Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. JBiocb’s MocdenscbrM. Sette 695 fertigte 4313 Rezepte, darunter 811 gratis an. Nach kurzer Unterbrechung ist sie wieder in Tätigkeit getreten, und zwar zeichnet sie sich vor allen anderen dortigen Apotheken dadurch vorteilhaft aus, daß sie jederzeit, auch an Sabbathen und Festtagen, bei Tag und bei Nacht, den Hilfesuchenden ihre Dienste leiht. Die Eismaschine ist in fortwährendem Betrieb und gewährt zirka 80 Personen lohnende Beschäftigung. Zur Deckung der vom Vereine dafür gemachten Ausgaben fiub, außer den schon im vorjährigen Bericht erwähnten 500 Frcs. von den Pekidim und Amarkelim in Anisterdam, keine weiteren Gaben eingegangen. Für Lehrgelder verwendeten wir 1072 Frcs., für Darlehen 960 Frcs. (denen 1673 Frcs. Rückzahlungen gegenüberstehen), für die Ansiedelung in Ramleh 870 Frcs., für Arbeitsförderung. Armen- und Krankenunterstützungen 732 Frcs., für Beiträge an 4 Petenten aus Jerusalem zur Erlernung eines Berufes in Europa 1100 Frcs., für Unterricht 1755 Frs. I« Hebron sorgt für die Zukunft der Hilfsverein der Deutschen Juden für Unterricht, dessen Zahlung unserem Vereine also nicht mehr obliegt. Von den beiden jungen Leuten, denen wir eine Beihilfe zum Besuch des Lehrerseminars in Hannover gewährten, hat der eine nach glänzend bestandenem Examen bereits eine Anstellung in der Lämelschule zu Jerusalem gefunden; der andere verläßt die Anstalt gleichfalls mit einem guten Zeugnis, um nach Jerusalem zurückzukehren. Um den Gewerbefleiß in Jerusalem zu heben, hat Herr Adelmann bei seinem Aufenthalt in Europa verschiedene Musterstücke anaekauft, die den dortigen Handwerkern als Modelle dienen sollen. Es sind dies namentlich Gegenstände für den Bureaubedarf. Hoffentlich trägt dieser Versuch, der nur einige Hundert Francs kostete, gute Früchte. Bei unserem Vorgehen hatten wir uns des Beirates des neu zusammengesetzten Lokalkvmitees in Jerusalem zu erfreuen. Es besteht aus den Herren Jecheskel Blum, David Feinstein, Malkiel Mani, David Salomon und unserem Agenten Adelmann und hat uns wertvolle Dienste geleistet, für die wir ihm öffentlich unseren Dank aussprechen. Ueber unsere finanzielle Lage mußten wir im vorigen Berichte recht ungünstige Mitteilungen machen. Wir sahen uns in die Notwendigkeit versetzt, unsere Freunde um pekuniäre Beihilfe anzugehen. Mit innigem Danke können wir berichten, daß unsere Gesuche von gutem Erfolge begleitet waren. Insbesondere fühlen wir uns verpflichtet, Herrn Jakob H. Schiff in New-Iork unsere Erkenntlichkeit für den gewährten Jahresbeitrag von 1000 Mk. auch an dieser Stelle anszusprechen. Von den einmaligen Spenden, die infolge unserer Bitten dem Vereine zuteil wurden, seien die Gaben von je 500 Mk. von Frau Baron Edmund von Rothschild in Paris, dem Hilssverein der Deutschen Juden in Berlin und Herrn' Charles L. Hollgarten, hier, sowie 300 Mk. von Herrn Ed. Cohen, hier, besonders erwähnt. Daß unser verehrtes Ausschußmitglied Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi wie immer reichliche Summen gesendet, ist bei diesem Wohltäter des heiligen Landes selbstverständlich. Leider haben wir im verflossenen Jahre einige schwere Verluste zu beklagen. In erster Reihe wollen wir unseres verdienstvollen Verwaftungsrates, des Grand-Rabbin Zadok-Kahn in Paris, gedenken, der allzufrüh seinem segensreichen Wirken entrissen worden ist. An seinem Grabe trauern alle Anstalten, die der jüdischen Wohltätigkeit gewidmet find. Sein Andenken wird zum Segen bleiben. Ein anderer warmer Freund Palästinas und Gönner unseres Vereines ist in der Person des Justnrates Dr. Heinrich Meyer Chon zu Berlin aus dem Leben geschieden. Auch diesem wackeren Streiter für die Interessen der Judenhcit werden wir ein treues Andenken bewahren. Am 16. Mai 1906 fand die Generalversammlung statt. In derselben