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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-21 · 38 (21.9.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
38 (21.9.1906)
Date
1906-09-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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i ci "^emsMamsi dir. 38 Vermischtes. Wien. In Anwesenheit überaus zahlreicher Bekannten und Freunde fand Sonntag im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Siddy Schostal, Pflegetochter des Herrn Anton Loew, mit Herrn' Hugo Weiner statt. Die feierliche Zeremonie, durch Oberkantor Guttmann eingeleitet, erreichte den Höhepunkt in der trefflich durchdachten Ansprache des Rabbiners Herrn Dr. S ch m i e d l. Dem Brautpaare kamen von Nah und Fern herzliche Glückwünsche zu. Wien. (Leichenbegängnis.) Am 18. d. M. fand am Zentralfriedhof das Begräbnis des am 16. in Baden in seiner Villa verstorbenen Privatiers u. Realitätenbesitzers S. L. Fleisch mann statt. Der Verblichene erfrente sich nicht nur in Geschäftskreisen eines vorzüglichen Rufes, er wurde auch allgemein und ausnahmslos von jedermann, der mit ihm in Berührung kam, ob seines lauteren Charakters und seiner steten Wohltaten aufrichtig verehrt. Geboren 1837 zu Zerdahely (Ungarn) lernte er frühzeitig die Bitternisse des Lebens kennen, indem er schon in seinem 12. Jahre das Elternhaus verlassen mußte, um in ein Manufakturgeschäft zu Preßburg einzutreten. Mit 25 Jahren fühlte er sich bereits so gefestigt und erfahren, daß er sich selbständig zu machen beschloß, und so übersiedlte er nach Wien, allwo er aus den bescheidensten Anfängen Dank seines astlosen Eifers bald ein sehr gutgehendes Geschäft (Zugehör für Modistinnen und Schneider) eingerichtet hatte, welches sich sodann zu einem sehr bedeutenden Engros-Geschäft ausgestaltete. Er war einer der Ersten, der am Wiener Platze mit weitausschauendem Blick die Wichtigkeit von Paris als Einkaufsquelle erkannte und er fuhr somit alle Jahre ein- oder zweimal nach Frankreich, um zu Hause tonangebend in den Seiden- und Sammtbändern zu werden, welche stets von den ersten Firmen »Die Galimberti, Stadler u. a. von ihm bezogen wurden. Mit 35 Jahren gründete er sich seinen eigenen häuslichen Herd, indem er eine ihm an Herzensbildung und Geist ebenbürtige Dame freite, welche ihm 34 Jahre lang werktätig zur Seite stand, in seltener Eintracht sein Leben verschönend. Bei aller Selbstenthaltung und Sparsamkeit gegen sich selbst hatte dieser vortreffliche Mann doch stets eine offene Hand für alle Hilfsbedürftigen, namentlich sorgte er in geradezu aufopfernder Weise für seine nächsten Verwandten, allein auch seine Heimatsgemeinde verdankt ihm zahlreiche und außerordentliche Wohltaten. Er setzte die Krone seiner llneigennützigkeit auf, als er nach 30jähriger ununterbrochener emsigster Tätigkeit sich ins Privatleben zurückzog und — da seine Ehe kinderlos geblieben — sein blühendes Geschäft seinen treuen drei Mitarbeitern unter den denkbar günstigsten Bedingungen überließ. Selbstverständlich blieben auch ihm herbe Schicksalsprüfungen nicht erspart, der schwersten eine war wohl die vor Jahren erfolgte Erkrankung seiner Frau, in der sich sein goldenes Herz voll und ganz bewährte, indem er sich durch mehr als 1'/, Jahre der treuesten und aufopferndsten Krankenpflege hingab, alle persönlichen Bedürfnisse und Wünsche bei Seite setzend. Seinem treuen Charakter entsprechend, erwies er sich stets als überzeugter Anhänger des Judentums, und daher bereiteten ihm die rohen Schmähungen und Verfolgungen seiner Religion