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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-26 · 43 (26.10.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 734 L>r. Zswcv's Mocvenscvcttu Nr. 43 dem wir folgendes entnehmen. Es betrug bei der Volkszählung die Zahl der Juden im Jahre 1870: 4290 -- 2-40 °/o0 der Gesamtbevölkerung „ „ 1880: 3946 -- 2-00 %0 „ „ „ -1890 : 4080 1*88 °/0o „ „ „ 1901: 3476 1-42 °/0o „ Es zeigt sich, daß die jüdische Bevölkerung Dänemarks sich in den 30 Jahren von 1870 bis 1901 nicht vermehrt hat, sondern absolut und noch mehr relativ zurückgegangen ist. 1870 waren noch 2*40 ü/oü, 1901 nur noch 142 °/o0 der Gesamtbevölkerung jüdisch. B. in K. In den soeben erschienenen und so großes Aufsehen erregenden Denkwürdigkeiten des frühere» Reichskanzlers Fürsten zu Hobenlobe-Schillingsfürst findet sich folgende Tagebuch-Euitragung: „Schillingsfürst, 4. November 1898. Die Verhandlungen der Cour de Eaffalion (im Dreyfus-Prozeß) lese ich mit großem Interesse. Die Generalstäbler haben sich seinerzeit übereilt. Dann haben sie den Irrtum eingesehen, hatten aber nicht den Mut, es offen einzugesteheu. Dann kamen gemeine Kerls, wie Esterhazy und Henry, und boten ihre Fälschungen als Rettung an, und darauf sind die dummen Kerls hereingefailen." Damit ist in wenigen Worten die Geschichte deS Drcyfus-Prozeffes erzählt und zugleich ein in seiner Schärfe und K ugheit unnachahmliches, außerordentlich zutreffendes Urteil, nicht nur über den Prozeß selbst, sondern über die antisemitische Bewegung gefällt. Denn fast immer ist der Werdegang einer antisemitischen Machenschaft, die weitere Kreise zieht, die nämliche, mag es sich um ein Ritualmord-Märchen oder um eine Offizierstragödie handeln. Z-ierst liegt auf irgend einer Seite ein Irrtum, der auf Uebereilung oder Unverstand beruhen mag, vor. Auf Grund dieser irrtümlichen Auffasiung wird eine Haupt- und Staatsaktion unternommen. Dabei stellt sich denn bald heraus, daß die Voraussetzuugen für die so bequeme Agitation unrichtig waren. Es fehlt aber den an dem Irrtum schuldigen und in die Bewegung hineiugezogenen, zu Führern einer leichtgläubigen, verblendeten Masse erhobenen Personen der Mut, ihren Irrtum einzugestehen und sich dadurch selbst zu desavouieren; bildet es doch übervaupt ein Kennzeichen schwacher, nicht hinreichend durch Charakter und Ehrliebe gefestigter Personen, daß sie — anstatt ein Unheil, das sie irrtümlich angcrichtet haben, schnellstens nach Möglichkeit wieder gut zu machen — unter keinen Umständen Torheiten, die sie begangen, und falsche Voraussetzungen, von denen sie sich haben leiten lasten, im Augenblick der Erkenntnis der Wahrheit zugeben wollen, sondern dennoch Recht zu behalten suchen, auch wenn sie selbst am sichersten von der Unhaltbarkeit ihres Irrtums überzeugt sind. Und doch ist es nicht eine Schande, sich geirrt — auch nicht einmal immer, gefehlt zu haben. Zum Verbrechen wird der Irrtum erst, wenn er als solcher erkannt, aber nicht zugegeben wird, und wenn nicht zugleich alle Anstrengungen gemacht werden, um ferne schlimmen Wirkungen möglichst abzuwenden. Da bietet gerade das Verhalten der Generalstäbler im Dreyfus-Prozeß. diesem viel zu spät getilgten Schandfleck auf der Ehre der französischen Nation, ein überzeugendes Beispiel. Ist nun erst das Unglück so weit gediehen, so finden sich immer „gemeine Kerls", die, von keinerlei Wahrheitsinteresse und von keinerlei Ehrgefühl beseelt, nur Haß und Schlechtigkeit zu schüren als ihren Beruf betrachten und darum auch vor den häßlichsten Mitteln, auch vor niedrigen Fälschungen nicht zurückschrecken. Wenn eine Sache so schlimm steht, daß derartige Ungeheuerlichkeiten als „Rettung" erscheinen muffen, nach denen diejemgen, die öffentlich blamiert zu werden fürchten, begierig greifen, so findet sich bei ihnen mangels innerer Ruhe und Sicherheit und infolge des sich daraus ergebenden Mangels au Unparteilichkett, die nötige Portion Dummheit, um auf die ihnen angebotenen Fälschungen — hereinzufallen. Wie» UI. Jüdische Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels gibt es schon lauge; sie bestehen in vielen Hauptstädten, Hafenorten und Durchzngsstationen und entwickeln eine eifrige Tätigkeit. Sie sind auch, wie jedes Jahr so heuer, beim Kongreß der Vereine gegen den Mädchenhandel vertreten, der in Paris stattfindet und geben eigene Rechenschaftsberichte aus. Wir publizieren Ihre selbstverständlich; Aufforderung, daß man bei der Verfolgung von Mädchenhändlern mir größter Rücksichtslosigkeit Vorgehen soll, recht gern als unsere eigene und sind gerne bereit, jede Aktion gegen den Mädchenhandel zu führen oder zu unterstützen. Novize. Dankend abgelehnt. Rabbmatsverweser I. G. in V. Eichhorn's „Einleitung ins Alte Testament", 2. Auslage, würde die Bibliothek der jüdischen Gemeinde Wien mit besonders herzlichem Danke als Geschenk