Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 38 (21.9.1906)
- Date
- 1906-09-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021695--15753-3040536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 644 Nr. 38 -sm&s&sBä&saE&as&msasBggsBSSBSsssaz Dr. Llocb's Mocdenscvrttr. schilderte in einer gehaltvollen Trauerrede das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen, die kantorale Funktion besorgte Kantor D.Mich alovsky in erhebender Weise. Namhafte Stiftungen, darunter 24.000 Kronen für Studentenstipendien und Brautausstattung, 10.000 K. für das Hospital in Karlsbad und noch andere bat der Verstorbene im Vereine mft seinem Bruder Herrn Simon Skrainka bereits vor Jahren errichtet. Sein Andenken wird in der hiesigen Gemeinde für ewige Zeiten fortleben. Trebitsch. Sonntag den 9. September starb hier in seiner Wohnung nach kurzem Leiden der Rabbiner und Religionslehrer Herr Dr. Samuel Pollak, der 25 Jahre segensreich gewirtt hat. Eme Zierde seines Standes, ein nachahmungswürdiges Beispiel von Bescheidenheit und Ausdauer, hat der beliebte Seelsorger seine Familie und Gemeinde in tiefster Trauer zurückgelassen. Die Beliebtheit und die Wertschätzung, deren sich der wackere Seelenhirte hier in allen Kreisen erfteute, zeigte sich in eklatanter Weise bei seinem Leichenbegängnisse, an dem eine unübersehbare Menge Leidtragender sich beteiligte. Im schwarzdrapierten Tempel, wo die Leiche aufgebahrt war, hatten sich außer den Familienangehörigen und zahlreichen Verehrern und Schülern eingefunden: die Vertretung der Kultusgemeinde mit ihrem Präses Herrn Josef Taussig, die Vertretung der politischen Jsraelitengemeinde mit ihrem Bürgermeister Herrn Adolf Subak, Vertreter der Stadtgemeinde Trebitsch und Unterkloster, Vertreter aller staatlichen und Privatbehörden, Vertreter der Geistlichkeit anderer Konfessionen, Abordnungen vieler Kultusgemeinden und Vereine, sowie die Schuljugend mit ihrem Lehrkörper. Die Trauerfeier begann mit einem von Oberkantor Herrn Moritz Fuchs vorgetragenen Psalm. Namens des löblichen Kultusausschuffes und der demselben unterstehenden Institutionen würdigte Herr Dr. Hermann Weißen st ein in schönen Worten die Verdienste des Verewigten. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. L ö w y au? Brünn eine formvollendete Trauerrede. Nach Absingung des Leborvissi und eines Trauerchores durch den deutschen Männergesangverein wurde der Sarg von Mitgliedern des Kultusausschuffes und heiliger Vereine auf den Wagen gehoben. Unaufgefordert schlossen sämtliche Kaufleute ihre Läden in den Gassen, durch die der Trauerzug sich bewegte. Beim zweiten Tempel hielt der Trauerzug und es wurde bei geöffneten Toren ein Psalm vorgetragen. In der Zeremonienhalle, erbaut unter der Aegide des teuren Verewigten, hielt nach Absingung des Hazur-tomim, Herr Dr. Stern, Rabbiner aus Triesch, eine mit warmer Empfindung vorgetragene Leichenrede. Die hierauf von Fräulein Hedwig T r i e s ch e r, einer Schülerin des Dahingeschiedenen, gesprochenen Dankesworte rührten alle Zuhörer. Am offenen Grabe sprach Lehrer Jak. K o r a t e k im Namen der Religionslehrer und Schüler in kurzen gefühlvollen Worten. Mit einen vom Rabbiner Herrn Dr. Stern verrichteten Gebete und einem Trauerchore schloß die imposante Trauerfeier. J. K. Teplitz. (Rabbiner Heinrich Galandauer gestorben.) Die israelitische Kultusgemeinde Soborten und mit ihr alle böhmischen Juden trauern an der Bahre eines nur allzu früh Heimgegangenen Mannes, welcher seit 22 Jahren in aufopferndster Weise in genannter Gemeinde — die ihm, einem gebürtigen Ungar, zur zweiten Heimat wurde — als