Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 45 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. JBlocb s MocvenscvrM. Sette 759 Der von Herrn Simon Edler v. Lämel, Wien, g^gründeten Schule in Jerusalem, deren Kurator im Sinne des Stiftbriefes der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist, wird für drei Jahre eine Subvention »on K 2000 p. a. bewilligt. Die Erträgnisse des Dr. H. S. Goldschmidt'schen Legates gelangen an 19 Lehranstalten beziehungsweise Wohltätigkeitsinstitute zur Verteilung. Weiters wird die Moriz Goldberger-Stiftung für Rabbinatskandidaten (1 Platz ä, K 600) verliehen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Das neue Heim der Bibliothek der Wiener israelitischen Kultnsgemcinde. In aller Stille wurden die neuen Räumlichkeiten unserer Gemeinde-Bibliothek — analog den Zehngeboten sind es 10 — im Tempelgebäude, IL, Ferdinandstraße 23, im i. Stock, am 1. d. M. eröffnet und wird jeder Besucher dieses bedeutenden Gemeindeinstitutes beim Eintritt in dasselbe aufs Höchste überrascht sein. Der geräumige Lesesaal bietet Raum für zirka 50 Leser und finden diese die am meisten gesuchten Bücher und Nachschlagewerke in den neuen großen Wandschränken. Ein eigenes Lesezimmer ist für Fachgelehrte reserviert. Für Licht und Luft ist in diesen Prachträumen, die von Rabbinern, Professoren, Privatgelehrten, Publizisten und Studierenden mit Vorliebe ausgesucht werden, reichlich gesorgt. In der freundlichsten Weise begegnet man hier jedem ernsten Leser und wird jede gewünschte sachliche Auskunft bereitwilligst erteilt. Keine Großgemeinde des Kontinents kann eine ähnliche Bibliothek — das bezeugen ausländische Gelehrte — aufweisen, wie unsere Wiener Kultusgemeinde. Schon jetzt sind an 25.000 Bände vorhanden und ist die durch Initiative des Herrn Oberrabbiners Dr. M. G ü d em a n n von Herrn Vorsteher Salo Cohn gestiftete Halberstamm- Bibliothek besonders durch die Inkunabeln eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Einen frommen Wunsch hätten wir, daß eine Spezial-Abteilung für ältere und neuere jüdische Lehr- und Lesebücher, insbesondere eine jüdische Muster-Jugendbibliothek angelegt werde. Diese wäre von großer Bedeutung gerade jetzt, wo seitens des Kultusvorstandes Jugendbibliotheken in allen Bezirken errichtet werden sollen. Was solche zu leisten imstande wären, zeigen zum Beispiel die VolksbibÜotheken des Volksbildungsvereines, die von Jahr zu Jahr wachsen und nicht wenig zur Verbreitung allgemeiner Bildung beitragen. In der oben genannten pädagogischen Spezial-Abteilung sollten auch Lehrmittel für den Religions- und jüdischen Geschichtsunterricht und insbesonders hebräische Leselehr-Behelfe ihren Raum finden. Und da kommen wir auf den schönen Lesesaal zurück, der zu wissenschaftlichen Vorträgen wie geschaffen ist und bald ein Stelldichein für unsere Fachgelehrten bilden wird. Ein neuer Katalog, der über jeden einzelnen Artikel in Sammelwerken re. Auskunft geben wird, geht der Vollendung entgegen, die Herren Dr. Münz und Dr. Wach ftein arbeiten rüstig daran. So wünschen wir denn unserer Bibliothek im neuen Heim, daß sie auch fernerhin wachse, blühe und gedeihe. Moritz Antscherl. * * * Die israelitische Gemeindebibliothek ist jedermann zugänglich, und zwar an Sonn- und Feiertagen von 9. bis 1 Uhr, Montag. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nachmittags von '/2 4 bis 7. 