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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Lsene 661 .i.,;a»••■«««» --»«hok:ästssss_• 'yr'» t nraarffitirnwzaa Nr. 89 Dr. Vloch's WochenfrtzrM. Plötzlich mitten-in ihrem Zorn und ihrer Bezweiflung, wobei sie sich trotzdem nicht vorstellen konnte, daß das alles Ernst sei, stieg ein Gefühl in ihr auf, das sie immer mehr bedrückte. Sie dachte, daß dieses liebe komische Wesen so ganz allein in dem Speisezimmer unten stehe und sicherlich verletzt sei durch ihr Benehmen. „Tamara", sagte sie, als die Haushälterin erschien. „Unten ist ein Mann, der sicherlich hungrig ist. Gib ihm zu essen und zu trinken!" „Aber warum hast Du ihm nicht selbst schon lange etwas gereicht. Du weißt, daß ich heute faste. Aber übrigens, wer ist es denn und was wünscht er?" „Geh und schau Dir ihn an!" brach Flora aus. „Es ist einer Deiner Art — ein Talmudgelehrter, eine fromme Seele", fügte sie mit boshaftem Lächeln hinzu. Tamara warf ihr einen unwilligen, vorwurfsvollen Blick zu und ging hinunter. Als Asriel kam, erklärte er, daß Schaya nicht Rabbiner, auch nicht wie die amerikanischen Herren gekleidet sein werde, aber daß er ein frommes Leben führen und seine Zeit nur dem Talmudstudium widmen werde und das teilweise zu Hause, teilweise in den Synagogen. „Wozu habe ich mein ganzes Leben gearbeitet?" sagte er. „Ich bin nur ein Bauer, meine Tochter, und wie lange werde ich noch leben. Raube mir nicht diese Freude auf meine alten Tage, Flora!" — Tamara nickte zustimmend. „In unserer Heimat würde sich ein Mädchen glücklich fühlen, einen Mann der Thora heiraten zu dürfen", sagte sie mißbilligend. „Das ist nur hier, daß wir Sünder sind und daß die Mädchen nur weltliche Männer heiraten wollen. Möge jede gute Tochter Israels mit so einem Mann gesegnet werden!" „Kümmere Dich um Deine eigenen Angelegenheiten, Tamara!", brauste Flora auf. Sie hatte ihres Vaters Erklärungen nur halb verstanden und sie halten den entgegengesetzten Erfolg, den er bezweckt hatte.. .. . „Laß sie allein", flüsterte Asriel. „Der Sturm wird sich legen." Als Asriels Gepäck anlangte, sah Flora staunend, daß einige Kisten Bücher dabei waren- Es waren durchwegs hebräische Werke. Sie waren von verschiedenem Aussehen, aber 17 waren von ganz gleicher Form und Größe, dicke Foliobände in Leder gebunden und mit Gold verziert. Von diesen Büchern enthielten zwölf den ganzen babylonischen Talmud mit allen Kommentaren, die übrigen fünf enthielten die Alphos. Außer diesen war noch eine Kiste Bücher da. Diese erhielten einen Ehrenplatz im Speisezimmer und Asriel und Tamara waren bemüht, sie auf Regalen unterzubringen. Flora beobachtete alles mit sarkastischer Miene, bis Tränen in ihre Augen traten und sie sich schnell auf ihr Zimmer zurückzog. Dort warf sie sich auf den Boden und schluchzte, als ob ihr das Herz brechen wollte. Der Inhalt aller dieser Bücher, die ihr Vater für den Wunderknaben mitgebracht hatte, waren für sie chinesische Dörfer. Sie hatte noch nie so viele hebräische Bücher gesehen und hatte auch nie recht aufgemerkt, wenn man über solche gesprochen hatte. Jetzt fürchtete sie sich vor ihnen, als ob sie einen geheimnisvollen Zauber ausströmen würden. Der Wunderknabe war sehr beschäftigt, seine Bibliothek einzurichten und öffnete hie und da ein Buch, um