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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-12 · 42 (12.10.1906) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
42 (12.10.1906)
Date
1906-10-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Setk 710 Dr. Biocd s mocDens mit. Nr. 42 Ein Mitarbeiter des „Neuen Pester Journal" hatte Gelegenheit, in die bezüglichen Aktenstücke Einblick zu nehmen. Die Petition basiert auf einen Beschluß des Tolnaer Munizipiums, welcher auf Grund eines Antrages des Munizipalausschuß-Mitgliedes Bela B a r t a l in Szegzard gefaßt wurde. Im Beschluß wird ausgeführt, daß die Durchführung des allgemeinen Wahlrechtes auch eine Reform des Magnatenhaufes in der Weise erheische, daß in diesem Hause der Legislative den Vertretern aller Gesellschaftsklassen Sitz und Stimme gewährleistet werden möge. Nach der bisherigen Praxis werden als Vertreter der israelitischen Religion in der Regel Mitglieder des Großkapitals ins Magnatenhaus berufen, was weder den aus der Rezeption fließenden Rechten, noch aber den Billigkeitsrücksichten entspricht. Da dieser Umstand in hohem Maße dazu beiträgt, daß die Bevölkerung das Judentum mit dem Großkapital identifiziere, richtet das Tolnaer Munizipium an die kön. ungarische Regierung und an das Parlament die Bitte, die Ernennung eines hervorragenden Mitgliedes der israelitischen Religionsgenossenschaft zum Mitglied des Magnatenhauses bei Sr. Majestät in Vorschlag zu bringen. Das Munizipium selbst motiviert die Petition in folgender Weise: „Mit Rücksicht darauf, daß zur Zeit der Schaffung des G.-A. VII: 1885 die Vertretung der israelitischen Konfession im Magnatenhause nur deßhalb nicht bestimmt wurde, weil die Konfession damals noch nicht zu den rezipierten Konfessionen gehörte, was aber durch die Schaffung des G.-A. XLTI: 1895 erfolgt ist, machen wir den erwähnten Antrag, vom Gesichtspunkte des Prinzipes der Rechtsgleichheit geleitet, uns zu eigen. Indem wir in diesem Sinne an die Legislative, die kön. ungarische Regierung, den kön. ungarischen Minister für Kultus und Unterricht Repräsentationen richten, ergänzen wir den Antrag aus eigener Initiative mit der Bitte, daß die Autonomie der israelitischen Konfession ehestens geregelt werden möge, damit dem in Folge der Jngerenz der Verwaltungsbehörden auf die inneren Angelegenheiten dieser Konfession bestehenden gravaminösen Zustand ein Ende gemacht werden könne." Der Petitionsausschuß des Hauses wird sich mit dieser Frage gegen Ende dieses Monates befassen und seine Anträge sodann dem Hause unterbreiten. Die geographische Kommission der „Jto" Israel Z a n g w i l l veröffentlicht soeben die Namen der Mitglieder der geographischen Fünfer-Kommission, die er gemäß dem Beschluß der letzten Sitzung des großen Rats der „Jto" in London zusammenzustellen übernommen hatte. Die Kommission hat die Aufgabe, aus allen der „Jto" vorliegenden Kolonisationsprvjekten und Angeboten das für eine jüdische Massensiedlung, die in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der „Jto" erfolgen soll, geeignetste auszuwählen. Die Kommission besteht aus folgenden Herren: Lord Rothschild, Oskar v. Strauß, New-Iork, dem früheren amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, James Simon, Berlin, dem Präsidenten des Hilfsvereins der deutschen Juden, Dr. Paul Nathan, Berlin und Professor Dr. Mandelst a m m, Kiew. Die Synagoge von Toledo. In der „Kölnischen Zeitung" wird die Aufmerksamkeit auf die noch immer ausstehende Restauration der Synagoge del Transito gelenkt, jener berühmten Aljama, die in dem alten Judenviertel Toledos lag, nicht weit von einem anderen jüdischen Tempel, der heute Santa Maria la Blanca heißt. Samuel Lewi, der Bankier Peters des Grausamen, ließ das Gebäude 1366 neben seinem Wohnhaus von Mei'r Addeli errichten, und seine Glaubensgenossen hielten hier bis zu ihrer Austreibung durch die katholischen Könige im Jahre 1492 ihren regelmäßigen Gottesdienst ab. Dann kam es an den Calatrava- Ritterorden, der daraus eine dem hl. Benito geweibte Kapelle machte, worin später aber die hl. Jungfrau del Transiro verehrt