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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-26 · 43 (26.10.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Dr. BiocD 0 Mocdenscvrm, Sette 727 storbene erfreute sich in militärischen Kreisen der größten Sympathien. Sonntag den 21. d. M. um 1 Uhr nachmittags fand vom Trauerhause aus das Leichenbegängnis des Generalstabsarztes mit militärischen Ehren und unter großer Teilnahme ärztlicher und militärischer Kreise statt. Den Kondukt befehligte der Kommandant der 93. Jnfanteriebrigade, GM. Freiherr Jacobs v. Kantstein. Vor dem Hause war eine Kompagnie mit der Musik des Infanterieregiments Nr. 19 aufgestellt. Im Trauerhause hatten sich außer den Hinterbliebenen Statthalter a. D. FZM. Freiherr v. David, Stadtkommandant FML. Freund v. Arshausen, FML. v. Weinrichter, die Generalstabsärzte Dr. Kratschmer, Dr. Gürtl und Dr. Kaiser, viele Angehörige des militärärztlichen Offizierskorps, Stabs- und Oberoffiziere, dann der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, Vorstandsmitglied Professor Dr. Ehrman, Präsident der Chewra- Kadischa Salo Cohn mit den Vorstandsmitgliedern I. Kann und S. Steiner, Professor Dr. Pick, kaiserlicher Rat Dr. Hay, Vertreter des medizinischen Doktorenkollegiums rc. eingefunden. Oberkantor G u t t m a n n, vom ersten Kantor Jurberger und dem Chorpersonal begleitet, trug die Trauergesänge meisterhaft vor, worauf der Sarg auf einen sechsspännigen Leichenwagen gehoben wurde. Dann bewegte sich der Kondukt, den eine halbe Kompagnie mit der Musik eröffnete und eine Halbkompagnie schloß, auf den Rennweg. wo eine Kompagnie des Regimentes aufgestellt war. Als der Sarg mit der Leiche passierte, gab das Halbbataillon die Ehrensalve ab. Die Beerdigung der Leiche erfolgte auf den Zentralfriedhof. Feldrabbiner Dr. Armin A b e l e s hielt dem Verblichenen einen sehr warmen Nachruf. Er pries den Verstorbenen als Mensch, Arzt und Soldat und betonte, daß Ulrich bis an sein Lebensende treu zur jüdischen Fahne gehalten und durch seine glänzende Laufbahn zur Verherrlichung des Judentums beigetragen habe. Wien. Der jüdisch-nationale politische Verein „Einheit" wandelt sich in einen Wohlfahrtsverein um, wie dies in der letzten Vorstandssitzung beschlossen wurde. Anlaß hiezu bietet der außerordentliche Erfolg, den die erste Schöpfung des Vereines auf humanitärem Gebiete erzielt hat. Der Umstand, daß zahlreiche Juden der minderbemittelten Klasse aus den verschiedensten Gründen oft wochenlang warmer Kost entbehren, weil die bestehenden Gasthäuser für ihre Börse zu teuer sind, hat die Vereinsleitung veranlaßt, im Verbände mit einer größeren Anzahl opferwilliger Männer und Frauen im Zentrum der Judenschaft II., Floßgasse 9 eine« Speiseanstalt zu errichten, in der allen Anforderungen in Bezug auf Reinlichkeit, Bedienung, Qualität der Speisen, religiöse Führung vollkommen entsprochen wird. Der außergewöhnliche Preis (36 Heller für das Mittagmahl: Brod, Suppe, Fleisch mit Garnierung, Gemüse, 28 Heller für das Nachtmahl: Brod, Fleisch und Kartoffelzieht das Publikum an, speziell jenes Publikum, das bis nun aus religiösen Bedenken überhaupt nirgends essen wollte, zum Teile auch solche, die bis nun nicht koscher aßen. Sabbath und jüdische Feiertage wird für 60 Heller eine echte Sabbathkost mit Kiddusch und Barches verabreicht und macht das Restaurant den Eindruck eines altjüdischen Familienhauses. In den ersten sechs Wochen seines Bestandes wurden mehr als 8000 Mahlzeiten verabreicht und der größere Teil der Besucher (Studenten, Angestellte, Arbeiter, überhaupt Leute mit kleinstem Einkommen) sind Stammgäste, die gerne immer wiederkommmen.. Trotz angestrengter persönlicher Betätigung der Damen und Herrn des Komitees, die den besten Familien angehören, ist die Erhaltung dieser Anstalt mit so großer Regie verbunden, daß wir an alle Menschenfreunde appellieren, dieses Werk zu unterstützen. Briefe, Anfragen und Sendungen werden erbeten an den Schriftführer der Verwaltung Herrn M. Schreiber, II., Stesaniestraße 3. Erste slavonische Rabbinerkonfereuz. Osijek (Essek). Am 18. Oktober fand hier die erste slavonische Rabbinerkonferenz statt. Außer dem Rabbiner von Vinkovci, Sr. Ehrwürden Herrn Neumanu, der