einen Blick hineinzuwerfen. Als er gerade vor einem Sessel gehockt hatte, auf dem er die Seiten eines Riesenbandes umwandte, fuhr er, durch eine berühmte Stelle gefeffelt, fort, das Buch durchzublättern, bis er ganz absorbiert davon in einen eigentümlichen Sing-Sang verfiel, der durch allerlei Gesten begleitet war, die zum Lesen des Talmuds ebenso nötig zu sein scheinen wie die Augen. „Schau, schau", sagte Tamara und stieß Asriel an, dem sie geholfen hatte, die Bücher unterzubringen. Asriel kehrte seinen Kopf dem Gelehrten zu und nun standen die Beiden und gafften den Wunderknaben voll Staunen und Ehrfurcht an. Dann wechselten die Haushälterin und der Dienstherr einen Blick des Einverständnisses und sie nickte mit ihrem perückenbekleideten Kopf, als wollte sie sagen: Was für einen herrlichen Fund hat der Himmel Dir beschert! „Der Allerhöchste hat Euch gesegnet!" sagte sie flüsternd. „Möge es ihm gegönnt sein, ein langes Leben mit uns zu verbringen", gab Asriel hochaufatmend zurück. „Flora weiß nicht, was für einen Schatz der Himmel ihr beschert hat", sagte Tamara. „Sie wird es später erkennen", sagte Asriel in bestimmtem Ton. (Fortsetzung folgt.) Bei Maskir des Jaum Kippur in diesem Jahre wird in allen Gotteshäusern der Wiener israelitischen Kultusgemeinde das folgende Gebet für die Opfer der russischen Judenverfolgung vorgetragen: Allmächtiger, voll Erbarmen, der Du den Trauernden Trost gewährest, Schirm und Hilfe Deines Volkes, des kleinsten unter den Völkern, der Du rettest den Verfolgten aus der Gewalt seiner Feinde, gedenke an diesem heiligen Tage auf Deinem erhabenen Throne der Seelen jener Tausende der Gemeinde Israels, die in Geradheit und Herzenseinfalt hienieden wandelten und die in den jüngsten Tagen in Rußland, dem Schauplatz der blMigsten Verfolgungen, für die Heiligung Deines Namens ihr Leben hingegeben haben: Männer,Frauen und Kinder fielen in ungezählter Menge der Grausamkeitzum Opfer, durch Mord und Raub find die Häuser verwüstet und zerstört, das vergoffene Blut unserer unschuldigen Brüder schreit zum Himmel, der Jammer der verfolgten Juden dringt an Dein Ohr und Du vernimmst ihr Klagen in den Höhen, Dein Auge schaut vom Himmel auf die Tranen, die gleich Bächen herabrieseln von den eingefallenen Wangen der Bedrückten! Unsere Gemeinde sendet ihr Gebet für jene Märtyrer zu Dir empor und opfert Liebesgaben auf dem Altar der Barmherzigkeit und Menschenliebe, um das Los der Hinterbliebenen Witwen und Waisen zu lindern, die zerstörten Existenzen aufzurichten, die Hungrigen zu sättigen und die Nackten zu bekleiden. Nimm Du. o Herr, diese Opfer gnädig auf und schenke darob allen Angehörigen unserer Gemeinde ein langes und glückliches Leben, nimm sie in Deiner Versöhnung in Gnaden auf, wie den reuigen Sündern die ewige Erlösung verheißen ist. .2T2 rraoj m:nr6 -crprn ife isy> wia .crairu Fyrpn ©popi ,a,pwi’2 50 byn!0'I2P TD '2^55 niEEO jilDT Tri23 «03 .ll'y'ynni anern rernp aca: noa?? ,0-pnn y-i« 5oqri3?>pD d'eü« F|rnnQip inpinc .crpisy Dirgnrn pai a’Oji oriTQ ho b'w iÄ2i irraria V " T T TT V . TT D’pün 0'N55 'El Hp .D'PPfö’ yae?n nnxi .□'Dirn crpyis □nyicn a-nna dtit rivro o?pf p Q2.ji .Q’pnsp q’öpn rvfoi-in D'pra/jjn niypi nsrn Tny? icpusn QiT’np i>yp npisimü TncnpnbnpriE? |T T. 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