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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-12 · 41 (12.10.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
41 (12.10.1906)
Date
1906-10-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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rttr. 41 Dr. Blocb s KKUocöcnscDrta Bette H89 Einzige und gründliche Hilfe für die Jndenheit Galiziens. Von Rabbiner Jsak Weber, Magid in Kolonie«. Die Millionen, welche der selige Baron Hirsch zur Hilfe für Galizien in Galizien begraben hat, ohne die mindeste Besserung zu bewirken, beweisen, daß man dieselben in einen löcherigen Sack geworfen hat. Soll eine Hilfe für Galizien gründlich sein, so müßte unbedingt das Grundübel des Elends verschwinden. Dieses Uebel könnte nur auf folgende Weise behoben werden: Es soll eine Rabbinerversammlung, an welcher einige moderne, gelehrte und die maßgebenden orthodoxen Autoritäten teilnehmen, stattfinden, und diese Versammlung soll mit aller Strenge im Namen der jüdischen Religion erklären: 1. Der jüdische Unterricht soll fortan regelrecht und vernunftgemäß erteilt werden, wobei die Fähigkeiten und Anlagen jedes Kindes genau beachtet werden. Der gegenwärtige, ungeordnete Unterricht, der die besten Jahre des Kindes und viel Geld der Väter verschlingt, ist nicht geeignet, etwas Nützliches für das Kind zu schaffen. 2. Jeder Vater oder Mutter sollen verpflichtet werden, ihren Sohn einem Beruf zu widmen, der Arbeit, dem Geschäft oder dem Gelehrtentum rc., mit welchem er in der Welt ehrlich sein Fortkommen findet. In welchem Lebensjahre des Kindes diese Pflicht eintritt, soll die Versammlung bestimmen. Es mag in der großen Welt lächerlich erscheinen, daß man für solche Selbstverständlichkeiten erst Rabbinerversammlungen einberufen muß. Leider ist das notwendig. Noch jetzt leben in Galizien 80 Perzent Juden, die ihre Kinder ganz ohne bestimmten Beruf auswachsen lassen. Ich glaube, die große Welt sieht genug galizische Auswanderer, welche zu nichts Besserem als zum Hausieren geeignet sind. 3. Niemand, mag er noch soviel Mitgift bekommen, darf heiraten, bevor er nachweist, daß er eine Freu mit 2 Kindern aus Eigenem erhalten kann. Bis jetzt ist dies bei 90 Perzent der galizischen Juden nicht der Fall. Man heiratet mit einer kleinen Mitgift, nach der Hochzeit wählt man sich aufs Gerathewohl ein beliebiges Geschäftchen und binnen 3—4 Jahren bleibt eine Familie mit einigen Kindern mittellos in der Welt stehen, welche keinen anderen Ausweg findet als auszuwandern. 4. Jeder soll nach Stand und Möglichkeit sich assekurieren lassen. Es herrscht jetzt eine fanatische Einbildung in der großen orthodoxen Masse in Galizien, sich assekurieren sei ein Verstoß gegen das Gottesvertrauen und deshalb gibts in Galizen Hunderte Witwen mit tausenden Waisen, welche im Elend darben, während ihre Gatten bei Lebenszeit sehr leicht Assekuranzgebühren hätten zahlen können. 5. In 98 Perzent der galizischen Kultusgemeinden findet man keine 10 Kronen flüssiges Kapital. Von Armenunterstützung keine Idee, so daß jeder, der auch nur momentane Unterstützung bedarf, schon zum Bettelstab greifen muß, von welchem er sich nicht mehr befreien kann. Es fehlt in Galizien ganz und gar das Gefühl von der Wichtigkeit einer Armenkasse. Die versammelten Rabbiner sollen auch dafür Rat erteilen. Es sollen Armenunterstützungskassen in jeder Kultusgemeinde gegründet werden. Daß ein Erlaß über alle diese Punkte, gegeben im Namen der jüdischen Religion, unbedingt vor allen Hilfsplänen rangiert, wird jeder beim ersten Blick einsehen. Und daß dies nur durch eine autorisierte Rabbinerversammlung geschehen kann, muß man auch zugeben, denn dem galizischen Juden muß alles Selbstverständliche durch die Religion geboten werden. Warum dies aber bis jetzt vernachlässigt wurde, ist Langes und Breites und hat nichts zur Sache. Am besten wäre es, wenn die hochlöbliche Wiener Kultusgemeinde, welche als Mutter-Gemeinde aller Juden Oesterreichs sich betrachten kann und darf, das Geld zu dieser Versammlung zur Verfügung stellte. Noch besser