartigen Ovation für die P-rson des allgemein verehrten Jubilars. Durch tiefe und umfassende Bildung ausgezeichnet, vereinigt Dr. Herzel seltene Herzensgute und Milde mit großer Energie und zielbewnßtem Streben. Die Gabe der- Rede, die ihm in hohem Maße zuteil geworden, den Takt, mit Hilfe dessen er oft unvereinbar scheinende Gegensätze auszusöhnen wußte, und den ganzen Zauber seiner liebenswürdigen Persönlichkeit stellte er in den Dienst der Anstalt, welcher er mit Leib lrib Seele ergeben war und welche unter seiner Leitung einen ungeahnten Aufschwung nahm. Als Doktor Herzcl im Jahre 18v6 die Leitung der Anstalt übernahm, zählte dieselbe ca. 500 Schüler, und der aus 8 Personen bestehende Lehrkörper lehrte Deutsch. Rechnen und Hebräisch. Jetzt zählt die Anstalt über 1000 Schüler und der Lehrkörper 20 Mitglieder. Mit seltenem Geschicke hat es Dr. Herzel verstanden nicht nur mit dem Zeitgeiste fortzuschreiten, sondern oft demselben voran zu eilen. Als seinerzeit die Existenz unserer Schule ernstlich bedroht war. gelang es ihm, durch einen Kompromiß mit dem Lande, der Anstalt eine ausgiebige Subvention zu sichern und durch die Verwandlung der deutschen in eine ntraguistische, d. h. in diesem Falle polnisch-deutsche Schule, unser Institut zu einem den öffentlichen Landesschulen äquivalenten zu machen. Als vor zirka 6 Jahren von Seiten der oberen SchulbebördtN die Verordunng. auch den ruthenischen Sprachunterricht in den Lehrplan mit einzubeziehen, erfloß. war in demselben Jahre alles so organisiert, daß zum Schlüsse des Schuljahres bereits nennenswerte Resultate aufzuweisen waren. Dabei wurde der Unterricht der hebräischen Sprache aufs Sorgfältigste gepflegt, wie überhaupt der konfessionelle Charakter der Anstalt 'bei jeder Gelegenheit stark betont wird. Vom Bestreben, Bildung und Aufklärung zu verbreiten, geleitet, gründete Dr. Herzel eine Bibliothek, die, anfänglich aus einer handvoll Jugendschriften bestehend, sich null zu einer wahren Volksbibliothek herausgewachsen hat Sie zählt mebr af3 umfaßt viele sehr wertvolle wissenschaftliche Werke, die schöne Literatur der deutschen, polnischen und französischen Sprache, wie auch eine bedeutende Kollektion hebräischer Werke. Der Bekleidnngsfond, Ausspeisung armer Schulkinder, das Mosis Kallir'sche Schülerstipendium, der Armenbücherfond, die Mayer Kallir'sche Stipenbinmstistung zur Heranbildung jüdischer Handwerker verdanken ihr Entstehen seiner^znitiative und seiner tatkräftigen und ausgiebigen Unterstützung. Am Gymnasium errichtete er eine Schülerlade, deren Zweck es war, arme Gymnasiasten zu unterstützen. Die Krone aller seiner Werke aber ist die Gründung des Lehrerpensionsfondes, wodurch sich der verehrte Jubilar ein unsterbliches Verdienst und die unauslöschliche Dankbarkeit der Lehrerschaft erwarb. Als Dr. Herzel die Leitung der Anstalt übernahm, waren die Aussichten der älteren Lehrer, welche die Eventualität einer dauernden Arbeitsunfähigkeit ins Auge fassen mußten, lehr traurige, ja trostlose. Weder die Kultusgemeinde, noch d s Land dachte an eine Altersversorgung des dienstunfähigen Lehrers, resp. dessen Witwe und Waisen. Dieses trostlose Zukunftsbild vor Augen, ging nun Dr. Herzel daran, einen Pensionsfond zu schaffen. Unüberwindbar scheinende Hindernisse türmten sich vor ihm auf; Anfeindungen von Seiten der Bevölkerung, der das Verständnis für die Großartigkeit des Gedankens fehlte, Schwierigkeiten von Seiten der Behörden schreckten ihn nicht ab. Der Pensionsfond, aus Nichts hervorgezaubert, besteht, zählt jetzt 160.000 Kronen, hat bereits mehrere arbeitsunfähige Lehrer für den Rest ihres Lebens vor Not und Elend geschützt und erhält mehrere Witwen nach derselben Norm, nach welcher die Witwen der Landeslehrer ihre Pensionen beziehen. Noch ist die Zahl seiner Werke nicht erschöpft. Vom richtigen Verständnis für Lehrerelend geleitet und von humanem Mitgefühl für die oft prekäre materielle Lage der Lehrer ergriffen, gründete Dr. Herzel eine Vorschußkasse, aus der die Lehrer seiner Anstalt unverzinsliche Darlehen bis zu 1 0 Kronen erhalten. Nun muß noch etwas erwähnt werden, was seinem Pflichtenkreise weit entrückt, aber seiner hohen Auffassung der Kulturmission in unserer Mitte entspringt und ihm zahllose dankbare Verehrer erworben hat. Dr. Herzel ist, dank seiner Herzens güte und vertrauenerweckenden Milde zum Berater