wurden die ausscheidenden Mitglieder des Verwaltungsrates, die Herren Rabbiner Dr. Horovitz, Professor Dr. Werner, Alfred Geiger, Hermann Cramer, Wilhelm Posen, Sally Goldschmidt in Frankfurt, Em. Baumgarten in Wien und Sir Samuel Montagu, Bart, in London, einstimmig wiedergewählt. Seitens der erwähnten Revisoren, der Herren Simon Bock und Julius Landsberg, war die Kaffe revidiert und richtig befunden worden. Die Entlastung wurde demgemäß erteilt und die gleichen Herren aufs neue zu Revisoren ernannt. Indem wir hiermit nochmals Allen, die im verflossenen Jahre ihre Beihilfe liehen, Dank sagen, bitten wir um fortdauernde Unterstützung im Interesse unserer notleidenden Glaubensbrüder im heiligen Lande, deren Zahl infolge der Einwanderung aus Osteuropa in steter Zunahme begriffen ist. Israel Zarrgwill über seine Pläne. In einer Massenversammlung in N o r w i ch wurde folgendes Schreiben des bekannten, englischen Politikers Zangw i l l verlesen : „Ich hoffe, daß Ihre Versammlung den Erfolg haben wird, Ihre Mitbürger davon zu überzeugen, daß es dringend notwendig ist. ein Asyl für diejenigen Juden zu finden, die in ihren gegenwärtigen Wohnsitzen nicht bleiben können oder wollen. Der Bericht über die neuesten Barbareien in Rußland enthält so viele Scheußlichkeiten, daß man den Ausdruck tierisch anzuwenden sich scheuen muß. Tiere zerfleischen einander im Kampf um die Nahrung. Die in Rußland begangenen Schändlichkeiten aber haben nur einen Zweck, einen geradezu teuflischen Hunger nach Scheußlichkeiten zu befriedigen. Der einzige Lichtblick, der in dem Dunkel gefunden werden kann, ist der Mut und die Hingebung der jüdischen Selbstschutzorganisation; der tapfere Widerstand einer Handvoll junger Leute hat oft ganze Stadtteile zu retten vermocht. Unter diesem beispiellosen Schreckensregiment find sie zu Helden geworden, würdig ihrer makkabäischen Vorfahren. Es ist die Pflicht aller unter günstigeren Lebensbedingungen lebenden Juden, ihren Brüdern zu helfen und durch Unterstützung der jüdischen, territorialistischen Organisation dafür zu sorgen, daß die unglückselige Legion von Flüchtlingen sicher in ein freies Land geleitet wird." Zangwill schließt mit den Worten: „Ich bin erfreut, daß Ihr Meeting die Teilnahme hervorragender Christen findet, die Anteilnahme derselben wird verhüten, daß die Judenheit Christentum und russisch-griechische Kirche verwechselt. Vermischtes. Wien. Augenarzt Professor S. Klein (nunmehr IX.. Mariannengasse 15) ist von feint r langwierigen Krankheit vollkommen wiederhergestellt und hat seine Tätigkeit im vollen Umfange, sowohl in der Privatproxis, als auch in der Poliklinik, im Rothschild-Spital und im Blindeninstitute bereits ausgenommen. An alle jüdischen Ellern und Kinderfreunde. Der Winter mit seinen Schrecken für unsere armen Glaubensgenossen naht heran und gar zahlreiche Familienväter blicken demselben mit Angst und Sorge entgegen. Diese Angst ist ja leider nur zu begründet, denn wieviele jüdische Eltern st-hen vor dem Nichts und wissen nicht, woher die Mittel nehmen, um ihre Kinder in der strengen Winterszeit vor Kälte und Krankheit zu schützen! Wir gestalten uns daher einen Appell an das gute Herz jener Eltern zu richten, die in der glücklichen Lage sind, ihre Kinder vor Winters Ungemach geborgen zu wißen, und an alle Kindrrfreunde und bitten recht herzlich, der armen Kinder gütigst zu gedenken. Die Leitung des Vereines „Neuer Freundschaftsbund zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder", welcher seit 6 Jahren nach Kräften segensreich wirkt, dessen Mittel cs aber nicht gestatten, das Wollen mit dem Können in Einklang zu bringen, bittet daher alle jenen, die ein Herz für arme Kinder habe, uns mit milden Gaben, und wären dieselben noch so bescheiden, in unserem Bestreben gütigst unterstützen zu wollen, denn die Not ist groß.