Seelsorger wirkte. Ein tückischer Zufall wollte es, daß Herr Rabbiner Galandauer am Samstag mit seiner Gemahlin, die ihm an Wohltätigkeit und Herzensgüte nicht nachstand, das Fest der silbernen Hochzeit unter großen Ovationen beging. In dem Augenblick. als bei dem nunmehr Verstorbenen eine Deputation der Kultusrepräsentanz erschien und ihrem verehrten Seelsorger die Glückwünsche darbrachte, sank der Rabbiner leblos zur Erde — ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende gemacht Die Kultusgemeinde gab ihren Schmerz über das Ableben in einer eigenen Parte kund. Rabbiner Galandauer, welcher im 63. Lebensjahre stand und mit seiner Gemahlin in selt'N harmonischer Ehe lebte, war ein gewiegter Talmudist; er studierte in den Jugendjahren an dem Preßburger Seminar und war auch schriftstellerisch in hervorragender Weise tätig; so erregte damals seine Schrift „Sozialismus in Talmud und Bibel" berechtigtes Aufsehen. Galandauer hat im Vereine mit dem Kultusvorstande, an deffen Spitze die langjährig erprobten Herren Karl Weinfeld und Fabrikant Adolf Bloch stehen, die Renovierung des altchrwürdigen Gotteshauses und des Friedhofes veranlaßt; er hat wiederum im Vereine mit dem trefflichen Kantor Adolf Nuß bäum die Hebung des Gottesdienstes durch Einführung des Tempelchores, der Orgel usw. durchgesetzt. Durch das Leichenbegängnis kam so recht die Beliebtheit des Seelsorgers zum Ausdruck. Der Sarg war im israelitischen Tempel aufgebahrt; hier hatten sich Hunderte Trauergäste eingefunden. Unter denselben bemerkten wir Herrn Bezirkshauptmann Gräf, Herrn Bezirksschulinspektor Wenisch, Deputationen der Kultusgemeinden Teplitz, Aussig, Dux usw. Von Teplitz waren die Herren Rabbiner Professor Dr. Kurrein, Vorsteher Steinwald, Dr. Hahn, Julius Hahn, Hermann Bloch usw. anwesend. Nach dem üblichen, exakt mit schöner Stimme vorqetragenen Trauergesang durch Herrn Kantor Nußbaum hielt Herr Rabbiner Dr. Stern (Saaz) namens des Rabbinerverbandes Böhmens einen tiefempfundenen Nachruf; sodann wurde der Sarg von dem Vorstande der Gemeinde in den Leichenwagen gehoben. Am offenen Grabe sprach namens der Soborteuer Kulturgemeinde Herr Dr. Freisinger (Turn) die letzten Abschiedsworte. Neben der Deputation des Veteranenvereines waren auch die Schulkinder ausgerückt, ferner der Lehrkörper von Teplitz, Karbitz, Turn, wo der Verstorbene auch das Amt eines Religionslehrers innehatte. Um das Arrangement der Leichenfeier haben sich die Herren Vorsteher Karl Weinfeld und Fabrikant Adolf Bloch sehr verdient gemacht. Teplitz. (Goldene Hochzeit.) Am Neujahrstag begeht der Chef der bestbekannteu Posamentenfabrik in Soborten M. Blochs Söhne das goldene Ehejubiläum mit seiner Gattin, geborne Kantor. Herr Moses Bloch genießt den Ruf eines selten braven Mannes, er bekleidete in früheren Jahren das Amt eines Kultnsvorstandes, eines I. Gemeinderates usw. Moses Bloch lebt mit stiner Gemahlin in bester, harmonischer Weise und sein von ihm gegründetes Posamentenunternehmen gehört zu den ersten Etablissements. Beide Jubilare sind geistig und körperlich frisch und rüstig. Komotau. Freitag den 14. September fand im israelitischen Tempel zu Komotau die feierliche Amtseinführung unseres neugewählten Rabbiners Herrn Dr. Emil Krakauer statt. In der Vorhalle des Tempels erwartete der Gesamtvorstand den neuen Seelsorger und der Kultusvorsteher Herr Ludwig Konirsch begrüßte den Rabbiner in herzlichen Worten. Beim Eintritte in das festlich beleuchtete, herrlich geschmückte Gotteshaus begrüßte ein Boruch-habo den einziehenden Rabbiner. Nach dem vom ebenfalls neuengagierten Oberkantor Herrn Max Groß