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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-02 · 44 (2.11.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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«r 44 Dr. Llocb's Mlocvenscbrm. Seite 745 daß in Sachsen seit dem Schächtverbot sehr wenig koscheres Fleisch verbraucht werde. Diese Beweisführung ist nicht stichhaltig. Man muß nicht ein Land anführen, wo der Bezug des Koscherfleisches mit Schwierigkeiten verbunden ist, die nicht Jeder, der unter normalen Verhältnissen koscheres Fleisch beziehen würde, zu tragen opferfähig genug ist. Herr Raabe möge ein Land zur Statistik wählen, wo ungehindert geschachtet werden kann, dann erhält er ein Bild der normalen Lage. In Sachsen herrscht ein Ausnahmezustand. Der ist nicht beweiskräftig. Auch Herr Dr. Werner aus München und Herr Dr. Ziemlich von hier waren anwesend, kamen aber nicht zu Wort. Nach der vorzüglichen Rede des Herrn Dr. H. Hildesheimer war die Stimmung dem Schächten sehr günstig. Das merkten die Antisemiten und beantragten Verschiebung der Abstimmung auf Dienstag. Inzwischen arbeiteten sie natürlich stramm und trotzdem hatten sie nur eine Mehrheit von 15 Stimmen. Die Mehrheit wird zur Minderheit, wenn man bedenkt, daß lange nicht alle Verbandsvereine (nur 57 von 180!!) vertreten waren und viele Vereine überhaupt nicht dem Verband angehören. Es handelt sich also überhaupt um ein Minderheitsvotum der Tierschutzvereine im Ganzen. Mit der Mehrheit, d. h. für Unterdrückung des Schächtens, hat auch ein „Jude" gestimmt, der ehemalige Apotheker, jetzige Obstgutsbesitzer Robert Landauer in Gesundbrunnen bei Würzburg. Es ist das derselbe Herr, der bereits auf dem vorigen Verbandstage (Leipzig 1904) unliebsames Aufsehen dadurch erregte, daß er Herrn Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz mit einem Ausfall gegen das Schächten entgegentrat. Das Gebühren dieses Eideshelfers für die religiöse Vergewaltigung seiner Glaubens¬ und Stammesgenossen bedarf keiner Kennzeichnung. Herr Landauer gehört dem Kuratorium der Israelitischen Erziehungs-Anstalt zu Ahlem an. (Hört, hört!!) Es dars angenommen werden, daß er ihm die längste Zeit angehört hat. Höchst auffallend ist, daß der Tierschutzverein München gegen das Schächten stimmte. Die jüdischen Mitglieder des Vereins werden wohl darüber Auskunft verlangen. — Wunderbar war es, daß der so gesprächige und schreibselige Gewerberat Dr. von Schwartz so stumm war wie ein Fisch. Das Papier ist geduldig. Da kann man die Zitate anführen, wie man sie braucht. Man kann z. B. die Worte „meistens Christ" und dergleichen, was im Zitat nicht steht, zusetzen!! Aber in öffentlicher Versammlung in Rede und Gegenrede, da gehen solche Praktiken nicht. Lio Ltwäus die 8alta! Aber Herr v. Schwartz führte hier seinen Tanz nicht auf. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Sollte er vielleicht von der alten Dame in Konstanz, die so viel tut und opfert, um ein Schächtverbot zu erwirken, eine Bitte um Schweigen erhalten haben? Schweigen ist doch sonst nicht die Schwäche alter Damen. Oder fürchtete er sich vor dem bösen Dr. Hildesheimer, der anwesend war? Eine Antwort wird Herr von Schwartz wohl nicht geben, wie er auch heute noch Herrn Dr. Ehrentreu die versprochene Antwort auf verschiedene Schnitzer, die ihm Dr. Ehrentreu nachgewiesen hat, schuldig ist. Ein jüdischer General. Wie aus Paris gemeldet wird, ist durch Erlaß des Kriegsministers vom 27. v. M. der bisherige Oberst des 128. Infanterie-Regiments Dewery zum Brigadegeneral befördert worden. Damit ist die Zahl der französischen Generäle jüdischen Glaubens auf drei gestiegen. Die Hintermänner der Jndenmassakres. Petersburg. *it>. Oktober. Im Prozeß gegen den Arbeiterdeputier t e n r a t erklärte in der gestrigen Verhandlung der Verteidiger Rechtsanwalt Grusenberg, er besitze die Kopie eines Schreibens des früheren Direktors des Polizeidepartements und späteren Gouverneurs von Estland Lopnchin vom 27. Juni 1906, worin dieser dem Ministerpräsidenten Stolypin Mitteilungen über die Organisation eines Pogroms gegen die Juden und Intelligenz von Petersburg im Oktober 1905 durch die Obrigkeit mit Hilfe des Schwarzen Hunderts macht. Auf Ersuchen des Präsidenten unterläßt der Verteidiger die Verlesung