wurde; daher die heutige Bezeichnung. Als Bauwerk ist sie ein kostbares Exemplar der arabischen oder, richtiger gesagt, der andalusisch-maurischen Architektur, der dritten . und blühendsten Epoche des sarazenischen Kunststils. Sie ist aus Ziegelsteinen erbaut, die einen festen Stucküberzug zeigen, dessen Verzierungen mit zu den reichsten, elegantesten und originellsten ihrer Art gehören. Leider wurden sie bei der Umwandlung in ein christliches Gotteshaus arg mitgenommen und b eschädigt. Ein Altarblatt bedeckte die Nische, worin der Rabbiner saß und die Gesetzestafeln erklärte, und hinter cllerhand Tand verschwanden die delikaten Arabesken, die wie ein seines Spitzengewebe Verse der Psalmen und hebräische Inschriften umschlangen. Mehrere offene Bogen dienen dem Tempel als Fenster, und an den Wänden zieht sich ein breiter Fries von feinster maurischer Arbeit hin. Auch die. Kapitäle der Säulen sind sehr bemerkenswert. Dieser ganze künstlerische Reichtum verfiel unter der Herrschaft habsüchtiger Kirchenfürsten, obwohl gerade die Toledaner Diözese über große Kapitalien verfügt. Angesichts der unaufhörlichen Klagerufe von Künstlern und Kunstfreunden fand sich dann endlich einmal eine Regierung' in Spanien, die die Aljama auf Rechnung des Staates übernahm und sie zum Nationalmonument - erhob. Diese Erklärung hätte dem Staat logischerweise die Pflicht auferlegen müssen, sie zu restaurieren und sie vor dem Einsturz zu bewahren. Ein Anfang wurde auch gemacht; dann geriet aber alles wieder ins Stocken und keiner der vielen spanischen Unterrichtsminister, die mit so schönen und großen Worten ihre Reden in Parlament auszuschmücken wissen, hat durch die Tat bewiesen, daß er für dieses nationale Schmuckkästchen wirklich etwas übrig hat; keiner hat energisch eingegriffen, um es endlich instand zu setzen. Und schon lauert die Kirche auf diesen Augenblick, um das Gebäude dann wieder für sich zu beanspruchen und es - wie zurzeit die Kathedrale — als Sehenswürdigkeit finanziell auszubeuten! Und dabei werden Kommissionen eingesetzt, um den Touristenverkehr in Spanien zu heben! Einiges über die Verhältnisse der Inden in Algerien.*) Von Frau Rosa Feigenbaum. Besonderes Interesse brachte ich den Verhältnissen, in welchen die algerischen Juden leben, entgegen. Leider konnte ich darüber nicht viel erfahren, denn die Juden Algeriens sind infolge der antisemitischen Verhetzungen, denen sie namentlich unter Max R6gis äusgesetzt waren, so reserviert, ja fast furchtsam geworden, daß ich auf meine Fragen zumeist nur ausweichende Antworten erhielt. Große Aufregung hat das Trennungsgesetz hervorgerusen, und das jüdische Konsistorium richtete an den Generalgouverneur von Algerien ein Memorandum, das als äoenmont humain wohl seinen Platz in der Geschichte der Trennung der Kirche vom Staate einnehmen wird. In diesem Memorandum bittet das Konsistorium, daß das Trennungsgesetz auf die algerischen Juden keine Anwendung finden möge, da sonst die Gemeinde ihrer größten Einnahmsquelle, der Fleischtaxe, beraubt würde. Das hieße aber auch gleichzeitig das Ende der großen algerischen Gemeinden dekretieren, die ohne dieser Steuer nicht existieren könnten, denn die sonstigen Einnahmen der Gemeinde seien gering. Diese Eingabe rief bei den fortschrittlich gesinnten algerischen Juden g^oße Aufregung hervor; sie protestierten gegen eine Ausnahmsstellung und machten dem Konsistorium das Recht, im Namen aller zu sprechen, streitig. Wie wir an kompetenter Stelle erfahren haben, beträgt die Einnahme aus der Fleischsteuer zirka 120 000 Francs jährlich (bei einer Taxe von 20 Centimes per Kilo). Davon wird das algerische Gemeinde- Aus der ausgezeichnet geschriebenen und interessanten Broschüre: „Von Wien nach Sebdon" von Frau Rosa Feigenbaum-Paris. Das Heu wird zugunsten des Erhol 'iigsheims des „Frauenhort" verkauft. Preis 1 K-one. Die Firma Stern und Steiner bat wegen des wobltätigen Zweckes den Druck kostenlos übernommen und der Ver'^g E^en^em n. Ec>. IX , Wäbrmgerstraüe 2 besorgt n»eioennützig den Berlneb. Der Ertrag kommt armen Mädchen zugute.

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