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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-26 · 43 (26.10.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. ®iocb s Mocdenscdrtrr. Nr. 43 Die Ansiedelung, der wir in der nächsten Schicht begegnen, ist von imponierender Größe und Wucht der Anlage. Mächtige Mauern, die an vielen Stellen 20 Fuß dick sind, laufen um eine massive Plattform von Ziegeln herum, auf welcher die Gebäude ruhten. Es ist eine gewaltige Tempelanlage, wieder mit dem heiligen Altar in der Mitte, um die sich dann die Gebäude der Stadt gruppieren. Hier wurden Stempel aufgefunden, mit denen bestimmte Buchstaben in die Ziegel eingedrückt wurden, so daß wir hier einen ersten Versuch der Druckerkunst vor uns haben. Die entdeckten Ziegel und Steinpfeiler tragen die Namen des Königs Saraon von Akkad und seines Sohnes Naram-Sin, der beiden Herrscher also, deren Regierung man nach den Funden von Telloh um 3800, aber auch in eine spätere Zeit um 3000 angesetzt hat. Die Rechnungen und Berichte vom Bau des Tempels wurden in Zimmern aufbewahrt gefunden, die in den Mauern sich befanden. Sie waren in Gefäßen aufbewahrt, die mit Pech verklebt und zugesiegelt waren. Eine große Anzahl von Täfelchen mit Inschriften wurde ebenfalls ans Licht gefördert. Diese Stadt scheint völlig zerstört worden zu sein, denn kurz danach wurde eine neue Stadt gebaut, die aus der Zeit König Gudeas stammt. Neue riesige Mauern und Bauwerke wurden auf den alten Grundmauern und Sargonieden aufgerichtet, die Stadt erhob sich nun terassenförmig in vier übereinander gelegenen Komplexen empor, diesmal das Heiligtum des Gottes auf ihrer Höhe tragend. Die Tempelanlage war viereckig und bestand aus mehreren Gebäuden, kleineren Tempeln und Wohnungen der Priesier. Ein breiter Torweg führte zur Stadt, unmittelbar von dem Tempel aus ging eine breite Straße, ganz mit Läden besetzt, in denen allerhand auf den Gottesdienst bezügliche Gegenstände eingekauft werden konnten. Unter den freigelegten Gebäuden hat eines augenscheinlich als Schule gedient, denn in den Zimmern wurde eine Anzahl von tönernen Schönschreibtafeln gefunden, die Schreibaufgaben in Keilschrift, Reihen von Wörtern und Redensarten enthalten, und eine vollständige Serie von Tafeln, aus denen die Multiplikationen von eins bis sechzig geschrieben sind. Als Babylon unter der großen semitischen Dynastie Hauptstadt wurde, verlor Nippur seine politische Nacht, blieb aber immer noch ein wichtiger religiöser Mittelpunkt. Hammurabi, der Gesetzgeber, stattete die Stadt mit Reichtümern aus und erneuerte ihren Tempel. Viele Hunderte von Täfelchen, die von den verschiedensten Angelegenheiten der Politik, des Handels und täglichen Lebens erzählen, wurden aus dieser Schicht gerettet, darunter interessante Briefe einer Bankiersfirma, die während des Perserreiches schwierige Geschäfte abwickelte. Auch eine große Anzahl hebräischer Inschriften hat man entdeckt, die manches über die babylonische Gefangenschaft der Juden aufklären. So kann es jetzt als sicher gelten, daß der Fluß Chebar, an dem der Prophet Ezechiel wohnte, der Kabaru oder „Große Kanal" von Nippur war und daß von dem Bel-Tempel dieser Stadt manche Einzelheiten seiner Visionen herstammen. Das Schlußbild aus der reichen Geschichte Nippurs, das die Ausgrabungen enthüllen, sind eine parthische Festung und zahlreiche Funde der Römerzeit aus der letzten Schicht. Korrespondenzen. Generalstabsarzt Dr. Jacob Zuckermann. Die Allerhöchste Auszeichnung des Generalstabsarztes Dr. Jakob Zuckermann wird in den weitesten Kreisen des Judentums mit großer Sympathie begrüßt. Generalstabsarzt Dr. Jakob Zuckermann wurde im Jahre 1846 in Schön - linde in Böhmen im Egerer Kreis geboren. Er absolvierte in Eger das Gymnasium und kam im Jahre 1864 an die Josefs- Akademie, die er im Jahre 1870, als einer der ersten seines Jahres als Oberarzt verließ. Seine ersten Dienstjahre krachte er in Brünn zu, avanzierte im Jahre 1875 zum Regimentsarzt und wurde nach Ungarn versetzt. Bereits als junger Regimentsarzt II. Klasse machte er als Chefarzt des Jnf.