Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 652 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 39 John Retcliff führte. In diesem Roman im 1. Bande befindet sich ein Kapitel „Auf dem Judenkirchhof in Prag". Es wird dort der Verlauf eines erdichteten Sanhedrin geschildert, welches alle 100 Jahre einmal an dem Grabe des Rabbi Simeon Ben Jehuda in der Nacht stattfinden „soll". Das jetzt in Rußland in Massen verbreitete aufreizende Flugblatt enthält genau denselben blödsinnigen Text der Rede, die nach dem Roman der Großrabbiner auf dem Judenkirchhof gehalten hat. Die „Ant. Korr.", der alsbald ihre niederträchtige Fälschung nachgewiesen worden war, erklärte alsdann auch kleinlaut: „Nun, es ist einRoman. Es handelt sich aber schließlich nicht darum, „ob diese Rede auf dem Prager Judenkirchhof oder anderswo gehalten wurde, ob sie überhaupt als Rede mtt diesen Worten zum Ausdruck kam (!!): die Ideen und Bestrebungen, die darin offenbart find, haben bestanden und bestehen noch heute — das lehren tausend Tatsachen." — Nach demselben Rezept werden wahrscheinlich die russischen Spießgesellen der „Ant. Korr." jetzt verfahren, sobald fie die Fälschung nicht länger aufrecht erhalten können. Empört über diese Schändlichkeit schrieb damals ein kirchliches Blatt in Deutschland: „Man bedenke, wie entsetzlich groß die Gefahr ist, solche lügenhafte und haßdurchglühte Pamphlete in die urteilslose Menge zu werfen, und vor allem in ländliche Wahlkreise, in denen gar zu leicht alles Gedruckte für bare Münze genommen wird." Diese Gefahr ist in Rußland natürlich eine noch weit größere, wo das Volk auf einer ungleich niedrigen Kulturstufe steht und blindlings auf das Wort des Popen schwört. Wenn infolge dieses gemeinen aufreizenden Flugblattes an den bevorstehenden jüdischen Feiertagen neueJudenschlächtereien in Rußland stattfinden sollten, so tragen die indirekte Verantwortung hierfür die deutschen Antisemiten, welche die Urheberschaft dieses traurigen Machwerks für sich in Anspruch nehmen können. Vor hundert Jahren. Leseftüchte aus dem „aufrichtigen und wohlerfahrenen Schweizer Boten". 6. Jahrgang, 1809 (Aarau, Verlag Sauerländer) : S. 42. Als der Kaiser der Franzosen bei seiner Anwesenheit in Halle sich aus seiner Wohnung, auf den sogenannten großen Berlin, durch die Märker- und Galgenstraße vor das Galgentor begeben wollte, um das Schlachtfeld in Augenschein zu nehmen, so drängte sich ein Jude vorzüglich unter den Zuschauern hervor und lief dem Zuge ängstlich nach. Keiner der Anwesenden konnte die Ursache der Eile ergründen, mtt der er dem Zuge folgte. Ungewiß aber, welcher unter den übrigen Generalen eigentlich der Kaiser sei, suchte er endlich dadurch die Person desselben zu erforschen, indem er oft: Lmxerour! Lmxersur! rief. Der Kaiser, welcher durch das wiederhotte Rufen aufmerksam gemacht wurde, hielt mit dem Pferde still und sah sich um. Da brachte der Jude auf die Frage, was sein Begehren sei, sein Gesuch, sonderbar genug, mit den Worten an: „Kann ich sicher nach Halberstadt reisen?" Der Kaiser antwortete lächelnd: „Du findest überall Franzosen!" S. 364. (Seltene Toleranz.) In einem ch ri stlichen Dorfe eines Schweizer Kantons war im vergangenen Winter eine christliche Nachtschule, das heißt eine Uebung im Singen ch r i st l i ch e r Lieder an den langen Winterabenden, woran von den vielen Einwohnern, die sich Christen nannten, nur wenige teilnahmen. Im nämlichen Dorfe versammelte sich eine jüdische Gesellschaft von Alten und Jungen in beträchtlicher Anzahl, welche den Gott ihrer Väter nach ihrer Weise auf gut i s r a e l i t i s ch mtt den Psalmengesängen Davids verehrten. Und nicht nur wurden diese deutschen Hebräer in ihren fröhlichen Andachtsübungen auf keine Weise gestört, sondern