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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-12 · 42 (12.10.1906) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
42 (12.10.1906)
Date
1906-10-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Wlocb's THRoebensebrift Seite 717 sie!" Und nach Atem ringend, stürzte er aus der Synagoge hinaus. Als er auf der Straße war, wurde er sich bewußt, daß ein schwerer Schicksalsschlag ihn betroffen habe, doch er verstand die Bedeutung in ihrem ganzen Umfang nicht recht; es war zu Plötzlich gekommen. „Ein Appicores, ein Appicores," sagte er zu sich selbst, „Ein Appicores, der am heiligen Sabbath raucht! Nein, es kann nicht wahr sein, es muß eine Lüge sein!" Er starrte in die Richtung, wo Mendele wohnte und wäre am liebsten hingeeilt und hätte diesen rothaarigen Angeber in Stücke zerrissen. Doch Asriel wandte sich heimwärts. Es fehlte ihm der Mut. dem Manne ins Auge zu sehen, der den Bräutigam seiner Tochter am Sabbath Zigaretten rauchen sah. Das Bild Schayas kam ihm beschmutzt vor und entweiht, und, obgleich er all das von dem geliebten Wunderknaben nicht glauben konnte, eilte er zornig im Sturmschritt nach Hause. Er beschloß, abzuwarten und alles selbst in Erfahrung zu bringen. Zum erstenmale im Leben kam ei sich feig vor. Er erzitterte bei dem Gedanken, daß die Behauptungen des Hausierers sich bewahrheiten könnten. Als Schaya ihm beim Abendessen gegenübersaß, konnte er ihn nicht anschauen und sein Herz flüsterte ihm zu : „Ein Appicores, ein Appicores." Doch er sagte nichts und das unausgesprochene Wort rief eine bedrückende, unheilsvolle Stimmung hervor. Er haßte Schaya jetzt, das fühlte er deutlich. „Wo warst Du so lange, Papa?" frug Flora. „Tief in der Erde. Du brauchst Dich nicht zu kümmern, wo ich war," schrie er sie an. „P pa," sagte sie erschrocken, „was ist mit Dir vorgegangen?" Er antwortete nicht. „Warst Du beim Maariv - Gottesdienst?" frug jetzt Schaya. „Ich habe in der Souvalk-Synagoge studiert," fügte er dann noch hinzu. Asriel verblieb in grimmigem Schweigen. Tamara und die beiden jungen Leute bemühten sich vergeblich, ein Gespräch in Gang zu bringen. Das Nachtessen verlief in unerträglicher Stille. „Ich fürchte, Papa hat etwas erfahren," sagte Flora zu Schaya, als sie allein waren. „Ach woher, es ist nicht das erstemal, daß er schlecht gelaunt ist. Er hatte gewiß Verdruß mit einem Pächter." „Möglich!" sagte Flora traurig. Doch wenn er erfahren haben sollte, daß Du studierst, daß Du Doktor werden sollst — — — — Ich bin halbtot vor Angst." „Ich wollte, meine Hochzeit wäre vorüber," sagte Schaya beklommen und verließ das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) KriefKaperr. R. Sie haben Recht, wenn Sie bei der Lektüre der Memoiren Hohenlohes finden, daß im Gange der hohen deutschen Politik die Eigenschaften wirklich zu finden sind, die uns Juden die Antisemiten andichten. Die Bismarckschule der modernen Diplomatie hatte als Prinzipien den höchsten Eigennutz und die größte Skrupellosigkeit. Man schreckte vor der laxesten Auslegung der Moral nicht zurück, wenn man gegen Freunde Geheimverträge abschloß, mit denen man eben einen offenen Bundesvertrag gemacht hatte. Ewiges Jntriguenspiel, bei welchem man es mit der Wahrheit nie allzu ängstlich genau nahm, beeinflußte den Gang der Weltgeschichte und die Möglichkeiten von Völkerkriegen. Was nun die Veröffentlichung selbst anbelangt, welche die „Times" eine epochale Indiskretion nennt, so geschah sie aus sehr dunklen Motiven und keineswegs zum Vorteil des Vaterlandes. Fürst Hohenlohe hatte also in gar keiner Beziehung ein moralisches Rechr darauf, einen superioren antisemitischen Standpunkt einzunehmen und vom „talmudistischen Gedankengang" Bleichröders und seiner „jüdischen Politik" zu sprechen. Vielleicht hätte es anch den deutschen Staatsmännern nicht geschadet, etwas vom Verstände und der Ethik des Judentums anzunehmen, als durch kurzsichtige Rücksichtslosigkeit und schwere Unmoral ans Jahrzehnte hinaus die deutsche Politik verdächtig zu machen. L. P. Was wollen Sie beim von Oppenberger anderes als die Aeußerung, man möge für jedes Attentat in Rußland eine Anzahl Juden aufknüpfen. Dieser Beweis