Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 40 (5.10.1906)
- Date
- 1906-10-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Jßioco r> TCilocbenscDnn. Sette 673 jederzeit und jedem Anfragenden Auskunft zu geben über alle Routen, die durch Basel führen Adresse: Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer, Basel, Hochstraße 34. Die jüdischen Zeitungen werden höflichst gebeten, obige Mitteilungen nachzudrucken. Ei» Fiasko der Schächthetzer. Frankfurt a. M. Ueber die Tötung der Schlachttiere mit dem Schußapparat, über die auch die Versammlung des deutschen Fleischerverbandes jüngst ein sehr absprechendes Urteil gefällt hat, liest man in der „Allgemeinen Fleischer-Zeitung" folgende Ausführungen: „Daß der Schußapparat, wie er bisher bei den amtlichen Versuchen auf dem Berliner Schlachthof benutzt worden ist, zur geplanten zwangsweisen Einführung nicht geeignet ist, haben die Herren, die mit diesen Versuchen betraut sind, der Direktor der städtischen Fleischbeschau Reißmann und der Obertierarzt Dr. Bongert, bereits selbst erkannt. Direktor Reißmann erklärte schon nach dem ersten Fehlschuß, daß von einer Einführung dieses Apparates nicht die Rede sein könne, und wollte eigentlich die Versuche sofort abbrechen. Es ist seit jenem verhängnisvollen Mittwoch (an welchem der Apparat dreimal versagte) bisher auch nur noch ein einziger Versuch gemacht worden und zwar am letzten Montag an einer Kuh des Großfleischermeisters Ernst Lehn, bei der der Apparat in der Hand eines besonders geübten Beamten auch funktionierte. Wenn überhaupt in den nächsten Tagen noch weitere Versuche folgen werden, so werden sie sich immer nur auf Kühe, höchstens auf Ochsen, nie aber auf Bullen erstrecken, da man sich bereits zur Genüge überzeugt hat, daß bei Bullen der Apparat fast immer versagt. Man hat inzwischen aber bereits angeordnet, daß stärkere Patronen angefertigt werden, und will dann mit diesen eine neue Versuchsreihe beginnen; ob mit weniger Mißerfolg, wird die Zukunft lehren. Wenn man aber erwägt, daß die Anwendung des Schußapparates schon jetzt bei den schwachen Patronen eine große Kraft erfordert, so kann man sich eine Vorstellung machen, welche Kraftmenschen dazu gehören, um Apparate mit stärkeren Patronen, also auch mit erhöhtem Rückschlag, zweckentsprechend anznwenden. Die Sache steht also für die Verteidiger des Schußapparates herzlich schlecht, und da sich die Herren, welche hier mit den amtlichen Versuchen betraut wurden, schon darüber klar geworden sind, daß d-e zwangsweise Einführung des Apparates nur dann empfohlen werden könne, wenn sie auch tatsächlich erhebliche Vorteile gegenüber dem jetzigen Verfahren des Schlagens bringe, solche Vorteile sich aber beim besten Willen nicht heransfinden lassen werden, so ist die Sache für Berlin eigentlich schon jetzt abgetan und zwar, wie schon wiederholt betont, umsomehr, weil bei Anwendung der Schnßapparate, wie sie auch beschaffen sein mögen, die Qualität des Fleisches ganz entschieden leidet. Das hat sich in ganz evidenter Weise auch in Amsterdam erwiesen, wo man gleichfalls auf Betreiben der Tierschutzvereinler für alle Fleischer, die Mitglieder der Fleiichervereinigung „Eensgezindbeit" sind, den Gebrauch eines Schußapparates, der sogenannnten Schußmaskc. obligatorisch eingeführt hatte. Wie der Vorsitzende der genannten Vereinigung, A. W. Dake, bestätigt, wurde aber nach drei Monaten in der Sitzung der Metzgervereinigung „Eensgezindheit" einstimmig der Beschluß gefaßt, die Schußmaske fortan nicht mehr zu benutzen, weil man die Erfahrung gemacht hatte, daß das Verbluten nach dem Gebrauche der Schußmaske ein unvollkommenes ist, wodurch dos Fleisch eher dem Verderben ausgesetzt ist, daß ferner gewöhnlich infolge des plötzlichen Niederstürzen des Tieres eine Verletzung zwischen dem Ober¬ und Unterschenkel entstand und daß auch das Darmfett von Blut durchlaufen war, so daß, wie der Vorsitzende der Vereinigung wörtlich betonte, „wir oft bedeutenden Schaden erlitten und froh waren, die Sache los zu sein". Der Versuch ist also auch in Amsterdam, wo man zuerst mit großer Begeisterung an die Sache herangetretcn war. vollständig mißlungen." Aehnlich äußern sich die „Dresdner Neuesten Nachrichten" über die in Dresden mit dem Schußapparat gemachten Erfahrungen, denen zufolge der Apparat dort nicht eingeführt wurde. Das Blatt bemerkt schließlich: „Die Tierschutzvereine haben sich energisch für die Einführung des Apparates verwendet. Nach all den Mißerfolgen dürfte aber die Sache als abgetan zu betrachten sein." Die Familie Dreyfrrs (Trifuß) in Baden und der Schweiz. Sengenau und Endingen waren zwei große, bedeutende Dörfer in der Grafschaft Baden. In jedem dieser Orte besteht ein Gotteshaus, nur haben diese zwei Gemeinden ein gemeinschaftliches b»ti n*r. Dieser Friedhof wurde den Gemeinden daselbst