seitens der gegenwärtig herrschenden Kreise tiefen Kummer, der sich durch die furchtbaren Ereignisse in Rußland geradezu zu einem schweren Leiden steigerte. Seit einem Jahre ernstlich erkrankt, erlöste ihn der Tod von einem langwierigen und qualvollen Siechtum — Ehre feiner Asche! Dem Leichenbegängnisse wohnten zahllose Freunde und Bekannte an. Hatten sie doch Alle Gelegenheit bekommen, seine biedere und aufrichtige Art zu schätzen und Wohltaten durch ihn zu enipfangen. Spenden für die Opfer der Jndenmafsakres in Rußland. Die „I s r a e l i t i s ch e A ll i a n z z u W i e n" erhielt weiters folgende Spenden: Wien: Nanette Mauthner X 100.—, Therese Pappenh e i in (für die Waisen) X 25.—, Dr. Leopold Drucker (als Kranzablösungsspende für weil. Dr. A. Wilhelm) X 20.—, H. I. K 20.—, E. W. (für Waisen) X 15.-, Rosa Färber X10.—, C. M. X10.-, Agnes Weisl X 10.--, Amalie Deutsch X 6.—. Friede!: Karloff X 50.—. Hartmaniß: E. P. X 20.— (eingeleiteteSammlung). Loschitz: Lilli Hirsch X 8.—. Mähr.-Ostrau; Ad. Hajek (für Siedlce) X10.—. Marienbad: durch Herrn Dr. S. PragerX 12.—, hiezu die bereits ausgewiesenen X 6624.81, zusammen bis 18. September X 6940.81. Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", 1., Weihburggaffe 10. zwischen 9 und 1 llhr vormittags oder mit Postsparkassenkonto 8152. Jglan. (Auszeichnung.) Der Statthalter von Mähren hat den hiesigen Bolksschullehrern Salomon Spielmann und Simon S t i a s n y die Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste zuerkannt, welche ihnen Freitag den 14. d. M. durch den Herrn Bürgermeister Vinzenz I n d e r k a überreicht wurde. Seite 643 Kojetein. Samstag den 15. September trat unser neuer Rabbiner Dr. David R u d o l f e r sein Amt in unserer Gemeinde an. Zuvor wurde er im Tempel im Aufträge des Vorstandes im Namen der Gemeinde von Herrn Moriz Löwenthal, dem Borstandsmitgliede der Chewra-Kadischa, begrüßt, worauf der Vater des Herrn Dr. R u d o l f e r, Rabbiner in Hotzenplotz, einige dem feierlichen Anlaffe entsprechende herzliche Worte an die Gemeinde und den neuen Rabbiner richtete. Die Antrittsrede des Letzteren fand bei allen Mitgliedern einstimmige Anerkennung und erweckte die schönsten Hoffnungen, daß die Wirksamkeit des Dr. Rudolfer sich segensreich gestalten werde. Olmütz. (Grabdenkmals-Enthüllung.) Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe fand dieser Tage, uachmittags 3 Uhr, die feierliche Enthüllung der von der israelitischen Kultusgemeinde und dem FZM. Kober-Veteranenverein errichteten Grabdenkmales für den im heurigen Jahre verstorbenen Radetzky-Veteranen und Tabaktrafikanten Herrn Moriz Platschet statt. Der Feier, welche sich sehr würdig gestaltete, wohnten eine Offiziersdeputation des Infanterie- Regimentes Nr. 3, in welchem Regiments der Verstorbene gedient hatte, die Herren Josef Loew und Ignaz Zweig namens der israelitischen Kultusgemeinde, der in evrxvrs mit Fahne und Musik ausgerückte FZM. Kober Militär-Veteranen- und Reservistenverein, Abordnungen des ersten Militär-Veteranenvereines und des nichtnniformierten Kriegervereines, die Familienangehörigen des Verblichenen und ein sehr zahlreiches Publikum bn. Ein von einem Quintette unter Leitung und Mitwirkung des Herrn Oberkantors Schlesinger gesungener erhebender Trauerchor leitete die Feier ein, worauf Herr Rabbiner Dr. Oppenheim eine von patriotischem Geiste durchwehte Ansprache an die Versammelten hielt, die in ein Hoch auf den Kaiser ausklang. während die Veteranenkapelle die Volkshymne intonierte. Hieraufwurde von der Veteranenkapelle das Lied „Gebet