Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 696 Dr Dwcv s Mocvenscdrm Nr. 41 Wir hoffen, daß unser Appell an das gute jüdische Herz nicht ungehört verhallen wird, und bitten, allfällige Spenden an unseren Vereinskaffier Herrn H. N e u h a u s, XX., Brigittenauerlände 18. gelangen zu laffen und werden diese Spenden in unserem Jahresbericht dankend ausgewicscn werden. Hoch-ch.nng-vM für den Verein „Neuer Freundschaftsbund" der Obmann Julius Wottitz. Vom jüdischen Handwerk. Ein alter, renommierter Tischler feiert am 11. November d. I. sein 30jähriges Jubiläum. I. Kulka, Tischlermeister, seit 46 Jahren dem Handwerk angehörend, ist seit dem Jahre 1876 im I. Wiener Bezirk, Palais Sinnay, Sterngasse 3 etabliert, und seit seiner 30jährigen Meisterzeit blieb er auch' die ganzen Jahre im selben Hause, wo sich noch immer die Arbeitsstätte befindet. Tischlermeister I. Kulka wurde im Jahre 1860 als Lehrjunge im israelitischen Handwerkerverein ausgedungen und hat nach seiner Lehrzeit mehrere Jahre bei Wiener Tischlermeistern gearbeitet. Durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit im Fache der Tischlerei verbreitete sich sein Kundenkreis, zu welchen auch die Kultusgemeinde seit 24 Jahren zählt. Herr I. Kulka hat 18 Lehrburschen, wovon mehrere selbstständige Meister sind, ausgebildet. Wien. (Spende.) Für die unglückliche Mutter des Leopold H i l s n e r find uns unter M. B. K 10.— zugekommen. Wien. (Spende.) Für die Hinterbliebenen der unglücklichen Opfer in Rußland haben wir vom Herrn Jakob Ehrlich in Przemysl K 10.— erhalten. Brünn. Alle guten Juden gedachten an den letzten Feiertagen mit Wehmut unserer Brüder in Rußland, die einer noch nie dagewesenen Barbarei zum Opfer fielen. Es war hier im Bethause der hiesigen polnischen Kolonie: der Vorbeter Herr Schulmann trug in schlichter, aber eindringlicher Weise das in Ihrer vorwöchentlichen Nummer veröffentlichte LI mole vor und alle Anwesenden weinten mit. Und diese Tränen erneuerten sich, als dann Herr Rabbinatsaffessor Steif in seiner wirkungsvollen Predigt jener Opfer gedachte, die für LLää686d haszem fielen. Laibach. Seit mehr als 25 Jahren haben sich Juden in Laibach angesiedelt und sind heute auf zirka 120 Seelen angewachsen; trotz dieser großen Anzahl ist es bisher nicht möglich gewesen, einen Gottesdienst, zumindest an den hohen Feiertagen, abzuhalten. Es muß vorausgeschickt werden, daß sehr viele gut situiert sind und ihnen nicht im geringsten materieller Schaden durch Bekennung zum Judentum erwachsen würde. Zum erstenmale wurde am Versöbnungstagc über Veranlassung des Herrn Leopold Müller, Gesellschafter der Firma Markus und Müller, der auch seine Wobnung zur Verfügung stellte, ein feierlicher Gottesdienst abgehalten und war dieser von 30 Personen besucht gewesen. Die geringe Teilnahme ist darauf znrückzuführen. daß es erst tagsvorher bekannt wurde. Herr Müller, der erst kurze Zeit hier ist, hat bewiesen, wie notwendig es ist, daß die ansäffigen Juden eine Gemeinde bilden, damit es auch für die Zukunft möglich ist, seinen religiösen Gefühlen Nachkommen zu können. Rosenbetg (Böhmen). Nicht nur unsere Kultusgemeinde, sondern das ganze Judentum hat einen derben Verlust erlitten. „Zadik owad, ledaurau owad.“ Unser erst vor Kurzem in Ruhe getretener, in den weitesten Kreisen bestbekannter, frommer und gelehrter Rabbiner Herr Philipp Lederer, „sseber zadik liwrocho“, ein scharfsinniger Talmudist nach der alten Schule, Verfasser vieler geschätzter Werke, wurde nach kurzem Krankenlager im 73. Jahre seines gottgeweihten Lebens am ersten Tage des Sukkotfestes in ein besseres Jenseits abberufen. Um den Verklärten trauern eine trostlose Witwe und 2 Söhne, von denen der eine der bekannte k. k. Stabsarzt.Herr Dr. Julius Lederer, der andere Assistent der k. k. Staatsbahnen ist. Welcher Achtung, Liebe und Wertschätzung sich der Verklärte nicht nur in der Kultusgemeinde selbst, sondern auch in allen Gesellschaftskreisen der Stadt erfreute, zeigte sich in der regen Beteiligung an seinem Leichenbegängniffe, welches am zweiten Tage deS Sukkotfestes stattfand. Der Stadrpfarrer samt seinem Kooperator, zwei edle katholische Priester, der Bürgermeister an der Spitze der Stadtbertretung und alle Lehrer der hiesigen Schulen nahmen an demselben teil und begleiteten die Leiche bis in den Friedhof. Sein Amtsnachfolger unser Herr Rabbiner I. Schulhof, eine gute Akquisition, ein eloquenter Redner, widmete seinem Kollegen einen alle Herzen ergreifenden, tief empfundenen Nachruf. Das Andenken dieses großen, edlen, frommen und gelehrten Rabbis und Lehrers wird in unserer Gemeinde nie erlöschen. Neustadt! (Böhmen). In unserer Kultusgemeinde wurde Se. Ehrwürden Herr Adolf A l t m a n n, vormals Prediger und Religionslehrer in Ung.