8 Uhr und Freitag von 9 bis 1 Uhr. Vom 1. August bis 15. September ist die Bibliothek geschlossen. Bet-ha-Midrasch. Samstag den 3. November d. I. fand die feierliche Einweihung des neueröffneten Bet-ha-Midrasch im II. Bezirke, Ferdinandstraße 23, statt. Zu dieser Feier hatten sich eingefunden : Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n mit den Kultusvorstehern Salo Landau und Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, der Präsident des Kuratoriums der Israelitisch-theologischen Lehranstalt Moriz Edler v. Kuffner. Bethausvorsteher Ortsschulrat Adolf Schrämet, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, der Rektor der Israelitisch-theologischen Lehranstalt Dr. Schwarz mit Professor Dr. Samuel Krauß, die Rabbiner Dr. E. David, Dr. Feuchtwan g, Dr. Grunw a l d, Dr. Mandl, Dr. R o s e n m a n n und Doktor T a g l i ch t, die Vorsteher des Bet-ha-Midrasch Gottlieb B e t t e l h e i m, Dr. Leopold K o h n und kaiserlicher Rat Moriz Waizner, der Lehrkörpiw des Bet-ha-Midrasch Lektor F r i e d m a n n, Lektor Dr. G e l b h a n s, Dr. K a m i n k a und Dr. Rubin, Oberkantor Bela G u t t m a n n, I. Kantor Jurberger, Amanuensis Dr. W a ch st e i n u. A. Nachdem Oberkantor G u t t m a n n das Matauwu-Gebet mit seiner herrlichen Stimme rezitierte, hielt der Präsident des Bet-ha-Midrasch, Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l, die Festrede. Derselbe sprach in zündender Rede über das Epitheton i^pn im biblischen und talmudischen Schrifttum und über manche ehrende Beinamen (wie rxan, TipCTT und K-vt-i), die alle als Bezeichnung emsigen, in frül ester Jugend und in den frühesten Morgenstunden gepflegten Torastudiums erscheinen, und gab seiner Freude Ausdruck, daß das Bet-ha-Midrasch seinen Wirkungskreis erweitert habe, indem Mittelschüler daselbst Unterricht im Hebräischen und im Talmud erhalten. Rabbiner Dr. Sch mi e d l wurde für seine glänzenden, mit seltener Eloquenz vorgebrachten Ausführungen stürmisch bejubelt. Sodann sprach Lektor F r i e d m a n n. Er wies in seinem Vortrage nach, daß das „Bet-ha-Midrasch" eine uralte Institution sei und daß überall, wo in der Tora neben dem Worte die Worte naia und crr rr^p"! stehen, eine Lehrstätte bestand. Auch dieser Redner fand für seine eminent geistreichen Ausführungen lebhaften Beifall. Mit der glänzenden Rezitierung der Psalmen 122 und 134 durch Herrn Oberkantor G u t t m a n n schloß die erhebende Feier. Durch bauliche Adaptierungen veranlaßt, mußte das Bet-ha-Midrasch nach 40jährigem Bestände in sein jetziges Heim übersiedeln. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in gerechter Würdigung der Bedeutung dieser vom verstorbenen Oberrabbiner Dr. Adolf I e l l i n e k gegründeten Lehrstätte die Räume derselben mit eineni den modernsten Ansprüchen entsprechenden Komfort ausgestattet, so daß sich heute das Bet-ha- Midrasch den größten Jnsti: ui innen unserer Gemeinde würdig an die Seite stellen darf. Die Beleuchtungskörper hat das Vorstandsmitglied des Bet-ha-Midrasch Herr Gottlieb B e t t e l h e i m gespendet. An der rechten Seite des Vortragssaales ist eine Marmortafel angebracht, auf welcher in goldenen Buchstaben die Gründung des Bet-ha-Midrasch unter dem verstorbenen Oberrabbiner Dr. Adolf I e l l i n e k und die Uebersiedlnng desselben in das neue Lokal unter dem Präsidium des Herrn Rabbiner Doktor Adolf S ch m i e d l verzeichnet erscheint. Der Vorstand des Bet-ha-Midrasch besteht derzeit aus den Herren: Rabbiner Dr. Schmiedl, Präsident; Gottlieb B e t t e l h e i m, Kassier; kais. Rat Ignaz Fluß, Dr. Leopold K o h n, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer und kais. Rat Moriz Waizner. Im Bet-ha-Midrasch lesen derzeit: Die Lektoren Mayer Friedmann und Dr. G e l b h a u s, ferner die Herren Dr. K a m i n k a und Dr. Rubin. Dem Bet-ha-Midrasch geht es. was seine materielle Lage betrifft, nicht gut; die einst stattliche Mitgliederzahl ist auf kaum 50 herabgesunken. Möge sich an ihm das alte jüdische Sprichwort: ^a mra mpa rowa bewähren, möge es der Unterstützung aller jener Kreise teilhaftig werden, denen die Pflege jüdischer Wissenschaft am Herzen liegt! J. F. Eingesendet. Geehrte Glaubensgenossen! Die Verarmung der jüdischen kleinen Leute nimmt furchtbar überhand. Tagtäglich gehen zahlreiche Existenzen zugrunde und aus Schaffenden werden Bettler.