vortrefflich zum Vortrage gebrachten Na-Iauwu und Sabbat-Liede bestieg Herr Dr. Krakauer die Kanzel, um in formvollendeter, zündender Rede sein Programm zu entwickeln. Hierauf wurde das Abendgebet verrichtet und mit einem Schlußgesang endete die schöne Feier. Jaslo. Einen Freuden- und Festtag begingen heute in solenner Weise die jüdischen Einwohner unserer Stadt aus Anlaß der Eröffnung und Einweihung der vor zwei Jahren in Angriff genommenen und heute vollendeten prachtvollen großen Synagoge. Unsere von zirka 400 jüdischen Familien bewohnte Stadt entbehrte bis jetzt eine hier wohl unumgänglich nötige Synagoge, deren Bau doch infolge ungenügender Geldmittel nicht unternommen werden konnte. Dank der energischen, rastlosen Tätigkeit einiger Herren aus der Mitte des Kultusvorstandes, speziell der achtbaren Herren Wolf Zimet, Kultuspräsident, Leib Werner, Abraham Mayer Ohrenstein und Man Einziger gelangte nun der Bau zur Ausführung. Er kostet ungefähr 200.000 Kronen. Beim Bauanfang stand dem Kultusvorstande nur der minimale Betrag von circa 10.000 Kronen zur Verfügung und dieser Umstand allein genügte schon, um die Tätigkeit des Vorstandes würdigen zu können beim Anblick eines solchen Riesengebäudes, das mit allen modernsten Bauarten und Bequemlichkeiten der Neuzeit ausgeschmückt ist. Hiezu hatte noch der Kultusvorstand anfangs große Schwierigkeiten von Seite einer oppositionellen Partei zu überwinden. Es ist nun ein erhebendes Vergnügen, die schöne Malerei, die verzierte Bundeslade und die prachtvollen Hängeleuchter mit dem elektrischen Lichte, bestehend aus zwei großen Bogenlampen und zirka 200 Flammen, anzuschauen. Bei der Einweihungsfeier versammelte sich Groß und Klein im großen Beth Hamidrasch und vor demselben. Um 12 Uhr nahm man sämtliche Thorarollen heraus, die man unter einem prächtigen Baldachin unter Chorbegleitnng nach der nahe gelegenen neuen Synagoge überführte. In der Synagoge angelangt, sang der Kantor einige zu diesem Anlasse passende Psalmen, worauf das Kaisergebet verrichtet wurde. Hernach bestieg unser ehrwürdiger Herr Rabbiner die Kanzel, schilderte die hohe Bedeutung des heutigen Einweihungstages und zu Ende sprach er einen Segensspruch. Für Freitag abends wurden die Spitzen der städtischen und politischen Behörden, wie auch viele Beamte zum Anhören des ersten Gebetes eingeladen, wo auch nach Mincha wiederum vom Kantor, von einem Chor begleitet, das Kaisergebet gesungen wurde. Oeffentlicher Dank gebührt dem achtbaren Präsidenten der Kultnsgemeinde Herrn Wolf Zimet, den geehrten Herren Leib Werner, Abraham Mayer Ohrenstein, Man Einziger und Leib Emmer für die rastlose, aufopfernde Tätigkeit während des Synagogenbaues; nicht minder dem kaiserl. Rat B. Steinhaus. Simon Grün. Budapest. (Die Bibliothek eines Rabbiners ist unpfändbar.) Gegen einen ungarischen Bezirksrabbiner wurde vor einiger Zeit auf Grund eines rechtskräftigen Urteils die Pfändung geführt. Unter anderem wurde auch die Bibliothek des Rabbiners mit dem Pfändungssiegel belegt. Auf einen Rekurs des Rabbiners gegen die letztgenannte Verfügung entschied nun die Fünfkirchener königl. Tafel, daß die Bibliothek eines Rabbiners zn dessen Berufstätigkeit unerläßlich und daher nicht pfändbar ist. Die Gerichtssperre über die Bibliothek wurde daher aufgehoben. Tod des Professors Dr. Hermann Cohn. Wie aus Breslau gemeldet wird, ist dort der berühmte Professor der Augenheilkunde, Geheimer Medizinalrat Doktor Hermann Cohn, gestorben. Hermann Cohn war am 4. Juni 1838 in Breslau geboren worden, widmete sich in Breslau und Heidelberg dem Studium der Naturwissenschaften, promovierte 1860