-Reg. Nr. 29 den Feldzug 1878 in Bosnien mit und ' hatte hiebei vielfach Gelegenheit, seine Tüchtigkeit zu bewähren, die von Seite seiner Vorgesetzten in hohem Grade anerkannt wurde und ihm die innigste Freundschaft der Offiziere seines Regiments dauernd sicherte. Nach Beendigung des Feldzuges ging er mit seinem Regiment nach Komorn, hierauf nach Temesvar und wurde dann nach Böhmen versetzt, wo er zehn Jahre zubrachte und sich auch in zivilen Kreisen als Arzt Achtung und Geltung verschaffte. Im Jahre 1894 zum Stabsarzt befördert, kam er ins Garnisonsspital nach Preßburg, wirkte dort als Abteilungs- Chefarzt durch fünf Jahre und wurde hierauf nach Cattaro transferiert, wohin er auf den neukreierten Posten eines Kriegshafen-Chefarztes berufen wurde. Bei seinem Scheiden aus Preßburg wurde er durch eine belobende Anerkennung von Seite des Herrn Korpskommandanten, Sr. kaiserl. und königl. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Friedrich, ausgezeichnet. Auch in Cattaro wurde seine Dienstleistung durch eine Anerkennung des Militärkommandos in Zara gewürdigt. Nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit in Cattaro kam er als Oberstabsarzt I. Klasse als Kommandant des Garnisonsspitals Nr. 8 nach Laibach und von da nach kurzer Zeit als Festungs-Chefarzt nach Przemysl, wo er Gelegenheit hatte, seine Tätigkeit durch Unterdrückung ausgebrochener Epidemien und durch Vorkehrungen gegen schwere Seuchen wiederholt zu bewähren. Dies trug ihm auch die Anerkennung seiner hohen Vorgesetzten ein, die dies bei jeder Gelegenheit durch Wort und Tat bewiesen. Im Juni dieses Jahres erreichte er sein 60. Lebensjahr und fand sich in Rücksicht auf die weitere Ausbildung seiner Kinder veranlaßt, um ■ seine Pensionierung nachzusuchen. Dies-lbe erfolgte in höchst ehrender Weise unter Ernennung zum Generalstabsarzt und dem Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit. Generalstabsarzt Dr. Josef Ulrich gestorben. Ein Mann, dessen Lebenslauf dem Judentum zur hohen Ehre gereichte, ist in Wien mit dem verdienstvollen und hochgeachteten Generalstabsarzt Dr. Josef Ulrich gestorben. Was er tat und wie er lebte, unterstützt alle jene, welche in einer wichtigen, politischen Frage die Gerechtigkeit vertreten. Man vermißt sich oft, die Fähigkeiten des Juden als Arzt und besonders als Regimentsarzt anzuzweifeln. Für diese Verdächtigung, die schwere und traurige Folgen für die Juden hat, ist ein Beweis niemals zu erbringen, wohl aber tausendfach für das Gegenteil. Auch Dr. Josef Ulrich stand wie ein Fels allen entgegen, welche den jüdischen Arzt mit ihren Lügen verfolgen. Ein Muster der Pflicht, des Mutes und der Menschlichkeit, hinterließ er nichts als aufrichtige Bewunderer, die sein Andenken in Ehren halten werden. Generalstabsarzt Dr. Ulrich stand im 63. Lebensjahre; seine Ehe war kinderlos. Der Verstorbene wurde im Jahre 1866 aus der Josefs-Akademie ausgemustert und machte den Feldzug 1866 als Assistenzarzt des berühmten Chirurgen Oberstabsarztes Dr. Franz Ritter v. Pitha in Italien mit. Im selben Jahre avanzierte Ulrich zum Oberarzte. Er begann dann seine Dienstleistung bei der Kavallerie, wurde nach Raab versetzt und rückte im Jahre 1874 zum Regimentsarzt vor. Im Feldzug 1866 war er mit der Tiroler Medaille ausgezeichnet worden. Er wurde dann Chefarzt der 25. Infanterie- Truppen-Division und fungierte als behandelnder Arzt des Erzherzogs Eugen. Später wurde er zuyr Kommandanten des Garnisonsspitals Nr. 17 in Budapest ernannt und hierauf Sanitätschef des 13. Korps in Agram. Seit achtzehn Jahren wohnte er in Brünn und stand hier als Chefarzt der 24. Jnfanterie-Truppen-Division in Verwendung. Vor ungefähr anderthalb Jahren ist Dr. Ulrich in den Ruhestand getreten und erhielt bei diesem Anlasse den Titel und Charakter eines Generalstabsarztes. Er war Besitzer des Ritterkreuzes der Eisernen Krone dritter Klasse. Der Ver-

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