vor der Schlacht" intoniert. Die Veteranen nahmen sodann im Kreise Aufstellung, worauf „Zum Gebet" kommandiert wurde. Herr Bildhauer Mizera, aus dessen Atelier das in allen Teilen wohlgelungene, prächtige Denkmal hervorging, übergab sodann dasselbe in die Obhut der israelitischen Kultusgemeinde, womit die Feier beendet wurde. Der FZM. Kober Militär-Veteranen- und Reservistenoerein marschierte hierauf zum Grabe des Mitbegründers des Vereines, Herrn Olschanofski, wo ebenfalls „Zum Gebet" kommandiert wurde. Sodann defilierten die ausgerückten Vereine vor der Offiziersdeputation des 3. Infanterie-Regimentes. Unter klingendem Spiele marschierten hierauf die Vereine in die Stadt. Um die Errichtung des Denkmales hat sich außer der israelitischen Kultusgemeinde und dem FZM. Kober Veteranenverein Herr Kommandant Rupprecht, auf deffen Anregung das Denkmal errichtet wurde, ganz besonders verdient gemacht. Ten Herren Ignaz Zweig und Berthold Broch gebührt die Anerkennung für die von denselben veranstalteten Sammlungen von Geldspenden für düs Denkmal. Neurausnitz. (F e u e r w e h r f e st.) Anläßlich des Geburtsfestes des Kaisers wurde vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr in der israelitischen Gemeinde die von Sr. Majestät gestiftete Ehrenmedaille für 25jährige Dienstzeit für Feuer- und Rettungswesen an die Herren Eduard Gottlob, AdolfFuch s, Leopold Stößler, Emanuel Bauer, Emanuel Steiner, Albert L a m p l und Salomon I e l l i n e k, in feierlicher Weise in Gegenwart des Gemeindevorstandes und der Gemeindemitglieder übergeben; sämtliche gehören durch 28 Jahre dem Feuerwehrvereine in der israelitischen Gemeinde an. Nikolsburg. Am 9. September verschied in Nikolsburg die mehr als neunzigjährige Frau Fanny Koritschoner, Ehegattin des ihr lange im Tode vorausgegangenen Herrn Hermann Koritschoner, eines hochangesehenen, durch Edelmut, Frömmigkeit und Güte ausgezeichneten Vorstehers der Gemeinde. Die Entschlafene war deffen würdige Gattin gewesen. Ihre patriarchalische Gestalt flößte allseitig Hochachtung ein, die ihr auch in reichstem Maße entgegengebracht wurde. Sie war bis in das späteste Greisenalter eine tägliche, andächtige Besucherin der Synagoge. Die Ueberlieferungen einer echtjüdischen Patrizierfamilie waren in ihr verkörpert. Mit ihr wurde wieder ein Stück der altehrwürdigen, jüdischen Gemeinde zu Grabe getragen. Alle Kreise haben sich an ihrer Beerdigung beteiligt. Das Andenken der edlen Greisin, die Oberhaupt einer großen Familie war, wird in dieser, wie allenthalben ein gesegnetes sein. Holleschau. Donnerstag den 13. d. M. wurde Herr Adolf Skrainkä, Mitchef der Firma D. Skrainka und Bruder, unter großer Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung und vieler Honoratioren zu Grabe getragen. Adolf Skrainka war viele Jahre Mitglied der Kultusgemeindevertretung und erfreute sich wegen seines gediegenen Charakters, seiner Rechtlichkeit und Wohltätigkeit der allgemeinen Wertschätzung und des größten Vertrauens bei Hoch und Nieder. Dies kam in unzähligen Kondolenzen von Aristokraten und Großindustriellen zc. zum Ausdruck. Reichsgraf Rudolf von Wrba, hier, und Graf Julius Seilern, Pril-p, ließen schöne Kränze mit Widmungen auf den Sarg niederlegen. In der Leichenhalle würdigte Herr Rabbiner Dr. F r e i m a n n die hervorragenden Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde und die Wohltätigkeits-Anstalten; Herr Rabbiner Dr. E p p e n st e i n aus Briefen, ein Verwandter der Familie Skrainka, Dr. Wlocb's Mocbenscvrirr

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