wäre, wenn die hochlöbliche Wiener Kultusgemeinde die ganze Sache in die Hand nimmt, dann werden noch viele gute Sachen, die so sehr von allen gebildeten und treuesten Glaubensgenossen gewünscht werden, zu Stande kommen. Es mögen aber auch andere Wohltätigkeitsvereine. welche sich für ihre galizischen, leidenden Brüder intereffieren, ihre Aufmerksamkeit auf diesen Plan richten, denn er ist richtig und gründlich. Wir können daher hoffen, daß diese Arbeit keine Gegner finden wird. Natürlich muß noch manches zuvor mündlich besprochen werden. _v Entdeckung de» wilden Urmeixen» in Palästina. Von Prof. G. Schweinsnrth. Das naturhistorische Hofmuseum zu Wien besitzt seit fünfzig Jahren das Exemplar einer Grasart, an das sich kulturhistorische Fragen von größter Tragweite knüpfen und das aus diesem Grunde Gegenstand vieler Kontroversen geworden ist. Nach dem Urteil des Altmeisters der Cerealienkunde, des Geh. Rats Prof. Körnicke in Bonn, dürfte man die Pflanze als die wilde Stammart unseres Kulturweizens betrachten. Der österreichische Botaniker Theodor Kotschy hatte sie auf einer seiner zahlreichen Orientreisen bei Raschaja am Hermvn ausgelesen, die Bedeutung seines Fundes aber nicht geahnt. Ueber das wilde Jndigenat der Pflanze sowie über den Grad ihrer Verwandtschaft mit dem Kulturweizen wurden Zweifel geäußert, obgleich Körnicke, der die Pflanze in feiner Monographie der Getreidearten (1885) unerwähnt gelassen, weil infolge eines unglücklichen Zufalls die im Wiener Museum gemachten Notizen verlegt waren, nachträglich mit voller Bestimmtheit und im bejahenden Sinne sein Urteil abgegeben hatte. In den Verhandlungen des Naturwiffenschastlichen Vereins für Rheinland und Westfalen hatte Körnicke dann 1889 die Kotschysche Pflanze genau beschrieben und sie als die Wildform des Emmers (Iritieam dieoeeam) mit dem Namen var. dicoccoides bezeichnet. Körnicke hatte an dem einen Exemplar des Wiener Museums auch den Beweis erbringen können, daß die Pflanze als eine wildwachsende, nicht etwa als eine verwilderte Form oder ein Kulturflüchtling zu betrachten sei. Es ist bekannt, daß unsere Getreidearten sich bisher noch in keinem Lande der Welt (es sei denn das Einkorn in Südwest-Frankreich) als verwilderte und dauerbeständlge Formen verbreitet und eingebürgert haben, zudem wird auch die der Hermonpflanze nächstverwandte Unterart des Kulturweizens, nämlich der Emmer, heutigen Tags in Vorderasien nicht mehr angebaut. Man hat bisher Emmer weder in Kleinafien noch in Syrien irgendwo angebaut gefunden, aber Hausknecht hat die primitive Form des Kulturweizens im Lande der Bachtyaren, des alten rätselhaften Völkerrestes von Luristan, angetroffen. Mittlerweile waren viele Jahre verflossen, ohne daß es aller Bemühungen ungeachtet möglich gewesen wäre, Genaueres über das Vorkommen und die weitere Verbreitung der interessanten Grasart vom Hermon in Erfahrung zu bringen. In diesem Sommer ist es endlich dem in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen wohlbewanderten Agronomen Aaronsohn gelungen, die von Kotschy bei Raschaja gefundene Pflanze auch am Südostabfall des Hermon bei Arny und, was in Anbetracht der genaueren Erforschung des Westjordangebietes noch mehr überraschen muß, auch bei Rosch-Pinah und an den Ostabfällen des Dschebel Safed und Kanaan einzusammeln, überall in reicher Verbreitung. Rosch-Pinah ist eine jüdische Agrikulturstation von 800 Seelen in der Nähe von Dschaune und in Nordwest vom See von Liberias gelegen. Aaronsohn, der seine Ausbildung auf der landwirtschaftlichen Hochschule zu Grignon erhielt, ist der Sohn eines Kolonisten von Zichron- Jakob, (Erinnerung an Jakob, eine Stiftung von James Rothschild) bei Haifa und von Jugend aus in ländlichen Verhältnissen erzogen. Seit etwa 2‘/2 Jahren hat Aaronsohn im Aufträge der Zionistischen Kommission zur Erforschung von Palästina als Geologe und Botaniker verschiedene Erkundigungs- und Forschungsreisen ausgesührt, davon zwei in Begleitung Dr. Blanckenhorns, des besten Kenners der Geologie jener Gegenden.

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