deßhalb bewilligt, weil ihre ehemalige Grabesstätte am Rhein öfters überschwemmt und verschwemmt wurde. Auf diesem Dvn n'S befand sich ein Grabstein mit dem Text: liier ist verborgen cier Eereebte, und warbaft iVlann der Beseirneider Üegent und b'iibrer Josüa Sanft Mordechai Trifus starb Und ward begraben mit einem guten Namen am fünften Tag — — — im Jahre 1758. Es soll seine Seel eingebunden seyn im Bund des Lebens. Jedenfalls war dies ein Urahne der Familie Dreyfuß und die in der vorwöchentlichen Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" vorkommende Benennung „Die Religion der Person" bezieht sich auf den Beruf der Mohelschaft. Laut einer Geschichtsschreibung der Schweiz war Baden das Asylum der Juden in Helvetischen Landen.*) „Am 10. August 1728 ist dem Juden Tfcheynli Tryfus für seinen zukünftigen Tochtermann der Schirm, als einem Grafschaft Badischen Juden, auch occordirt worden, soll auf jeden Sessel ein Ducaten erlegen. Protoc. Jahr 1728. § 33." Es wurden in diesem Jahre den Juden Schirm Briefe auf 16 Jahre gegen Entrichtung der Brästandorurn. auch des gewohnten Schirm-Gelts ohne weitere Extension mehrerer Rechte bewilliget. Ebenso kommt A. 1749 Bad. Absch. 8 7 vor: „Jud Raphael Pickard bittet um den Schutz für seinen Vettern und Enkel Joseph Pickard. Es wird ad referendum genommen." In diesen zwei Gemeinden war auch einst der uns leider vor zwei Jakren verstorbene Rabbiner und Gelehrte Dr. M. K a y s e rl i n g Seelsorger. Dieser erzählte unter anderem, daß die berühmte und gelehrte Familie G ü gen heim daselbst Sitz und Heim batte. Diese zwei Gemeinden bestanden schon im Jabre 1658 und der Rabbiner hatte Hn jährliches Salarum von -.00 Gulden ohne die Akzidenzien, welche allezen beträchtlich waren. Albert L ö w. Dante, Petrarca, Boceaeeio Plagiatoren. (Heitere Entbüllunge n.) Als neue literarische „Sensation" wird jetzt die Entdeckung oder Enthüllung angeküiidigt. Dante sei nicht der Verfasser der „Göttlichen Komödie". Ein Züricher Verleger kündigt eine Schrift an. die „mit mehr als hundert Beweisen" dartun solle, ein jüdischer Ar:t sei der Verfasser aller Dante zugeschriebenen Schriften. In der Einleitung schreibt der Entlarver Michael Sinowitz: „In den Gelehrtenkreisen und besonders iu denen der Theologen herrscht schon längst kein Zweifel mehr darüber, daß in das „Alte Testament" von jüdischen Schriftstellern und Gelehrten des alten Judentums Bücher eingeschoben worden sind. Im Jahre I960 gab ich mein „Licht und Wahrheit" heraus und in demselben brachte ich unumstößliche Beweise dafür, daß das ..Nene Testament", die „römischen und ariechischen Klassiker" unter Leitung und Oberaufsicht des Fürsten Rabbi Jehuda I. von jüdischen Schriftgelehrten verfaßt worden sind. Einer seiner Hauptmitarbeiter, Rabbi Meier, hat nach dem Sanhedrin, Seite 38, allein 300 Werke in fremden Sprachen verfaßt. Alle diese unterschobenen Bücher und Schriften wurden im zweiten Jahrhundert geschrieben; sie waren für die Heiden bestimmt und sollte durch ihre Verbreitung die Gründung der christtichen Religwn angebahut werden. Im vierten Jahrhundert bat dann der Fürst Rabbi Hillel II, ein Urenkel des Fürsten Rabbi Jehuda, die Apokipphen aus dem neuen Testament ausgeschieden. Dies.r hat auch die K'rchevgeschichten und das Märchen vom Konzilium von Nicea verfaßt. Warum die Verfasser des Talmud, die alten jüdischen Schrifrgelehrten, sich die Unterschiebung all dieser Werke und vieler anderer haben zuschulden kommen lassen und was sie damit bezweckten, habe ich in meinem Werke „Licht und Wahrheit" genau behandelt und gründlich beleuchtet. Aber auch warum die Juden des alten Roms die Danteschen Schriften verfaßt und unterschoben haben, ist von mir in der Vorrede zu meinem Werke „Schlüssel zu Dante Alighieris Werk „Das neue Leben" bis auf das Kleinste behandelt und erläutert worden." Ein berühmter jüdischer Schriftsteller Kolonymus beu Kolonymus verfaßt mit Beihilfe von zehn gelehrten Juden, die meisten derselben waren jüdische Aerzte, nicht weniger als 51 Werke, Erzählungen, wissenschaftliche Abhandlungen religiösen und philosophischen Inhalts usw. Das eme dieser Bücher BAgeret Beale Chaim" schließt mit den Worten: „Gebe Gott, daß die gelehrten und frommen Juden verstehen sollen die Geheimnisse, welche die 51 Bäcker enthalten". Unter diesen 51 unterschobenen Büchern habe ich zunächst drei hebräische Werke herausgefunden. Sodann aber fand ich die heutzutage unter den Namen von Boccaccio, Albert Magnus von Köln, Petrarca, Thomas von Aquino, Dante Alighieri kursierenden Werke in diesen Schriften des Kolonymus ben Kolonymus und seiner jüdischen Mitarbeiter. In einem besonderen Werke werde ich mich mit dieser Tatsache näher befassen und meine Behauvtungen mit Beweisen belegen — für heute bleibe ich bei Alighieri Dante! *) Johann Caspar Ullrichs Sammlung.