krankheitshalber am Erscheinen verhindert war. und dem Rabbinatsverweser von Pakrac. Herrn Zagher, waren alle slavonischen Rabbiner anwesend. Zweck der Konferenz war einerseits die Ausarbeitung eines neuen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Mittelschulen Kroatiens-Slavoniens und andererseits die Lösung verschiedener Standesfragen, hauptsächlich der Frage der Rabbinatsqualifikation. Rabbiner Dr. Diamant aus Vukovar unterbreitete den von ihm ausgearbeiteten Entwurf über den Religionsunterricht. woraus derselbe nach erschöpfender Debatte mit unwesentlichen Modifikationen angenommen wurde, das heißt, der genannte Entwurf wird der kroatischen Landesregierung zur Genehmigung unterbreitet werden. In dem Entwurf wird die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur mehr als bisher berücksichtigt und ein intensiveres Studium der jüdischen Geschichte gefordert. An das Referat des hiesigen Oberrabbiners Dr. Simon Unger über die Qualifikation zum Rabbiner schloß sich eine, sehr lebhafte Debatte, über deren Einzelheiten jedoch nichts in die Oeffentlichkeit drang. (Die Konferenz war nämlich eine streng vertrauliche.) Wie es heißt, werden die kroatischen Rabbiner demnächst ebenfalls eine Konferenz in derselben Angelegenheit haben. Von dem Erfolg der in Zagreb (Agram) demnächst abzuhaltenden Rabbinerkonferenz hängt es ab, ob ein Verband der Rabbiner Kroatiens-Slavoniens gegründet werden soll. K. Parteitag der Jtomften in Böhmen. Sonntag den 14. d. M. fand in Prag die Jahresversammlung der Zionisten Böhmens statt. Eingeleitet wurde dieselbe mit einer Trauerkundgebung für die bei dem letzten Pogrom in Siedlce auf so entsetzliche Weise um ihr Leben gekommenen oder ihrer Habe beraubten Juden. Der Obmann des Distriktskomitees berichtete, daß aus den zionistischen Spenden ein großes Waisenhaus für die zahlreichen Waisen der russischen Opfer in Palästina gegründet wird. Daselbst sollen die Kinder zu tüchtigen Landwirten herangebildet werden. Später soll dieses Waisenhaus auch zur Heranbildung anderer armer Kinder zur Landwirtschaft dienen. Bestimmend für diesen Plan war die bisherige, außerordentlich günstige Entwicklung der jüdischen Bauernkolonien in Palästina, welche schon jetzt die Zahl von 35 Dörfern mit über 7000 Kolonisten erreicht haben. Im Falle die Zahl der Aufnahmsbedürftigen sich als noch größer Herausstellen sollte, als bisher angenommen wurde, find neue Sammlungen, sowie das Zusammenarbeiten mit anderen, jüdischhumanitären Institutionen in Aussicht genommen, von denen bereits einige ihre Mitwirkung zugesagt haben. Sodann wurde der Rechenschafts- und Kaffabericht erstattet. Aus denselben geht ein neues, mächtiges Anschwellen der zionistischen Bewegung in Böhmen, sowie in ganz Oesterreich hervor. Die Gesamtziffer der organisierten Zionisten beträgt gegenwärtig 200.000. — Weiters wurde auch die wachsende Sympathie gegenüber der zionistischen Bewegung von Seite der Gesamtbevölkerung konstatiert, wozu vor allem die bessere Erkenntnis des zionistischen Ideals und die wachsende Einsicht von der Notwendigkeit beitrug, den so grausam verfolgten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen. Nachdem die beiden Berichte genehmigt wurden, fanden Neuwahlen statt. Die vorliegenden Anträge, welche hauptsächlich die Vereinfachung der inneren Organisation betrafen, mußten wegen Zeitmangels auf einen späteren, außerordentlichen Distriktstag verschoben werden. Die Vereine waren durch 37 Delegierte vertreten. Gegen 100 geladene Gäste nahmen außerdem teil. Als Präsidenten fungierten die Herren E. Bechert, Teplitz, und Dr. Kohn, Brüx. Anschließend an den Distriktstag fand im „Hotel Europa" eine Versammlung des Jüdischen Volksvereines statt, bei welcher Herr Dr. Margulies aus Teplitz in überaus anregender Weise über die gegenwärtige Lage und die Aussichten des Zionismus referierte. An dem Bortrag, der mit Beifalle ausgenommen wurde, knüpfte sich eine rege Debatte. Köln- Das Aktionskomitee hat beschlossen, in Palästina eine große Waisenanstalt zu errichten, die für Kinder bestimmt sein soll, die bei den letzten russischen Pogromen ihrer Eltern beraubt worden find. Die angestellten Erhebungen haben er-

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