und Helfer aller Bedrückten und Bedrängten geworden. In seinen außeramtlichen Stunden richtet sich eine förmliche Völkerwanderung von Hilfesuchenden und Ratheischenden nach seiner Kanzlei. Es ist also eine natürliche Konsequenz alles Vorhergesagten, daß sich die Jubiläumsfeier des allgemein verehrten Mannes zu einer großartigen Sympathiekundgebung für seine Person gestaltete. Samstag den 20. Oktober wurde im Schulhause ein feierlicher Gottesdienst, an dem der gesamte Lehrköiper und die Schuljugend teilnahmen, abgehalten. Am Abende desselben Tages brachte die Gymnasialjugend, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, dem Jubilar ein Ständchen dar, wofür derselbe in einer herzlichen Ansprache dankte. Sonntag den ^1. Oktober, also am eigentlichen Jubiläumstage, hatte sich in einem geschmackvoll dekorierten Saale des Schulhauses die Elite der Stadt versammelt, um dem Jubilar ihre Huldigung darzubringen. Es erschienen: Der Herr Bezirkshauptmann Statthaltereirat Graf Russocki, der Bezirksmarschall und Landtagsabgeordnete Herr Octav Sala, der Präsident der Brodyer Handelskammer und der israelitischen Kultusgemeinde Herr Lazar Bloch, der Bürgermeister, kaiserlicher Rat Herr Dr. Stanislaus Rittei, die gesammte Inspektion der israelitischen Knaben- und Mädchenschule, der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, Gemeinde- und Handelskammerrat Herr Moriz Landau, viele Gemeinde- und Kultusräte, die Damen vo.nSchulkinderbekleidungsfond, Deputationen: vom Lehrkörper des Gymnasiums, von der öffentlichen Knaben-Bürgerschule, von der Mädchen-Bürgerschule, der gesamte Lehrkörper der israelitischen Knaben- und Mädchenschule, die israelitische Schuljugend, die Familie des Jubilars und noch viele angesehene Persönlichkeiten. Nach Absingung eines wunderschönen Chorals ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Lazar Bloch das Wort und hob in formvollendeter und inhaltsreicher Weise die Verdienste des Jubilars hervor. Dann sprachen im Namen der Inspektion Gerichts- und Land sadvokat Herr Doktor Bernhard Groß, im Flamen des Landesausschusses der Bezirks-Marschall und Landtagsabgeordnete Herr Octav Sala, für die Stadtgemcinde der Bürgermeister Herr Dr. Stanislaus Nittel, in Namen der Lehrerschaft der Lehrer Herr Tenwin, der eine prachtvoll ausgeführte Adresse dem Jubilar überreichte Nun kam die Erwiderung des Herrn Dr. Herzel. Mit anfangs vor Rührung bebender Stimme, später mit voller Beherrschung seines klangvollen Organs dankte er jedem einzelnen der Redner und der Versammlung in geistreicher schwungvoller Weise. Nachdem Dr. Herzel geendigt, kam das vom Lehrer Herrn Szkolnik, musterhaft einstudierte Liederspiel: „Ein Schultag" von Josef Petz, mit Klavier- und Harmoniumbegleitung zur Aufführung, welches aufs Beste gefiel. Zuletzt kam die Schuljugend an die Reihe. Ein Schüler der 4. Klasse deklamierte ein vom Lehrer Herrn Spatz für diesen Tag verfaßtes hebräisches Gedicht; ein zweiter hielt eine deutsche Ansprache. Im Namen der Mädchenschule dankte eine Schülerin der 4. Klasse dem geliebten Lehrer. Eine zweite Schülerin überreichte einen prachtvollen Lorbeerkranz, dessen Schleife eine passende Widmung trug. Mit der Absingung der Volkshymne schloß die ebenso schöne und erhebende, als seltene Feier. Zum ewigen Gedächtnisse an diesen schönen Tag, wurde auf Initiative des Lehrkörpers, der 200 Kronen diesem Zwecke widmete, eine Stiftung gegründet, die den Namen des Jubilars führt und deren Bestimmung seiner persönlichen Beschlußfassung untersteht. Briefe und Telegramme trafen aus aller Herren Länder ein. Spatz. „Bezalel". Am 8. v. M. fand eine Sitzung des „Bezalel"-Komitees statt, an der folgende Komiteemitglieder teilgenommen haben: Julius Bodenstein, S. Hepner, Berthold Israel, Direktor Lewy, James Simon, Dr. Paul Nathan, Dr. Schottländer, Dr. S. Soskin, Hermann Struck und Prof. Marburg. Der Bericht über die bisherige Entwicklung der Kunstgewerbeschule in Jerusalem, aus der sich ergab, daß die Schüler bereits im ersten Semester recht erfreuliche Fortschritte gemacht haben, haben die Anwesenden mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen. Besonderes Interesse erweckten die von Prof. Schatz eingesandten Photographien, die die höhere und niedere Klasse, die einzelnen Ateliers, die Abends-hule, die Spinnerei, Gipsgießerei u. s.w. darstellen. Die Abbildungen