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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-11-02 · 44 (2.11.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 744 Vr. Vloüz's WochensttzriN. Nr. 44 nationalen Programmes keinen Abbruch tun. (Antrag Weisengrün — Dr. Reich.) Die Parteileitung wählte aus ihrer Mitte einen Vorstand aus fünf Mitgliedern, welchem ein Bureau in Wien und eines in Lemberg attachiert wurde. Dem ersteren wurde die Durchführung aller politischen, organisatorischen und finanziellen Aufgaben zugewiesen, dem letzteren die Erledigung der agitatorischen und wahltechnischen Aktionen für Galizien. In den Vorstand wurden gewählt: Abg. Dr. Straucher (Czernowitz), Dr. Schallt (Wien), Adolf Stand (Lemberg), Dr. Zipper (Lemberg), Dr. Braude (Stanislau). Den Herren Dr. Schalit und Stand wurde für Erledigung politischer Agenden Dank und Anerkennung votiert und der von ihnen erstattete Bericht genehmigend zur Kenntnis genommen. Pogromdrohungeu in Kroatien. Nach Ungarn kommt in Allem Kroatien an die Reihe. So auch in Bezug auf die Pogromdrohungen. Vor einigen Wochen hat ein Affimilant in dem in Zagreb (Agram) erscheinenden „Agramer Tagblatt" in einem längeren Artikel geschildert, wie er — in Gesellschaft mit noch zwei anderen Juden — in die Umgebung Zagrebs einen Ausflug unternommen und hiebei von Bauern, die mit Holzhacken und Heugabeln bewaffnet nach einem angeblichen Ritualmörder auf der Suche waren, fast tätlich angegriffen worden wäre. Nur seiner spitzfindigen Erklärung. daß er ihnen in dieser ihrer Tätigkeit behilflich sein wolle, verdankte er seine Rettung. Und nun kommen wieder Nachrichten aus Kroatien, die zu größeren Befürchtungen Anlaß geben, weil man die Jnszenefetzung einer systematischen Judenhetze vermutet. In Zagorien — nördlich von Zagreb — werden P roklamationen an das Volk in Tausenden von Exemplaren verteilt, in welchen zu Judenmassakres aufgefordert wird. Wir wollen bloß einige Stellen aus diesen Aufrufen in getreuer Uebersetzung bringen, damit sich unsere Leser ein Bild von den gegenwärtig in Kroatien herrschenden Zuständen machen können. „Liebe Brüder in Christo! Es hätte schon längst sein sollen, aber es ist dennoch erst fetzt der Moment eingetreten, daß sich der Geist der Aufklärung allmälig zu verbreiten beginne, daß wir uns gegen unsere Feinde erheben, die bereits einen großen Teil Kroatiens in Händen haben und Herren unseres Landes und Vermögens sind, — nämlich gegen die Juden, die der Hauptgrund aller unserer und überhaupt der staatlichen Uneinigkeit, der Unzufriedenheit und des Unglücks sind. Wir fordern hiemit alle unsere christlichen Brüder auf, resolut und einig zuzugreifen, auf daß wir uns gegen diese Verbrecher erheben, auf dem Dorfe und noch mehr in den Städten, alle Kräfte muffen wir anspannen, um uns aus dem jüdischen Joche zu befreien. Nur einig und mutig, sei es, daß auch einzelne von uns das Leben eiubüßen und unser Blut in Strömen fließt, seid nur keine Feiglinge, fürchtet Euch vor nichts auf der Welt, laßt Euch von Niemanden einschüchtern ... und sollte sich Jemand finden, sei es wer immer, der die Juden verteidigen wollte, so soll man denjenigen zuerst auf schöne Art, und wenn das nicht hilft, auf gewalttätige Weise befestigen." Um das Volk leichter für Judenmassakres zu gewinnen, beruft sich die auf den Proklamationen anonym unterfertigte „Gesellschaft" auf die Beamten, Advokaten, Gutsbesitzer, Geistliche und Lehrer, die mit Freuden eine solche Bewegung gegen die Juden erwarten und welche sie auch unterstützen werden, anfangs zwar „geheim" — so daß diese Unterstützung sür die Mafien nicht bemerkbar sein werde. Und um alle Bedenken des Volkes zu zerstreuen, wird in den Aufrufen noch gesagt: „Auch die militärischen (!) Behörden sind für Judenmetzeleien, denn auch im Militär gibt es bereits gewissenhafte Männer, d. h. Männer, die bereit sind, mit uns gemeinsam gegen die Juden zu kämpfen." Wie eine Ironie ohnegleichen klingt der Satz, daß man keinen Juden erschlagen solle, nur