des Berichtes, beschränkt sich auf kurze Mitteilungen und beantragt die Vorladung Lopuchins als Zeugen. Er könne vor Gericht bestätigen, der Direktor des Polizeidepartements Ratschkowski habe im Departement gedruckte Proklamationen in Petersburg durch den bekannten Führer der „russischen Leute" D u b r o w i n, in Moskau durch den Redakteur der „Rußkija Wjedomosti" G r i n g m u t, in Orel durch einen Beamten des Generalgouverneurs, in Wilna durch den Polizeimeister verbreiten lassen. Er habe die Polizei des Reiches geleitet, nachdem er längst durch kaiserlichen Befehl seines Postens enthoben war. Stolypin und die „wahren Russen". Die Hinterhältigkeit der Politik des russischen Ministerpräsidenten Stolypin brauchte nicht erst durch die kürzlich mitgeteilten Enthüllungen über die Beziehungen der russischen Regierung zu den Veranstaltern der Judenmetzeleien bewiesen zu werden. Die Art und Weise, wie Herr Swlypin mit den „wahrhaft russischen Männern" liebäugelte, ließ seit langem erkennen, daß auch die gegenwärtige russische Regierung am Ende ihrer Mittel angelangt ist und nun zur ultima ratio aller bisherigen russischen Regierungen greifen will, das heißt zur Ablenkung der empörten Volksleidenschaft auf den jüdischen Teil der russischen Bevölkerung. In der letzten Zeit gab sich Stolypin allerdings, wenn auch ziemlich ungeschickt, den Anschein, als sei er gründlich von den Männern mit dem pivilegierten Russentum abgerückt. Wie es aber in Wahrheit um die Beziehungen der russischen Gewalthaber zu dem sich in der Hauptsache aus dem „Schwarzen Hundert", also notorischen Pöbel, rekrutierenden „Verbände der wahrhaft russischen Männer" steht, davon legt ein Bericht ein drastisches Zeugnis ab, den der Petersburger Korrespondent der Londoner „Tribüne' seinem Blatte sendet. Es heißt darin: Die Schwenkung des Ministerpräsidenten Stolypin gegen den „Verband wahrhaft russischer Männer" ist eine zwischen beiden Parteien abgekartete Sache, die bestimmten Zwecken dienen soll. Das Organ des „Verbandes der wahrhaft russischen Männer", die „Ruskoje Snamja" richtet täglich Angriffe gegen Stolypin, der seinerseits durch die offiziöse Presse verkünden läßt, die Regierung habe beschlossen, dem „Verbände" alle Unterstützung zu entziehen. Ein in der Redaktion der „Nowoje Wremja" sitzender Verwandter des Ministerpräsidenten verbreitet ferner die Nachricht, der Zar sei über das jüngst an ihn gerichtete Telegramm des „Verbände? der wahrhaft russischen Männer" aufgebracht, und die Soldschreiber dieses Blattes schimpfen jetzt täglich auf ihre früheren Genossen. Ich kann dazu auf Grund besonderer Mitteilungen von eingeweihten Persönlichkeiten mitteilen, daß diese ganze politische Schlägerei lediglich ein Manöver ist, das ausgesührt wird, weil die Regierung plötzlich entdeckt hat, es würde eine gute Politik sein, alle Beziehungen zu dem Verbände zu leugnen. Der Unwille, den das Treiben dieser Vereinigung im Auslande erregt hat, ist anscheinend nicht ohne Einfluß auf Herrn Stolypin geblieben. Die Entdeckung eines Planes des „Verbandes", am 30. Oktober eine Maffenmetzelei unter den Juden in Odeffa zu veranstalten, erregt das größte Aussehen. Die Enthüllung des Planes erfolgte laut Nachrichten aus Petersburg durch Angestellte des Verbandes, die aus irgend welchen Motiven dem Oberrabbiner von Odessa davon Mitteilung machten. Zwanzig Abteilungen sollten die Judenhetze in den verschiedenen Stadtvierteln zu gleicher Zeit planmäßig in Szene setzen. Die Mitglieder der Banden hatten bereits Revolver, im ganzen 250 Stück, und Verzeichnisse der zu tötenden Personen erhalten. Ermunterung zu Massakres. Alle diejenigen, die aufrichtig mit dem friedlichen Siege des wahren Liberalismus in Rußland sympathisieren, haben unlängst mit Erstaunen erfahren, daß die russische Regierung die zahlreichste, politisch reifste, ihre Anhänger einen friedlichen Weg zur Freiheit führende konstitutionell-demokratische Partei, dem Gesetz zum Trotz, zu legitimieren sich weigert. Die einzige offiziell anerkannte politische Partei ist jetzt in Rußland der „Verband des russischen Volkes". Ihr Ziel — Rückkehr zum Absolutismus, ihre Mittel — Gewalt gegen alle die zur Freiheit streben ihre Taten — die jüdischen Pogrome.

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