-Brod, einstimmig zu unserem Rabbiner gewählt. Der junge Seelsorger hat am verflossenen Jom-Kippur mit seiner Amtstätigkeit begönnen und haben dessen Leistungen während der hohen Feiertage die Erwartungen, die wir gemäß seines ganz bedeutenden Wissens, seiner Qualifikation und seines außerordentlichen Rednertalentes in sein Wirken gesetzt haben, ganz und voll gerechtfertigt. Budweis. Die israelitische Kultusgemeinde Budweis gibt trauernd Nachricht von dem am Abend des 6. Oktober 1906 im 82. Lebensjahre erfolgten Hinscheiden des Herrn David B u l l a t y, Ehrenmitglied der israelitischen Kultusgemeinde in Budweis. Der Verblichene wirkte durch viele Jahre als Synagogenvorsteher und Vorsteher dieser Kultusgemeinde; seine Verdienste im Dienste der Oeffentlichkeit und des Gemeinwohles, insbesonders um den Bau unseres Tempels sichern ihm ein ehrenvolles, dauerndes Gedenken. Die irdische Hülle des Dahingeschiedenen wurde Montag, den 8. Oktober 1906, um 2 Uhr nachmittags bestattet. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Budweis, am 8. Oktober 1906. Der Vorsteher: I. U. Dr. I. K o h n. Prag. Der Jüdische Gesang-und Musikverein in Prag, der einzige aus nur jüdischen Mitgliedern bestehende, teilt allen löblichen jüdischen Vereinen, Gönnern und Interessenten höflichst mit, daß er im Laufe der nächsten Tage seine Tätigkeit im vollen Umfange aufnehmen wird. Derselbe besteht aus einer stattlichen Anzahl von stimmbegabten Damen und Herren, die sich bereitwilligst und unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt haben und deren Leitung einem bewährten Fachmanne übertragen wurde. Gleichzeitig wurde dem Verein ein aus geschulten Musikern gebildetes Orchester angegliedert. Der Verein hofft hiemit allen Anforderungen entsprochen zu haben und gedenkt schon in Bälde eine Aufführung zu veranstalten, um einen Teil des Reingewinnes wohltätigen Zwecken zuführen zu können. Leider ist derselbe bei Beginn seines Unternehmens aller Mittel entblößt und wäre nicht im Stande, seine Bestrebungen so zu verwirklichen, wie er möchte, wesbalb sich der ergebenst unterfertigte Verein gestattet, die Mildherzigkeit edler Wohltäter anzurufen, die es ihm ermöglicht, ein dauerndes Bestehen durch eine rasche, materielle Hilfe zu erleichtern. Derselbe will auch der armen jüdischen Jugend Gelegenheit bieten, in ihren Mußestunden durch verschiedenartige. Veranstaltungen bei mäßiger Zutrittsgebühr genußreiche Abende zu besuchen, um so den Geist zu heben und zu fördern. Somit hoffen wir ein edles Werk zu beginnen, was gewiß die vollste Anerkennung bei unseren Glaubensgenossen finden dürfte und dieses Unternehmen bei allen mit Freude begrüßt werden wird. Indem wir für die kleinste Gabe in Voraus 1000fachen Dank erstatten, zeichnen wir mit aller Hochachtung: Für die Ferialleitung des „Jüdischen Gesang- und Mustkvereines, Prag", II., Elisabethstraße 6, II. Stiege, gez. Ernst B l a y. P. S. Geldsendungen übernimmt aus Gefälligkeit: Herr Moritz L ö w y, Prag, I., Zeltnergasse 9, Mezzanin. Zionistische Bürgerversammlung in Binkovee. Am 21. v M. veranstaltete der hiesige zionistische Verein „Zion" eine Bürgerversammlung als scköne Manifestation der zionistischen Idee seitens der jüdischen Bürgerschaft von Vinkovce und dessen Umgebung. Die Versammlung eröffnete in kroatischer Sprache der Präsident Herr Leopold Stein mit einer warmen Begrüßung der anwesenden Herren und Damen. Als erster Redner fungierte Herr Marko Hirschberger; in vollendeter Redeweise sprach er über das Wesen des Judentums, über das jüdische Leben in Haus und Schule und bemühte sich, klarzulegen, daß der Jude nur im Zionismus sein Heil zu suchen habe. Herr Ztuä.-rnoä. Arnold Schön hielt mit begeisternden Worten eine Agitationsrede über den Zionismus. In heftiger Weise griff er die Assimilanten an und wies ihnen das Erniedrigende der bisherigen zwecklosen Assimilationsversuche vor; die zionistische Bewegung erklärte er für den einzigen, zur Lösung der Judenfrage einzuschlagenden Weg. Nach eingehender Betrachtung von Zionismus und Patriotismus, Nation und Religion reftrierte er über die Organisationen und Institutionen in der zionistischen Bewegung, über die schon erreichten schönen Resultate, besonders in Palästina. Zum Schluffe prononzierte er die Notwendigkeit einer aufrichtigen, moralischen nnd materiellen Arbeit. Ltuä. tbeol. et phil. Arpad Hirschberger hielt eine mit Eloquenz gesprochene Rede über „Die hebräische Sprache", die er für unumgänglich nötig zur gründlichen Kenntnis und Wertschätzung der jüdischen Reichtüiner in Wissenschaft. Kunst und Literatur erklärte; die jüdische Nation hat dieselbe aus den Trümmern Jerusalems errettet und sie bis zum heutigen Tage als lebende Sprache erhalten. Cand. jur. Franz Herzog besprach eingehend das Verhalten der kroatischen Presse gegenüber dem Zionismus und verurteilte scharf die Haltung des