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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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|M" Nr. 89 Käufer, wenn ihm nach langer Wahl nichts gefällt, eventuell sogar Grobheiten einstecken muß, wird er doch zum mindesten kühl behandelt. Er merkt sich aber das und geht eben anderswo hin, wo ihm größere Auswahl und zuvorkommendere Behandlung geboten wird. . . . Ein förderndes Moment für den Juden ist auch die Unterstützung, die ihm von seinen Glaubensgenossen überall zuteil wird, wo es sich nicht gerade um Konkurrenten der gleichen Branche handelt. Im Judentum herrscht ein starker Zusammenhalt, jeder hilft dem anderen, so weit es geht, selbst geheime Geschäftssprachen wurden erfunden, mit den sie sich untereinander zum Zwecke besserer Gewinnerzielung verständigen. Dies geht schon aus dem Nationalstolz der Juden hervor, jeder will nur Jude sein und freut sich, eventuell einem Glaubensgenossen zu helfen! ..." Prag. Unter dem Titel „Antisemitisches von der Prager Städtischen Sparkassa" schreibt die „Bohemia": Die Prager Städtische Sparkassa, die bekanntlich demnächst ein neues Pfandbriefinstitut ins Leben zu rufen gedenkt, vermehrt — anscheinend im Zusammenhang mit dieser Neugründung — ihr Personal. Ein diesbezügliches Inserat in den tschechischen Blättern führt die für die Bewerber vorgeschriebenen Aufnahmsbedingungen an. Daß die Städtische Sparkassa nur Angehörige der tschechischen Nation in ihren Bureaus duldet, nimmt uns bei einem unter der Patronanz des Prager Stadtrates stehenden Institute nicht Wunder. Das ist bei uns so Sitte-Interessant aber ist, daß von den Anwärtern um die obenerwähnten Stellungen der Geburtsnachweis in Form eines Taufscheines gefordert wird. Als Beamte scheinen demnach die Bekenner der israelitischen Konfession der Prager Städtischen Sparkassa nicht zu Gesichte zu stehen. Ob sie auch bei der Emission ihrer neuen Pfandbriefe so feine Unterschiede machen wird? Linz. In besonders feierlicher Weise wurde Heuer das Loseb-dasebono-Fest begangen, indem am Vorabend desselben das hiesige Gotteshaus nach mehrmonatlicher Unterbrechung, innerhalb welcher dasselbe, einer durchgreifenden sehr schönen und zweckmäßigen Adaptierung unterzogen, wieder seiner idealen Bestimmung zugeiührt wurde. Nach einer vom Herrn Oberkantor Bernh. Löwensohn prächtig intonierten und vom Tempelchore und dem Organisten Herrn Kapellmeister Schantl unter der Leitung des zweiten Kantors Herrn Piskaty ergreifend vorgetragenen Weihehymne bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Moriz Friedmann die Kanzel und hielt eine tief durchdachte, an die Schöpfungsgeschichte anknüpfende und mit dem allehrwürdigen Priestersegen schließende Festrede, das sich in teilweiser veränderter Gestalt präsentierende Gotteshaus seiner hehren Bestimmung übergebend. Nachdem derselbe die Stätte der Andacht dem Schutze des Allmächtigen empfahl, wurde der Uo86Ü-1ia86tiono-Gottesdienst eingeleitet. Der geräumige Tempel, welcher im hellen Lichterglanze erstrahlte, war von Andächtigen dicht gefüllt, welche sowohl über den Tempel, als auch von dem weihevollen Gottesdienst sehr erbaut waren. Allen Faktoren, die sich um das Gelingen des Tempelumbaues, sowie um die Verherrlichung des Gottesdienstes verdient gemacht haben, insbesondere den Mitgliedern des freiwilligen Tempelchores ist der Dank der ganzen Kultusgemeinde sicher. Krakau. Wahrend seines hiesigen Aufenthaltes empfing Handelsminister Dr. Forscht auch eine Deputation der israelitischen Kultusgemeinde und informierte sich beim Präsidium über deren Verhältnisse. Herr Dr. Tilles benützte die Gelegenheit, um den Minister die Wünsche der israelitischen Kaufmannschaft vorzubringen. Insbesondere die derzeitigen Vorschriften über die Sonntagsruhe seien für die jüdische Kaufmannschaft in Galizien, welche zum weit größten Teile Samstag als Ruhetag feiert, sehr nachteilig, weil hiedurch die jüdischen Kaufleute zu noch einem Ruhetag verhalten werden; es sei daher zu wünschen, daß die Vorschriften über die Sonntagsruhe für solche Kaufleute neu geregelt werden. Der Minister bekundete großes Interesse für alle Fragen und versprach, insbesondere die Vorschriften über die Sonntagsruhe in der angeregten Richtung einer Prüfung zu unterziehen, und, soweit