antisemitischer Bestienhafligkeit und Dummheit wurde nicht von ihm das erste Mal aufgetifcht, sondern vom „Deutschen Volksblatt". Dieser Blutdurst erwacht bei den Antisemiten immer, wenn sie über den anderen Durst getrunken haben. In vinv vsrltas — die Henkernatur der Christlich-Sozialen erscheint unter Illumination in ihrer lieblichen Blüte, und wenn man ihnen zuhört, glaubt man wirklich, daß diese alkoholisierte Bande nicht genug Patronen und Galgen für die Juden hätte, wenn sie könnte, wie sie wollte. Aber fürchten Sie nichts! Die Partei, deren einziger Daseinszweck die Judenfrefferei ist, müßte sich ja sofort aufiösrn, wenn der letzte Jude verzehrt wäre. K. N. Der Artikel des Dr. Otto Herschmann in der „Oester-- reichischen Rundschau" widerlegt wieder einmal das Märchen von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden, indem der Verfasser, eine Autorität in Sportsachen, die Begabung der Juden für diesen Zweig turnerischer Fähigkeiten rühmt. Tatsächlich sind Juden hervorragend in allen Zweigen leichter und schwerer Athletik wie auch des Sportes mit Ausnahme des Ruderns. In den Wiener Ruderklubs werden nämlich Juden nicht ausgenommen — dagegen sind die Wiener Ruderer die schlechtesten auf dem Kontinent. Schule. Rein, in dem einen Punkte haben die Wiener Heinzc- Männchen recht. „Kabale und Liebe" ist tatsächlich für eine SctnlervorlleUung mcht geeignet und es wäre^ ein schwerer pädagogischer Fehler gewesen, die Aufführung für die Schuljugend zu dulden. Jude. Diese liberale Kleinigkeit von Carmen Sylva bringen wir nicbt. Carmen Sylva hat einen antisemitischen Feldzug in der ausländischen Presse geleitet und noch so viel Sünden gegen Juden auf ihremrodusten Gewissen, daß diese liberale Vergeßlichkeit, mit welcher sie auf Reklame ansgeht, jede Bedeutung verliert. Z. 180v. Der Todestag ist der 2. September. I. G. in Kreutz. Da uns die gemeldeten Tatsachen unglaublich erscheinen, müssen wir von der Beantwortung der Fragen avjehen. L. G. Das Inserat kostet 2 K. 3=^orL33:-u.xs. Bei der israelitischen Kultusgemeinde Mödling gelangt die Stelle eines Kantors zur Besetzung. Derselbe hatte gleichzeitig Religionsunterricht zu erteilen und die Agenden eines Sekretärs zu besorgen. Mit dieser Ste le ist ein Jahresgehalt von 1600 Kronen, sowie die; üblichen Emolumente verbunden. Bewerber, die über eine schöne kräftige Stimme und musikalische Bildung verfügen, wollen ihr eigenhändig geschriebenes Gesuch mit Anführung ihrer bisherigen Verwendung, ferner Alter, Heimat und Familienstand an den Unterzeichneten Kultusvorsteher einsenden. Mödling“, Oktober 1906. Der Vorsteher der isr. Kultusgemeinde Mödling: Belal. Kundmachung. Aus der Dr. Anton Bisenz'schen medizinischen Fakultätsstiftung sind die aufgelaufenen Interessen per K 168— ju gleichen Teilen an zwei österreichische israelitische unbemittelte Tokrorranden der Medizin an der k. k. Universiiät in Wien zu verleihen. Zum Genüsse dieser Stiftung sind vor allem Anverwandte der Familie Bisenz und Grünholz, sie mögen wo immer gebürtig sein, berufen. Von den Nichtverwandten haben die in Nikolsburg, dann die in Mähren überhaupt geborenen Kompetenten den Vorzug vor jenen, welche in anderen k. k. Kronländern gebürtig sind. Die Bewerber haben die bei Stipendiumsverleihungen überhaupt vorgeschnebenen Dokumente und außerdem eine vom Dekan der medizinischen Fakultät in Wien ausgestellte Bestätigung über die abgelegte erste strenge Prüfung in Betreff des dabei erhaltenen Kalküls ihrem Gesuche beizuschließen und dasselbe beim Wiener medizinischen Doktoren-Kollegium, I, Rotenturmstraße 19 bis längstens 1. November 19V8, 12 Uhr mittags zu überreichen. Nur die mit einem legalen Armutszeugnisse versehenen Bewerbungsgesuche genießen die Stempelfreiheit. Vom Wiener medizinischen Doktoren-Kollegium: Dr. H e i m m. p. Dr. Kempf m. p. Ignaz und Rofalle Wolf Krankenunterftutzuugs - Stiftung. Am l l.Thebet, d. i. am 28 Dezember 19 6, gelangen die halbjährigen Jntereffen der obigen Stlflung zusammen per K 200.— an arme hilfsbedürftige Kranke der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zur Verteilung. Die Bewerber haben ihre mit dem Armut«- und

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