Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 40 (5.10.1906)
- Date
- 1906-10-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Gelte t>76 Nr. JHocd ö HUlocDenscDcm. Sh. 40 schule in Jaffa soll nach Einrichtung der kommerziellen Kurse in Jerusalem zur gegebenen Zeit eine Erweiterung erfahren, damit die Absolventen der Schule in Jaffa möglichst zweckentsprechend für diese kommerziellen Fortbildungskurse vorbereitet sind. Es wird beabsichtigt, eine Farm mit Milchwirtschaft und Viehzucht in der Nähe Jerusalems anzulegen. Auf dieser Farm soll den Seminaristen Gelegenheit geboten werden, sich praktisch in der Landwirtschaft auszubilden, während sie im Seminar selbst zugleich theoretischen Unterricht in der Landwirtschaft von einem erfahrenen Agronomen erhalten sollen. — Ferner wurden bewilligt: Für die Zentralbibliothek in Jerusalem 2000 Frcs. Für die Talmud-Thora-Schule der Sephardim in Jerusalem, die damit umgeht, unter Wahrung ihres spezifisch religiösen Charakters den Unterricht den Erfordernissen der Zeit anzupassen, hat der Hilssverein für das bis zum April 1907 lausende Schuljahr 350 Frcs. gewährt. Der Galil-Loge in Sased, die ein Eigenes Heim für den dortigen Kindergarten errichtet, ist gemäß dem vorliegenden Anträge ein Darlehen von 500 Frcs. vorgestreckt worden. Der Bauplatz ist bereits erworben; ein Spielplatz für die Kinder steht ebenfalls zur Verfügung. Der Or-Thora-Schule für religiösen und gewerblichen Unterricht in Sased — einer Gründung der Misrachi-Zivnisten — wurden bis zum April 1907 400 Frcs. bewilligt. Es wird angestrebt, das Schulwesen der Stadt zu vereinheitlichen und alsdann allmählich umzugestalten. Auf Antrag der Jeruschalaim-Loge und des Jerusalemer Frauenvereines Esrath-Naschim sind für 7 russische Waisen und Emigrantenkinder 2000 Frcs. zur Verfügung gestellt worden. Ebenso wurden 1000 Frcs. für Stipendien des Lehrerseminars resp. der Präparandie, die Emigranten verliehen werden sollen, bewilligt. Dem Schaar Zion Hospital in Jaffa, das durch den Zuzug von Emigranten gleichfalls in außergewöhnlicher Weise bklastet ist, ist eine Zuwendung von 500 Frcs. gemacht worden. Von den ferneren Bewilligungen in den Sitzungen seien noch erwähnt: Für die Or-Thora-Schule in Konstantinopel eine Extrasubvention von 3000 Mk. für das Jahr 1907. Für einen Lehrer und Schochet in Eschkischeher an der anatolischen Bahn 900 Frcs. Für die Haushaltungsschule Lumina in Galatz (Rumänien) 1700 Frcs. zur Angliederung einer fünften Klasse. Die Schülerinnen werden nunmehr im Kochen, Waschen, Plätten, Nähen, Schneidern, Flicken, sowie auch theoretisch im Haushaltungswesen unterwiesen. Für die Dotierung eines zweiten deutschen Lehrers an der Schule der deutsch-israelitischen Gemeinde in Philippopel — den ersten hat der Hilssverein gleichfalls gestellt — werden die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Die Subvention von 3000 Mk. für die Handelsschule Cultura, an der ein gleichfalls vom Hilfsverein gestellter Lehrer als Direktor tätig ist, wurde erneuert. Auf Antrag des Herrn Siegmund Berget wurde beschlossen, die galizische Subkommission des Hilfsvereines durch Kooptation von Wiener und galizischen Delegierten zu vergrößern, die sich in umfassender Weise mit der Aktion für Galizien beschäftigen sollen. Kommerzienrat Adolf Kantorowiez. Posen. Der Kommerzienrat und Stadtrat Adolf Kantorowiez, der am 12. Jänner l. I. unter Teilnahme der königlichen, Provinzial- und städtischen Behörden sowie weiter Kreise der Bürgerschaft Posens sein silbernes Jubiläum im ehrenamtlichen Dienste der Stadt Posen beging, ist am 10. v. M. gegen Abend nach kurzem Krankenlager gestorben. Vor zwei Tagen erkrankte er an Herzkrämpfen, die schließlich mit einem Herzschlag endeten. Der Verstorbene war am 16. November 1836 geboren, hätte demnach in einigen Wochen seinen 70. Geburtstag begehen können. Er war Begründer der bekannten Eisenwaren-Engros-Firma Adolf Kantorowiez, aus der er gelegentlich seines 50jährigen Berufsjubiläums am 1. Juli 1904, nachdem er die Firma zu ungeahnter Blüte gebracht hatte, ausschied. Kommerzienrat Adolf Kantorowiez bekleidete über ein Vierteljahrhundert eine Reihe städtischer Ehrenämter, und zwar zunächst als Stadtverordneter, darauf als unbesoldeter Stadtrat. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er zum Provinzial-Landtagsabgeordneten der Stadt Posen bei der Errichtung des Provinzial-Landtages gewählt und gehörte ihm seit dieser Zeit ununterbrochen an. Zahlreichen gemeinnützigen und Wohltätigkeitsvereinen gehörte er gleichfalls als Vorstandsmitglied an. In allen diesen Stellungen hat er mit regem Eifer und großer Hingebung gewirkt, sein Andenken wird daher in weiten Kreisen der Stadt Posen im Segen sortleben. Die Beerdigung fand am 21. v. M. unter der Teilnahme weiter Kreise der Stadt und der Provinz Posen statt. In dem stattlichen Leichenzuge bemerkte man die Spitzen der königlichen, Provinzial- und städttischen Behörden und anderen, den Oberpräsidentell von Waldow, den Regierungspräsidenten Krechmer, den Landeshauptmann Dr. von Dziembowski, den Vorsitzenden des Provinzialausschusses der Provinz Posen, Landschaftsrat von Günther, den Polizeipräsidenten von Hellmann, den Oberbürgermeister Doktor Wilms; das Magistrats- und Stadtverordneten-Kollegium, sowie die städtische Beamtenschaft waren vollzählig erschienen. Dem Leicheuzuge voran schritten ein Feuerwehrzug in Paradeuniform unter Führung seines Leutnants Dr. Schulz, sowie die Magistrats-Unterbeamten und die Beamten der Polizeiverwaltung. Diesem folgte ein Magistratsbote mit einem Sammetkissen, auf dem die beiden Orden des Entschlafenen, der Rote Adler-Orden und der Kronen-Orden vierter Klasse, lagen. Rabbiner Dr. Bloch hielt im Trauerhause in ergreifenden Worten die Gedenkrede, in welcher er die Liebe des Verstorbenen zu seiner Familie, die Treue gegen Stadt und Staat, seinen tief religiösen Sinn schilderte. — In der am Samstag abgehaltenen außerordentlichen Magistratssitzung gedachte vor Eröffnung der Oberbürgermeister mit warmen Worten der langjährigen verdienstvollen Tätigkeit des Verstorbenen im städtischen Gemeinwesen. Jüdische Geschworene. Eine Entscheidung des BrombergerGerichtes. Berlin, 28. September. In Bromberg hatten die jüdischen Geschworenen beantragt, daß sie heute, da Nachmittag der Versöhnungstag beginnt, von der Teilnahme an der Gerichtssitzung dispensiert werden. Der Staatsanwalt hatte dagegen nichts einzuwenden, der Gerichtshof lehnte das Gesuch ab und folgte dabei einer beim Bromberger Landgericht immer geübten Praxis, die, wie der Vorsitzende ausführte, von der höchsten gerichtlichen Instanz gebilligt wurde. Der Beginn der Schwurgerichtsperiode falle gewöhnlich in den September und in diesem Monat gäbe es auch viele hohe jüdische Feiertage, was bei der großen Anzahl jüdischer Geschworenen sehr leicht zu Erschwerungen führen würde. Das Oberlandesgericht Posen habe ein solches Gesuch gleichfalls abgelehnt. Zur russischen Jndenfrage. Petersburg, 25. September. Im Ministerium des Innern ist ein sehr voluminöser Bericht in der Judenfrage fertiggestellt worden, welcher den Charakter einer Vorlage für das Ministerkabinet trägt und als Basis bei seinen Beratungen über diese wichtige Frage dienen soll. Obwohl die Herstellung des Entwurfes in großer Heimlichkeit vorgenommen wurde, um jede vorzeitige Veröffentlichung daraus zu vermeiden, sickert doch manche interessante Einzelheit durch. Vor allem sei betont, daß dem Entwurf jede liberale Auffassung der Judenfrage fehlt; der Entwurf hält sich vollständig im Rahmen der Judenpolitik Plehwes. Gerade in der Judenfrage war Plehwe jedem Argument unzugänglich, er konnte in der Unterhaltung sogar auffahren, wenn man seinen Ansichten widersprach. Er hielt unentwegt an den Satze fest, „daß das Judentum das revolutionärste Element in Rußland" wäre und den Hauptrevolutionsherd bildete. Diesen Ausspruch habe ich selbst oft von ihm gehört, aber ich mußte jeden Versuch, ihn zu einer anderen Meinung zu bekehren, aufgeben, weil diese Ansicht vom ganzen Ministerium gehegt und genährt wurde. In dieser Tendenz wurde jeder Bericht des Polizeidepartements abgefaßt, und nie wollte der allmächtige Minister auch nur ein Wort davon hören, daß die Regierung selbst die Juden auf den Weg der Revolution gestoßen habe.