annehmen. Aufruf I Die Wiedererweckung eines Volkes ist bedingt durch die Wiedererweckung des nationalen Geistes. Der Geist eines Volkes spiegelt sich aber vor allem in deffeu Sprache wieder. Sie trägt seine Physiognomie mit allen ihren Besonderheiten. Von diesen Erwägungen ausgehend, ist es unsere Pflicht, unsere Volkssprache, die hebräische Sprache, zu pflegen, denn in ihr liegt der Geist des Volkes. Die vielverbreitete Meinung, daß die hebräische Sprache tot fei, ist entschiede« falsch, denn von der Zeit au, da unser Voll die alten erhabenen Werke in ihr schuf, bis über das Mittelalter hinaus, da ei« Jehnda Halevy sich ihrer bediente, lebt unsere Sprache in einer großen Literatur fort; mit Stolz blicken wir auf die Schriftsttller der letzten Zeit, wie Gordon, Smolensky, Bialik, Achad-Haam und andere. Stur als Umgangssprache ist sie seit langem verdrängt, und dem wollen wir wieder ab helfen. Zur Belebung des Volksgeistes, zur Befreiung unserer Sprache muffen wir uns vereinigen zur Schaffung eines Mittelpunktes, der alle Juden in seinen Bannkreis zieht, eines Mittelpunktes, der alle Glieder unseres Volkes trotz ihrer verschiedenen Richtungen in sich einigt und ihnen ein gemeinsames Lebensideal gibt. Der geeignetste Mittelpunkt fiir dieses Streben ist ein hebräischer Klub. Dieser sott das Zentrum werden, um das sich alle unsere Brüder sammeln können in dieser Zeit. Er kann Erhabenes wirken in unserem inneren und äußeren Leben. Er wird jene aufrecht halten, die schon unserer Sprache mächtig sind, und diejenigen aneifern, die sie noch nicht kennen. Diese Idee in Tat nnrzusetzen, ist eine der Hauptaufgaben, die sich der Zionistische Zentralverein in Wien gesetzt hat. Der Zionistische Zenträlvercin ruft diesen Klub als eine Settion ins Leben und wird ihn in jeder Werse und mit allen Kräften unterstützen. An Euch ist es jetzt, Ihr Brüder, die Wichtigkeit dieser Unternehmung zu würdigen. Die Kenner der Sprache müssen dieses Streben durch ihren Beitritt fördern, doch auch die Anfänger dürfen nicht fehlen. Die Mitgliedschaft des Zentralvereines enthält auch die Zugehörigkeit zum Klub. Brüder! Duru) unsere Leiden haben wir den Wert des Volksbewußtseins schätzen gelernt, wir haben erkannt, daß Sprache und Volk eins sind. Unterstützet unser Streben, Sprache und Volk näher zu bringen, fehle niemand, der fiir beide Herz hat. bei unserem Werke! Wir wollen erwachen, um diese Idee zu stärken, damit wir werden wie dereinst. Programm des hebräischen Klubs: 1. Täglich im Lesesaal des Vereines, IX., Türkenstraße y, Konversation. Lektüre hebräischer Zeitungen. 2. Einmal wöchentlich literarischer Abend, respektive Konzert. 3. Aufführung hebräischer Schauspiele. 4. Vortrage über Literatur, Knust, Geschichte und Zionismus. 5. Kurs für Anfänger. v. Kurs für hebräischen Gesang unter Leitung eines jüdischen Komponisten. 7. Herausgabe hebräischer Schriften. Anmeldungen nimmt der Zionistische Zentralverein in Wien schriftlich und mündlich in seinem Lokale, IX., Türkenstraße y, entgegen. Stifter ist, wer einmal 100 K; Gründer, wer durch drei Jahre 20 lt; Mitglied, wer jährlich 4 k zahlt. Förderer (nur für Mitglieder anderer zionistischer Vereine) 2 K. Der Vorstand des Zionistischen Zentralvereines in Wien. Dr. I. Margulies, Adolf Böhm, Pra>iociu. Schriftführer. Israelitische Kultus^emeinde Wie». Aus den Zinsen der Fanni Jetteles'schen Stiftung für Hörer der juridlsch-pottuichen Wissenschaften gelangen für das Schuljahr 1906/07 vler Stlpettdien ä K 188.— an israelitische Hörer der jurldrschen Fakultät zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, velegl mtt Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellofigkettszeugmffen, bis 15. November 1908 im Emreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinbe Wien, I., Settenstcltengasse 4, L. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Bewerber, weiche im abgelausenen Schuljahre tm Genüsse dieses Stipendiums standen, haben vei Fortdauer ihrer stiftbriefgemäßen Kompetenz und Würdigkeit den Vorzug. Später einiangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Aus den Zinsen der Fanni Jttteles'schen Stiftung für Rabbinatskandidaten, welche zugleich ordentliche Hörer der philosophischen Wissenschaften sind, gelangen im Studienjahre 1906/07 zwei Stipendien ä L 188.— an Hörer obgencumter Wissenschaften zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen^bis 15. November 1906 im Etnreichungsprotokolle der Israel. Kultusgemeulde ui Wien, 1., Settenstettengasse 4,1. Stock, während der Amtsstunden zwilchen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Bewerber, weiche rm abgelaufenen Schuljahre im Genüsse dieses Stipendiums standen, baden bei Fortdauer ihrer stifbriefgemäßen Kompetenz und Würdigkett den Vorzug. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt,

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