wenn es nottue... Mit den Worten: „Kroaten, heldenmütig und klug im Namen Christi!" schließen die Aufrufe. Den Behörden wurden bereits einige Personen namhaft gemacht, die diese Proklamationen bei Hellem Tage unter das Volk verteilt haben, so daß man hofft, den Verfassern und Verbreitern derselben auf die Spur zu kommen. E. K. Verband für Statistik der Inden. Berlin. Die statistische Organisation, die in ihren Anfängen mit mangelndem Verständnis für die gemeinnützige Bedeutung ihrer Arbeiten zu kämpfen hatte, hat in diesem Jahre eine sehr gedeihliche Entwicklung genommen. Dank den Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden wurde die Tragweite und Unerläßlichkeit jüdisch-statistischer Erhebungen fast von sämtlichen jüdischen Organisationen und hervorragenden Gemeinden anerkannt. Demzufolge wurden dem Verband für Statistik Jahressubventionen bewilligt und von manchen Organisationen Vertreter in das Kuratorium des Verbandes entsandt. Zu den Körperschaften, die schon in den früheren Jahren den Verband für Statistik durch Jahresbeiträge oder Ankauf einer größeren Anzahl von Publikationen subventionierten: Jewish Colonisation Association, Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Großloge und mehrere Einzellogen des IX. O. Bnei Brith, Deutsch-Israelitischer Geheimbund, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Jüdische Gemeinde von Berlin, Breslau und Posen, traten neuerdings hinzu: Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle mit einem Jahresbeitrag von 200 Mk. und einer einmaligen Subvention von 1000 Mk., Hilfsverein Deutscher Juden mit einem Jahresbeitrag von 500 Mk.; mit Jahresbeiträgen von 200 Mk.: die jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Hamburg, Wien; mit Jahresbeiträgen von 100 Mk.: die jüdischen Gemeinden in Danzig, Stettin, Kassel, Köln; mit Jahresbeiträgen unter 100 Mk.: die jüdischen Gemeinden in Hannover, Beuthen, Aachen, Wiesbaden, Mainz, Gleiwitz, Elberfeld und Kattowitz. Als Vertreter der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. I. U. ist Geheimer Kommerzienrat Goldberger in das Kuratorium des Verbandes eingetreten. Auch der Hilfsverein Deutscher Juden wird durch ein Vorstandsmitglied im Kuratorium vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes hat eine Kommission für wissenschaftliche Arbeiten gebildet, deren Vorsitz der bekannte Statistiker Dr. Julius R o t h h o l z übernommen hat, daneben eine Kommission für Propaganda, an deren Spitze Herr Richard Cassel steht. Ferner hat der Vorstand Herrn Dr. Bernhard Kahn, Sekretär des Hilfsvereines Deutscher Juden, als Mitglied kooptiert. Aus Breslau schreibt man der „Allg. Ztg. d' Judentums" : Die Ereignisse der Kaisertage bilden hier noch immer das Stadtgespräch. Ein Vorgang dürfte Ihre Leser besonders interessieren, da er authentisch ist. Zu einem „hiesigen jüdischen Konsul kamen die Quartiermacher des Hofstaates, um seine Gastfreundschaft zu erbitten. Selbstverständlich stellte er sein Haus zur Verfügung. Infolgedessen wurde auch er zur Galatafel in den Zwinger geladen, er aber lehnte bestimmt und höfiich ab. Die Begründung war: der Zwinger ist eine absolut christliche Gesellschaft, in die sonst Juden keinen Zutritt haben, er würde es als Zudringlichkeit und Selbsterniedrigung betrachten, sich dort bei dieser Gelegenheit gewissermaßen einzuschmuggeln. Wer die Zwinger-Ressource kennt und den Geist, der dort herrscht (Oberbürgermeister Bender soll die Ehrenmitgliedschaft abgelehnt haben, weil die jüdische Gemeinschaft ausgeschlossen ist), wird wissen, daß dies eine Ehrenrettung des jüdischen Charakters war. Die Versammlung der Berbandstierschutzvereine iu Nürnberg bot mehrere interessante Momente. Außer den Herren Weingart-Mannheim und Dr. Cohn-Kattowitz hat namentlich Dr. H. Hildesheimer aus Berlin den jüdischen Standpunkt wacker vertreten, während auf der anderen Seite namentlich Heiß-Straubing und Raabe-Dresden sprach. Letzterer führte an,

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