es gesellten sich auch sogar einige christliche Jünglinge zu dieser Judenschar, und mit eben dem Munde, mtt welchem sie am Sonntage in der Kirche ein im Geiste ihres Religionsstifters abgefaßtes Lied sangen, stimmten sie am Abend mit ihren jüdischen Mitbürgern an: Die Heiden, Herr! sind in Dein Erbteil kommen! Da wirzu Babylon am Wasser saßen, u. a. m., daß es eine Lust zu hören war. Sie gründeten gemeinsam einen kleinen Singfonds, aus dem sie auch die Bewirtung bei gemütlichen Zusammenkünften bestritten. Dr. M. Gr. Jetzt amtierende jüdische Minister aller Länder: Aegypten: Finanzminister Baron von Manasse. — Argentinien: Justizminister Federico Pinedo. Finanzminister Norberts Pinera. — Australien: Minister des Innern: Isaak Isaaks. — Brasilien: Ackerbauminister Juan Pereira. — Canada: Kriegsminister Louis de Torres. — China: Zollminister Levi Hart. — Dänemark: Zoll- und Steuerminister: Levy. — Frankreich: Unterstaatssekretär des Innern: Herbert Samuel. — Holland: Justizminister G. van der Raalte. Marineminister T. Cohen. Minister ohne Portefeuille Tobias Asser. — Italien: Justizminister Gallo. Schatzminister Majorana (vorher der Jude Luzatti). Finanzminister Massimini. Unterrichtsminister Rava. Post- und Telegraphenminister Carlo Schanzer. — Peru: Kultusminister Dr. Holländer. — Paraguai: Minister der Landesverteidigung: Grazia dio Eslia. — Türkei: Marineminister Ibrahim Nula Pascha. — Siam: Zeremonialminister Chuang li schli. — Libenir: Präsident der Republik Akwa Regis (ein angenommener Name). Israel in Egypten. Unter diesem Titel berichtet der italienische „Popolo Romano" über interessante Ausgrabungen in Egypten. Seit einem Jahre erforscht das englische archäologische Institut die Spuren der zweimaligen Niederlassungen der Juden im Nildelta, das erste Mal zurzeit der Pharypnen, das zweite Mal unter den Ptolomäern. Die Bibel erzählt, daß die Juden für Ramses II. einen Palast erbauten, der zur Bergung seiner Schätze bestimmt war. Profeffor Petrie, der Leiter einer Ausgrabungsexpedition, glaubt jetzt diesen Palast in Tell-er-kelibeh aufgefunden zu haben; eine unter den Trümmern entdeckte Tafel weist den Namen des Schatzhüters auf. Einen grandiosen, allerdings moderneren Tempel hat Prof. Petrie in Tall-el- Aethudiyeck ausgegraben, der aber von Wichtigkeit ist, weil er eine getreue Wiedergabe des Salomonischen Tempels ist. Als die Juden von Antiochus Epiphanus verfolgt wurden, gestattete ihnen Ptolomäus, sich in Egypten niederzulaffen. Flavius berichtet, daß die zerstreut lebenden Juden, in dem Bedürfnis, sich einen religiösen Mittelpunkt zu schaffen, auf den Ruinen der alten egyptischen Stadt Bubasta einen Tempel erbauten, der, was Dimensionen und äußere Erscheinungen anbetraf, ein getreues Abbild des Salomonischen war. Diese Beschreibung des Flavius und die Maße stimmen nun mit dem in Tall-el- Jethudiyeck aufgefundenen Bauwerk überein. Ei« Achtundvierziger. In der interessanten Schrift „Erinnerungen aus meinem Leben", von Coroin, Leipzig 1880, befindet sich eine Stelle, die für uns von besonderem Interesse ist. Otto von Corvin wurde am 12. Oktober 1812 als Sohn eines früheren preußischen Offiziers und späteren Postdirektors in Gumbinnen geboren. Zur Offizierslaufbahn bestimmt, fühlte sich Otto von Corvin im Sturmjahre 1848 veranlaßt, sich auf die Seite der Volksarmee zu schlagen, und wurde schließlich Kommandant der Festung Rastatt, deren Kapitulation am 23. Juli 1849 erfolgte. Daraufhin in ein kriegsgerichtliches Verfahren verwickelt, nahm er den Advokaten Kusel zu Bruchsal zum Verteidiger. lieber seinen Anwalt spricht sich Corvin in seinen Erinnerungen aus: „Kusel sprach ganz ausgezeichnet, und der Eindruck, den seine Rede hervorbrachte, war ein sehr günstiger". Trotzdem wurde Corvin