dies mit den großen Sette «55 Grundzügen der Sozialpolitik vereinbar, die vorgebrachten Wünsche zu berücksichtigen. — Des Ferneren wird gemeldet: Kultuspräfident Herr Tilles und der Vizepräsident Herr Doktor R. Landau hatten eine Unterredung mit dem Sektionsches im Handelsministerium Herrn Dr. Preis. Unter anderem kamen auch die russischen Judenverfolgungen zur Sprache. „Die Sache ist schrecklich!" meinte der Sektionschef. „Ja, schrecklich! Warum nehmen sich dann die Mächte der Sache nicht an? Warum konnten die Mächte Kriegsschiffe nach der Türkei entsenden, als die mazedonischen Unruhen ausbrachen?" frug Herr Tilles in erregtem Tone. „Und nach China, als es sich um die Christen handelte?!" fügte Dr. Landau hinzu. Herr Tilles bemerkte noch, daß die Judenverfolgungen in Rußland auch unserer Monarchie sehr nahe gehen müßten, denn die Unruhen könnten sich leicht auch hierher verpflanzen. Noch vor kurzer Zeit hatte man Judenschlächtereien in Kongreßpolen für unmöglich gehalten, und welche Dimensionen nehmen nun die Metzeleien in Polen an? Und auch der Handel in Oesterreich leidet sehr unter den Unruhen. Petersburg. Die Lösung der Judenfrage gehört zu den wichtigsten Problemen der russischen Krisis. Die rechtlose Lage der Juden in Rußland ist ja zur Genüge bekannt; selbst die russische Bureaukratie muß zugeben, daß die Juden in ihrer Rechtlosigkeit gar nicht anders können, als die Regierung hassen, die sie zum Protest und zur Revolution gedrängt hat. Man sieht ein, daß irgend etwas geschehen muß, um die Judensrage im Reiche zu lösen, aber man schlägt darin, wie immer, den falschen Weg ein. Es gilt auch heute noch die grausame Plehwesche Devise: „Ein Drittel der Juden soll bekehrt werden, ein Drittel soll auswandern und das letzte Drittel soll krepieren", diese Devise, die so unendlich viel Blut und Greuel über das Zarenreich gebracht hat. Es galt zuerst den dem russischen Volkscharakter recht fremden Antisemitismus möglichst breiten Volksschichten einzuimpfen, was denn auch mit Ausnahme der offen revolutionären Kreise recht gut gelungen ist. Alle die Vereinigungen der sogenannten echt russischen Leute, der Monarchisten u. s. w.. die ja heute den Trumpf in der Hand halten, find offen antisemitisch und inszenieren indirekt die Pogroms. Jetzt hat sich sogar in Petersburg ein Verein von Dienstboten zur Vergiftung und Vertilgung der Juden und Revolutionäre gebildet, die man hier in gewissen Kreisen gern mit einander verwechselt. Sehen wir von diesen pathologischen Erscheinungen ab, so bleibt doch immerhin ein genügend tiefgreifender Antisemitismus bestehen, der den Juden alle Aussicht nimmt, in absehbarer Zeit im immensen Zarenreich Frieden und volle Bürgerrechte zu erlangen. Es wäre auch eine entschiedene Utopie, wollten die Juden ihr Glück von einer siegreichen Revolution erhoffen: dieser Sieg ließe sich ohne einige Jahre furchtbarer Anarchie kaum erkämpfen; Schwarze Hundert, revolutionäre Huligans, eine rohe Soldateska würde ihnen einen Pogrom nach dem anderen veranstalten; immer würden sie Märtyrer sein. In den reaktionären Kreisen ist man von dieser Wahrheit überzeugt und glaubt, daß der in sehr breite Schichten eingedrungene Antisemitismus auch die Juden selbst vor der Gefahr, die ihnen droht, warnt und sie von der aktiven Politik zurückdrängt. Je mehr sich die ausländischen Zeitungen über die Judenmetzeleien entsetzen und sie verurteilen, desto mehr jubeln diese Kreise, denn sie wiffen, daß alle diese Artikel, die als von russischen Juden inspiriert gelten, ihre Lage nur verschlechtern können. Zur Lösung der Judenfrage sind der Regierung verschiedene Projekte zugegangen. Aus einem Geheimdokument ergibt sich, daß folgender Vorschlag am meisten Anerkennung gefunden hat und daß man die darin enthaltenen Prinzipien, die sich im Grunde nur wenig von den von Plehwe empfohlenen unterscheiden, in die Praxis umzusetzen versuchen will. Der erste Punkt dieses Vorschlages, der auch durch die von der Regierung unterstützte Partei der Narodniki (Volkspartei), verfochten wird, bezieht sich darauf, daß man den Juden auf alle Art die Auswanderung erleichtern und sie darin mit Regierungsmitteln unterstützen soll; gleichzeitig möge ein Gesetz vorbereitet werden, das alle Dr. Mocb's MlocbenscbrtN.

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